Notsignale draußen: Notruf absetzen, Alpines Notsignal und gefunden werden
Das wirksamste Notsignal ist ein Anruf: Wähl den Euro-Notruf 112 (in ganz Europa, in Nordamerika 911, in Großbritannien auch 999), sag, wo du bist und was passiert ist, und bleib erreichbar. Ohne Netz machst du es Rettern so leicht wie möglich: Bleib, wo du bist, geh ins Freie, gib das Alpine Notsignal – sechs Signale pro Minute – mit Pfeife oder Lampe, blitz mit einem Spiegel und leg für Hubschrauber ein großes V auf den Boden.
Hier erfährst du, was du der Leitstelle sagst, wie du deinen Standort genau durchgibst, wie jedes klassische Notsignal Schritt für Schritt funktioniert und wie du Suchmannschaften und Hubschrauber-Crews sicher zu dir lotst. Das gehört zu Bushcraft für Anfänger – und zwar gelernt, lange bevor du es brauchst. Notrufnummern und Rettungsabläufe unterscheiden sich je nach Land: Informier dich vor jeder Reise.
Schritt für Schritt
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1
STOPP: atmen, orientieren, planen
Bleib stehen, setz dich, atme durch. Überleg, was passiert ist, schau dich um und mach erst dann einen ruhigen Plan.
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2
Notruf 112 wählen
Wähl 112 – in Nordamerika 911, in Großbritannien auch 999. Sag, wo du bist, was passiert ist und wie viele Hilfe brauchen.
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3
Standort genau durchgeben
Lies Koordinaten von Handy oder GPS langsam Ziffer für Ziffer vor und nenne Wegmarken, Schilder oder Rettungspunkte.
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4
Bleiben und sichtbar werden
Bleib, wo du bist, solange es dort sicher ist. Geh zur nächsten freien Fläche und breite etwas Buntes aus.
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5
Mit Pfeife und Licht signalisieren
Gib das Alpine Notsignal: sechs Pfiffe pro Minute, dann eine Minute Pause und lauschen. Nachts mit Lampe, bei Sonne mit Spiegel.
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6
Zeichen für Hubschrauber
Leg ein großes V (Hilfe nötig) oder X (ärztliche Hilfe) auf freien Boden und heb beim Hubschrauber beide Arme zum Y.
Die ersten Minuten: die STOPP-Regel
Die meisten Notfälle draußen werden durch überstürzte Entscheidungen schlimmer: im Dunkeln weiterlaufen, eine „Abkürzung“ über einen steilen Hang nehmen, die Gruppe trennen. Die STOPP-Regel, die viele Rettungsorganisationen lehren, verschafft dir einen Moment zum Nachdenken, bevor du handelst:
STOPP
- Bleib stehen. Setz dich, trink etwas, iss einen Riegel. Panik lässt nach, wenn du anhältst.
- Was ist passiert? Wo warst du dir zuletzt sicher? Wer weiß, wo du bist?
- Verletzungen, Wetter, verbleibendes Tageslicht, Wasser, Kleidung, Akku und Netz prüfen.
- Entscheide: Notruf, bleiben, Unterschlupf bauen, signalisieren. Dann ruhig und Schritt für Schritt handeln.
Prüf, wie viel Tageslicht dir bleibt – der Tageslicht-Rechner zeigt den Sonnenuntergang für jedes Datum – und denk daran, dass Kälte, Nässe und Wind oft gefährlicher sind als das eigentliche Problem. Hast du dich nur verlaufen und bist unverletzt, versuch zuerst, deinen Standort mit Karte und Kompass zu bestimmen, bevor du irgendwohin gehst.
Notruf 112: Was du der Leitstelle sagen musst
Hast du auch nur schwaches Netz, ist ein Anruf der schnellste Weg zu Hilfe. Die 112 ist der Euro-Notruf: Sie gilt in allen EU-Ländern und vielen weiteren Staaten, etwa in der Schweiz und in Großbritannien, und ist kostenlos. In Deutschland erreichst du unter 112 Feuerwehr und Rettungsdienst, unter 110 die Polizei. In den USA und Kanada wählst du 911. Manche Bergregionen haben eigene Nummern – in Österreich etwa die 140 für die Bergrettung –, die 112 ist in Europa aber immer richtig.
