Ausrüstung
Bushcraft-Kleidung: Zwiebelprinzip, Materialien & feuerfeste Außenschicht
Gute Bushcraft-Kleidung folgt dem Zwiebelprinzip: eine Basisschicht, die Schweiß von der Haut wegleitet, eine Zwischenschicht, die Wärme speichert, eine Isolationsjacke fürs Lager und eine Außenschicht gegen Wind und Regen. Wolle und Kunstfaser wärmen auch feucht; Baumwolle und Baumwollmischgewebe sind als Außenschicht am Feuer funkenresistent, aber gefährlich, wenn sie nass und kalt werden.
Hier erfährst du, welches Material in welche Schicht gehört, wie du dich für jede Jahreszeit anziehst, worauf es bei Hose, Jacke, Schuhen und Regenkleidung ankommt – und wie der Wind alles verändert, mit Werten aus unserem Windchill-Rechner. Die Listen nach Jahreszeit entsprechen dem Ausrüstungsplaner. Mehr Ratgeber unter Bushcraft-Ausrüstung.
Schritt für Schritt
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1
Mit Funktionswäsche starten
Merino oder Kunstfaser auf der Haut leitet Schweiß ab und wärmt auch feucht. Baumwolle hier bei kühlem Wetter vermeiden.
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2
Warme Zwischenschicht
Fleece oder Wollpullover speichert Wärme in Bewegung. Ausziehen, bevor du ins Schwitzen kommst.
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3
Isolation fürs Lager
Kunstfaser- oder Daunenjacke sofort bei jeder Pause anziehen – im Herbst und Winter die wichtigste Schicht.
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4
Außenschicht drüber
Die Regenjacke schützt auf jeder Tour vor Wind und Regen; am Feuer ist eine Schicht aus Wolle oder Baumwollmischgewebe besser.
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5
Ständig anpassen
Leicht fröstelnd losgehen, früh lüften, Schichten ergänzen, bevor dir kalt wird. Eine trockene Garnitur nur zum Schlafen.
Zwiebelprinzip: So funktioniert Bushcraft-Kleidung
Kleidung erzeugt keine Wärme – sie bremst den Wärmeverlust und regelt die Feuchtigkeit. Mehrere dünne Schichten können das besser als ein dickes Kleidungsstück, weil du sie je nach Tätigkeit und Wetter an- und ausziehen kannst. Beim Brennholzsägen schwitzt du bei 5 °C im T-Shirt, eine Stunde später in der Dämmerung am Feuer brauchst du eine dicke Jacke. Das Zwiebelprinzip bei der Kleidung erlaubt dir, auf beides zu reagieren.
Das Zwiebelprinzip (oben = außen)
- Regenjacke gegen Wind und Regen; Smock oder Jacke aus Wolle oder Baumwollmischgewebe für die Arbeit am Feuer
- Kunstfaser- oder Daunenjacke für Pausen und Lager – Herbst und Winter
- Fleece, Wollpullover oder Wollhemd – Wärme in Bewegung
- Merino oder Kunstfaser direkt auf der Haut – leitet Schweiß ab
Beine, Hände, Kopf und Füße folgen demselben Prinzip: Thermo-Leggings unter einer robusten Hose, dünne Handschuhe unter Fäustlingen, eine dünne Mütze unter der Kapuze. Genau diese Teile packt der Ausrüstungsplaner je nach Jahreszeit ein: Regenjacke, Merino-Baselayer und Ersatz-Wollsocken auf jeder Tour, ein Fleece im Sommer und Herbst, eine Kunstfaser-Isolationsjacke im Herbst, einen Daunen- oder Kunstfaserparka im Winter sowie ab Herbst Thermo-Leggings, Mütze und Handschuhe.
Warum Schweiß dein größter Gegner ist
Wasser leitet Wärme um ein Vielfaches schneller als Luft – der Windchill-Rechner rechnet mit etwa dem 25-Fachen. Durchgeschwitzte Kleidung verliert einen großen Teil ihrer Isolation, und sobald du stehen bleibst, kühlst du schnell aus. Deshalb gehen Erfahrene leicht fröstelnd los, öffnen Reißverschlüsse, bevor sie schwitzen, und ziehen bei jeder Pause sofort eine Schicht über. Diese Gewohnheit bringt mehr als jedes teure Kleidungsstück.
Temperatur regeln unterwegs
1
Leicht fröstelnd losgehenStarte so, dass dir anfangs etwas kühl ist. Nach zehn Minuten mit Rucksack bist du warm – wer warm startet, schwitzt bis dahin schon.
