Ausrüstung

Bushcraft-Kleidung: Zwiebelprinzip, Materialien & feuerfeste Außenschicht

16 Min. Lesezeit · Aktualisiert

Gute Bushcraft-Kleidung folgt dem Zwiebelprinzip: eine Basisschicht, die Schweiß von der Haut wegleitet, eine Zwischenschicht, die Wärme speichert, eine Isolationsjacke fürs Lager und eine Außenschicht gegen Wind und Regen. Wolle und Kunstfaser wärmen auch feucht; Baumwolle und Baumwollmischgewebe sind als Außenschicht am Feuer funkenresistent, aber gefährlich, wenn sie nass und kalt werden.

Hier erfährst du, welches Material in welche Schicht gehört, wie du dich für jede Jahreszeit anziehst, worauf es bei Hose, Jacke, Schuhen und Regenkleidung ankommt – und wie der Wind alles verändert, mit Werten aus unserem Windchill-Rechner. Die Listen nach Jahreszeit entsprechen dem Ausrüstungsplaner. Mehr Ratgeber unter Bushcraft-Ausrüstung.

Schritt für Schritt

  1. Merino / KunstfaserLeitet Schweiß abBaumwolle:nass kalt
    1

    Mit Funktionswäsche starten

    Merino oder Kunstfaser auf der Haut leitet Schweiß ab und wärmt auch feucht. Baumwolle hier bei kühlem Wetter vermeiden.

  2. oderWollpulloverFleeceHält Luft · aus, bevor du schwitzt
    2

    Warme Zwischenschicht

    Fleece oder Wollpullover speichert Wärme in Bewegung. Ausziehen, bevor du ins Schwitzen kommst.

  3. Sofort an, wenndu anhältstKunstfaser / Daune
    3

    Isolation fürs Lager

    Kunstfaser- oder Daunenjacke sofort bei jeder Pause anziehen – im Herbst und Winter die wichtigste Schicht.

  4. Hält Windund Regen ab
    4

    Außenschicht drüber

    Die Regenjacke schützt auf jeder Tour vor Wind und Regen; am Feuer ist eine Schicht aus Wolle oder Baumwollmischgewebe besser.

  5. Früh lüftenAnziehen, bevordu frierst
    5

    Ständig anpassen

    Leicht fröstelnd losgehen, früh lüften, Schichten ergänzen, bevor dir kalt wird. Eine trockene Garnitur nur zum Schlafen.

Zwiebelprinzip: So funktioniert Bushcraft-Kleidung

Kleidung erzeugt keine Wärme – sie bremst den Wärmeverlust und regelt die Feuchtigkeit. Mehrere dünne Schichten können das besser als ein dickes Kleidungsstück, weil du sie je nach Tätigkeit und Wetter an- und ausziehen kannst. Beim Brennholzsägen schwitzt du bei 5 °C im T-Shirt, eine Stunde später in der Dämmerung am Feuer brauchst du eine dicke Jacke. Das Zwiebelprinzip bei der Kleidung erlaubt dir, auf beides zu reagieren.

Das Zwiebelprinzip (oben = außen)

  1. AußenschichtRegenjacke gegen Wind und Regen; Smock oder Jacke aus Wolle oder Baumwollmischgewebe für die Arbeit am Feuer
  2. IsolationsschichtKunstfaser- oder Daunenjacke für Pausen und Lager – Herbst und Winter
  3. ZwischenschichtFleece, Wollpullover oder Wollhemd – Wärme in Bewegung
  4. BasisschichtMerino oder Kunstfaser direkt auf der Haut – leitet Schweiß ab

Beine, Hände, Kopf und Füße folgen demselben Prinzip: Thermo-Leggings unter einer robusten Hose, dünne Handschuhe unter Fäustlingen, eine dünne Mütze unter der Kapuze. Genau diese Teile packt der Ausrüstungsplaner je nach Jahreszeit ein: Regenjacke, Merino-Baselayer und Ersatz-Wollsocken auf jeder Tour, ein Fleece im Sommer und Herbst, eine Kunstfaser-Isolationsjacke im Herbst, einen Daunen- oder Kunstfaserparka im Winter sowie ab Herbst Thermo-Leggings, Mütze und Handschuhe.

