Wasser
Wasser abkochen: Wie lange, bis es trinkbar ist?
Wasser abkochen – wie lange eigentlich? Bring es 1 Minute sprudelnd zum Kochen, oberhalb von etwa 2.000 m Höhe 3 Minuten. So empfehlen es CDC und WHO, und das tötet Bakterien, Viren und Protozoen einschließlich Giardien und Kryptosporidien. Abkochen ist die zuverlässigste Methode der Wasseraufbereitung überhaupt: Es funktioniert auch bei trübem und eiskaltem Wasser, braucht keine Chemie und kann sich nicht „verbrauchen“ wie ein Filter.
Hier erfährst du, warum eine Minute reicht, wie der Siedepunkt mit der Höhe sinkt, wie viel Gas oder Holz du brauchst, in welchen Behältern du abkochen darfst und wie du abgekochtes Wasser abkühlst und lagerst. Alle weiteren Methoden findest du unter Wasser entkeimen und im Wasser-Bereich.
Schritt für Schritt
-
1
Möglichst klares Wasser holen
Schöpfe aus fließendem Wasser oder von der Oberfläche eines klaren Sees, oberhalb von Wegen und Lagern. Meide Algen und Wasser nahe Äckern oder Straßen.
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2
Trübes Wasser vorfiltern
Schlammiges Wasser absetzen lassen oder durch ein Halstuch oder einen Kaffeefilter gießen. Das entfernt Schwebstoffe, keine Keime, und spart Gas.
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3
Sprudelnd aufkochen
Mit Deckel erhitzen, bis große Blasen ununterbrochen aufsteigen und beim Umrühren nicht aufhören. Kleine Bläschen am Boden reichen nicht.
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4
1 Minute kochen (über 2.000 m: 3)
Das sprudelnde Kochen eine volle Minute halten. Oberhalb von etwa 2.000 m drei Minuten kochen lassen.
-
5
Abgedeckt abkühlen, sauber lagern
Mit Deckel abkühlen lassen und in saubere Behälter füllen. Nie mit schmutzigem Becher oder Händen ins aufbereitete Wasser greifen.
Wie lange muss man Wasser abkochen?
Die kurze Antwort: eine Minute sprudelnd kochen. Sprudelnd heißt: Große Blasen steigen ununterbrochen über die ganze Oberfläche auf – nicht nur ein paar Bläschen am Topfboden. Sobald dieser Punkt erreicht ist, beginnst du zu zählen. Oberhalb von etwa 2.000 m verlängerst du auf drei Minuten. Das entspricht der Empfehlung der US-Gesundheitsbehörde CDC und steht im Einklang mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, nach der sprudelndes Aufkochen ausreicht, um Krankheitserreger zu inaktivieren.
Zehn oder zwanzig Minuten kochen, wie es in älteren Büchern steht, ist unnötig. Längeres Kochen verschwendet Brennstoff, lässt mühsam getragenes Wasser verdampfen und konzentriert enthaltene Stoffe wie Nitrat sogar leicht auf.
Kochdauer auf einen Blick
- Unter 2.000 m
- 1 Minute sprudelnd kochen
- Über 2.000 m
- 3 Minuten sprudelnd kochen
- Trübes Wasser
- Erst absetzen lassen oder vorfiltern, dann wie oben
- Schmelzwasser
- Wie jedes Naturwasser behandeln – wie oben kochen
- Wasser für Säuglinge
- Örtliche Gesundheitsempfehlungen beachten; auf sichere Temperatur abkühlen lassen
Warum eine Minute reicht
Die meisten Krankheitserreger im Wasser sterben schon deutlich unter 100 °C. Beim Pasteurisieren von Milch genügen etwa 72 °C für 15 Sekunden oder 63 °C für 30 Minuten – dasselbe Prinzip aus Hitze und Zeit. Bis das Wasser sprudelnd kocht, hat es den tödlichen Temperaturbereich bereits durchlaufen, und die Minute bei voller Hitze sorgt für eine große Sicherheitsreserve – auch für hitzeresistentere Erreger wie das Hepatitis-A-Virus.
Bakteriensporen, etwa von Clostridien, können das Kochen überstehen, spielen als Ursache wasserbedingter Erkrankungen aber keine nennenswerte Rolle, wenn du das Wasser bald nach dem Abkochen trinkst. Was Abkochen nicht beeinflusst, sind chemische Verunreinigungen – dazu weiter unten mehr.
