Ausrüstung
Erste-Hilfe-Set Outdoor: Inhalt, Packliste & typische Bushcraft-Verletzungen
Ein gutes Erste-Hilfe-Set für Outdoor und Bushcraft deckt die Verletzungen ab, die rund ums Lager wirklich passieren – Schnitte durch Messer und Säge, Verbrennungen am Feuer, Blasen, Splitter und Zecken – und hilft dir, einen ernsten Notfall zu überbrücken, bis Hilfe kommt. Ein kompaktes Basisset wiegt rund 250 g, ein erweitertes Set für abgelegene Touren oder Gruppen 400–700 g.
Hier erfährst du, welcher Inhalt ins Erste-Hilfe-Set gehört, was bei typischen Bushcraft-Verletzungen zu tun ist und wie du eine Unterkühlung erkennst. Das sind allgemeine Informationen, kein Ersatz für eine Ausbildung: Mach einen Erste-Hilfe-Kurs. Das Set gehört auf jede Bushcraft-Packliste und ist im Ausrüstungsplaner enthalten. Weitere Ratgeber: Bushcraft-Ausrüstung.
Schritt für Schritt
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1
Basisset zusammenstellen
Pflaster, sterile Kompressen, Druckverband, Tape, Blasenpflaster, Handschuhe, Pinzette oder Zeckenkarte, Desinfektionstücher und Rettungsdecke.
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2
Trocken und griffbereit packen
In einer wasserdichten, gut erkennbaren Tasche im Deckel oder oben im Rucksack – nicht ganz unten.
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3
Persönliches ergänzen
Eigene Medikamente, ein verordnetes Notfallset bei Allergien und was Arzt oder Apotheke empfehlen.
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4
Erste-Hilfe-Kurs machen
Praktisches Training – idealerweise Outdoor-Erste-Hilfe – vermittelt, was keine Liste kann.
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5
Notruf vorbereiten
Die 112 kennen, ein geladenes Handy dabeihaben und wissen, wie du deinen Standort teilst.
Vorab: Erste Hilfe ist eine Fähigkeit, kein Gegenstand
Im Wald ist Hilfe weiter weg als in der Stadt. Ein einfacher Schnitt, der zu Hause lästig wäre, wird zum Problem, wenn du ihn nicht säubern, die Blutung nicht stoppen oder die Wunde zwei Tage lang nicht trocken halten kannst. Deshalb setzen Bushcrafter zuerst auf Vorbeugung: scharfes Werkzeug mit sicherer Technik, ein gut geführtes Feuer, passende Schuhe und wettergerechte Kleidung. Unsere Ratgeber zu Bushcraft-Messern, Äxten & Beilen und Lagerfeuer-Sicherheit zeigen die Techniken, die die meisten Verletzungen verhindern.
Erste-Hilfe-Set Outdoor: Was gehört hinein?
Das beste Set ist das, das du in- und auswendig kennst. Starte mit einem Basisset für Tagestouren und Wochenenden und erweitere es für abgelegene Gebiete, längere Touren oder wenn du Verantwortung für eine Gruppe trägst. Ein fertiges Erste-Hilfe-Set zum Wandern ist eine gute Basis – ergänze dann mehr Blasenpflaster und Tape und entferne, was du nicht anzuwenden weißt. Der Verbandkasten aus dem Auto (nach DIN 13164) ist übrigens zu schwer und für draußen nicht optimal bestückt.
