Shelter
Lagerplatz finden: Die 5 W's, Untergrund, Kaltluft & Sicherheit
Wer einen guten Lagerplatz finden will, prüft vor dem Auspacken fünf Dinge: Wind, Wasser, Holz, gefährliches Totholz über dir und Wildtiere – im Englischen die „5 W's“ (wind, water, wood, widowmakers, wildlife). Danach kommt der Boden: eben, gut drainiert, oberhalb des Kaltluftsees im Talgrund und nicht mitten im Mückenparadies? Und zuletzt: Darfst du hier überhaupt übernachten?
Ein guter Lagerplatz macht alles andere leichter: Das Tarp lässt sich sauber abspannen, das Feuer zieht, Wasser ist nah, aber nicht zu nah, und du schläfst warm und sicher. Ein schlechter Platz macht in einer einzigen windigen, nassen Nacht jedes Können zunichte. Hier bekommst du ein System, eine Checkliste und einen Entscheidungspfad für die Lagerplatzwahl in zehn Minuten – ein Kernstück der Bushcraft-Grundlagen.
Schritt für Schritt
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1
Früh mit der Suche beginnen
Fang zwei bis drei Stunden vor Sonnenuntergang an, damit du schlechte Plätze ohne Zeitdruck verwerfen kannst.
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2
Nach oben schauen: Totholz
Prüfe jeden Baum in Fallweite auf tote Äste, hängende Stämme, Pilzbefall und sich hebende Wurzelteller.
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3
Boden und Wasserablauf lesen
Wähle ebenen, leicht erhöhten Boden. Meide Mulden, trockene Bachbetten und verdichtete Wege.
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4
Wind und Kaltluft prüfen
Such Schutz vor dem Hauptwind, aber bleib raus aus dem Talgrund, wo sich nachts kalte, feuchte Luft sammelt.
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5
Wasser, Holz und Zonen planen
Lager 50–60 m vom Wasser, Totholz in der Nähe, dann Schlaf-, Feuer- und Küchenbereich festlegen.
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6
Erlaubnis klären
Stell sicher, dass Übernachten – und erst recht Feuer – hier erlaubt ist oder der Eigentümer zugestimmt hat.
Die 5 W's: So wählst du den Lagerplatz
Die 5 W's sind eine Merkhilfe aus Bushcraft-Schulen, Pfadfinderei und militärischer Feldkunde. Eine feste Reihenfolge gibt es nicht – in einer Sturmnacht steht der Wind an erster Stelle, im trockenen Sommer Wasser und Waldbrandgefahr –, aber du solltest alle fünf bewusst abhaken, bevor du dich festlegst. Auf Deutsch lässt sich das gut als „Wind, Wasser, Holz, Totholz, Tiere“ merken.
Wind
Wind entzieht dir und deinem Shelter Wärme, treibt Funken und Rauch herum und macht aus einem Tarp ein Segel. Prüf die Wettervorhersage auf Richtung und Böen und nutze Gelände und Bewuchs als Windschutz: die Leeseite einer kleinen Kuppe, eine dichte Fichten- oder Kiefernverjüngung, ein Gebüsch. Ein leichter Luftzug ist gut – er hält Mücken fern und trägt den Rauch weg. Du willst also Schutz, keine völlige Windstille. Meide exponierte Kämme, Sättel und Geländeeinschnitte, in denen der Wind beschleunigt. Der Windchill-Rechner zeigt, wie schnell 20 km/h mehr Wind einen milden Abend eiskalt wirken lassen.
Wasser
Wasser brauchst du zum Trinken, Kochen und Löschen – eine Quelle wenige Gehminuten entfernt ist ideal (mehr dazu unter Wasser finden). Direkt am Ufer zu lagern ist aber ein Fehler: Dort ist die Luft kälter und feuchter, Pegel können nach Regen weiter oben schnell steigen, Mücken sind zahlreicher, und Wildtiere brauchen ungestörten Zugang zur Tränke. Als Faustregel gelten mindestens 50–60 m Abstand zu Seen und Bächen. Natürliches Wasser solltest du immer aufbereiten – siehe Wasser entkeimen.
