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Notsignale draußen: Notruf absetzen, Alpines Notsignal und gefunden werden

19 Min. Lesezeit 6 Schritte Aktualisiert

Das wirksamste Notsignal ist ein Anruf: Wähl den Euro-Notruf 112 (in ganz Europa, in Nordamerika 911, in Großbritannien auch 999), sag, wo du bist und was passiert ist, und bleib erreichbar. Ohne Netz machst du es Rettern so leicht wie möglich: Bleib, wo du bist, geh ins Freie, gib das Alpine Notsignal – sechs Signale pro Minute – mit Pfeife oder Lampe, blitz mit einem Spiegel und leg für Hubschrauber ein großes V auf den Boden.

Hier erfährst du, was du der Leitstelle sagst, wie du deinen Standort genau durchgibst, wie jedes klassische Notsignal Schritt für Schritt funktioniert und wie du Suchmannschaften und Hubschrauber-Crews sicher zu dir lotst. Das gehört zu Bushcraft für Anfänger – und zwar gelernt, lange bevor du es brauchst. Notrufnummern und Rettungsabläufe unterscheiden sich je nach Land: Informier dich vor jeder Reise.

Schritt für Schritt

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  1. STOPP: atmen, orientieren, planen – Bleib stehen, setz dich, atme durch. Überleg, was passiert ist, schau dich um und mach erst dann einen ruhigen Plan.
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    STOPP: atmen, orientieren, planen

    Bleib stehen, setz dich, atme durch. Überleg, was passiert ist, schau dich um und mach erst dann einen ruhigen Plan.

  2. Notruf 112 wählen – Wähl 112 – in Nordamerika 911, in Großbritannien auch 999. Sag, wo du bist, was passiert ist und wie viele Hilfe brauchen.
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    Notruf 112 wählen

    Wähl 112 – in Nordamerika 911, in Großbritannien auch 999. Sag, wo du bist, was passiert ist und wie viele Hilfe brauchen.

  3. Standort genau durchgeben – Lies Koordinaten von Handy oder GPS langsam Ziffer für Ziffer vor und nenne Wegmarken, Schilder oder Rettungspunkte.
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    Standort genau durchgeben

    Lies Koordinaten von Handy oder GPS langsam Ziffer für Ziffer vor und nenne Wegmarken, Schilder oder Rettungspunkte.

  4. Bleiben und sichtbar werden – Bleib, wo du bist, solange es dort sicher ist. Geh zur nächsten freien Fläche und breite etwas Buntes aus.
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    Bleiben und sichtbar werden

    Bleib, wo du bist, solange es dort sicher ist. Geh zur nächsten freien Fläche und breite etwas Buntes aus.

  5. Mit Pfeife und Licht signalisieren – Gib das Alpine Notsignal: sechs Pfiffe pro Minute, dann eine Minute Pause und lauschen. Nachts mit Lampe, bei Sonne mit Spiegel.
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    Mit Pfeife und Licht signalisieren

    Gib das Alpine Notsignal: sechs Pfiffe pro Minute, dann eine Minute Pause und lauschen. Nachts mit Lampe, bei Sonne mit Spiegel.

  6. Zeichen für Hubschrauber – Leg ein großes V (Hilfe nötig) oder X (ärztliche Hilfe) auf freien Boden und heb beim Hubschrauber beide Arme zum Y.
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    Zeichen für Hubschrauber

    Leg ein großes V (Hilfe nötig) oder X (ärztliche Hilfe) auf freien Boden und heb beim Hubschrauber beide Arme zum Y.

Die ersten Minuten: die STOPP-Regel

Die meisten Notfälle draußen werden durch überstürzte Entscheidungen schlimmer: im Dunkeln weiterlaufen, eine „Abkürzung“ über einen steilen Hang nehmen, die Gruppe trennen. Die STOPP-Regel, die viele Rettungsorganisationen lehren, verschafft dir einen Moment zum Nachdenken, bevor du handelst:

STOPP

  1. S – StoppBleib stehen. Setz dich, trink etwas, iss einen Riegel. Panik lässt nach, wenn du anhältst.
  2. T – Tief durchatmenWas ist passiert? Wo warst du dir zuletzt sicher? Wer weiß, wo du bist?
  3. O – OrientierenVerletzungen, Wetter, verbleibendes Tageslicht, Wasser, Kleidung, Akku und Netz prüfen.
  4. P – PlanenEntscheide: Notruf, bleiben, Unterschlupf bauen, signalisieren. Dann ruhig und Schritt für Schritt handeln.