Zeigt dein Handy „kein Netz“, versuch es trotzdem: Viele Telefone erreichen den Notruf auch über ein fremdes Netz. Klappt es nicht, steig ein paar Meter höher oder raus aus dem tiefen Tal und probier es erneut. In Deutschland gibt es außerdem die offizielle Notruf-App „nora“, über die du einen Notruf auch ohne Sprechen absetzen kannst; sie muss vorher installiert und registriert werden.
Den Notruf richtig absetzen
1
Wählen und ruhig bleibenWähl die 112, warte, bis sich jemand meldet, und sprich langsam und deutlich. Nenne deinen Namen und die Nummer, von der du anrufst.
2
Die W-Fragen beantwortenWo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Verletzungen? Dann: Warten auf Rückfragen – die Leitstelle führt das Gespräch und beendet es, nicht du.
3
Koordinaten durchgebenLies die Koordinaten vom Handy oder GPS Ziffer für Ziffer vor, nenne das Format und lass sie dir zur Kontrolle wiederholen. Ergänze Wegnamen, Schilder und was du siehst.
4
Erreichbar bleibenLass das Handy an und die Leitung frei für Rückrufe. Spar Akku: Display dunkler, Apps schließen, Handy warm in der Innentasche tragen.
Standort genau durchgeben
„Irgendwo im Wald beim See“ kostet Retter Stunden. Das GPS deines Handys funktioniert auch ohne Mobilfunknetz, eine Karten-App – am besten mit vorher heruntergeladenen Offline-Karten – zeigt dir überall mit Blick zum Himmel deine Koordinaten. Such dir zu Hause heraus, wo deine App sie anzeigt.
| Methode | Beispiel | Tipp |
|---|---|---|
| Dezimalkoordinaten | 50,1234° N, 8,5678° O | „Nord“ und „Ost“ sagen, jede Ziffer einzeln vorlesen |
| Grad, Minuten, Sekunden | 50° 07′ 24″ N, 8° 34′ 04″ O | Erst das Format nennen – verwechselte Formate führen zu großen Fehlern |
| Rettungspunkt im Wald | Schild mit Kennung am Waldweg | Viele Forstverwaltungen haben solche Punkte ausgeschildert – die Leitstelle kennt sie |
| Landmarken | Wegweiser, Hütte, Brücke, Gipfel, Kreuzung | Beschreib, was du siehst, und den letzten sicheren Punkt |
| Route und Zeit | „Zwei Stunden auf Weg 5 vom Parkplatz“ | Hilft, wenn sonst nichts geht |
Die Koordinaten sind ein Beispiel. Prüf, welches Format dein Handy zeigt, und üb das Vorlesen.
Sag den Rettern auch, wie du aussiehst und was du dabeihast: Jackenfarbe, Farbe von Zelt oder Tarp, Lampe, Pfeife. Je besser sie sich dich vorstellen können, desto schneller finden sie dich. Grundkenntnisse in Navigation mit Karte & Kompass machen das viel leichter.
Satellitengeräte
Außerhalb der Mobilfunkabdeckung kann ein persönlicher Notfallsender (PLB) oder ein Satelliten-Messenger per Satellit einen Alarm mit deiner Position senden. Einige neuere Smartphones bieten ebenfalls Notfall-Nachrichten über Satellit. Registrier solche Geräte, wie es in deinem Land vorgeschrieben ist, üb die SOS-Funktion und trag sie so, dass du sie mit einer Hand erreichst.
Bleiben oder gehen? Warum Bleiben meist gewinnt
Suchmannschaften beginnen an deinem letzten bekannten Standort und entlang deiner geplanten Route. Deshalb gilt: Hinterlass vor jeder Tour einen Tourenplan bei jemandem zu Hause – Route, geplante Rückkehr und ab wann Alarm geschlagen werden soll. Jeder Kilometer, den du dich weiter entfernst, vergrößert das Suchgebiet enorm. Wer an einem Ort bleibt und sich sichtbar macht, wird meist viel schneller gefunden als jemand, der weiterläuft.
Bleiben oder gehen?
Ist dein Standort gefährlich (Steinschlag, steigendes Wasser, Lawine, Blitz)?
Ja → Geh zum nächsten sicheren Platz – und halte dort wieder an.Nein → Weiter prüfen.Kennt jemand deine Route und die Alarmzeit, oder hast du schon den Notruf gewählt?
Ja → Bleib, mach dich sichtbar und richte dich aufs Warten ein.Nein → Weiter prüfen.Weißt du genau, wie du vor Dunkelheit sicher zu Weg, Straße oder Hütte kommst?