Was beim Erhitzen passiert
- ≈ 55–65 °CProtozoen-Zysten und viele Bakterien werden mit genug Zeit inaktiviert.
- ≈ 70–75 °CPasteurisierungsbereich: Die meisten Bakterien und Viren sterben in Sekunden bis Minuten.
- Sprudelndes KochenSichtbares, eindeutiges Zeichen, dass das Wasser überall heiß genug ist.
- +1 Min. (in der Höhe 3)Sicherheitsreserve für alle üblichen Erreger im Wasser.
Siedepunkt nach Höhe: Warum über 2.000 m drei Minuten?
Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck – und Wasser siedet bei niedrigerer Temperatur. Auf Meereshöhe kocht es bei 100 °C, auf 2.000 m bei etwa 93 °C, auf 4.000 m unter 87 °C. Niedrigere Temperatur bedeutet langsameres Abtöten der Keime, deshalb verdreifacht sich die empfohlene Kochdauer über 2.000 m. Die Werte unten stammen aus der barometrischen Höhenformel und der Antoine-Gleichung für Wasser – genau die Methode unseres Siedepunkt- und Brennstoff-Rechners, in den du deine exakte Höhe eingeben kannst.
| Höhe | Siedepunkt | Sichere Kochdauer |
|---|---|---|
| 0 m (Meereshöhe) | 100,0 °C | 1 Min. |
| 500 m | 98,3 °C | 1 Min. |
| 1.000 m | 96,7 °C | 1 Min. |
| 1.500 m | 95,0 °C | 1 Min. |
| 2.000 m | 93,4 °C | 3 Min. |
| 2.500 m | 91,7 °C | 3 Min. |
| 3.000 m | 90,0 °C | 3 Min. |
| 4.000 m | 86,7 °C | 3 Min. |
| 5.000 m | 83,3 °C | 3 Min. |
Je nach Wetterlage verschieben sich die Werte um einige Zehntelgrad. Auch Kochen dauert in der Höhe länger – Nudeln und Reis brauchen mehr Zeit und Gas.
Für die meisten Touren in Deutschland spielt die 3-Minuten-Regel keine Rolle: Über 2.000 m kommst du hierzulande nur in den Bayerischen Alpen, etwa im Wetterstein- oder Berchtesgadener Land. Im Mittelgebirge bleibt es immer bei einer Minute. In den Alpen, etwa auf Hochtouren in der Schweiz oder in Österreich, wird sie dagegen schnell relevant.
Woran erkennst du sprudelndes Kochen?
Wasser durchläuft beim Erhitzen mehrere Stadien. Zuerst bilden sich winzige Bläschen an Boden und Wand – das ist gelöste Luft, die bei etwa 60–70 °C entweicht. Dann entstehen an der heißesten Stelle größere Blasen, die vor der Oberfläche wieder zusammenfallen und ein Rauschen erzeugen („das Wasser singt“). Erst wenn große Blasen ununterbrochen an die Oberfläche steigen und auch beim Umrühren nicht aufhören, kocht es sprudelnd.
- Deckel drauf beim Erhitzen – spart viel Brennstoff. Nur kurz zum Prüfen anheben.
- Einmal umrühren: Hören die Blasen auf, kocht es noch nicht richtig.
- Zeit nehmen: Uhr benutzen oder langsam bis 60 zählen (über 2.000 m bis 180).
- Flamme zurückdrehen, sobald es sprudelt – ein sanftes, aber stetiges Sprudeln reicht und spart Gas.
Die vier Stadien bis zum sprudelnden Kochen
1
Bläschen am TopfbodenBei etwa 60–70 °C haften stecknadelkopfgroße Bläschen an Boden und Wand. Das ist entweichende Luft, noch kein Kochen – die Uhr läuft noch nicht.
2
Blasen fallen zusammen, es rauschtÜber der Flamme entstehen größere Blasen, die aber vor der Oberfläche wieder zusammenfallen. Das Rauschen („das Wasser singt“) ist das typische Zeichen – noch nicht sprudelnd.
3
Große Blasen brechen durchVom ganzen Boden steigen große Blasen auf und durchbrechen ununterbrochen die Oberfläche. Das Wasser wallt sichtbar, beim Anheben des Deckels quillt Dampf heraus.