Warum Schweiß dein größter Gegner ist

Wasser leitet Wärme um ein Vielfaches schneller als Luft – der Windchill-Rechner rechnet mit etwa dem 25-Fachen. Durchgeschwitzte Kleidung verliert einen großen Teil ihrer Isolation, und sobald du stehen bleibst, kühlst du schnell aus. Deshalb gehen Erfahrene leicht fröstelnd los, öffnen Reißverschlüsse, bevor sie schwitzen, und ziehen bei jeder Pause sofort eine Schicht über. Diese Gewohnheit bringt mehr als jedes teure Kleidungsstück.

Kleidungsschichten als farbige Bänder von der Haut bis zur Jacke, Dampfpfeil nach außen, Wind und Regen prallen außen ab
Querschnitt von der Haut bis zur Außenschicht: Schweiß wandert als Dampf durch die Schichten nach außen, die Außenschicht hält Wind und Regen ab. Die Isolation wärmt nur, solange sie trocken und aufgebauscht bleibt.

Temperatur regeln unterwegs

  1. Leicht fröstelnd losgehen – Starte so, dass dir anfangs etwas kühl ist. Nach zehn Minuten mit Rucksack bist du warm – wer warm startet, schwitzt bis dahin schon.1
    Leicht fröstelnd losgehen

    Starte so, dass dir anfangs etwas kühl ist. Nach zehn Minuten mit Rucksack bist du warm – wer warm startet, schwitzt bis dahin schon.

  2. Lüften, bevor du schwitzt – Frontreißverschluss, Achselzips und Bündchen beim ersten Wärmegefühl öffnen, nicht erst, wenn der Rücken nass ist. Ärmel hochschieben und Mütze abnehmen bringen ebenfalls viel.2
    Lüften, bevor du schwitzt

    Frontreißverschluss, Achselzips und Bündchen beim ersten Wärmegefühl öffnen, nicht erst, wenn der Rücken nass ist. Ärmel hochschieben und Mütze abnehmen bringen ebenfalls viel.

  3. Mittelschicht aus bei harter Arbeit – Vor dem Sägen, Holzspalten oder einem langen Anstieg Fleece oder Pullover ausziehen und oben in den Rucksack stecken. In der Basisschicht arbeiten, bei Wind mit Außenschicht darüber.3
    Mittelschicht aus bei harter Arbeit

    Vor dem Sägen, Holzspalten oder einem langen Anstieg Fleece oder Pullover ausziehen und oben in den Rucksack stecken. In der Basisschicht arbeiten, bei Wind mit Außenschicht darüber.

  4. Pause = Isolationsjacke an – Sobald du länger als ein paar Minuten stehst, kommt die Isolationsjacke über alles – bevor du frierst. Kurz vor dem Weitergehen wieder ausziehen.4
    Pause = Isolationsjacke an

    Sobald du länger als ein paar Minuten stehst, kommt die Isolationsjacke über alles – bevor du frierst. Kurz vor dem Weitergehen wieder ausziehen.

Zu warm, zu kalt? Schnelle Lösungen nach Symptom
Was du merkstWas es bedeutetWas du tust
Feuchter Rücken, Schweiß auf der StirnZu viel Isolation für die AnstrengungReißverschlüsse auf, Mittelschicht aus, etwas langsamer gehen
Körper warm, aber Hände und Ohren kaltWärmeverlust an den Extremitäten, oft durch WindMütze und Handschuhe an, winddichte Schicht darüber
Kalt im Wind trotz FleeceDer Wind zieht durch das FleeceWinddichten Smock oder Regenjacke darüberziehen
Nass unter der RegenjackeKondenswasser vom Schweiß, kein LeckAchselzips öffnen, Tempo drosseln, dünnere Mittelschicht
Zittern in der PauseIsolationsjacke kam zu spätSofort Jacke an, etwas Warmes essen und trinken, dann locker bewegen
Kalte Füße im LagerFeuchte Socken, kalter BodenTrockene Socken anziehen, auf eine Isomatte stellen, Lagerschuhe an

Zittern, das nicht aufhört, Ungeschicklichkeit oder Verwirrtheit können Zeichen einer Unterkühlung sein – sofort handeln, siehe Unterkühlung erkennen.

Wolle, Kunstfaser oder Baumwolle: Welches Material wohin?

Jede Faser hat ihren Platz in der Bushcraft-Garderobe – die Frage ist nur, in welcher Schicht und bei welchem Wetter.