Ja → Geh vorsichtig und hinterlass eine Notiz oder einen Pfeil mit deiner Richtung.Nein → Bleib, bau einen Unterschlupf und signalisiere.
Schütz dich beim Warten vor Kälte und Nässe: Isolier dich vom Boden, geh aus dem Wind, zieh alle Schichten an und nutz einen Biwaksack oder eine Rettungsdecke (siehe Biwakieren mit Biwaksack und Laubhütte). Wo es sicher und erlaubt ist, hilft ein kleines Feuer gegen Kälte und für die Moral – siehe Feuer machen. Spar vor allem Energie: ruhen, trinken, warm bleiben. Kindern bringst du bei, an einem Baum zu bleiben und auf Rufe mit der Pfeife zu antworten – mehr dazu unter Bushcraft mit Kindern.
Auf Rettung warten: warm, versorgt und auffindbar bleiben
Nach dem Notruf beginnt der schwierigste Teil: das Warten. Je nach Gelände, Wetter, Tageslicht und ob ein Hubschrauber fliegen kann, ist Hilfe in einer Stunde da – oder erst am nächsten Morgen. Richte dich auf den längeren Fall ein. Die größten Gefahren beim Warten sind Kälte, Nässe und Wind: Selbst im Sommer kühlt ein verletzter Mensch, der still auf feuchtem Boden liegt, schnell aus.
Warm bleiben beim Warten (von außen nach innen)
- Leeseite eines Felsens, dichtes Gebüsch, Tarp oder Biwaksack; bei tiefem Schnee ein einfacher Graben oder eine Schneehöhle.
- Mütze, trockene Reserveschicht, Regenjacke obendrüber – nach dem Zwiebelprinzip, und zwar bevor du zu zittern beginnst.
- Auf Isomatte, Rucksack, Seil oder einem dicken Polster aus trockenen Zweigen sitzen oder liegen – der Boden entzieht mehr Wärme als die Luft, deshalb zählt der R-Wert der Unterlage.
- Regelmäßig kleine Mengen essen und trinken. Warme, süße Getränke helfen, wenn du einen Kocher dabeihast.
Wind macht das Warten deutlich kälter: Bei 5 °C fühlen sich 20 km/h Wind schon an wie etwa 1 °C, nasse Kleidung verschärft das noch – der Windchill-Rechner zeigt den Effekt für deine Bedingungen. Achtet gegenseitig auf Zeichen einer Unterkühlung: Zittern, ungeschickte Hände, verwaschene Sprache, Verwirrtheit. Eine verletzte Person isolierst du zuerst und lässt sie nie direkt auf kaltem Boden liegen.
Trink auch ohne Durst: Kalte Luft ist trocken, und Flüssigkeitsmangel macht kälter und unkonzentrierter. Wird das Wasser knapp, liefert der Wasserbedarf-Rechner einen groben Tageswert, und unter Wasser entkeimen steht, wie du Bachwasser aufbereitest – verlass aber im Dunkeln keinen sicheren Platz, nur um Wasser zu holen. Halte einen Teil deiner Notverpflegung in Reserve; energiereiche Snacks aus deiner Tourenverpflegung sind ideal.
Die ganze Zeit auffindbar bleiben
- Trag das Signal-Set am Körper, nicht im Rucksack, damit du binnen Sekunden reagierst, wenn du einen Motor oder Stimmen hörst.
- Signalisiere in Abständen – alle paar Minuten eine Runde Pfiffe, nachts ein Lichtschwenk – und lausche dann. Dauersignale erschöpfen dich.
- Bleib nahe an deinem Bodenzeichen und deiner bunten Ausrüstung. Musst du ein paar Meter in einen Unterschlupf ausweichen, markier die Richtung mit einem Pfeil.
- Antworte auf jeden Ruf: Suchketten bleiben stehen und lauschen. Ein Pfiff als Antwort zeigt ihnen den Weg.
Alpines Notsignal: Pfeife und Licht richtig einsetzen
Eine Pfeife trägt viel weiter als deine Stimme und kostet fast keine Kraft – du hältst das stundenlang durch. Drei gleiche Signale – Pfiffe, Lichtblitze, Rufe, Feuer – gelten weithin als Hilferuf. In den Alpen und vielen anderen Bergregionen ist das Alpine Notsignal der anerkannte Standard: sechs Signale in einer Minute, dann eine Minute Pause, so lange wiederholen, bis eine Antwort kommt. Nachts funktioniert derselbe Rhythmus mit Stirnlampe oder Taschenlampe.