2
Lüften, bevor du schwitztFrontreißverschluss, Achselzips und Bündchen beim ersten Wärmegefühl öffnen, nicht erst, wenn der Rücken nass ist. Ärmel hochschieben und Mütze abnehmen bringen ebenfalls viel.
3
Mittelschicht aus bei harter ArbeitVor dem Sägen, Holzspalten oder einem langen Anstieg Fleece oder Pullover ausziehen und oben in den Rucksack stecken. In der Basisschicht arbeiten, bei Wind mit Außenschicht darüber.
4
Pause = Isolationsjacke anSobald du länger als ein paar Minuten stehst, kommt die Isolationsjacke über alles – bevor du frierst. Kurz vor dem Weitergehen wieder ausziehen.
| Was du merkst | Was es bedeutet | Was du tust |
|---|---|---|
| Feuchter Rücken, Schweiß auf der Stirn | Zu viel Isolation für die Anstrengung | Reißverschlüsse auf, Mittelschicht aus, etwas langsamer gehen |
| Körper warm, aber Hände und Ohren kalt | Wärmeverlust an den Extremitäten, oft durch Wind | Mütze und Handschuhe an, winddichte Schicht darüber |
| Kalt im Wind trotz Fleece | Der Wind zieht durch das Fleece | Winddichten Smock oder Regenjacke darüberziehen |
| Nass unter der Regenjacke | Kondenswasser vom Schweiß, kein Leck | Achselzips öffnen, Tempo drosseln, dünnere Mittelschicht |
| Zittern in der Pause | Isolationsjacke kam zu spät | Sofort Jacke an, etwas Warmes essen und trinken, dann locker bewegen |
| Kalte Füße im Lager | Feuchte Socken, kalter Boden | Trockene Socken anziehen, auf eine Isomatte stellen, Lagerschuhe an |
Zittern, das nicht aufhört, Ungeschicklichkeit oder Verwirrtheit können Zeichen einer Unterkühlung sein – sofort handeln, siehe Unterkühlung erkennen.
Wolle, Kunstfaser oder Baumwolle: Welches Material wohin?
Jede Faser hat ihren Platz in der Bushcraft-Garderobe – die Frage ist nur, in welcher Schicht und bei welchem Wetter.
| Material | Wärme bei Nässe | Trocknung | Geruch | Am Feuer | Haltbarkeit | Bester Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Merino / Wolle | gut – wärmt auch feucht | langsam bis mittel | sehr gering | gut – verkohlt statt zu schmelzen, selbstverlöschend | mittel (dünnes Merino) bis hoch (Walk, Loden) | Basisschicht, Socken, Pullover, Außenschicht |
| Kunstfaser (Polyester, Nylon, Fleece) | gut | schnell | riecht schnell | schlecht – schmilzt und kann an der Haut kleben | hoch | Basisschicht, Fleece, Isolation, Regenjacke |
| Baumwolle | sehr schlecht – nass kalt | sehr langsam | mittel | gut – schmilzt nicht, kann aber brennen | mittel | Heißes, trockenes Wetter; Halstuch |
| Baumwollmischgewebe (z. B. 65/35) | schlecht bis mittel | mittel | mittel | recht gut – funkenresistente Oberfläche | sehr hoch, dicht gewebt winddicht | Bushcraft-Hosen, Smocks, Jacken |
| Daune | schlecht – fällt nass zusammen | langsam | – | schlecht – dünner Außenstoff schmilzt | hoch bei guter Pflege | Isolation im Lager bei kaltem, trockenem Wetter |
„Am Feuer" meint Funken und Glut, keine Flammen. Kein normales Bekleidungsmaterial ist feuerfest.
„Cotton kills" – stimmt, aber differenziert
Der Bergsteigerspruch „Cotton kills" (Baumwolle tötet) bezieht sich auf kaltes, nasses Wetter: Ein nasses Baumwollshirt klebt an der Haut, trocknet extrem langsam und entzieht dem Körper Wärme, bis eine Unterkühlung zum echten Risiko wird. Als Basisschicht im Herbst und Winter hat Baumwolle in deiner Ausrüstung nichts verloren. Schlecht ist Baumwolle deshalb aber nicht. Bei trockener Hitze kühlt sie gerade durch das langsame Trocknen, ist angenehm zu tragen und schmilzt nicht. Als dicht gewebter Außenstoff (Baumwollmischgewebe oder gewachste Baumwolle) ist sie winddicht, robust und am Feuer viel toleranter als Nylon.