Bekleidungsmaterialien im Vergleich
MaterialWärme bei NässeTrocknungGeruchAm FeuerHaltbarkeitBester Einsatz
Merino / Wollegut – wärmt auch feuchtlangsam bis mittelsehr geringgut – verkohlt statt zu schmelzen, selbstverlöschendmittel (dünnes Merino) bis hoch (Walk, Loden)Basisschicht, Socken, Pullover, Außenschicht
Kunstfaser (Polyester, Nylon, Fleece)gutschnellriecht schnellschlecht – schmilzt und kann an der Haut klebenhochBasisschicht, Fleece, Isolation, Regenjacke
Baumwollesehr schlecht – nass kaltsehr langsammittelgut – schmilzt nicht, kann aber brennenmittelHeißes, trockenes Wetter; Halstuch
Baumwollmischgewebe (z. B. 65/35)schlecht bis mittelmittelmittelrecht gut – funkenresistente Oberflächesehr hoch, dicht gewebt winddichtBushcraft-Hosen, Smocks, Jacken
Dauneschlecht – fällt nass zusammenlangsam–schlecht – dünner Außenstoff schmilzthoch bei guter PflegeIsolation im Lager bei kaltem, trockenem Wetter

„Am Feuer" meint Funken und Glut, keine Flammen. Kein normales Bekleidungsmaterial ist feuerfest.

„Cotton kills" – stimmt, aber differenziert

Der Bergsteigerspruch „Cotton kills" (Baumwolle tötet) bezieht sich auf kaltes, nasses Wetter: Ein nasses Baumwollshirt klebt an der Haut, trocknet extrem langsam und entzieht dem Körper Wärme, bis eine Unterkühlung zum echten Risiko wird. Als Basisschicht im Herbst und Winter hat Baumwolle in deiner Ausrüstung nichts verloren. Schlecht ist Baumwolle deshalb aber nicht. Bei trockener Hitze kühlt sie gerade durch das langsame Trocknen, ist angenehm zu tragen und schmilzt nicht. Als dicht gewebter Außenstoff (Baumwollmischgewebe oder gewachste Baumwolle) ist sie winddicht, robust und am Feuer viel toleranter als Nylon.

Die Praxisregel: Wolle oder Kunstfaser auf die Haut, Wolle oder Baumwollmischgewebe nach außen, wenn du am Feuer arbeitest, und eine wasserdichte Regenjacke im Rucksack. In Deutschland haben traditionelle Stoffe wie Loden und Walk hier eine lange Geschichte – dichte Wolle, die Wind und leichten Regen abhält und Funken verzeiht.

Kleidung am Feuer: Funken, Schmelzen und Sicherheit

Im Bushcraft dreht sich vieles ums Feuer, und das beeinflusst die Kleiderwahl. Kunstfasern – Fleece, Nylon, Polyester und die meisten technischen Regenjacken – schmelzen, wenn Glut darauf landet. Ein Loch in der Jacke ist ärgerlich; geschmolzenes Kunstfasermaterial auf der Haut verursacht schwere Verbrennungen. Wolle verkohlt und erlischt meist von selbst; Baumwolle und Baumwollmischgewebe schmelzen nicht, Baumwolle kann allerdings brennen.

Wollstoff mit kleinem Brandfleck neben Fleecestoff mit geschmolzenem Loch
Derselbe Glutfunke auf zwei Stoffen: Wolle zeigt einen kleinen verkohlten Fleck, Fleece schmilzt ein Loch und tropft – auf der Haut bedeutet das eine Verbrennung.

Richtig angezogen für die Arbeit am Feuer

  1. Feuerfeste Schicht nach außen – Bevor du dich ans Feuer setzt, einen Smock aus Wolle oder dicht gewebtem Baumwollmischgewebe über Fleece und Kunstfaser ziehen. Die Kunstfasern bleiben darunter, wo kein Funke sie erreicht.1
    Feuerfeste Schicht nach außen

    Bevor du dich ans Feuer setzt, einen Smock aus Wolle oder dicht gewebtem Baumwollmischgewebe über Fleece und Kunstfaser ziehen. Die Kunstfasern bleiben darunter, wo kein Funke sie erreicht.