| Inhalt | Basisset | Erweitertes Set | Wofür |
|---|---|---|---|
| Pflaster in verschiedenen Größen | ✓ | ✓ (mehr) | Kleine Schnitte und Schürfwunden |
| Sterile Wundkompressen | 2–3 | 5+ | Größere Wunden, Verbrennungen |
| Druckverband (Verbandpäckchen oder Trauma-Verband) | 1 | 2 | Starke Blutungen durch Messer oder Säge |
| Elastische Mullbinde | 1 | 2 | Kompressen fixieren, Verstauchungen |
| Tape / Heftpflaster | ✓ | ✓ | Verbände, Druckstellen, Schienen |
| Blasenpflaster / Polster | ✓ | ✓ (mehr) | Druckstellen und Blasen |
| Wundnahtstreifen | – | ✓ | Kleine klaffende Schnitte (wenn geschult) |
| Einmalhandschuhe | 2 Paar | 4 Paar | Schutz für dich und die Wunde |
| Desinfektionstücher oder Wundspray | ✓ | ✓ | Wundumgebung reinigen |
| Feine Pinzette + Zeckenkarte oder Zeckenzange | ✓ | ✓ | Splitter und Zecken |
| Kleine Schere oder Verbandschere | ✓ | ✓ | Tape, Verband, Kleidung schneiden |
| Rettungsdecke | 1 | 1–2 | Schock, Schutz vor Auskühlung |
| Brandwundenauflage (Hydrogel oder nicht haftend) | – | ✓ | Verbrennungen nach dem Kühlen |
| Dreiecktuch | – | ✓ | Armschlinge, improvisierte Verbände |
| Formbare Schiene (SAM-Typ) | – | ✓ | Verdacht auf Bruch, Verstauchung |
| Persönliche Medikamente, Schmerzmittel nach Rücksprache mit Apotheke/Arzt | ✓ | ✓ | Individueller Bedarf – Packungsbeilage beachten |
| Pfeife, Bleistift und Notizzettel | ✓ | ✓ | Signal geben, Zeiten und Symptome notieren |
Ein Basisset wiegt rund 250 g (der Wert im Ausrüstungsplaner). Ablaufdaten prüfen und Verbrauchtes nach jeder Tour ersetzen.
Richtig packen und wasserdicht verstauen
Verstaue das Set in einer wasserdichten, auffällig gefärbten oder deutlich markierten Tasche im Deckel oder oben im Rucksack – alle in der Gruppe sollten wissen, wo es ist. Sterile Teile zusätzlich in einen Zipbeutel packen, denn feuchte Kompressen sind nicht mehr steril. Ein kleines separates „Blasen- und Zecken-Set" in der Hüftgurttasche erspart es dir, für Kleinigkeiten alles auszupacken. Baumwolltuch und Gewebeband aus den 10 C's dienen als Reserve-Verband und zum Fixieren.
Erste-Hilfe-Set richtig organisieren
1
Auspacken und prüfenVor jeder Tour die Tasche auf einer sauberen Fläche ausleeren. Ablaufdaten, Verpackungen (eingerissene Sterilverpackungen sind nicht mehr steril) und verbrauchte, nicht ersetzte Teile prüfen.
2
Sterile Teile in den ZipbeutelKompressen, Wundauflagen und Druckverband in einen wiederverschließbaren Beutel innerhalb der Tasche packen. Eine feuchte Kompresse ist nicht mehr steril, und kaum eine Tasche ist ganz dicht.
3
Mini-Set für KleinigkeitenEin paar Pflaster, ein Stück Tape, Pinzette und Zeckenkarte kommen in die Hüftgurttasche. Die meisten Stopps gelten Druckstellen und Splittern – dafür musst du nicht das ganze Set auspacken.
4
Alle wissen, wo es istDas Set in den Deckel oder oben in den Rucksack und den Mitreisenden sagen, wo es steckt. Im Notfall muss vielleicht jemand anderes es an deinem Rucksack finden.
Was tun im Notfall? Die Rettungskette
Bei einem ernsten Zwischenfall verhindert eine klare Reihenfolge Panik und Fehler. Übe sie im Kurs – unter Stress greift man auf das zurück, was man trainiert hat.
Ablauf im Notfall
- EigenschutzErst dich selbst schützen: Feuer, herabfallende Äste, Wasser, scharfes Werkzeug.
- Verletzten prüfenAnsprechbar? Normale Atmung? Starke Blutung?