Die Praxisregel: Wolle oder Kunstfaser auf die Haut, Wolle oder Baumwollmischgewebe nach außen, wenn du am Feuer arbeitest, und eine wasserdichte Regenjacke im Rucksack. In Deutschland haben traditionelle Stoffe wie Loden und Walk hier eine lange Geschichte – dichte Wolle, die Wind und leichten Regen abhält und Funken verzeiht.
Kleidung am Feuer: Funken, Schmelzen und Sicherheit
Im Bushcraft dreht sich vieles ums Feuer, und das beeinflusst die Kleiderwahl. Kunstfasern – Fleece, Nylon, Polyester und die meisten technischen Regenjacken – schmelzen, wenn Glut darauf landet. Ein Loch in der Jacke ist ärgerlich; geschmolzenes Kunstfasermaterial auf der Haut verursacht schwere Verbrennungen. Wolle verkohlt und erlischt meist von selbst; Baumwolle und Baumwollmischgewebe schmelzen nicht, Baumwolle kann allerdings brennen.
Richtig angezogen für die Arbeit am Feuer
1
Feuerfeste Schicht nach außenBevor du dich ans Feuer setzt, einen Smock aus Wolle oder dicht gewebtem Baumwollmischgewebe über Fleece und Kunstfaser ziehen. Die Kunstfasern bleiben darunter, wo kein Funke sie erreicht.
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Ärmel runter, Haare zusammen, nichts LosesÄrmel herunterkrempeln, lange Haare zusammenbinden, Schal, Kordeln und Kapuzenstopper einstecken. Seitlich neben dem Feuer knien oder hocken, nicht darüber, und nicht im Rauch sitzen.
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Wenn Kleidung Feuer fängtStehen bleiben, auf den Boden legen und wälzen, um die Flammen zu ersticken – Rennen facht sie an. Danach die Verbrennung mit kühlem, fließendem Wasser kühlen und Hilfe holen, siehe Erste Hilfe bei Verbrennungen.
Harzreiche Hölzer wie Fichte, Lärche und Kiefer sprühen deutlich mehr Funken als Laubhölzer wie Buche oder Eiche. Ein kleineres, gut geführtes Feuer mit der passenden Feuerart funkt weniger und muss seltener nachgelegt werden – das schont Kleidung und Wald.
Bushcraft-Hose und -Jacke: worauf achten?
Hose
Eine gute Bushcraft-Hose hält Knien, Brombeeren und dem Sitzen auf Baumstämmen stand, lässt Bewegungsfreiheit und trocknet einigermaßen schnell. Achte auf:
- Robustes Gewebe: dicht gewebtes Baumwollmischgewebe oder strapazierfähige Kunstfaser mit verstärkten Knien und Gesäß. Baumwollmischgewebe lässt sich für mehr Wasserabweisung wachsen.
- Bewegungsfreiheit: Zwickel im Schritt und vorgeformte Knie fürs Hocken am Feuer und Klettern über Stämme.
- Sinnvolle Taschen mit Verschluss, etwa für Karte, Taschenmesser oder Feuerstahl.
- Beinabschlüsse, die über die Schuhe passen oder sich in Gamaschen stecken lassen – wichtig gegen Zecken.
Jeans taugen höchstens für einen trockenen Tagesausflug: Schwerer Baumwolldenim saugt sich voll, wird eiskalt und trocknet kaum. Bei Kälte lieber Thermo-Leggings unter die Hose ziehen als eine dickere Hose – die Leggings sind schneller ausgezogen, wenn dir warm wird.
Jacke und Smock
Die klassische Bushcraft-Außenschicht ist ein Smock (Schlupfjacke) oder eine Jacke aus Baumwollmischgewebe, gewachster Baumwolle oder Wolle. Sie ist für die meisten Tage winddicht genug, atmet gut, verträgt Funken und Dornen und hat große Taschen für Handschuhe, Mütze und Messer. Bei Dauerregen ist sie nicht dicht – dafür ist die Regenjacke im Rucksack da. Viele Bushcrafter tragen einen Wollpullover oder ein Wollhemd als Zwischenschicht, einen Smock aus Baumwollmischgewebe darüber und greifen nur bei echtem Regen zur Regenjacke.
Schuhe und Socken für Bushcraft
Deine Füße tragen dich und alles, was du dabeihast – also verdienen Schuhe eine sorgfältige Wahl. Für Bushcraft im Wald ist ein halbhoher bis hoher Wanderstiefel mit gutem Knöchelhalt und griffiger Sohle die übliche Wahl. Der Schuh muss perfekt passen: am besten nachmittags anprobieren (die Füße schwellen im Laufe des Tages an), mit den Socken, die du auch unterwegs trägst.