  2. Ärmel runter, Haare zusammen, nichts Loses – Ärmel herunterkrempeln, lange Haare zusammenbinden, Schal, Kordeln und Kapuzenstopper einstecken. Seitlich neben dem Feuer knien oder hocken, nicht darüber, und nicht im Rauch sitzen.2
    Ärmel runter, Haare zusammen, nichts Loses

    Ärmel herunterkrempeln, lange Haare zusammenbinden, Schal, Kordeln und Kapuzenstopper einstecken. Seitlich neben dem Feuer knien oder hocken, nicht darüber, und nicht im Rauch sitzen.

  3. Wenn Kleidung Feuer fängt – Stehen bleiben, auf den Boden legen und wälzen, um die Flammen zu ersticken – Rennen facht sie an. Danach die Verbrennung mit kühlem, fließendem Wasser kühlen und Hilfe holen, siehe Erste Hilfe bei Verbrennungen.3
    Wenn Kleidung Feuer fängt

    Stehen bleiben, auf den Boden legen und wälzen, um die Flammen zu ersticken – Rennen facht sie an. Danach die Verbrennung mit kühlem, fließendem Wasser kühlen und Hilfe holen, siehe Erste Hilfe bei Verbrennungen.

Harzreiche Hölzer wie Fichte, Lärche und Kiefer sprühen deutlich mehr Funken als Laubhölzer wie Buche oder Eiche. Ein kleineres, gut geführtes Feuer mit der passenden Feuerart funkt weniger und muss seltener nachgelegt werden – das schont Kleidung und Wald.

Bushcraft-Hose und -Jacke: worauf achten?

Hose

Eine gute Bushcraft-Hose hält Knien, Brombeeren und dem Sitzen auf Baumstämmen stand, lässt Bewegungsfreiheit und trocknet einigermaßen schnell. Achte auf:

  • Robustes Gewebe: dicht gewebtes Baumwollmischgewebe oder strapazierfähige Kunstfaser mit verstärkten Knien und Gesäß. Baumwollmischgewebe lässt sich für mehr Wasserabweisung wachsen.
  • Bewegungsfreiheit: Zwickel im Schritt und vorgeformte Knie fürs Hocken am Feuer und Klettern über Stämme.
  • Sinnvolle Taschen mit Verschluss, etwa für Karte, Taschenmesser oder Feuerstahl.
  • Beinabschlüsse, die über die Schuhe passen oder sich in Gamaschen stecken lassen – wichtig gegen Zecken.

Jeans taugen höchstens für einen trockenen Tagesausflug: Schwerer Baumwolldenim saugt sich voll, wird eiskalt und trocknet kaum. Bei Kälte lieber Thermo-Leggings unter die Hose ziehen als eine dickere Hose – die Leggings sind schneller ausgezogen, wenn dir warm wird.

Jacke und Smock

Die klassische Bushcraft-Außenschicht ist ein Smock (Schlupfjacke) oder eine Jacke aus Baumwollmischgewebe, gewachster Baumwolle oder Wolle. Sie ist für die meisten Tage winddicht genug, atmet gut, verträgt Funken und Dornen und hat große Taschen für Handschuhe, Mütze und Messer. Bei Dauerregen ist sie nicht dicht – dafür ist die Regenjacke im Rucksack da. Viele Bushcrafter tragen einen Wollpullover oder ein Wollhemd als Zwischenschicht, einen Smock aus Baumwollmischgewebe darüber und greifen nur bei echtem Regen zur Regenjacke.

Schuhe und Socken für Bushcraft

Deine Füße tragen dich und alles, was du dabeihast – also verdienen Schuhe eine sorgfältige Wahl. Für Bushcraft im Wald ist ein halbhoher bis hoher Wanderstiefel mit gutem Knöchelhalt und griffiger Sohle die übliche Wahl. Der Schuh muss perfekt passen: am besten nachmittags anprobieren (die Füße schwellen im Laufe des Tages an), mit den Socken, die du auch unterwegs trägst.