4
Rührprobe, dann Uhr startenEinmal mit Löffel oder Stock umrühren. Sprudelt es ohne Pause weiter, startest du die Zeit: 1 Minute, oberhalb von etwa 2.000 m 3 Minuten. Hört es auf, kurz warten und erneut prüfen.
So sieht richtiges sprudelndes Kochen aus – die Kontrollpunkte
- Oberfläche: Sie bewegt sich überall, nicht nur als Blasensäule über dem Brenner.
- Geräusch: Aus dem Rauschen ist ein gleichmäßiges, tiefes Blubbern geworden.
- Dampf: Beim Anheben des Deckels kommt sofort eine dichte Dampfwolke – und sie reißt nicht ab.
- Rührprobe bestanden: Die Blasen laufen während und direkt nach dem Umrühren weiter.
- Uhr läuft: Du hast erst gezählt, nachdem alle Punkte erfüllt waren.
Mit Deckel siehst du das Wasser nicht ständig. Heb ihn kurz mit Handschuh oder Topfgreifer an und dreh das Gesicht vom Dampf weg – Wasserdampf verbrüht genauso schlimm wie das Wasser selbst.
Abkochen über dem Feuer oder auf dem Kocher
Über dem Lagerfeuer hängst du den Topf an ein Dreibein oder einen Galgen oder stellst ihn stabil auf ein Glutbett zwischen zwei Scheite. Flammen, die an der Topfwand hochzüngeln, verschwenden Energie – Glut unter dem Boden wirkt am besten. Welche Feuerart sich für den Topf eignet, zeigt unser Ratgeber Feuerarten & Aufbau, und der Feuerarten-Finder hilft bei der Wahl. Am Gaskocher ist ein Windschutz mit Luftspalt der größte Gassparer – schließe einen Kartuschenkocher aber nie komplett ein, sonst kann die Kartusche überhitzen.
Wasser über dem Lagerfeuer abkochen
1
Glut zwischen zwei Scheite schiebenLass das Feuer herunterbrennen und schieb ein Bett aus glühender Glut zwischen zwei etwa gleich dicke Scheite. Flammen brauchst du nicht – Glut gibt gleichmäßige Hitze.
2
Topf über die Scheite setzenStell den Topf so auf, dass er sicher auf beiden Scheiten aufliegt und die Glut direkt unter dem Boden sitzt, und leg den Deckel auf. Wackelt er, grab ein Scheit etwas ein, bis alles waagerecht steht.
3
Mit einem Stock abhebenSchieb einen kräftigen Stock durch den Henkel oder nimm Topfgreifer und Handschuhe. Langsam anheben, den Körper aus dem Dampf halten und den Topf abseits des Feuers auf ebenem Boden abstellen.
Wie viel Brennstoff braucht das Abkochen?
Um einen Liter Wasser von 8 °C zum Kochen zu bringen, sind rund 385 kJ Wärme nötig. Wie viel von der Energie deines Kochers im Wasser ankommt, hängt vor allem vom Wind und vom Deckel ab. Unser Rechner nutzt ein einfaches Modell: ein Kartuschenkocher mit 2,6 kW Volllast, 55 % Wirkungsgrad bei Windstille oder mit Windschutz, 40 % bei leichtem Wind, 25 % bei starkem Wind und 20 % weniger ohne Deckel. Damit kocht ein Liter bei Windstille in etwa 4–5 Minuten – wie bei einem echten Kocher. Gas liefert etwa 46 kJ pro Gramm.
Gas pro Liter abgekochtem Wasser (Start 8 °C, 1 Min. Kochen, Rechner-Modell)
Kochst du zwei Tage lang täglich 3 Liter bei leichtem Wind ab, sind das rund 135 g Gas – eine 230-g-Kartusche mit Reserve. Beim Schneeschmelzen verdoppelt sich der Bedarf etwa, weil das Eis erst geschmolzen werden muss (siehe Wasser aus Schnee). Über offenem Feuer ist der Wirkungsgrad sehr gering – der Rechner nimmt etwa 6 % an, also grob 0,4–0,5 kg trockenes Holz pro Liter. Wie viel Holz du sammeln musst, zeigt der Brennholz-Rechner, die Grundlagen stehen in Feuer machen.