Lederstiefel vs. Kunstfaserschuhe
Vollleder
- Sehr haltbar, neu besohlbar
- Verträgt Funken und Glut viel besser
- Gewachst wasserabweisend, atmungsaktiv
- Schwerer, muss eingelaufen werden
- Braucht regelmäßig Wachs oder Fett
Kunstfaser / Textil
- Leicht und sofort bequem
- Trocknet schneller, wenn er durchnässt ist
- Meist günstiger
- Schmilzt durch Glut, verschleißt schneller
- Weniger Halt bei schwerem Rucksack
Wasserdichte Membranen halten nasses Gras und flache Pfützen draußen und sind bei kaltem, nassem Wetter willkommen. Läuft aber einmal Wasser oben hinein, trocknet ein Membranschuh nur langsam, und im Sommer schwitzen die Füße darin. Bei warmem Wetter sind Schuhe ohne Membran oder schnell trocknende Trailschuhe oft angenehmer. Gamaschen halten Schnee, Schlamm und Zecken vom Schaft fern.
Socken sind genauso wichtig wie der Schuh: Wander- oder Trekkingsocken aus Wolle oder Wollmischung polstern, regulieren Feuchtigkeit und wärmen auch feucht. Pack ein Paar Ersatzsocken pro Tag ein, wie im Ausrüstungsplaner, und halte ein trockenes Paar nur zum Schlafen bereit. Nasse Socken abends wechseln und in der Jacke oder im Schlafsack trocknen, nicht am Feuer. Druckstellen früh abkleben – Blasen behandelt unser Ratgeber zum Erste-Hilfe-Set.
Regenkleidung: Jacke, Hose oder Poncho?
Die Regenjacke kommt auf jede Tour, zu jeder Jahreszeit – der Ausrüstungsplaner packt sie immer ein. Die wichtigsten Typen:
- Hardshell mit wasserdichter, atmungsaktiver Membran: der Standard. Achte auf verschweißte oder getapte Nähte, eine Kapuze, die mit dem Kopf mitdreht, Unterarmreißverschlüsse zum Lüften und eine Wassersäule von mehreren tausend Millimetern. Keine Membran atmet schnell genug für schwere Arbeit – deshalb über die Reißverschlüsse lüften.
- Gewachste Baumwolle oder Ölzeug: traditionell, robust, funkentolerant, aber schwer und weniger atmungsaktiv. Gut fürs feste Lager.
- Poncho: bedeckt dich und den Rucksack, lüftet gut und dient im Notfall als Shelter. Flattert im Wind und bleibt im dichten Unterholz hängen.
- Regenhose: im Herbst und Winter sinnvoll, weil nasse Beine schnell auskühlen. Seitliche Reißverschlüsse erleichtern das Anziehen über den Schuhen.
Membranjacken verlieren mit der Zeit ihre Imprägnierung: Wenn der Außenstoff sich dunkel vollsaugt, nach Pflegeetikett waschen und neu imprägnieren. Halte sie vom Feuer fern – sie besteht fast immer aus schmelzender Kunstfaser.
Bushcraft-Kleidung nach Jahreszeit
Die Tabelle zeigt, was du trägst und was in den Rucksack kommt – passend zu den Listen des Ausrüstungsplaners. Passe sie an dein Klima und dein Wärmeempfinden an.
| Schicht | Sommer | Herbst | Winter |
|---|---|---|---|
| Basis | Leichtes Merino- oder Kunstfaser-Shirt; bei trockener Hitze auch Baumwolle | Merino-Langarm (200 g), Thermo-Leggings (250 g) | Merino-Langarm und -Leggings, Ersatz-Oberteil |
| Zwischen | Fleece (350 g) für den Abend | Fleece oder Wollpullover (350 g) | Wollpullover oder dickes Fleece |
| Isolation | – | Kunstfaser-Isolationsjacke (450 g) | Daunen- oder Kunstfaserparka (700 g) |
| Außen | Leichtes Hemd oder Smock aus Baumwollmischgewebe | Smock aus Baumwollmischgewebe oder Wolle | Winddichter Smock aus Wolle oder Baumwollmischgewebe |
| Regen | Regenjacke (350 g) | Regenjacke + Regenhose | Regenjacke (+ Hose bei Nassschnee) |
| Kopf & Hände | Sonnenhut, Kopfnetz | Mütze + Handschuhe (150 g) | Mütze, dünne Handschuhe + Fäustlinge, Schlauchschal |
| Füße | Wollsocken, 1 Ersatzpaar pro Tag | Wollsocken, 1 Ersatzpaar pro Tag | Dicke Wollsocken, 1 Ersatzpaar pro Tag, Gamaschen |
Gewichte in Klammern: typische Werte des Ausrüstungsplaners für mitgetragene Teile.