Prüf, wie viel Tageslicht dir bleibt – der Tageslicht-Rechner zeigt den Sonnenuntergang für jedes Datum – und denk daran, dass Kälte, Nässe und Wind oft gefährlicher sind als das eigentliche Problem. Hast du dich nur verlaufen und bist unverletzt, versuch zuerst, deinen Standort mit Karte und Kompass zu bestimmen, bevor du irgendwohin gehst.

Notruf 112: Was du der Leitstelle sagen musst

Hast du auch nur schwaches Netz, ist ein Anruf der schnellste Weg zu Hilfe. Die 112 ist der Euro-Notruf: Sie gilt in allen EU-Ländern und vielen weiteren Staaten, etwa in der Schweiz und in Großbritannien, und ist kostenlos. In Deutschland erreichst du unter 112 Feuerwehr und Rettungsdienst, unter 110 die Polizei. In den USA und Kanada wählst du 911. Manche Bergregionen haben eigene Nummern – in Österreich etwa die 140 für die Bergrettung –, die 112 ist in Europa aber immer richtig.

Zeigt dein Handy „kein Netz“, versuch es trotzdem: Viele Telefone erreichen den Notruf auch über ein fremdes Netz. Klappt es nicht, steig ein paar Meter höher oder raus aus dem tiefen Tal und probier es erneut. In Deutschland gibt es außerdem die offizielle Notruf-App „nora“, über die du einen Notruf auch ohne Sprechen absetzen kannst; sie muss vorher installiert und registriert werden.

Den Notruf richtig absetzen

  1. Wählen und ruhig bleiben – Wähl die 112, warte, bis sich jemand meldet, und sprich langsam und deutlich. Nenne deinen Namen und die Nummer, von der du anrufst.1
    Wählen und ruhig bleiben

    Wähl die 112, warte, bis sich jemand meldet, und sprich langsam und deutlich. Nenne deinen Namen und die Nummer, von der du anrufst.

  2. Die W-Fragen beantworten – Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Verletzungen? Dann: Warten auf Rückfragen – die Leitstelle führt das Gespräch und beendet es, nicht du.2
    Die W-Fragen beantworten

    Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Verletzungen? Dann: Warten auf Rückfragen – die Leitstelle führt das Gespräch und beendet es, nicht du.

  3. Koordinaten durchgeben – Lies die Koordinaten vom Handy oder GPS Ziffer für Ziffer vor, nenne das Format und lass sie dir zur Kontrolle wiederholen. Ergänze Wegnamen, Schilder und was du siehst.3
    Koordinaten durchgeben

    Lies die Koordinaten vom Handy oder GPS Ziffer für Ziffer vor, nenne das Format und lass sie dir zur Kontrolle wiederholen. Ergänze Wegnamen, Schilder und was du siehst.

  4. Erreichbar bleiben – Lass das Handy an und die Leitung frei für Rückrufe. Spar Akku: Display dunkler, Apps schließen, Handy warm in der Innentasche tragen.4
    Erreichbar bleiben

    Lass das Handy an und die Leitung frei für Rückrufe. Spar Akku: Display dunkler, Apps schließen, Handy warm in der Innentasche tragen.

Standort genau durchgeben

„Irgendwo im Wald beim See“ kostet Retter Stunden. Das GPS deines Handys funktioniert auch ohne Mobilfunknetz, eine Karten-App – am besten mit vorher heruntergeladenen Offline-Karten – zeigt dir überall mit Blick zum Himmel deine Koordinaten. Such dir zu Hause heraus, wo deine App sie anzeigt.

So beschreibst du deinen Standort
MethodeBeispielTipp
Dezimalkoordinaten50,1234° N, 8,5678° O„Nord“ und „Ost“ sagen, jede Ziffer einzeln vorlesen
Grad, Minuten, Sekunden50° 07′ 24″ N, 8° 34′ 04″ OErst das Format nennen – verwechselte Formate führen zu großen Fehlern
Rettungspunkt im WaldSchild mit Kennung am WaldwegViele Forstverwaltungen haben solche Punkte ausgeschildert – die Leitstelle kennt sie
LandmarkenWegweiser, Hütte, Brücke, Gipfel, KreuzungBeschreib, was du siehst, und den letzten sicheren Punkt
Route und Zeit„Zwei Stunden auf Weg 5 vom Parkplatz“Hilft, wenn sonst nichts geht

Die Koordinaten sind ein Beispiel. Prüf, welches Format dein Handy zeigt, und üb das Vorlesen.

Sag den Rettern auch, wie du aussiehst und was du dabeihast: Jackenfarbe, Farbe von Zelt oder Tarp, Lampe, Pfeife. Je besser sie sich dich vorstellen können, desto schneller finden sie dich. Grundkenntnisse in Navigation mit Karte & Kompass machen das viel leichter.