Lederstiefel vs. Kunstfaserschuhe

Vollleder

  • Sehr haltbar, neu besohlbar
  • Verträgt Funken und Glut viel besser
  • Gewachst wasserabweisend, atmungsaktiv
  • Schwerer, muss eingelaufen werden
  • Braucht regelmäßig Wachs oder Fett
vs

Kunstfaser / Textil

  • Leicht und sofort bequem
  • Trocknet schneller, wenn er durchnässt ist
  • Meist günstiger
  • Schmilzt durch Glut, verschleißt schneller
  • Weniger Halt bei schwerem Rucksack

Wasserdichte Membranen halten nasses Gras und flache Pfützen draußen und sind bei kaltem, nassem Wetter willkommen. Läuft aber einmal Wasser oben hinein, trocknet ein Membranschuh nur langsam, und im Sommer schwitzen die Füße darin. Bei warmem Wetter sind Schuhe ohne Membran oder schnell trocknende Trailschuhe oft angenehmer. Gamaschen halten Schnee, Schlamm und Zecken vom Schaft fern.

Socken sind genauso wichtig wie der Schuh: Wander- oder Trekkingsocken aus Wolle oder Wollmischung polstern, regulieren Feuchtigkeit und wärmen auch feucht. Pack ein Paar Ersatzsocken pro Tag ein, wie im Ausrüstungsplaner, und halte ein trockenes Paar nur zum Schlafen bereit. Nasse Socken abends wechseln und in der Jacke oder im Schlafsack trocknen, nicht am Feuer. Druckstellen früh abkleben – Blasen behandelt unser Ratgeber zum Erste-Hilfe-Set.

Regenkleidung: Jacke, Hose oder Poncho?

Die Regenjacke kommt auf jede Tour, zu jeder Jahreszeit – der Ausrüstungsplaner packt sie immer ein. Die wichtigsten Typen:

  • Hardshell mit wasserdichter, atmungsaktiver Membran: der Standard. Achte auf verschweißte oder getapte Nähte, eine Kapuze, die mit dem Kopf mitdreht, Unterarmreißverschlüsse zum Lüften und eine Wassersäule von mehreren tausend Millimetern. Keine Membran atmet schnell genug für schwere Arbeit – deshalb über die Reißverschlüsse lüften.
  • Gewachste Baumwolle oder Ölzeug: traditionell, robust, funkentolerant, aber schwer und weniger atmungsaktiv. Gut fürs feste Lager.
  • Poncho: bedeckt dich und den Rucksack, lüftet gut und dient im Notfall als Shelter. Flattert im Wind und bleibt im dichten Unterholz hängen.
  • Regenhose: im Herbst und Winter sinnvoll, weil nasse Beine schnell auskühlen. Seitliche Reißverschlüsse erleichtern das Anziehen über den Schuhen.

Membranjacken verlieren mit der Zeit ihre Imprägnierung: Wenn der Außenstoff sich dunkel vollsaugt, nach Pflegeetikett waschen und neu imprägnieren. Halte sie vom Feuer fern – sie besteht fast immer aus schmelzender Kunstfaser.

Bushcraft-Kleidung nach Jahreszeit

Die Tabelle zeigt, was du trägst und was in den Rucksack kommt – passend zu den Listen des Ausrüstungsplaners. Passe sie an dein Klima und dein Wärmeempfinden an.

Kleidung nach Jahreszeit (getragen + im Rucksack)
SchichtSommerHerbstWinter
BasisLeichtes Merino- oder Kunstfaser-Shirt; bei trockener Hitze auch BaumwolleMerino-Langarm (200 g), Thermo-Leggings (250 g)Merino-Langarm und -Leggings, Ersatz-Oberteil
ZwischenFleece (350 g) für den AbendFleece oder Wollpullover (350 g)Wollpullover oder dickes Fleece
Isolation–Kunstfaser-Isolationsjacke (450 g)Daunen- oder Kunstfaserparka (700 g)
AußenLeichtes Hemd oder Smock aus BaumwollmischgewebeSmock aus Baumwollmischgewebe oder WolleWinddichter Smock aus Wolle oder Baumwollmischgewebe
RegenRegenjacke (350 g)Regenjacke + RegenhoseRegenjacke (+ Hose bei Nassschnee)
Kopf & HändeSonnenhut, KopfnetzMütze + Handschuhe (150 g)Mütze, dünne Handschuhe + Fäustlinge, Schlauchschal
FüßeWollsocken, 1 Ersatzpaar pro TagWollsocken, 1 Ersatzpaar pro TagDicke Wollsocken, 1 Ersatzpaar pro Tag, Gamaschen

Gewichte in Klammern: typische Werte des Ausrüstungsplaners für mitgetragene Teile.