Outdoor-Kleidung im Winter: warm bleiben bei Frost
Im Winter kommen zwei Herausforderungen dazu: lange Stunden ohne Bewegung im Lager und Feuchtigkeit, die gefriert. Das Zwiebelprinzip funktioniert weiterhin – du brauchst nur mehr Isolation und ein besseres Feuchtigkeitsmanagement. Gerade die feuchtkalten Nächte um den Gefrierpunkt in den deutschen Mittelgebirgen werden oft unterschätzt.
Checkliste Winterkleidung
- Parka oder dicke Isolationsjacke, die über alle Schichten passt
- Fäustlinge über dünnen Handschuhen, dazu ein Ersatzpaar
- Warme Mütze und Schlauchschal oder Sturmhaube gegen Wind
- Thermo-Leggings und isolierte oder winddichte Hose
- Dicke Wollsocken und ein trockenes Paar nur zum Schlafen
- Gamaschen oder hohe Stiefel für Schnee
- Trockene Basisschicht zum Wechseln im Lager
- Isolierte Hüttenschuhe für den Abend (optional)
Zieh die Isolationsjacke bei jeder Pause an, bevor dir kalt wird, und zieh sie aus, bevor du richtig arbeitest. Handschuhe und Mütze in den Jackentaschen tragen, damit sie warm bleiben. Fäustlinge wärmen besser als Fingerhandschuhe, weil sich die Finger gegenseitig wärmen; für Feinarbeit wie das Anreißen eines Feuerstahls die dünnen Handschuhe nutzen und die Fäustlinge gleich danach wieder überziehen. Nachts ist trockene Kleidung Teil deines Schlafsystems – der Schlafsack-Rechner rechnet eine warme Schicht im Schlafsack mit etwa 3 °C.
Windchill: Warum der Wind bestimmt, was du anziehst
Wind reißt die dünne Schicht warmer Luft um deinen Körper weg. Der Windchill-Index (NWS / Environment Canada, 2001) drückt das als gefühlte Temperatur auf ungeschützter Haut aus. Er gilt bei Lufttemperaturen bis 10 °C und Windgeschwindigkeiten ab etwa 5 km/h. Einige Beispiele aus unserem Windchill-Rechner:
| Lufttemperatur | Wind | Gefühlt | Risiko |
|---|---|---|---|
| 5 °C | 20 km/h | ≈ 1 °C | Gering – unangenehm, Zwiebelprinzip |
| 0 °C | 20 km/h | ≈ −5 °C | Gering – Haut bedecken |
| −5 °C | 25 km/h | ≈ −12 °C | Mäßig – Unterkühlungsgefahr bei langem Aufenthalt |
| −10 °C | 30 km/h | ≈ −20 °C | Mäßig – Gesicht, Hände und Ohren bedecken |
| −20 °C | 30 km/h | ≈ −33 °C | Hoch – ungeschützte Haut kann in 10–30 min erfrieren |
Windchill wirkt auf Menschen und Tiere, nicht auf Gegenstände: Wasser gefriert trotzdem erst unter 0 °C.
Daraus folgen zwei Praxisregeln. Erstens: Eine winddichte Außenschicht bringt im Wind mehr Wärme als ein weiteres Fleece – Fleece ist warm, lässt Wind aber ungehindert durch. Zweitens: Der Lagerplatz zählt. Baue mit dem Rücken zum Wind auf und nutze Gelände und Bäume als Windschutz (siehe Lagerplatz wählen). Nasse Kleidung verschärft alles, weil Wasser Wärme rund 25-mal schneller leitet als Luft: Wenn du durchnässt bist, sofort trockene Schichten anziehen oder ans Feuer. Wie du bei solchem Wetter Feuer machst, erklärt Feuer bei Nässe.