Kocher vs. Lagerfeuer zum Abkochen
Gas- oder Spirituskocher
- Schnell, regelbar, funktioniert auch bei Regen
- Planbarer Verbrauch (≈ 17–35 g Gas/L)
- Oft erlaubt, wo offenes Feuer verboten ist
- Kartuschen schwächeln unter etwa 0 °C – warm halten
Lagerfeuer
- Kostenloser Brennstoff, wo Holz reichlich und erlaubt ist
- Geringer Wirkungsgrad (≈ 0,4–0,5 kg Holz/L)
- Verrußt Töpfe, braucht Zeit und trockenes Holz
- Im Wald meist verboten – Landesrecht und Waldbrandgefahrenindex beachten
Worin kann man Wasser abkochen?
Du brauchst einen Behälter, der direkte Hitze verträgt – das schließt mehr Ausrüstung aus, als man denkt.
| Behälter | Abkochbar? | Hinweise |
|---|---|---|
| Edelstahltopf | Ja | Robust, günstig, schwerer; ideal über dem Feuer |
| Titantopf oder -becher | Ja | Sehr leicht, heizt schnell; Hotspots, Essen brennt leicht an |
| Hartanodisierter Alutopf | Ja | Leicht, gute Wärmeverteilung; Beschichtung nicht zerkratzen |
| Einwandige Edelstahlflasche | Ja (ohne Deckel!) | Direkt ins Feuer stellen; nie mit geschlossenem Deckel erhitzen |
| Doppelwandige Isolierflasche | NEIN | Eingeschlossene Luft kann die Flasche sprengen – nie erhitzen |
| Kunststoffflasche (PET, Tritan, HDPE) | Nein (direkte Hitze) | Darf abgekochtes Wasser aufnehmen, wenn es unter die zulässige Temperatur abgekühlt ist |
| Beschichtete Aluflasche | Nein | Die Innenbeschichtung kann durch Hitze beschädigt werden |
Hast du keinen Metallbehälter, bleibt eine Urmethode: Kochen mit heißen Steinen. Faustgroße, trockene, nicht poröse Steine im Feuer erhitzen (nie Steine aus dem Bach oder vom nassen Boden – eingeschlossenes Wasser kann sie platzen lassen) und in Wasser in einem Rindengefäß, einer Holzschale oder einer mit Plane ausgelegten Grube geben. Es funktioniert, ist aber langsam, und Asche gelangt ins Wasser. Materialien vergleicht unser Ratgeber Wasserbehälter, und unter Kochgeschirr erfährst du, welche Töpfe sich fürs Kochen und Abkochen zugleich eignen.
Was Abkochen nicht kann
Abkochen tötet Keime, entfernt aber keine Chemikalien, Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle, Salz, Treibstoffreste oder Gifte von Blaualgen (Cyanobakterien). Manche davon konzentrieren sich beim Verdampfen sogar auf. Wasser nahe Bergbau, Industrie, intensiver Landwirtschaft oder Straßen kann auf eine Weise belastet sein, gegen die Hitze nichts ausrichtet – der einzige echte Schutz ist, eine bessere Quelle zu wählen. Auch gegen Trübung hilft Abkochen nicht: Der Schlamm bleibt im Topf. Also erst absetzen lassen oder vorfiltern, zum Beispiel mit einem improvisierten Sedimentfilter.
Außerdem wirkt Abkochen nicht nach. Ist das Wasser abgekühlt, kann es durch eine schmutzige Flasche, einen Becher oder eine Hand sofort wieder verunreinigt werden. Die Lagerung ist deshalb genauso wichtig wie das Kochen selbst.
Mythen rund ums Wasser abkochen
- „Man muss zehn Minuten kochen.“ Nein. Unter 2.000 m reicht eine Minute sprudelnd, darüber drei. Längeres Kochen kostet nur Gas und Wasser.
- „Was zu heiß zum Anfassen ist, ist sicher.“ Nicht verlässlich. Ohne Thermometer und gemessene Haltezeit weißt du nicht, ob es überall im Topf heiß genug war. Das sprudelnde Kochen ist dein sichtbarer Beweis.
- „Abkochen macht jedes Wasser trinkbar.“ Nur was Keime betrifft. Salz, Treibstoff, Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel und Algengifte bleiben drin.
- „Klares Bergwasser muss man nicht abkochen.“ Giardien, Kryptosporidien und Bakterien sind unsichtbar, und klares Wasser kann viele davon von Tieren oder Menschen weiter oben enthalten.
- „In der Höhe wird Wasser nie sicher, weil es kühler kocht.“ Falsch – es dauert nur länger. Genau dafür gibt es die Drei-Minuten-Regel.