Das Alpine Notsignal
1
Sechs Signale in einer MinuteGib etwa alle 10 Sekunden ein Signal – einen langen Pfiff, einen Lichtblitz, ein Schwenken mit buntem Stoff oder einen Ruf –, sechsmal in einer Minute.
2
Eine Minute PauseDann eine volle Minute Pause: lauschen und nach einer Antwort Ausschau halten. Das Muster wiederholen, bis jemand antwortet.
3
Die Antwort: drei pro MinuteRetter oder andere, die dich gesehen oder gehört haben, antworten mit drei Signalen pro Minute (etwa alle 20 Sekunden), dann eine Minute Pause.
Akustische und optische Notsignale
- Drei Pfiffe / Blitze
- Weithin verstandener Hilferuf
- Alpines Notsignal
- 6 Signale pro Minute, 1 Minute Pause, wiederholen
- Antwort (alpin)
- 3 Signale pro Minute, 1 Minute Pause
- SOS im Morsecode
- 3 kurz, 3 lang, 3 kurz (· · · – – – · · ·)
- Nachts am besten
- Stirnlampe oder Taschenlampe, Blinkmodus wenn vorhanden
Trag eine kugellose Kunststoffpfeife am Rucksackgurt oder am Jackenreißverschluss – sie funktioniert auch nass und gefroren. Nachts ist eine Stirnlampe im offenen Gelände weit zu sehen; nutz die hellste Stufe nur zum Signalisieren, um Akku zu sparen, und nimm Ersatzbatterien mit (siehe Stirnlampe & Licht im Lager).
Signalspiegel: den Lichtblitz richtig zielen
Bei Sonne ist ein Signalspiegel eines der stärksten Notsignale überhaupt: Ein Sonnenblitz ist aus Flugzeugen und von fernen Bergrücken weit jenseits der Reichweite einer Pfeife zu sehen. Ein echter Signalspiegel hat ein Visierloch; ein Handydisplay, der Spiegel eines Kompasses oder ein blanker Dosendeckel funktionieren auch, nur ungenauer. Der Trick ist das Zielen – deine Hand wird zur Kimme:
Signalspiegel zielen
1
Ziel einrahmenStreck einen Arm in Richtung Flugzeug, Boot oder Bergrücken und bilde mit zwei Fingern ein V, sodass das Ziel dazwischen liegt.
2
Licht einfangenHalte den Spiegel direkt unter dein Auge und kipp ihn, bis der helle Lichtfleck der Sonne auf deine ausgestreckten Finger fällt.
3
Blitz ins V lenkenKipp den Spiegel leicht, bis der Fleck zwischen die Finger wandert – jetzt trifft der Blitz das Ziel. Den Spiegel sanft hin und her bewegen, damit es blinkt.
4
Horizont abstreichenIst kein Flugzeug zu sehen, streich den Blitz ab und zu langsam den Horizont entlang. Hat ein Pilot dich eindeutig gesehen, blitz nicht weiter direkt ins Cockpit.
Boden-Luft-Zeichen: V, X und Körperzeichen
Aus dem Hubschrauber oder Flugzeug ist ein Mensch im Wald ein winziger Punkt. Große, geradlinige Formen mit starkem Kontrast fallen auf, weil die Natur kaum gerade Linien kennt. Der internationale Boden-Luft-Code aus der Such- und Rettungsluftfahrt kennt einige einfache Zeichen:
| Zeichen | Bedeutung | Material |
|---|---|---|
| V | Brauche Hilfe | Stämme, Steine, Äste oder Stoff auf freiem Boden |
| X | Brauche ärztliche Hilfe | Gleiches Material; bei Verletzungen |
| N | Nein | Selten nötig |
| Y | Ja | Selten nötig |
| ↑ (Pfeil) | Bin in diese Richtung unterwegs | Wenn du den Platz verlassen musst |
Jedes Zeichen mindestens etwa 2,5 m lang – größer ist besser – und mit möglichst starkem Kontrast.
Ein Bodenzeichen bauen
1
Freie Fläche suchenGeh zur offensten Stelle in der Nähe, die du sicher erreichst: Lichtung, Wiese, Kiesbank, Schneefeld. Unter Bäumen sieht dein Zeichen aus der Luft niemand.
2
Groß und geradeLeg ein V (oder ein X für ärztliche Hilfe) mit mindestens etwa 2,5 m Länge aus – mit geraden, dicken Linien. Stämme, Steine, Äste oder ein in Streifen gerissenes Tarp gehen alle.