Satellitengeräte

Außerhalb der Mobilfunkabdeckung kann ein persönlicher Notfallsender (PLB) oder ein Satelliten-Messenger per Satellit einen Alarm mit deiner Position senden. Einige neuere Smartphones bieten ebenfalls Notfall-Nachrichten über Satellit. Registrier solche Geräte, wie es in deinem Land vorgeschrieben ist, üb die SOS-Funktion und trag sie so, dass du sie mit einer Hand erreichst.

Bleiben oder gehen? Warum Bleiben meist gewinnt

Suchmannschaften beginnen an deinem letzten bekannten Standort und entlang deiner geplanten Route. Deshalb gilt: Hinterlass vor jeder Tour einen Tourenplan bei jemandem zu Hause – Route, geplante Rückkehr und ab wann Alarm geschlagen werden soll. Jeder Kilometer, den du dich weiter entfernst, vergrößert das Suchgebiet enorm. Wer an einem Ort bleibt und sich sichtbar macht, wird meist viel schneller gefunden als jemand, der weiterläuft.

Bleiben oder gehen?

  1. Ist dein Standort gefährlich (Steinschlag, steigendes Wasser, Lawine, Blitz)?

    Ja → Geh zum nächsten sicheren Platz – und halte dort wieder an.Nein → Weiter prüfen.
  2. Kennt jemand deine Route und die Alarmzeit, oder hast du schon den Notruf gewählt?

    Ja → Bleib, mach dich sichtbar und richte dich aufs Warten ein.Nein → Weiter prüfen.
  3. Weißt du genau, wie du vor Dunkelheit sicher zu Weg, Straße oder Hütte kommst?

    Ja → Geh vorsichtig und hinterlass eine Notiz oder einen Pfeil mit deiner Richtung.Nein → Bleib, bau einen Unterschlupf und signalisiere.

Schütz dich beim Warten vor Kälte und Nässe: Isolier dich vom Boden, geh aus dem Wind, zieh alle Schichten an und nutz einen Biwaksack oder eine Rettungsdecke (siehe Biwakieren mit Biwaksack und Laubhütte). Wo es sicher und erlaubt ist, hilft ein kleines Feuer gegen Kälte und für die Moral – siehe Feuer machen. Spar vor allem Energie: ruhen, trinken, warm bleiben. Kindern bringst du bei, an einem Baum zu bleiben und auf Rufe mit der Pfeife zu antworten – mehr dazu unter Bushcraft mit Kindern.

Vergleich: Person in oranger Jacke winkt auf einer Lichtung neben einem orangen Tarp, Person in Dunkelgrün unter dichten Bäumen.
Richtig: im Freien, in bunten Farben, in Bewegung – vom Boden und aus der Luft gut zu sehen. Falsch: in dunkler Kleidung unter dichtem Kronendach bist du schon aus wenigen Metern unsichtbar.

Auf Rettung warten: warm, versorgt und auffindbar bleiben

Nach dem Notruf beginnt der schwierigste Teil: das Warten. Je nach Gelände, Wetter, Tageslicht und ob ein Hubschrauber fliegen kann, ist Hilfe in einer Stunde da – oder erst am nächsten Morgen. Richte dich auf den längeren Fall ein. Die größten Gefahren beim Warten sind Kälte, Nässe und Wind: Selbst im Sommer kühlt ein verletzter Mensch, der still auf feuchtem Boden liegt, schnell aus.

Warm bleiben beim Warten (von außen nach innen)

  1. Schutz vor Wind und RegenLeeseite eines Felsens, dichtes Gebüsch, Tarp oder Biwaksack; bei tiefem Schnee ein einfacher Graben oder eine Schneehöhle.
  2. Alle Schichten anMütze, trockene Reserveschicht, Regenjacke obendrüber – nach dem Zwiebelprinzip, und zwar bevor du zu zittern beginnst.
  3. Isolation vom BodenAuf Isomatte, Rucksack, Seil oder einem dicken Polster aus trockenen Zweigen sitzen oder liegen – der Boden entzieht mehr Wärme als die Luft, deshalb zählt der R-Wert der Unterlage.
  4. Energie für den KörperRegelmäßig kleine Mengen essen und trinken. Warme, süße Getränke helfen, wenn du einen Kocher dabeihast.