- „Abgekocht ist abgekocht, Lagerung egal.“ Abkochen wirkt nicht nach. Ein schmutziger Becher oder eine ungewaschene Hand verunreinigen das Wasser sofort wieder.
Abkochen ist auch die Referenzmethode für besondere Situationen: Wasser für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Wasser in Regionen mit schlechter Abwasserentsorgung und Wasser nach Hochwasser – sofern die Quelle nicht chemisch belastet ist. Dann besonders sorgfältig vorfiltern und die Kochzeit nie verkürzen. Bei einer behördlichen Abkochanordnung für Leitungswasser gelten die Vorgaben des örtlichen Gesundheitsamts.
Abkühlen, lagern und Geschmack verbessern
Lass abgekochtes Wasser im abgedeckten Topf abkühlen oder fülle es in saubere, hitzebeständige Flaschen. Schneller geht es, wenn du den Topf in einen kalten Bach stellst (ohne dass Bachwasser hineinschwappt) oder im Winter in den Schnee. „Kühle“ abgekochtes Wasser nie durch Zugießen von unbehandeltem Wasser – damit ist die Aufbereitung hinfällig.
Abgekochtes Wasser schmeckt oft fad, weil beim Erhitzen gelöste Luft entweicht. Gieße es ein paar Mal zwischen zwei sauberen Behältern hin und her oder schüttle eine halb volle Flasche. Eine Prise Salz, ein Teebeutel oder Getränkepulver helfen ebenfalls. In sauberen, geschlossenen Behältern bleibt aufbereitetes Wasser einen Tag oder länger sicher; bei längerer Lagerung auf saubere Behälter achten und im Schatten aufbewahren.
Ein Trick fürs Lager: Koche abends das Wasser für den nächsten Tag ab, fülle es heiß in eine einwandige Stahlflasche oder eine dafür geeignete hitzebeständige Flasche und nimm sie als Wärmflasche mit in den Schlafsack. Am Morgen ist das Wasser trinkbar abgekühlt – und die Flasche ist nicht eingefroren.
Vom heißen Topf in die saubere Flasche
1
Mit Deckel abkühlenLass den Deckel beim Abkühlen drauf, damit nichts hineinfällt oder -tropft. Stell den Topf auf ebenen, festen Boden, wo niemand darüber stolpert.
2
Von außen schneller kühlenStell den abgedeckten Topf in Schnee oder in einen flachen, kalten Bach. Der Rand muss deutlich über dem umgebenden Wasser bleiben, damit kein Rohwasser hineinschwappt.
3
In eine saubere, markierte FlascheGieß direkt in eine Flasche, die nur für aufbereitetes Wasser da ist. Tauch die Flasche nicht in den Topf – ihre Außenseite war vielleicht im Bach.
4
Für den Geschmack belüftenAbgekochtes Wasser schmeckt fad, weil die Luft fehlt. Gieß es ein paar Mal zwischen zwei sauberen Gefäßen hin und her oder schüttle eine halb volle Flasche.
Abkochen oder eine andere Methode?
Hast du Brennstoff oder ein Feuer (und ist Feuer erlaubt)?
Ja → Abkochen ist die zuverlässigste Wahl, besonders bei trübem oder kaltem Wasser.Nein → Einen Wasserfilter plus Chlordioxid verwenden, bei klarem Wasser auch UV.Kochst du sowieso?
Ja → Trinkwasser gleich mit abkochen – kein Zusatzaufwand.Nein → Für schnelles Nachfüllen unterwegs lieber filtern.Ist chemische Belastung möglich?
Ja → Abkochen hilft nicht – andere Quelle suchen.Nein → 1 Minute kochen (über 2.000 m 3) und sauber lagern.