Holz
Ist Feuer erlaubt, suchst du reichlich totes, trockenes, liegendes Holz in der Nähe – vom bleistiftdünnen Anzündholz bis zum handgelenkdicken Brennholz. Wer weit laufen muss, verliert Tageslicht; der Brennholz-Rechner sagt dir, wie viel du für einen Abend oder eine ganze Nacht wirklich brauchst. Lebende Bäume sind tabu, und in vielen Wäldern ist schon das Sammeln von Totholz nur mit Erlaubnis gestattet. Wo kein Feuer erlaubt ist – in deutschen Wäldern der Normalfall –, heißt „Holz“ schlicht: ein sicherer Platz für den Kocher. Mehr in unserem Ratgeber Lagerfeuer sicher & spurlos.
Totholz über dir
Herabfallende Äste und umstürzende Bäume gehören zu den ernsthaftesten realen Gefahren beim Übernachten im Wald – und im Abendlicht übersieht man sie leicht. Schau an jedem Baum hoch, dessen Höhe bis zu deinem Schlafplatz reicht. Die Warnzeichen findest du im nächsten Abschnitt.
Wildtiere
Tiere folgen derselben Logik wie du: Wasser, Deckung, bequeme Wege. Ausgetretene Wildwechsel, Suhlen und Wühlstellen von Wildschweinen, Ameisenhaufen, Erdwespennester und Baue sind schlechte Nachbarn. In Bärengebieten (Teile Skandinaviens, Karpaten, Nordamerika) gehören Kochen und Vorräte weit weg vom Schlafplatz. In Mitteleuropa sind eher Mäuse, Füchse und Wildschweine das Problem, die an Essen wollen – siehe Lebensmittel draußen lagern.
Totholz und Gefahrenbäume erkennen
Im Englischen heißen sie „widowmaker“ – Witwenmacher: tote oder abgebrochene Äste und instabile Bäume, die ohne Vorwarnung herunterkommen können. Oft passiert das bei Wind, nach Regen oder unter Schneelast, manchmal aber auch in einer völlig ruhigen Nacht. Die Regel ist einfach: Nichts Totes oder Instabiles in Fallweite von Schlaf-, Sitz- und Kochplatz. Die Fallweite eines ganzen Baums entspricht ungefähr seiner Höhe; Äste fallen meist näher, doch Wind trägt Bruchholz weiter.
Baum-Check: Warnzeichen
- Tote Äste ohne Laub oder Rinde, besonders große Äste hoch in der Krone
- Abgebrochene Äste, die in anderen Bäumen hängen („Hänger“)
- Bäume, die schräg an anderen Bäumen lehnen
- Baumpilze (Konsolen) am Stamm – oft ein Zeichen für Fäule im Inneren
- Risse, Höhlungen oder sich ablösende Rinde am Stamm
- Wurzelteller hebt sich, Boden rund um den Stammfuß gerissen
- Stehende tote Bäume – abgestorbene Birken und Fichten sind besonders brüchig
- Durch Trockenheit oder Borkenkäfer geschädigte Fichten- und Buchenbestände
Trockenjahre und Borkenkäfer haben in vielen deutschen Mittelgebirgen – etwa im Harz, im Sauerland oder in Teilen Thüringens – große Mengen abgestorbener Fichten hinterlassen. Auch trockengestresste Buchen werfen mitunter schwere Äste ab, selbst im Sommer. Forstämter und Landesforsten warnen regelmäßig davor, den Wald bei und nach Sturm zu betreten. Ist starker Wind angesagt, such offenes Gelände, junge Bestände ohne Totholz – oder verzichte in dieser Nacht ganz auf den Wald.
Vier Warnzeichen, auf die du bei jedem Baum achtest
1
Tote, kahle ÄsteÄste ohne Laub, Nadeln oder Rinde – besonders dicke Äste hoch in der Krone. Im Winter mit den Nachbarästen vergleichen: Totholz ist grauer und hat keine Knospen.
2
HängerAbgebrochene Äste, die in der Krone desselben oder eines Nachbarbaums hängen. Sie können bei der nächsten Böe fallen – oder wenn du eine Leine am Baum spannst.