Wind macht das Warten deutlich kälter: Bei 5 °C fühlen sich 20 km/h Wind schon an wie etwa 1 °C, nasse Kleidung verschärft das noch – der Windchill-Rechner zeigt den Effekt für deine Bedingungen. Achtet gegenseitig auf Zeichen einer Unterkühlung: Zittern, ungeschickte Hände, verwaschene Sprache, Verwirrtheit. Eine verletzte Person isolierst du zuerst und lässt sie nie direkt auf kaltem Boden liegen.

Trink auch ohne Durst: Kalte Luft ist trocken, und Flüssigkeitsmangel macht kälter und unkonzentrierter. Wird das Wasser knapp, liefert der Wasserbedarf-Rechner einen groben Tageswert, und unter Wasser entkeimen steht, wie du Bachwasser aufbereitest – verlass aber im Dunkeln keinen sicheren Platz, nur um Wasser zu holen. Halte einen Teil deiner Notverpflegung in Reserve; energiereiche Snacks aus deiner Tourenverpflegung sind ideal.

Die ganze Zeit auffindbar bleiben

  • Trag das Signal-Set am Körper, nicht im Rucksack, damit du binnen Sekunden reagierst, wenn du einen Motor oder Stimmen hörst.
  • Signalisiere in Abständen – alle paar Minuten eine Runde Pfiffe, nachts ein Lichtschwenk – und lausche dann. Dauersignale erschöpfen dich.
  • Bleib nahe an deinem Bodenzeichen und deiner bunten Ausrüstung. Musst du ein paar Meter in einen Unterschlupf ausweichen, markier die Richtung mit einem Pfeil.
  • Antworte auf jeden Ruf: Suchketten bleiben stehen und lauschen. Ein Pfiff als Antwort zeigt ihnen den Weg.

Alpines Notsignal: Pfeife und Licht richtig einsetzen

Eine Pfeife trägt viel weiter als deine Stimme und kostet fast keine Kraft – du hältst das stundenlang durch. Drei gleiche Signale – Pfiffe, Lichtblitze, Rufe, Feuer – gelten weithin als Hilferuf. In den Alpen und vielen anderen Bergregionen ist das Alpine Notsignal der anerkannte Standard: sechs Signale in einer Minute, dann eine Minute Pause, so lange wiederholen, bis eine Antwort kommt. Nachts funktioniert derselbe Rhythmus mit Stirnlampe oder Taschenlampe.

Das Alpine Notsignal

  1. Sechs Signale in einer Minute – Gib etwa alle 10 Sekunden ein Signal – einen langen Pfiff, einen Lichtblitz, ein Schwenken mit buntem Stoff oder einen Ruf –, sechsmal in einer Minute.1
    Sechs Signale in einer Minute

    Gib etwa alle 10 Sekunden ein Signal – einen langen Pfiff, einen Lichtblitz, ein Schwenken mit buntem Stoff oder einen Ruf –, sechsmal in einer Minute.

  2. Eine Minute Pause – Dann eine volle Minute Pause: lauschen und nach einer Antwort Ausschau halten. Das Muster wiederholen, bis jemand antwortet.2
    Eine Minute Pause

    Dann eine volle Minute Pause: lauschen und nach einer Antwort Ausschau halten. Das Muster wiederholen, bis jemand antwortet.

  3. Die Antwort: drei pro Minute – Retter oder andere, die dich gesehen oder gehört haben, antworten mit drei Signalen pro Minute (etwa alle 20 Sekunden), dann eine Minute Pause.3
    Die Antwort: drei pro Minute

    Retter oder andere, die dich gesehen oder gehört haben, antworten mit drei Signalen pro Minute (etwa alle 20 Sekunden), dann eine Minute Pause.

Akustische und optische Notsignale

Drei Pfiffe / Blitze
Weithin verstandener Hilferuf
Alpines Notsignal
6 Signale pro Minute, 1 Minute Pause, wiederholen
Antwort (alpin)
3 Signale pro Minute, 1 Minute Pause
SOS im Morsecode
3 kurz, 3 lang, 3 kurz (· · · – – – · · ·)
Nachts am besten
Stirnlampe oder Taschenlampe, Blinkmodus wenn vorhanden

Trag eine kugellose Kunststoffpfeife am Rucksackgurt oder am Jackenreißverschluss – sie funktioniert auch nass und gefroren. Nachts ist eine Stirnlampe im offenen Gelände weit zu sehen; nutz die hellste Stufe nur zum Signalisieren, um Akku zu sparen, und nimm Ersatzbatterien mit (siehe Stirnlampe & Licht im Lager).