- Notruf 112Wo ist es passiert, was ist passiert, wie viele Verletzte – Rückfragen abwarten.
- Erste Hilfe leistenBlutung stillen, stabile Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung, wenn nötig.
- Wärmen und betreuenVom Boden isolieren, zudecken, beruhigen, Veränderungen beobachten.
Notruf absetzen und Standort durchgeben
Die 112 funktioniert in der gesamten EU und in Deutschland für Rettungsdienst und Feuerwehr, oft auch ohne SIM-Karte oder ohne Empfang im eigenen Netz, solange irgendein Mobilfunknetz erreichbar ist. Gib deinen Standort so genau wie möglich an: GPS-Koordinaten aus Handy oder Karte, markante Punkte, Wander- oder Forstweg. In vielen deutschen Wäldern gibt es Rettungspunkte – Schilder mit einer Kennung, über die die Leitstelle genau weiß, wohin der Rettungswagen fahren muss. Merk dir den letzten Rettungspunkt, an dem du vorbeigekommen bist. Ohne Empfang auf eine Anhöhe gehen und mit der Pfeife signalisieren: Drei Pfiffe gelten weithin als Notsignal. Hinterlege vor jeder Tour deine Route bei jemandem zu Hause – siehe Navigation mit Karte & Kompass.
Schnittwunden durch Messer und Säge: Blutung stillen
Schnitte sind die häufigste Bushcraft-Verletzung – meist an der Hand, die das Holz hält, oder am Oberschenkel, wenn zum Körper hin geschnitzt wird. Die meisten sind harmlos, manche bluten stark.
- Kleine Schnitte: mit sauberem Trinkwasser ausspülen (bei Bedarf abgekochtes oder aufbereitetes Wasser, siehe Wasser entkeimen), die Umgebung reinigen, mit Pflaster oder Kompresse abdecken.
- Stärkere Blutung: wenn möglich Handschuhe anziehen, eine sterile Kompresse fest auf die Wunde drücken und den Druck halten. Dann einen Druckverband anlegen. Blutet es durch, weitere Kompressen darüber legen und weiter drücken – die erste Lage nicht entfernen.
- Lebensbedrohliche Blutung (spritzend, starker Blutverlust, durch Druck nicht zu stoppen): sofort 112 rufen und weiter kräftig drücken. Tourniquets nur, wenn du im Umgang geschult bist – das lernst du im Kurs.
Kleine Schnittwunde reinigen und abdecken
1
Wenn möglich HandschuheHände nach Möglichkeit reinigen und Einmalhandschuhe anziehen. Sie schützen die Wunde vor Schmutz von deinen Händen und dich vor Kontakt mit Blut.
2
Wunde ausspülenSchmutz mit reichlich sauberem Trinkwasser aus dem Schnitt spülen – bei Bedarf abgekocht oder aufbereitet. Das Wasser über die Wunde laufen lassen statt darin zu reiben.
3
Rundherum reinigenDie Haut um die Wunde mit einem Desinfektionstuch reinigen, dabei von den Wundrändern weg wischen und für jeden Strich eine saubere Stelle des Tuchs nehmen. Die Anwendungshinweise beachten.
4
Abdecken und kontrollierenMit Pflaster oder steriler Wundauflage und Tape abdecken. Täglich nachsehen: Zunehmende Rötung, Wärme, Schwellung, Eiter oder rote Streifen gehören in ärztliche Hände.
Stärkere Blutung stillen
1
Fest drückenEine sterile Wundauflage (oder das sauberste Tuch, das du hast) auf die Wunde legen und kräftig mit der Hand drücken. Weiterdrücken – nicht ständig anheben, um nachzusehen.
2
Druckverband anlegenEinen Druckverband fest über die Wundauflage wickeln, damit der Druck bleibt. Er soll fest sitzen, aber Finger dahinter müssen warm und rosig bleiben.