3
Totbäume, Schräglage, PilzeStehendes Totholz, an andere Bäume gelehnte Stämme und Baumpilze am Stamm deuten auf Fäule im Inneren. Den ganzen Fallradius meiden.
4
Wurzelteller hebt sichAufgerissener oder aufgewölbter Boden am Stammfuß heißt: Die Wurzeln lösen sich. Solche Bäume fallen bei Wind, meist zur Seite mit der meisten Krone.
Zweimal prüfen, einmal schlafen – die Routine
1
Vom Schlafplatz ausLeg dich dorthin, wo dein Kopf liegen wird, und schau senkrecht nach oben und ringsum. So siehst du die Krone, wie sie die ganze Nacht über dir hängt.
2
Einmal ganz herumUmrunde den Platz etwa in Baumhöhe Abstand. Bleib an vier Punkten stehen und schau dir jeden Baum an, der dich erreichen könnte.
3
Von außen noch mal schauenHänger und Risse, die von unten verborgen sind, zeichnen sich von der Seite oft gegen den Himmel ab. Findest du einen, zieh um – mit totem Holz wird nicht verhandelt.
Untergrund und Drainage: Wohin läuft das Wasser um drei Uhr nachts?
Stell dir starken Regen in der Nacht vor und frag dich: Wohin fließt das Wasser? Ideal ist ebener, leicht erhöhter, natürlich entwässerter Boden – eine kleine Kuppe, eine Geländestufe etwas oberhalb des Talbodens oder die Schulter eines Hangs. Ein ganz leichtes Gefälle ist in Ordnung: Dann schläfst du mit dem Kopf hangaufwärts.
Was du meiden solltest
- Mulden und Senken – schon 10 cm Vertiefung werden zur Pfütze.
- Trockene Bachbetten und Rinnen – sie warten nur auf Wasser; im Gebirge kommen Sturzfluten auch aus weit entfernten Gewittern.
- Verdichtete Pfade und Forstwege – Wasser versickert dort nicht, sondern läuft ab.
- Auen und Kiesbänke – achte auf Treibgutlinien (Zweige, Gras, Müll) in Büschen oberhalb des aktuellen Wasserstands.
- Binsen und Seggen – sie zeigen oft staunassen Boden an.
Oberfläche und Komfort
Räum Zapfen, Äste und Steine vom Schlafplatz, aber heb keine Gräben aus – das schadet dem Boden und ist bei guter Platzwahl unnötig. Eine dicke Schicht Laub oder Nadelstreu polstert und isoliert, blanker Fels oder Lehm bleibt kalt und hart. Am wichtigsten ist aber eine gute Isomatte: Mit dem Schlafsack- & Isomatten-Rechner findest du den passenden R-Wert für die Bodentemperatur.
Den Boden lesen: vier schnelle Prüfungen
1
SenkenGeh in die Hocke und schau auf Augenhöhe über den Boden: Mulden erkennst du so viel besser als im Stehen. Schon 10 cm reichen für eine Pfütze unter der Isomatte.
2
Trockene BachbettenRunde Kiesel, sortierter Sand und kahle Rinnen heißen: Hier fließt Wasser – manchmal nach Regen weit entfernt. Nie darin schlafen, auch nicht bei klarem Himmel.
3
HochwassermarkenZweige, Gras und Treibgut im Gebüsch über dem Wasserspiegel zeigen, wie hoch es schon stand. Lagere deutlich oberhalb dieser Linie.
4
Der gute PlatzEben, leicht erhöht, mit weicher Laub- oder Nadelstreu, die gut abtrocknet. Leg dich eine Minute probehalber hin: Wurzeln und Steine, die du jetzt spürst, stören um drei Uhr nachts noch mehr.
Der ideale Schlafplatz von oben nach unten
- Kein Totholz über dir; etwas Baumdach mindert Tau.
- Tarp, Zelt oder Hängematte passend zum Wind aufgebaut.
- Isomatte und Schlafsack passend zur Tiefsttemperatur.
- Trockenes Laub oder Nadeln – Polster und Isolation.