Signalspiegel: den Lichtblitz richtig zielen

Bei Sonne ist ein Signalspiegel eines der stärksten Notsignale überhaupt: Ein Sonnenblitz ist aus Flugzeugen und von fernen Bergrücken weit jenseits der Reichweite einer Pfeife zu sehen. Ein echter Signalspiegel hat ein Visierloch; ein Handydisplay, der Spiegel eines Kompasses oder ein blanker Dosendeckel funktionieren auch, nur ungenauer. Der Trick ist das Zielen – deine Hand wird zur Kimme:

Signalspiegel zielen

  1. Ziel einrahmen – Streck einen Arm in Richtung Flugzeug, Boot oder Bergrücken und bilde mit zwei Fingern ein V, sodass das Ziel dazwischen liegt.1
    Ziel einrahmen

    Streck einen Arm in Richtung Flugzeug, Boot oder Bergrücken und bilde mit zwei Fingern ein V, sodass das Ziel dazwischen liegt.

  2. Licht einfangen – Halte den Spiegel direkt unter dein Auge und kipp ihn, bis der helle Lichtfleck der Sonne auf deine ausgestreckten Finger fällt.2
    Licht einfangen

    Halte den Spiegel direkt unter dein Auge und kipp ihn, bis der helle Lichtfleck der Sonne auf deine ausgestreckten Finger fällt.

  3. Blitz ins V lenken – Kipp den Spiegel leicht, bis der Fleck zwischen die Finger wandert – jetzt trifft der Blitz das Ziel. Den Spiegel sanft hin und her bewegen, damit es blinkt.3
    Blitz ins V lenken

    Kipp den Spiegel leicht, bis der Fleck zwischen die Finger wandert – jetzt trifft der Blitz das Ziel. Den Spiegel sanft hin und her bewegen, damit es blinkt.

  4. Horizont abstreichen – Ist kein Flugzeug zu sehen, streich den Blitz ab und zu langsam den Horizont entlang. Hat ein Pilot dich eindeutig gesehen, blitz nicht weiter direkt ins Cockpit.4
    Horizont abstreichen

    Ist kein Flugzeug zu sehen, streich den Blitz ab und zu langsam den Horizont entlang. Hat ein Pilot dich eindeutig gesehen, blitz nicht weiter direkt ins Cockpit.

Boden-Luft-Zeichen: V, X und Körperzeichen

Aus dem Hubschrauber oder Flugzeug ist ein Mensch im Wald ein winziger Punkt. Große, geradlinige Formen mit starkem Kontrast fallen auf, weil die Natur kaum gerade Linien kennt. Der internationale Boden-Luft-Code aus der Such- und Rettungsluftfahrt kennt einige einfache Zeichen:

Die wichtigsten Boden-Luft-Zeichen
ZeichenBedeutungMaterial
VBrauche HilfeStämme, Steine, Äste oder Stoff auf freiem Boden
XBrauche ärztliche HilfeGleiches Material; bei Verletzungen
NNeinSelten nötig
YJaSelten nötig
↑ (Pfeil)Bin in diese Richtung unterwegsWenn du den Platz verlassen musst

Jedes Zeichen mindestens etwa 2,5 m lang – größer ist besser – und mit möglichst starkem Kontrast.

Ein Bodenzeichen bauen

  1. Freie Fläche suchen – Geh zur offensten Stelle in der Nähe, die du sicher erreichst: Lichtung, Wiese, Kiesbank, Schneefeld. Unter Bäumen sieht dein Zeichen aus der Luft niemand.1
    Freie Fläche suchen

    Geh zur offensten Stelle in der Nähe, die du sicher erreichst: Lichtung, Wiese, Kiesbank, Schneefeld. Unter Bäumen sieht dein Zeichen aus der Luft niemand.

  2. Groß und gerade – Leg ein V (oder ein X für ärztliche Hilfe) mit mindestens etwa 2,5 m Länge aus – mit geraden, dicken Linien. Stämme, Steine, Äste oder ein in Streifen gerissenes Tarp gehen alle.2
    Groß und gerade

    Leg ein V (oder ein X für ärztliche Hilfe) mit mindestens etwa 2,5 m Länge aus – mit geraden, dicken Linien. Stämme, Steine, Äste oder ein in Streifen gerissenes Tarp gehen alle.

  3. Kontrast maximieren – Dunkel auf hell, hell auf dunkel: Äste auf Schnee oder Sand, bunter Stoff oder geschältes Holz auf dunklem Boden. Laub oder Schnee wegkratzen, damit die Form hervortritt.3
    Kontrast maximieren

    Dunkel auf hell, hell auf dunkel: Äste auf Schnee oder Sand, bunter Stoff oder geschältes Holz auf dunklem Boden. Laub oder Schnee wegkratzen, damit die Form hervortritt.