3
Ergänzen, nicht abnehmenBlutet es durch, eine weitere Wundauflage darauflegen und erneut wickeln. Wer die erste Lage abnimmt, kann die Blutung wieder in Gang bringen.
4
Hört nicht auf? NotrufIst die Blutung stark, spritzend oder mit Druck nicht zu stoppen, sofort 112 anrufen und weiterdrücken, bis Hilfe da ist.
Verband kontrollieren – sofort und regelmäßig
- Finger oder Zehen hinter dem Verband sind warm und normal gefärbt
- Kein zunehmendes Kribbeln, Taubheit oder Pochen – sonst lockern und neu anlegen
- Die Wundauflage deckt die ganze Wunde mit sauberem Rand ab
- Kein frisches Blut dringt durch – sonst eine Lage darauf und erneut drücken
- Uhrzeit notieren, für Rettungsdienst oder Arzt
Ärztliche Hilfe brauchst du bei tiefen, klaffenden oder verschmutzten Wunden, anhaltender Blutung, Wunden im Gesicht oder über Gelenken und bei Taubheit oder eingeschränkter Beweglichkeit (Verdacht auf Nerven- oder Sehnenverletzung). Prüfe, ob dein Tetanusschutz aktuell ist – ein Blick in den Impfpass und ein Gespräch mit der Hausarztpraxis lohnen sich. Vorbeugen ist besser: vom Körper weg schnitzen, einen „Blutkreis" aus Armlänge plus Werkzeug um dich freihalten und das Messer beim Ablegen immer in die Scheide stecken.
Verbrennungen: kühlen, abdecken, Hilfe holen
Verbrennungen im Lager entstehen durch Glut, heiße Töpfe, kochendes Wasser und geschmolzene Kunstfaserkleidung. Die ersten Minuten sind entscheidend.
Erste Hilfe bei Verbrennungen
- Brand stoppen Weg von der Hitze. Brennt Kleidung: stehen bleiben, hinlegen, wälzen oder die Flammen mit einer Decke ersticken.
- Mit Wasser kühlen Die Brandwunde etwa 20 Minuten mit kühlem bis lauwarmem (nicht eiskaltem) sauberem Wasser kühlen. Kein Eis, keine Butter, kein Öl, keine Salben.
- Schmuck und lose Kleidung entfernen Ringe, Uhren und Kleidung im Bereich der Verbrennung abnehmen – außer sie kleben an der Haut.
- Locker abdecken Mit steriler, nicht haftender Kompresse, Brandwundenauflage oder sauberer Frischhaltefolie abdecken. Blasen nicht öffnen.
- Warm halten Großflächiges Kühlen kann zur Unterkühlung führen, besonders bei Kälte und bei Kindern – nur die Wunde kühlen, den übrigen Körper warm halten.
Ärztliche Hilfe brauchst du bei Verbrennungen, die größer als die Handfläche der betroffenen Person sind, bei tiefen Verbrennungen (weiße, lederartige oder verkohlte Haut), bei Verbrennungen an Gesicht, Händen, Füßen, Genitalien oder über Gelenken, bei chemischen oder elektrischen Verbrennungen und immer bei Kindern oder älteren Menschen. Im Zweifel 112. Abstand zum Feuer, ein Topfgreifer und Kleidung aus Wolle oder Baumwollmischgewebe am Feuer verhindern die meisten Verbrennungen – siehe Bushcraft-Kleidung.
Blasen und Splitter
Blasen
Blasen kündigen sich als „Hotspot" an – eine warme, reibende Stelle. Halte sofort an, zieh den Schuh aus und kleb die Stelle mit Tape oder einem Blasenpflaster ab, bevor eine Blase entsteht. Gut sitzende, eingelaufene Schuhe, Wollsocken und trockene Füße verhindern die meisten Blasen. Ist die Blase schon da, lass sie möglichst geschlossen und schütze sie mit Blasenpflaster oder Polster. Große, schmerzhafte Blasen werden manchmal am Rand mit einer sterilen Nadel geöffnet, die Haut bleibt als Schutz darauf – halte dich an das, was du im Kurs gelernt hast, und halte die Stelle sauber. Achte auf Entzündungszeichen: Zunehmende Rötung, Wärme, Schwellung, Eiter oder rote Streifen gehören in ärztliche Hände.