Kleidung unterwegs trocknen und pflegen
Kleidung trocken zu halten ist leichter, als sie zu trocknen. Zieh verschwitzte Schichten aus, sobald du im Lager bist, häng feuchte Teile unters Tarp in den Wind und trockne Kleinigkeiten wie Socken und Handschuhe mit Körperwärme in der Jacke oder im Schlafsack. Am Feuer Kleidung an einer Leine oder einem Stock mit ausreichend Abstand zu Flammen und Funken aufhängen, nie direkt darüber, und oft kontrollieren – Wolle und Leder schrumpfen oder reißen bei Überhitzung, Kunstfaser schmilzt.
Abendroutine: trocken werden und trocken bleiben
1
Nasse Basisschicht wechselnSobald das Lager steht, die verschwitzte Basisschicht ausziehen – solange du vom Gehen noch warm bist. Eine nasse Schicht auf der Haut kühlt dich den ganzen Abend aus.
2
Ein Set nur zum SchlafenTrockene Basisschicht, Socken und Mütze bleiben in einem eigenen Packsack und werden nur im Schlafsack getragen. Nicht für Lagerarbeiten anziehen, auch wenn es verlockt.
3
Feuchtes in den Luftzug hängenUnter dem Tarp eine Leine dort spannen, wo Luft zieht. Socken auf links drehen und alles so aufhängen, dass sich nichts berührt – selbst feuchte Luft trocknet schneller, wenn sie strömt.
4
Kleinteile mit Körperwärme trocknenFeuchte Socken, Handschuhe und Einlagen trocknen über Nacht in der Jacke oder im Fußteil des Schlafsacks, nah am Körper – nicht direkt auf der Haut. Vorher gut auswringen.
5
Am Feuer: seitlich aufhängenKleidung auf eine Leine oder einen Stock neben das Feuer hängen, nie darüber, und oft kontrollieren. Ist ein Teil zu heiß, um es an die Wange zu halten, weiter weg damit.
So prüfst du, ob etwas trocken ist: Halte es an die Innenseite des Handgelenks oder an die Wange. Trockener Stoff fühlt sich neutral an; fühlt er sich kühl an, ist er noch feucht, auch wenn die Oberfläche trocken aussieht. Wolle kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, fühlt sich dabei nur leicht klamm an und wärmt noch recht gut – eine nasse Socke bleibt aber eine nasse Socke, also Paare täglich wechseln.
Zu Hause Wolle mit Wollwaschmittel bei niedriger Temperatur waschen und liegend trocknen, Membranjacken mit Spezialwaschmittel reinigen und neu imprägnieren, Baumwolle und Leder nachwachsen. Kleine Risse früh flicken – Nadel und reißfester Faden gehören in jede Bushcraft-Packliste. Und wenn du gerade erst anfängst: Du brauchst keine Spezialgarderobe. Die meiste Outdoor-Kleidung, die du schon hast, funktioniert. Wie du mit dem startest, was du besitzt, zeigt Bushcraft für Anfänger.

| Schicht | Beste Materialien | Vermeiden | Am Feuer |
|---|---|---|---|
| Basisschicht | Merino, Kunstfaser | Baumwolle bei Kälte/Nässe | Unter feuertoleranter Außenschicht |
| Zwischenschicht | Wolle, Fleece | Schwere Baumwolle | Wolle besser als Fleece |
| Isolation | Kunstfaser, Daune | Nass werden lassen | Abstand halten – Außenstoff schmilzt |
| Außenschicht | Baumwollmischgewebe, Wolle, gewachste Baumwolle | Dünnes Nylon am Feuer | Gute Wahl |
| Regenschutz | Membranjacke, Poncho | Zu Hause lassen | Schmilzt – fernhalten |
Häufige Fehler
- Baumwoll-Unterwäsche oder Jeans bei kaltem, nassem Wetter tragen.
- Beim Arbeiten stark schwitzen und danach im Lager schnell auskühlen.
- Im Fleece oder in der Nylonjacke dicht am Feuer sitzen.
- Mit der Isolationsjacke warten, bis dir schon kalt ist.
- Die Regenjacke zu Hause lassen, weil die Vorhersage trocken aussah.
- Socken und Schuhe zu nah am Feuer trocknen.
- In der feuchten Tageskleidung schlafen.
Das brauchst du
- Basisschicht aus Merino oder Kunstfaser
- Fleece oder Wollpullover
- Kunstfaser- oder Daunenjacke
- Smock aus Baumwollmischgewebe oder Wolle
- Wasserdichte Regenjacke (im Herbst/Winter plus Hose)
- Robuste Bushcraft-Hose
- Eingelaufene Stiefel und Wollsocken
- Mütze und Handschuhe (im Winter Fäustlinge)