  4. Von oben denken – Stell dir den Blick des Piloten vor: Das Zeichen soll frei von Schatten und Bäumen liegen. Bleib in der Nähe und breite zusätzlich ein Tarp oder eine Rettungsdecke aus.4
    Von oben denken

    Stell dir den Blick des Piloten vor: Das Zeichen soll frei von Schatten und Bäumen liegen. Bleib in der Nähe und breite zusätzlich ein Tarp oder eine Rettungsdecke aus.

Körperzeichen für den Hubschrauber

Nähert sich ein Hubschrauber, nutz die international bekannten Körperzeichen: Beide Arme schräg nach oben zum Y heißt „Ja – wir brauchen Hilfe“. Ein Arm schräg nach oben, einer schräg nach unten, wie der Schrägstrich eines N, heißt „Nein – wir brauchen keine Hilfe“. Wink deshalb nicht einfach jedem Hubschrauber mit beiden Armen zu – im Gebirge kann ein freundliches Winken als Hilferuf verstanden werden.

Zwei Figuren: eine mit beiden Armen zum Y erhoben, eine mit den Armen in einer schrägen Linie als N.
Y: beide Arme hoch – „Ja, wir brauchen Hilfe“. N: ein Arm hoch, einer runter in einer schrägen Linie – „Nein, wir brauchen keine Hilfe“.

Feuer- und Rauchzeichen – nur, wo es sicher ist

Tagsüber ist eine Rauchsäule weit zu sehen, nachts ein Feuer aus der Luft. Drei Feuer im Dreieck gelten weithin als Notsignal. Ein Signalfeuer darf aber niemals einen Waldbrand auslösen – bei Trockenheit, hohem Waldbrandgefahrenindex oder Feuerverbot sind Spiegel, Lampe und bunter Stoff die bessere Wahl. In Deutschland ist offenes Feuer im und am Wald nach den Waldgesetzen der Länder grundsätzlich stark eingeschränkt; im echten Notfall zählt deine Sicherheit, ein Brand gefährdet aber auch dich.

Vergleich: kleines Feuer mit weißem Rauch auf sandiger Lichtung neben grünen Zweigen, und ein Feuer unter einer Fichte im trockenen Gras als falsch markiert.
Richtig: Signalfeuer auf offenem, blankem Boden – Sand, Kies oder Fels – mit grünen Zweigen für weißen Rauch in Reserve. Falsch: Feuer unter Bäumen und im trockenen Gras kann sich ausbreiten und ist aus der Luft ohnehin verdeckt.

Checkliste sicheres Signalfeuer

  • Nur auf blankem Mineralboden – Sand, Kies, Fels – weg von Bäumen, Wurzeln und trockenem Gras
  • Nicht bei hoher Waldbrandgefahr oder wo Feuer verboten ist
  • Feuer vorbereiten, aber erst anzünden, wenn du ein Flugzeug oder Suchende hörst oder siehst
  • Grüne Zweige oder feuchtes Moos bereithalten – für weißen Rauch vor dunklem Hintergrund
  • Klein halten, nie unbeaufsichtigt lassen, Wasser oder Erde zum Löschen bereit

Grundlagen zu Feuerstelle und Löschen findest du unter Lagerfeuer sicher & spurlos; eine zuverlässige Zündquelle gehört in jedes Notfallset.

Ein kleines Signal-Set für die Jackentasche

Signalausrüstung wiegt fast nichts und sollte immer in derselben Tasche stecken – zusammen mit deinem Erste-Hilfe-Set. Der Ausrüstungsplaner ergänzt diese Teile in jeder Packliste, und die Bushcraft-Packliste zeigt, wo sie im Gesamtsystem hingehören. Plan realistische Etappen mit dem Gehzeit-Rechner, damit dir das Tageslicht nicht zum Notfall wird.

Wie weit Signale typischerweise reichen (relativ, offenes Gelände)

  • StimmeKurze Reichweite, ermüdend
  • PfeifeViel weiter als die Stimme, kaum Kraftaufwand
  • Stirnlampe nachtsIm offenen Gelände weit sichtbar
  • Rauch am TagAbhängig von Wind und Hintergrund
  • Signalspiegel bei SonneSehr weit, braucht Sonne und Zielen
  • Notruf / NotfallsenderErreicht die Retter direkt

Wer das Wetter lesen kann, vermeidet viele Notfälle von vornherein – siehe Wetter deuten. Weitere Themen findest du unter allen Bushcraft-Fertigkeiten.