- Leicht erhöht, eben, ohne Mulden und Rinnen.
Kaltluftseen: Warum der Talgrund nachts am kältesten ist
In klaren, windstillen Nächten strahlt der Boden Wärme in den Himmel ab. Die Luft direkt darüber kühlt aus, wird schwerer und fließt wie Wasser hangabwärts – sie sammelt sich in Tälern, Becken und Senken. Dieser Kaltluftsee (eine Inversion) kann den Talgrund um mehrere Grad kälter machen als einen Hang wenige Dutzend Meter höher. Dort bilden sich auch Nebel und starker Tau.
Der beste Kompromiss ist meist eine Geländestufe auf halber Hanghöhe: oberhalb des Kaltluftsees, unterhalb des windigen Kamms. Meteorologen sprechen von der „warmen Hangzone“. Im Sommer ist der Effekt gering, im Frühjahr, Herbst und Winter entscheidet er oft zwischen angenehmer Nacht und stundenlangem Frieren.
Relative Nachtkälte in einer klaren, windstillen Nacht
Bäume als Decke: Ein Kronendach bremst die Abstrahlung. Unter Bäumen gibt es deshalb weniger Tau und Reif als auf einer offenen Lichtung – vorausgesetzt, die Bäume sind gesund.
Mücken, Zecken und andere Plagegeister
Stechmücken und Gnitzen brüten in stehendem Wasser und lieben windstille, feuchte, schattige Plätze in der Dämmerung. Ein Platz mit leichtem Luftzug, etwas Abstand zu Mooren und Tümpeln und etwas Sonne am Tag hat deutlich weniger davon. In Schottland und Skandinavien, wo die Midges im Sommer zur Plage werden, ist eine luftige Kuppe oft der einzige erträgliche Lagerplatz.
Zecken warten in hohem Gras, Farn und Unterholz. Sie können Borreliose übertragen und in Risikogebieten – vor allem in Süddeutschland – auch FSME. Bevorzuge Plätze mit kurzer Vegetation oder Laubstreu, kontrolliere deinen Körper abends und morgens und hab eine Zeckenkarte oder -zange im Erste-Hilfe-Set. Erdnester von Ameisen und Wespen übersieht man leicht: Setz dich vor dem Aufbau zwei Minuten ruhig hin und beobachte den Boden.
Recht und Erlaubnis: Darfst du hier übernachten?
Der physisch beste Platz nützt nichts, wenn du dort nicht sein darfst. In Deutschland erlaubt das Betretungsrecht zwar das Wandern im Wald, Zelten und Lagern im Wald ist aber in der Regel nur mit Zustimmung des Waldbesitzers erlaubt. Die Details regeln die Landeswaldgesetze, und sie unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist Übernachten fast immer verboten, offenes Feuer im Wald ist grundsätzlich untersagt.
Wie es mit dem Biwakieren ohne Zelt aussieht und welche legalen Alternativen es gibt – Trekkingplätze, Biwakplätze, Wanderhütten –, erklärt unser ausführlicher Ratgeber Wildcampen in Deutschland. Faustregel: Im Zweifel Eigentümer oder Förster fragen, ausgewiesene Plätze nutzen, niemals ohne ausdrückliche Erlaubnis Feuer machen und keine Spuren hinterlassen.
| Region | Allgemeine Lage | Feuer |
|---|---|---|
| Norwegen, Schweden, Finnland | Jedermannsrecht: kurze Aufenthalte auf nicht bewirtschaftetem Land, fern von Häusern | Saisonale Verbote häufig; lokal prüfen |
| Schottland | Zugangsrecht mit dem Scottish Outdoor Access Code; teils saisonale Sonderzonen | Kleine Feuer verantwortungsvoll geduldet; Kocher bevorzugt |
| Deutschland | Zelten im Wald meist nur mit Erlaubnis; Schutzgebiete verboten | Im Wald grundsätzlich verboten |
| Österreich | Meist strenger als Deutschland; je nach Land und Gemeinde verschieden | Im Wald grundsätzlich verboten |
| Schweiz | Kantonal geregelt; oberhalb der Waldgrenze oft geduldet, Schutzgebiete verboten | Je nach Kanton und Waldbrandgefahr |
Vereinfachte Übersicht, Stand 2026, keine Rechtsberatung. Regeln ändern sich und unterscheiden sich regional – immer vor Ort prüfen.