Outdoor-Kleidung im Winter: warm bleiben bei Frost

Im Winter kommen zwei Herausforderungen dazu: lange Stunden ohne Bewegung im Lager und Feuchtigkeit, die gefriert. Das Zwiebelprinzip funktioniert weiterhin – du brauchst nur mehr Isolation und ein besseres Feuchtigkeitsmanagement. Gerade die feuchtkalten Nächte um den Gefrierpunkt in den deutschen Mittelgebirgen werden oft unterschätzt.

Checkliste Winterkleidung

  • Parka oder dicke Isolationsjacke, die über alle Schichten passt
  • Fäustlinge über dünnen Handschuhen, dazu ein Ersatzpaar
  • Warme Mütze und Schlauchschal oder Sturmhaube gegen Wind
  • Thermo-Leggings und isolierte oder winddichte Hose
  • Dicke Wollsocken und ein trockenes Paar nur zum Schlafen
  • Gamaschen oder hohe Stiefel für Schnee
  • Trockene Basisschicht zum Wechseln im Lager
  • Isolierte Hüttenschuhe für den Abend (optional)

Zieh die Isolationsjacke bei jeder Pause an, bevor dir kalt wird, und zieh sie aus, bevor du richtig arbeitest. Handschuhe und Mütze in den Jackentaschen tragen, damit sie warm bleiben. Fäustlinge wärmen besser als Fingerhandschuhe, weil sich die Finger gegenseitig wärmen; für Feinarbeit wie das Anreißen eines Feuerstahls die dünnen Handschuhe nutzen und die Fäustlinge gleich danach wieder überziehen. Nachts ist trockene Kleidung Teil deines Schlafsystems – der Schlafsack-Rechner rechnet eine warme Schicht im Schlafsack mit etwa 3 °C.

Windchill: Warum der Wind bestimmt, was du anziehst

Wind reißt die dünne Schicht warmer Luft um deinen Körper weg. Der Windchill-Index (NWS / Environment Canada, 2001) drückt das als gefühlte Temperatur auf ungeschützter Haut aus. Er gilt bei Lufttemperaturen bis 10 °C und Windgeschwindigkeiten ab etwa 5 km/h. Einige Beispiele aus unserem Windchill-Rechner:

Windchill-Beispiele
LufttemperaturWindGefühltRisiko
5 °C20 km/h≈ 1 °CGering – unangenehm, Zwiebelprinzip
0 °C20 km/h≈ −5 °CGering – Haut bedecken
−5 °C25 km/h≈ −12 °CMäßig – Unterkühlungsgefahr bei langem Aufenthalt
−10 °C30 km/h≈ −20 °CMäßig – Gesicht, Hände und Ohren bedecken
−20 °C30 km/h≈ −33 °CHoch – ungeschützte Haut kann in 10–30 min erfrieren

Windchill wirkt auf Menschen und Tiere, nicht auf Gegenstände: Wasser gefriert trotzdem erst unter 0 °C.

Daraus folgen zwei Praxisregeln. Erstens: Eine winddichte Außenschicht bringt im Wind mehr Wärme als ein weiteres Fleece – Fleece ist warm, lässt Wind aber ungehindert durch. Zweitens: Der Lagerplatz zählt. Baue mit dem Rücken zum Wind auf und nutze Gelände und Bäume als Windschutz (siehe Lagerplatz wählen). Nasse Kleidung verschärft alles, weil Wasser Wärme rund 25-mal schneller leitet als Luft: Wenn du durchnässt bist, sofort trockene Schichten anziehen oder ans Feuer. Wie du bei solchem Wetter Feuer machst, erklärt Feuer bei Nässe.

Person im winddichten Smock, um die der Wind herumströmt, neben einer Person im Fleece, durch das der Wind zieht
Eine winddichte Außenschicht lenkt den Wind ab und hält die warme Luft in der Kleidung; ein Fleece allein lässt den Wind einfach durch.

Kleidung unterwegs trocknen und pflegen

Kleidung trocken zu halten ist leichter, als sie zu trocknen. Zieh verschwitzte Schichten aus, sobald du im Lager bist, häng feuchte Teile unters Tarp in den Wind und trockne Kleinigkeiten wie Socken und Handschuhe mit Körperwärme in der Jacke oder im Schlafsack. Am Feuer Kleidung an einer Leine oder einem Stock mit ausreichend Abstand zu Flammen und Funken aufhängen, nie direkt darüber, und oft kontrollieren – Wolle und Leder schrumpfen oder reißen bei Überhitzung, Kunstfaser schmilzt.