Vor der Tour: der Tourenplan, der eine Suche auslöst

Jedes Notsignal in diesem Ratgeber wirkt besser, wenn schon jemand nach dir sucht. Das passiert aber nur, wenn eine Person zu Hause weiß, wohin du gegangen bist und ab wann sie sich Sorgen machen soll. Ein Tourenplan dauert fünf Minuten und ist das wirksamste Stück Notfallausrüstung überhaupt – er kostet nichts und wiegt nichts.

Was deine Kontaktperson wissen sollte

  • Geplante Route mit Startpunkt, wichtigen Wegpunkten und möglichen Alternativen
  • Wo das Auto steht, mit Kennzeichen – oder welchen Bus oder Zug du nimmst
  • Wer in der Gruppe ist, mit Telefonnummern
  • Geplante Rückkehr und eine feste Alarmzeit, zum Beispiel drei Stunden später
  • Farben von Zelt oder Tarp, Jacke und Rucksack
  • Welche Sicherheitsausrüstung du dabeihast: Stirnlampe, Biwaksack, Notfallsender, Kocher
  • Die Notrufnummer, die sie wählen soll: 112

Sprecht klar ab, was „Alarmzeit“ bedeutet: Hast du dich bis dahin nicht gemeldet, wählt deine Kontaktperson die 112 – nicht erst am nächsten Morgen und nicht nach zwanzig vergeblichen Anrufen bei dir. Sag ihr auch, was sie der Leitstelle mitteilen soll: Route, geplanter Lagerplatz, Zahl der Personen, Ausrüstung. Und halte dich an den Plan. Änderst du die Route, schick eine kurze Nachricht, solange du noch Netz hast – eine Suche im falschen Tal kostet wertvolle Stunden. Merkst du, dass du dich verspätest, aber sicher bist, melde dich so früh wie möglich, damit niemand umsonst eine Suche startet.

Rettungspunkte im Wald

In vielen deutschen Wäldern stehen Rettungspunkte: Schilder mit einer Kennung an Stellen, die Rettungswagen anfahren können. Die Leitstellen kennen ihre Lage. Nennst du beim Notruf die Nummer des nächsten Rettungspunkts, spart das viel Zeit – merk dir deshalb unterwegs den zuletzt passierten. Viele Rettungspunkte lassen sich auch vorab in Karten-Apps anzeigen.

Den Handy-Akku strecken

Dein Handy ist Funkgerät, Karte, Lampe und GPS in einem – und sein Akku ist begrenzt. Starte jede Tour voll geladen und mit Powerbank. Unterwegs: Flugmodus bei aktivem GPS, Hintergrund-Apps schließen, Display dunkler stellen. Bei Kälte gehört das Handy in die Innentasche, weil kalte Akkus in Minuten von halb voll auf leer fallen können. Halte 20–30 % Reserve allein für den Notruf. Und lerne ein paar Grundlagen der Navigation ohne Kompass, damit ein leerer Akku nicht sofort zum Notfall wird.

Notsignale auf einen Blick
Notsignale auf einen Blick
SignalBedeutungWannTipp
Notruf 112 (911 / 999)NotrufBei jedem NetzWo, was, wie viele; erreichbar bleiben
3 Pfiffe oder LichtblitzeBrauche HilfeJederzeitPause machen, lauschen, wiederholen
Alpines NotsignalBrauche Hilfe (Berge)Jederzeit6 pro Minute, 1 Minute Pause
SignalspiegelAufmerksamkeit erregenBei SonneMit Finger-V zielen
V / X am BodenHilfe / ärztliche HilfeTagsüber, freie FlächeMindestens etwa 2,5 m, starker Kontrast

Häufige Fehler

  • In Panik weiterlaufen, statt anzuhalten, nachzudenken und zu bleiben.
  • Niemandem einen Tourenplan hinterlassen – dann schlägt auch niemand Alarm.
  • Ungenaue Standortangaben oder verwechselte Koordinatenformate.
  • Auflegen, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet, oder den Akku leer laufen lassen.
  • Unter dichtem Kronendach signalisieren, wo dich niemand sieht.
  • Bei Trockenheit ein Signalfeuer machen und einen Waldbrand auslösen.
  • Tarps und Rettungsdecken lose liegen lassen, wenn ein Hubschrauber landet.