Blasen versorgen, Schritt für Schritt
1
Bei der Druckstelle anhaltenSobald du Reiben oder Wärme spürst, anhalten – nicht erst bei der nächsten Pause. Fünf Minuten jetzt ersparen tagelange Schmerzen.
2
Schuh aus, Haut trockenSchuh und Socke ausziehen, die Haut trocknen lassen und säubern. Auf feuchter oder verschwitzter Haut hält kein Tape.
3
Glatt abklebenTape oder Blasenpflaster mit abgerundeten Ecken glatt und faltenfrei über die Druckstelle kleben. Dann Socke und Schuh auf Falte, Naht oder Steinchen prüfen, die die Ursache waren.
4
Blase da? SchützenDie Blasendecke möglichst intakt lassen und mit Blasenpflaster oder einem Polsterring rundherum schützen, damit der Druck auf dem Polster liegt und nicht auf der Blase.
Kontrolle: Nach dem Abkleben ein paar Schritte gehen. Spürst du die Stelle noch, wirft das Tape Falten oder die Ursache ist noch da – lieber jetzt neu machen als später.
Splitter
Holzsplitter sind ständige Begleiter beim Bushcraft. Stelle reinigen, den Splitter mit einer feinen Pinzette hautnah greifen und in Eintrittsrichtung herausziehen. Erneut reinigen und abdecken. Tiefe Splitter, Splitter unter dem Nagel, im Auge oder an Gelenken gehören zum Arzt – und danach auf Entzündungszeichen achten.
Zecke entfernen: Borreliose und FSME
Zecken sitzen in Gras, Farn und Unterholz und werden aktiv, sobald die Temperaturen über etwa 7 °C steigen – in Deutschland meist von März bis Oktober, in milden Wintern auch länger. Sie können Krankheiten übertragen, vor allem die Lyme-Borreliose, die in ganz Deutschland vorkommt, und in bestimmten Regionen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Virusinfektion von Gehirn und Hirnhäuten.
Vorbeugen: lange Hosen in Socken oder Gamaschen stecken, helle Kleidung tragen (Zecken sind leichter zu sehen), ein gegen Zecken wirksames Mittel verwenden und jeden Abend gründlich absuchen – besonders Kniekehlen, Leisten, Achseln, Hosenbund, Haaransatz und hinter den Ohren.
Zecke richtig entfernen
- Schnell handeln Die Zecke sofort entfernen, wenn du sie findest – je länger sie saugt, desto höher das Borreliose-Risiko.
- Hautnah greifen Mit feiner Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange die Zecke so nah an der Haut wie möglich greifen, ohne den Körper zu quetschen.
- Langsam und gleichmäßig ziehen Mit gleichmäßigem Zug gerade herausziehen. Kein Öl, Kleber, Nagellack, keine Hitze und kein Alkohol auf die Zecke.
- Desinfizieren und notieren Die Stichstelle desinfizieren, Datum und Ort notieren (ein Foto hilft). Bleiben Reste der Mundwerkzeuge stecken, lösen sie sich meist von selbst; bei Entzündung zum Arzt.
- Auf Symptome achten Einige Wochen lang auf einen sich ausbreitenden roten Ring oder Fleck um die Stichstelle oder grippeähnliche Beschwerden achten – dann ärztlich abklären lassen.