Wenn das Abkochen nicht klappt: Probleme und Lösungen
Die meisten Probleme beim Abkochen draußen sind Wärme, die auf dem Weg zum Topf verloren geht. Geh vom Symptom aus, bevor du den Kocher verdächtigst.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Wasser kommt nie ins Sprudeln | Wind, kein Deckel, schwache Flamme, kalte Kartusche | Windschutz mit Luftspalt, Deckel drauf, Kartusche in der Jacke vorwärmen, kleinere Mengen kochen |
| Dauert viel länger als sonst | Höhe, eiskaltes Ausgangswasser, große Menge | Teilweise normal – Gas mit dem Rechner planen und nur so viel kochen, wie du brauchst |
| Topf spritzt oder kocht über | Flamme nach dem Aufkochen zu hoch | Flamme zurückdrehen: sanftes, aber stetiges Sprudeln reicht |
| Rauchiger oder aschiger Geschmack | Offener Topf über Flammen und Rauch | Deckel drauf, über Glut kochen, Asche absetzen lassen und vorsichtig abgießen |
| Nach dem Kochen noch trüb | Schwebstoffe – Hitze entfernt keine Partikel | Keimfrei, aber beim nächsten Mal absetzen lassen oder vorfiltern – für Geschmack und saubere Töpfe |
| Topf wackelt auf dem Feuer | Ungleiche Scheite oder Steine | Auflage ausrichten, bevor du den Topf füllst; einen vollen Topf nie auf einem Punkt balancieren |
Übung: Kenne deine eigenen Werte
Koch zu Hause oder auf einer Tagestour genau einen Liter in deinem Tourentopf auf deinem eigenen Kocher. Starte die Uhr beim Anzünden und notiere, wann die ersten Bläschen kommen, wann es rauscht und wann die Rührprobe besteht. Wiege die Kartusche vorher und nachher. Wiederhole das einmal mit und einmal ohne Deckel und einmal bei Wind. Nach drei Durchgängen weißt du, wie lange ein Liter wirklich braucht und wie viel Gas du einplanen musst – viel nützlicher als jede Faustregel.
Wasser und Brennstoff für die Tour planen
Zuerst die Wassermenge: Der Wasserbedarf-Rechner schätzt Trink- und Kochwasser aus Körpergewicht, Temperatur, Belastung und Höhe – oft 4–6 Liter pro Person und Tag. Diese Menge und deine Höhe gibst du dann in den Siedepunkt- und Brennstoff-Rechner ein und siehst, wie viel Gas oder Holz das Abkochen kostet. Viele filtern unterwegs und kochen nur im Lager ab, wo der Kocher fürs Kochen am Lagerfeuer oder Abendessen ohnehin läuft.
Wasser abkochen gehört zu den Grundfertigkeiten aus unserem Ratgeber Bushcraft für Anfänger, gleichrangig mit Feuer und Shelter. Nimm Topf, Deckel und eine Reservemethode in deine Packliste auf und übe auf einer Tagestour, bis du sprudelndes Kochen sicher erkennst und nebenbei die Zeit nimmst.
Ausrüstung zum Abkochen
- Metalltopf mit Deckel (oder einwandige Stahlflasche)
- Kocher und genug Brennstoff oder Feuerzeug und Erlaubnis für ein Feuer
- Windschutz (Kartusche nicht komplett einschließen)
- Halstuch oder Kaffeefilter zum Vorfiltern
- Topfgreifer oder Handschuhe
- Saubere, hitzebeständige Flaschen zum Lagern

| Höhe | Siedepunkt | Kochdauer | Gas pro Liter (leichter Wind, Deckel) |
|---|---|---|---|
| 0 m | 100,0 °C | 1 Min. | ≈ 22 g |
| 1.000 m | 96,7 °C | 1 Min. | ≈ 22 g |
| 2.000 m | 93,4 °C | 3 Min. | ≈ 24 g |
| 3.000 m | 90,0 °C | 3 Min. | ≈ 23 g |
| 5.000 m | 83,3 °C | 3 Min. | ≈ 22 g |
Häufige Fehler
- Schon bei den ersten Bläschen aufhören statt sprudelnd zu kochen.
- 10–20 Minuten kochen und damit Gas und Wasser verschwenden.
- Die 3-Minuten-Regel über 2.000 m vergessen.
- Glauben, Abkochen entferne Chemikalien, Schwermetalle oder Algengifte.
- Eine doppelwandige Flasche oder eine Flasche mit geschlossenem Deckel erhitzen.
- Abgekochtes Wasser mit unbehandeltem Wasser abkühlen.
- Aufbereitetes Wasser mit schmutzigen Bechern, Händen oder Flaschengewinden verunreinigen.
Das brauchst du
- Metalltopf mit Deckel oder einwandige Edelstahlflasche
- Kocher mit Windschutz und Brennstoff oder Feuerzeug
- Halstuch oder Kaffeefilter
- Topfgreifer oder hitzefeste Handschuhe
- Saubere Trinkflaschen
- Reservemethode (Chlordioxid-Tabletten)