Abendroutine: trocken werden und trocken bleiben

  1. Nasse Basisschicht wechseln – Sobald das Lager steht, die verschwitzte Basisschicht ausziehen – solange du vom Gehen noch warm bist. Eine nasse Schicht auf der Haut kühlt dich den ganzen Abend aus.1
    Nasse Basisschicht wechseln

    Sobald das Lager steht, die verschwitzte Basisschicht ausziehen – solange du vom Gehen noch warm bist. Eine nasse Schicht auf der Haut kühlt dich den ganzen Abend aus.

  2. Ein Set nur zum Schlafen – Trockene Basisschicht, Socken und Mütze bleiben in einem eigenen Packsack und werden nur im Schlafsack getragen. Nicht für Lagerarbeiten anziehen, auch wenn es verlockt.2
    Ein Set nur zum Schlafen

    Trockene Basisschicht, Socken und Mütze bleiben in einem eigenen Packsack und werden nur im Schlafsack getragen. Nicht für Lagerarbeiten anziehen, auch wenn es verlockt.

  3. Feuchtes in den Luftzug hängen – Unter dem Tarp eine Leine dort spannen, wo Luft zieht. Socken auf links drehen und alles so aufhängen, dass sich nichts berührt – selbst feuchte Luft trocknet schneller, wenn sie strömt.3
    Feuchtes in den Luftzug hängen

    Unter dem Tarp eine Leine dort spannen, wo Luft zieht. Socken auf links drehen und alles so aufhängen, dass sich nichts berührt – selbst feuchte Luft trocknet schneller, wenn sie strömt.

  4. Kleinteile mit Körperwärme trocknen – Feuchte Socken, Handschuhe und Einlagen trocknen über Nacht in der Jacke oder im Fußteil des Schlafsacks, nah am Körper – nicht direkt auf der Haut. Vorher gut auswringen.4
    Kleinteile mit Körperwärme trocknen

    Feuchte Socken, Handschuhe und Einlagen trocknen über Nacht in der Jacke oder im Fußteil des Schlafsacks, nah am Körper – nicht direkt auf der Haut. Vorher gut auswringen.

  5. Am Feuer: seitlich aufhängen – Kleidung auf eine Leine oder einen Stock neben das Feuer hängen, nie darüber, und oft kontrollieren. Ist ein Teil zu heiß, um es an die Wange zu halten, weiter weg damit.5
    Am Feuer: seitlich aufhängen

    Kleidung auf eine Leine oder einen Stock neben das Feuer hängen, nie darüber, und oft kontrollieren. Ist ein Teil zu heiß, um es an die Wange zu halten, weiter weg damit.

So prüfst du, ob etwas trocken ist: Halte es an die Innenseite des Handgelenks oder an die Wange. Trockener Stoff fühlt sich neutral an; fühlt er sich kühl an, ist er noch feucht, auch wenn die Oberfläche trocken aussieht. Wolle kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, fühlt sich dabei nur leicht klamm an und wärmt noch recht gut – eine nasse Socke bleibt aber eine nasse Socke, also Paare täglich wechseln.

Zu Hause Wolle mit Wollwaschmittel bei niedriger Temperatur waschen und liegend trocknen, Membranjacken mit Spezialwaschmittel reinigen und neu imprägnieren, Baumwolle und Leder nachwachsen. Kleine Risse früh flicken – Nadel und reißfester Faden gehören in jede Bushcraft-Packliste. Und wenn du gerade erst anfängst: Du brauchst keine Spezialgarderobe. Die meiste Outdoor-Kleidung, die du schon hast, funktioniert. Wie du mit dem startest, was du besitzt, zeigt Bushcraft für Anfänger.