Eine sich ausbreitende Rötung um den Stich, die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans), tritt oft Tage bis Wochen nach dem Stich auf und ist ein typisches Frühzeichen einer Borreliose – sie gehört ärztlich abgeklärt; früh erkannt ist Borreliose gut behandelbar. Eine allgemein verfügbare Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. FSME-Viren können dagegen schon kurz nach dem Stich übertragen werden, schnelles Entfernen schützt also nicht – aber es gibt eine Impfung. Die FSME-Risikogebiete in Deutschland weist das Robert Koch-Institut (RKI) aus; sie liegen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, außerdem in Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und in einzelnen Landkreisen weiterer Bundesländer. Die Karte wird regelmäßig aktualisiert – schau vor der Tour nach. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Menschen, die in Risikogebieten zeckenexponiert sind; sprich mit deiner Hausarztpraxis, ob sie für dich sinnvoll ist. Auch Österreich, die Schweiz, Teile Skandinaviens und Osteuropas haben FSME-Gebiete.
Unterkühlung: Warnzeichen früh erkennen
Für eine Unterkühlung braucht es keine arktischen Temperaturen. Nasse Kleidung, Wind und Erschöpfung bei 5–10 °C können reichen – Wasser leitet Wärme etwa 25-mal schneller als Luft, und Wind vervielfacht den Wärmeverlust, wie der Windchill-Rechner zeigt. Unterkühlung kommt schleichend, und die betroffene Person merkt es oft als Letzte.
| Stadium | Typische Anzeichen | Was tun |
|---|---|---|
| Leicht | Zittern, kalte blasse Haut, ungeschickte Hände, Stolpern, Nuscheln, Fummeln, schlechte Laune | Raus aus Wind und Regen, trockene Kleidung, vom Boden isolieren, Schichten ergänzen, warme gezuckerte Getränke und Essen, leichte Bewegung, wenn möglich |
| Mittel | Starkes oder nachlassendes Zittern, Verwirrtheit, verwaschene Sprache, Schläfrigkeit, Fehlentscheidungen | Notruf 112. Behutsam bewegen, flach lagern, nasse Kleidung entfernen, in Schlafsack und Rettungsdecke packen, vom Boden isolieren |
| Schwer | Zittern hört auf, stark schläfrig oder nicht ansprechbar, schwache oder kaum tastbare Atmung und Puls | Notfall – sofort 112. Sehr behutsam bewegen, isolieren, Atmung überwachen, bei fehlender normaler Atmung Wiederbelebung |
Warme, gezuckerte Getränke nur, wenn die Person voll wach ist und schlucken kann. Kein Alkohol, kein Abreiben der Gliedmaßen, kein heißes Bad.
Vorbeugen ist einfacher als behandeln: Zwiebelprinzip, nicht durchschwitzen, nasse Kleidung früh wechseln, regelmäßig essen und trinken und ein Schlafsystem, das zur Nacht passt – unser Ratgeber zum Schlafsystem und der Schlafsack-Rechner helfen dabei. Ein heißes Getränk aus abgekochtem Wasser tut auch der Moral gut. Wird jemand bei Kälte plötzlich still, ungeschickt oder gereizt, nimm das ernst.
Weitere Notfälle: Stiche, Verstauchungen, Hitze und Augen
- Insektenstiche: einen Bienenstachel seitlich herausschaben, die Stelle kühlen. Schwellungen an Gesicht, Lippen oder Hals, Atemnot, Schwindel oder großflächiger Ausschlag nach einem Stich können eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie) bedeuten – sofort 112. Allergiker tragen ihr verordnetes Notfallset und erklären den Begleitern vorher, wie es angewendet wird.
- Verstauchungen: nach der PECH-Regel – Pause, Eis bzw. Kühlen (nie direkt auf die Haut), Compression mit elastischer Binde, Hochlagern. Kannst du nicht auftreten, an einen Bruch denken und Hilfe holen.
- Hitzeerschöpfung: Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit und starkes Schwitzen bei Hitze – in den Schatten, abkühlen, trinken. Verwirrtheit oder heiße, trockene Haut können auf einen Hitzschlag hinweisen, einen medizinischen Notfall. Wie viel du trinken solltest, schätzt der Wasserbedarf-Rechner.