Das brauchst du

  • Voll geladenes Handy mit Offline-Karten und Powerbank
  • Kugellose Kunststoffpfeife an Kordel oder Schultergurt
  • Stirnlampe mit Ersatzbatterien
  • Signalspiegel mit Visierloch
  • Knallbuntes Tarp, Jacke oder Halstuch
  • Rettungsdecke oder Biwaksack
  • Notfallsender (PLB) oder Satelliten-Messenger für abgelegene Gebiete

Häufige Fragen

Was ist das Alpine Notsignal?
Das Alpine Notsignal besteht aus sechs Signalen in einer Minute – etwa alle 10 Sekunden ein Pfiff, Lichtblitz oder Ruf –, gefolgt von einer Minute Pause. Das wird wiederholt, bis eine Antwort kommt. Die Antwort lautet drei Signale pro Minute, dann eine Minute Pause. Außerhalb der Berge gelten drei gleiche Signale weithin als Hilferuf.
Funktioniert der Notruf 112 ohne Netz oder Guthaben?
Die 112 ist kostenlos und funktioniert ohne Guthaben. Zeigt dein Handy kein Netz des eigenen Anbieters, kann es den Notruf oft über ein fremdes Netz aufbauen – versuch es also immer. Gibt es gar keinen Empfang, geh ein Stück höher oder aus dem Tal heraus und probier es erneut. Satellitengeräte helfen dort, wo es wirklich kein Netz gibt.
Was muss ich beim Notruf sagen?
Beantworte die W-Fragen: Wo ist es passiert (Koordinaten, Wegmarken, Rettungspunkt)? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Verletzungen? Dann warte auf Rückfragen und lass die Leitstelle das Gespräch beenden. Lass das Handy danach eingeschaltet und die Leitung frei für Rückrufe.
Soll ich bleiben oder weitergehen, wenn ich mich verlaufen habe?
Meistens bleiben – vor allem, wenn jemand deine Route kennt oder du schon den Notruf gewählt hast. Suchende beginnen am letzten bekannten Standort, und jeder weitere Kilometer vergrößert das Suchgebiet. Geh nur, wenn dein Platz gefährlich ist oder du sicher vor Dunkelheit einen Weg erreichst, und hinterlass einen Hinweis mit deiner Richtung.
Wie benutze ich einen Signalspiegel?
Streck einen Arm aus und rahme das Ziel mit zwei Fingern in einem V ein. Halte den Spiegel unter dein Auge und kipp ihn, bis der Lichtfleck der Sonne auf deine Finger fällt. Dann lenk den Fleck zwischen die Finger – so trifft der Blitz das Ziel. Ohne sichtbares Ziel streichst du ab und zu langsam den Horizont ab.
Was bedeuten V und X auf dem Boden?
Im internationalen Boden-Luft-Code bedeutet V „brauche Hilfe“ und X „brauche ärztliche Hilfe“. Leg das Zeichen auf einer freien Fläche aus, mindestens etwa 2,5 m lang, mit geraden Linien und starkem Kontrast – Äste auf Schnee, bunter Stoff auf dunklem Boden. Ein Pfeil zeigt, in welche Richtung du gegangen bist.
Wie gebe ich einem Rettungshubschrauber Zeichen?
Beide Arme schräg nach oben zum Y bedeuten „Ja, wir brauchen Hilfe“. Ein Arm schräg hoch, einer schräg runter (N) heißt „Nein, keine Hilfe nötig“ – wink also nicht jedem Hubschrauber mit beiden Armen zu. Bei der Landung lose Sachen sichern, in die Hocke gehen und nur auf Zeichen der Crew von vorn herangehen.
Was tun, wenn jemand von einer Wanderung nicht zurückkommt?
Versuch zuerst, die Person zu erreichen, und prüf naheliegende Orte wie Parkplatz oder Hütte. Ist die vereinbarte Alarmzeit überschritten oder das Wetter schlecht, wähl die 112 – warte nicht bis zum Morgen. Nenne geplante Route, Startpunkt, Fahrzeug, Zahl der Personen, Kleidungsfarben und Ausrüstung. Bleib danach am Telefon erreichbar für Rückfragen.
Was ist ein Rettungspunkt im Wald?
Rettungspunkte sind beschilderte Treffpunkte im Wald mit einer eindeutigen Kennung, die Rettungsfahrzeuge erreichen können und deren Lage die Leitstellen kennen. Nennst du beim Notruf die Nummer des nächsten Rettungspunkts, findet der Rettungsdienst schneller zu dir oder holt dich dort ab. Merk dir unterwegs den zuletzt passierten Punkt – viele sind auch in Karten-Apps eingetragen.
Muss ich eine Bergrettung selbst bezahlen?
Das hängt von Land und Einsatz ab. In Deutschland zahlt die Krankenkasse medizinisch notwendige Rettungen in der Regel; die Bergung Unverletzter kann berechnet werden. In Österreich und Teilen der Schweiz werden Einsätze häufig den Geretteten in Rechnung gestellt, sofern keine Versicherung greift. Prüf vor der Tour deinen Versicherungsschutz – zögere aber nie wegen der Kosten mit dem Notruf.

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