Bushcraft-Kleidung auf einen Blick
Bushcraft-Kleidung auf einen Blick
SchichtBeste MaterialienVermeidenAm Feuer
BasisschichtMerino, KunstfaserBaumwolle bei Kälte/NässeUnter feuertoleranter Außenschicht
ZwischenschichtWolle, FleeceSchwere BaumwolleWolle besser als Fleece
IsolationKunstfaser, DauneNass werden lassenAbstand halten – Außenstoff schmilzt
AußenschichtBaumwollmischgewebe, Wolle, gewachste BaumwolleDünnes Nylon am FeuerGute Wahl
RegenschutzMembranjacke, PonchoZu Hause lassenSchmilzt – fernhalten

Häufige Fehler

  • Baumwoll-Unterwäsche oder Jeans bei kaltem, nassem Wetter tragen.
  • Beim Arbeiten stark schwitzen und danach im Lager schnell auskühlen.
  • Im Fleece oder in der Nylonjacke dicht am Feuer sitzen.
  • Mit der Isolationsjacke warten, bis dir schon kalt ist.
  • Die Regenjacke zu Hause lassen, weil die Vorhersage trocken aussah.
  • Socken und Schuhe zu nah am Feuer trocknen.
  • In der feuchten Tageskleidung schlafen.

Das brauchst du

  • Basisschicht aus Merino oder Kunstfaser
  • Fleece oder Wollpullover
  • Kunstfaser- oder Daunenjacke
  • Smock aus Baumwollmischgewebe oder Wolle
  • Wasserdichte Regenjacke (im Herbst/Winter plus Hose)
  • Robuste Bushcraft-Hose
  • Eingelaufene Stiefel und Wollsocken
  • Mütze und Handschuhe (im Winter Fäustlinge)

Rechner zu diesem Thema

Häufige Fragen

Welche Kleidung ist die beste für Bushcraft?
Schichten aus Wolle und Kunstfaser: Basisschicht aus Merino oder Kunstfaser, Fleece oder Wollpullover, Isolationsjacke fürs Lager, robuste Außenschicht aus Baumwollmischgewebe oder Wolle, die Funken verträgt, und eine wasserdichte Regenjacke. Dazu eine strapazierfähige Hose, eingelaufene Stiefel und Wollsocken. Welche Teile du je Jahreszeit brauchst, zeigt der Ausrüstungsplaner.
Warum heißt es „Cotton kills"?
Nasse Baumwolle verliert fast ihre ganze Isolation, klebt an der Haut und trocknet sehr langsam. Bei kaltem, nassem oder windigem Wetter entzieht sie dem Körper so Wärme und kann zur Unterkühlung beitragen. Bei trockener Hitze ist Baumwolle dagegen in Ordnung und sogar kühlend, und dicht gewebte Außenstoffe aus Baumwolle oder Baumwollmischgewebe sind am Feuer praktisch, weil sie nicht schmelzen.
Ist Fleece oder Wolle am Lagerfeuer besser?
Wolle. Fleece ist Polyester und schmilzt, wenn ein Funke darauf landet – geschmolzener Stoff kann an der Haut kleben. Wolle verkohlt und erlischt meist von selbst. Wenn du Fleece als Zwischenschicht magst, trag am Feuer eine Außenschicht aus Wolle oder Baumwollmischgewebe darüber und halte vernünftigen Abstand.
Was ist das Zwiebelprinzip bei Kleidung?
Beim Zwiebelprinzip trägst du mehrere dünne Schichten statt einer dicken: eine Basisschicht, die Schweiß ableitet, eine wärmende Zwischenschicht, eine Isolationsjacke für Pausen und eine Außenschicht gegen Wind und Regen. Je nach Aktivität und Wetter ziehst du Schichten an oder aus – so bleibst du warm, ohne zu überhitzen und zu schwitzen.
Was ziehe ich im Winter beim Bushcraft an?
Merino-Unterwäsche oben und unten, Wollpullover oder dickes Fleece, einen winddichten Smock aus Wolle oder Baumwollmischgewebe, einen warmen Parka fürs Lager, Thermo-Leggings unter robuster Hose, Mütze, dünne Handschuhe mit Fäustlingen und dicke Wollsocken mit Gamaschen. Eine trockene Garnitur zum Schlafen. Die gefühlte Temperatur zeigt der Windchill-Rechner.
Brauche ich wasserdichte Schuhe für Bushcraft?
In der kalten, nassen Jahreszeit halten wasserdichte Schuhe die Füße auf nassem Boden wärmer und trockener – von Herbst bis Frühjahr eine gute Wahl. Im Sommer sind Schuhe ohne Membran oder schnell trocknende Trailschuhe oft angenehmer, weil sie besser atmen und nach einem Bachdurchgang schneller trocknen. Leder verträgt Funken besser als Textil.