- Augenverletzungen: Fremdkörper wie Sägemehl oder Asche mit viel sauberem Wasser ausspülen, nicht reiben. Bei feststeckenden Fremdkörpern, Verätzungen oder anhaltenden Schmerzen ärztliche Hilfe holen.
Muss ich den Notruf wählen?
Ist die Person nicht ansprechbar, atmet sie nicht normal oder blutet sie stark?
Ja → Sofort 112 anrufen und Erste Hilfe leisten.Nein → Weiter zur nächsten Frage.Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion, einer mittleren oder schweren Unterkühlung oder einer ernsten Verbrennung?
Ja → Jetzt 112 anrufen.Nein → Weiter zur nächsten Frage.Kann die Person sicher selbst hinausgehen und ist die Verletzung unter Kontrolle?
Ja → Versorgen, beobachten und im Zweifel die Tour abbrechen; danach bei Bedarf zum Arzt.Nein → Hilfe rufen – kein zweites Opfer riskieren.
Set pflegen und Sicherheit gewinnen
Öffne dein Erste-Hilfe-Set vor jeder Tour: Verbrauchtes ersetzen, Ablaufdaten prüfen (vor allem bei sterilen Kompressen, Desinfektionstüchern und Medikamenten) und sicherstellen, dass alles trocken ist. Einmal im Jahr alles auspacken und bei jedem Teil fragen: Weiß ich, wie ich das benutze? Wenn nicht, lern es oder ersetze es durch etwas, das du anwenden kannst.
Die beste Investition steckt aber nicht in der Tasche. Ein anerkannter Erste-Hilfe-Kurs – für Bushcraft am besten ein Outdoor-Erste-Hilfe-Kurs – bringt dir bei, Verletzte einzuschätzen, Blutungen zu stillen, mit Kälte umzugehen und zu improvisieren, wenn Hilfe Stunden entfernt ist. Frisch ihn alle paar Jahre auf. Zusammen mit den sicheren Gewohnheiten aus Bushcraft für Anfänger macht das jede Tour sicherer – für dich und alle um dich herum.

| Verletzung | Erste Schritte | Ärztliche Hilfe, wenn |
|---|---|---|
| Schnitt | Fester Druck, Kompresse, Druckverband | Tief, klaffend, verschmutzt, starke Blutung, Taubheit |
| Verbrennung | Etwa 20 min mit Wasser kühlen, locker abdecken | Größer als Handfläche, tief, Gesicht/Hände/Gelenke, Kinder |
| Blase | Hotspots abkleben, Blase schützen | Entzündungszeichen |
| Zeckenstich | Schnell entfernen, desinfizieren, Datum notieren | Wanderröte oder grippeähnliche Beschwerden |
| Unterkühlung | Schutz, trockene Kleidung, isolieren, warme Getränke wenn wach | Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Zittern hört auf – 112 |
Häufige Fehler
- Ein Erste-Hilfe-Set dabeihaben, aber nie einen Kurs gemacht haben.
- Das Set ganz unten im Rucksack verstauen, wo es niemand findet.
- Sterile Teile feucht werden oder ablaufen lassen.
- Verbrennungen mit Eis, Butter oder Salben statt mit kühlem Wasser behandeln.
- Zecken mit Öl oder Kleber behandeln oder den Körper quetschen.
- Frühe Anzeichen einer Unterkühlung bei sich oder anderen ignorieren.
- Niemandem Route und Rückkehrzeit mitteilen.
Das brauchst du
- Basis-Erste-Hilfe-Set (≈ 250 g) in wasserdichter Tasche
- Druckverband und sterile Kompressen
- Blasenpflaster und Tape
- Feine Pinzette und Zeckenkarte
- Rettungsdecke
- Einmalhandschuhe
- Geladenes Handy und Pfeife