3
Kontrast maximierenDunkel auf hell, hell auf dunkel: Äste auf Schnee oder Sand, bunter Stoff oder geschältes Holz auf dunklem Boden. Laub oder Schnee wegkratzen, damit die Form hervortritt.
4
Von oben denkenStell dir den Blick des Piloten vor: Das Zeichen soll frei von Schatten und Bäumen liegen. Bleib in der Nähe und breite zusätzlich ein Tarp oder eine Rettungsdecke aus.
Körperzeichen für den Hubschrauber
Nähert sich ein Hubschrauber, nutz die international bekannten Körperzeichen: Beide Arme schräg nach oben zum Y heißt „Ja – wir brauchen Hilfe“. Ein Arm schräg nach oben, einer schräg nach unten, wie der Schrägstrich eines N, heißt „Nein – wir brauchen keine Hilfe“. Wink deshalb nicht einfach jedem Hubschrauber mit beiden Armen zu – im Gebirge kann ein freundliches Winken als Hilferuf verstanden werden.
Feuer- und Rauchzeichen – nur, wo es sicher ist
Tagsüber ist eine Rauchsäule weit zu sehen, nachts ein Feuer aus der Luft. Drei Feuer im Dreieck gelten weithin als Notsignal. Ein Signalfeuer darf aber niemals einen Waldbrand auslösen – bei Trockenheit, hohem Waldbrandgefahrenindex oder Feuerverbot sind Spiegel, Lampe und bunter Stoff die bessere Wahl. In Deutschland ist offenes Feuer im und am Wald nach den Waldgesetzen der Länder grundsätzlich stark eingeschränkt; im echten Notfall zählt deine Sicherheit, ein Brand gefährdet aber auch dich.
Checkliste sicheres Signalfeuer
- Nur auf blankem Mineralboden – Sand, Kies, Fels – weg von Bäumen, Wurzeln und trockenem Gras
- Nicht bei hoher Waldbrandgefahr oder wo Feuer verboten ist
- Feuer vorbereiten, aber erst anzünden, wenn du ein Flugzeug oder Suchende hörst oder siehst
- Grüne Zweige oder feuchtes Moos bereithalten – für weißen Rauch vor dunklem Hintergrund
- Klein halten, nie unbeaufsichtigt lassen, Wasser oder Erde zum Löschen bereit
Grundlagen zu Feuerstelle und Löschen findest du unter Lagerfeuer sicher & spurlos; eine zuverlässige Zündquelle gehört in jedes Notfallset.
Ein kleines Signal-Set für die Jackentasche
Signalausrüstung wiegt fast nichts und sollte immer in derselben Tasche stecken – zusammen mit deinem Erste-Hilfe-Set. Der Ausrüstungsplaner ergänzt diese Teile in jeder Packliste, und die Bushcraft-Packliste zeigt, wo sie im Gesamtsystem hingehören. Plan realistische Etappen mit dem Gehzeit-Rechner, damit dir das Tageslicht nicht zum Notfall wird.
Wie weit Signale typischerweise reichen (relativ, offenes Gelände)
Wer das Wetter lesen kann, vermeidet viele Notfälle von vornherein – siehe Wetter deuten. Weitere Themen findest du unter allen Bushcraft-Fertigkeiten.
Vor der Tour: der Tourenplan, der eine Suche auslöst
Jedes Notsignal in diesem Ratgeber wirkt besser, wenn schon jemand nach dir sucht. Das passiert aber nur, wenn eine Person zu Hause weiß, wohin du gegangen bist und ab wann sie sich Sorgen machen soll. Ein Tourenplan dauert fünf Minuten und ist das wirksamste Stück Notfallausrüstung überhaupt – er kostet nichts und wiegt nichts.
Was deine Kontaktperson wissen sollte
- Geplante Route mit Startpunkt, wichtigen Wegpunkten und möglichen Alternativen
- Wo das Auto steht, mit Kennzeichen – oder welchen Bus oder Zug du nimmst
- Wer in der Gruppe ist, mit Telefonnummern
- Geplante Rückkehr und eine feste Alarmzeit, zum Beispiel drei Stunden später
- Farben von Zelt oder Tarp, Jacke und Rucksack
- Welche Sicherheitsausrüstung du dabeihast: Stirnlampe, Biwaksack, Notfallsender, Kocher
- Die Notrufnummer, die sie wählen soll: 112
Sprecht klar ab, was „Alarmzeit“ bedeutet: Hast du dich bis dahin nicht gemeldet, wählt deine Kontaktperson die 112 – nicht erst am nächsten Morgen und nicht nach zwanzig vergeblichen Anrufen bei dir. Sag ihr auch, was sie der Leitstelle mitteilen soll: Route, geplanter Lagerplatz, Zahl der Personen, Ausrüstung. Und halte dich an den Plan. Änderst du die Route, schick eine kurze Nachricht, solange du noch Netz hast – eine Suche im falschen Tal kostet wertvolle Stunden. Merkst du, dass du dich verspätest, aber sicher bist, melde dich so früh wie möglich, damit niemand umsonst eine Suche startet.
Rettungspunkte im Wald
In vielen deutschen Wäldern stehen Rettungspunkte: Schilder mit einer Kennung an Stellen, die Rettungswagen anfahren können. Die Leitstellen kennen ihre Lage. Nennst du beim Notruf die Nummer des nächsten Rettungspunkts, spart das viel Zeit – merk dir deshalb unterwegs den zuletzt passierten. Viele Rettungspunkte lassen sich auch vorab in Karten-Apps anzeigen.
Den Handy-Akku strecken
Dein Handy ist Funkgerät, Karte, Lampe und GPS in einem – und sein Akku ist begrenzt. Starte jede Tour voll geladen und mit Powerbank. Unterwegs: Flugmodus bei aktivem GPS, Hintergrund-Apps schließen, Display dunkler stellen. Bei Kälte gehört das Handy in die Innentasche, weil kalte Akkus in Minuten von halb voll auf leer fallen können. Halte 20–30 % Reserve allein für den Notruf. Und lerne ein paar Grundlagen der Navigation ohne Kompass, damit ein leerer Akku nicht sofort zum Notfall wird.

| Signal | Bedeutung | Wann | Tipp |
|---|---|---|---|
| Notruf 112 (911 / 999) | Notruf | Bei jedem Netz | Wo, was, wie viele; erreichbar bleiben |
| 3 Pfiffe oder Lichtblitze | Brauche Hilfe | Jederzeit | Pause machen, lauschen, wiederholen |
| Alpines Notsignal | Brauche Hilfe (Berge) | Jederzeit | 6 pro Minute, 1 Minute Pause |
| Signalspiegel | Aufmerksamkeit erregen | Bei Sonne | Mit Finger-V zielen |
| V / X am Boden | Hilfe / ärztliche Hilfe | Tagsüber, freie Fläche | Mindestens etwa 2,5 m, starker Kontrast |
Häufige Fehler
- In Panik weiterlaufen, statt anzuhalten, nachzudenken und zu bleiben.
- Niemandem einen Tourenplan hinterlassen – dann schlägt auch niemand Alarm.
- Ungenaue Standortangaben oder verwechselte Koordinatenformate.
- Auflegen, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet, oder den Akku leer laufen lassen.
- Unter dichtem Kronendach signalisieren, wo dich niemand sieht.
- Bei Trockenheit ein Signalfeuer machen und einen Waldbrand auslösen.
- Tarps und Rettungsdecken lose liegen lassen, wenn ein Hubschrauber landet.
Das brauchst du
- Voll geladenes Handy mit Offline-Karten und Powerbank
- Kugellose Kunststoffpfeife an Kordel oder Schultergurt
- Stirnlampe mit Ersatzbatterien
- Signalspiegel mit Visierloch
- Knallbuntes Tarp, Jacke oder Halstuch
- Rettungsdecke oder Biwaksack
- Notfallsender (PLB) oder Satelliten-Messenger für abgelegene Gebiete
Häufige Fragen
Was ist das Alpine Notsignal?
Funktioniert der Notruf 112 ohne Netz oder Guthaben?
Was muss ich beim Notruf sagen?
Soll ich bleiben oder weitergehen, wenn ich mich verlaufen habe?
Wie benutze ich einen Signalspiegel?
Was bedeuten V und X auf dem Boden?
Wie gebe ich einem Rettungshubschrauber Zeichen?
Was tun, wenn jemand von einer Wanderung nicht zurückkommt?
Was ist ein Rettungspunkt im Wald?
Muss ich eine Bergrettung selbst bezahlen?
Teste dich selbst
Erledigt6 kurze Fragen zu dieser Anleitung. Es wird nichts übertragen.
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