Vom Platz zum Lager: Shelter, Feuer und Wasser anordnen
Steht der Platz fest, ordnest du die Elemente so an, dass sie zusammenarbeiten. Der Schlafplatz kommt auf die beste, ebenste und sicherste Fläche. Die Feuerstelle (falls erlaubt) liegt windabwärts vom Shelter in sicherem Abstand – mindestens 2–3 m zu einem Kunstfaser-Tarp – auf Mineralboden oder in einer bestehenden Feuerstelle. Die Küche liegt neben dem Feuer, das Wasser neben der Küche, die Toilette mindestens 60 m von Wasser und Lager entfernt, hangabwärts und windabwärts. Wie du die Zonen im Detail planst, erklärt unser Ratgeber zum Lageraufbau; der Tarp-Aufbau-Planer hilft dir, den passenden Aufbau für die vorgefundenen Bedingungen zu wählen.
So läuft die Lagerplatzwahl ab
- KarteZu Hause Kandidaten suchen: Hangstufen, Waldränder, Wasser, erlaubte Flächen.
- Anmarsch2–3 Std. vor Sonnenuntergang da sein; Sonnenuntergang prüfen.
- Über dirZuerst Totholz und Baumgesundheit.
- BodenEben, drainiert, über der Kaltluft, keine Nester, kein Wildwechsel.
- FestlegenShelter aufbauen, dann Wasser und Holz holen.
Welcher Lagerplatz passt zu welcher Jahreszeit?
| Jahreszeit | Wichtigster Faktor | Suchen | Meiden |
|---|---|---|---|
| Frühling | Drainage | Erhöhter, sonniger Boden, der schnell abtrocknet | Schmelzwasserrinnen, nasse Wiesen |
| Sommer | Mücken, Hitze, Waldbrand | Luftige Plätze, Nachmittagsschatten, Wasser in der Nähe | Windstille, sumpfige Senken; trockenes Gras am Feuer |
| Herbst | Totholz, Kaltluft | Gesunde Bäume, Hangstufen | Talgrund, sturmgeschädigte Bestände |
| Winter | Wind und Kälte | Dichte Nadelbäume als Windschutz, Morgensonne von Osten | Schneebeladene Äste, Lawinenhänge, Frostsenken |
Im Winter gehört die Schneelast zum Totholz-Check: Äste unter nassem Schnee brechen leicht. Ideal ist ein Platz, der die erste Morgensonne bekommt – nach Osten oder Südosten offen –, damit du und deine Ausrüstung schnell warm und trocken werdet. Fürs Übernachten im Schnee siehe Schneehöhle & Quinzhee.
Entscheidungspfad: Ist das ein guter Lagerplatz?
Geh diese Fragen der Reihe nach durch
Darfst du hier übernachten?
Ja → Weiter.Nein → Weiterziehen, Eigentümer fragen oder ausgewiesenen Platz nutzen.Gibt es Totholz oder instabile Bäume in Fallweite?
Ja → Platz verwerfen oder deutlich ausweichen.Nein → Weiter.Könnte hier bei Starkregen Wasser fließen oder stehen?
Ja → Höheren, ebenen Boden suchen.Nein → Weiter.Liegt der Platz im Talgrund, in einer Senke oder direkt am Ufer?
Ja → Hangaufwärts oder 50–60 m zurück.Nein → Weiter.Ist er vor dem angesagten Wind geschützt, aber nicht stickig?
Ja → Weiter.Nein → Gelände oder Bäume als Windschutz nutzen oder tiefer aufbauen.Kein Wildwechsel, keine Nester, keine Mückenhochburg?
Ja → Guter Platz – Lager aufschlagen.Nein → Ein paar Meter verschieben und neu prüfen.
Typische Plätze im Vergleich
Guter Platz
- Ebene Geländestufe etwas oberhalb des Talbodens
- Gesunde Bäume, keine Hänger über dir
- Wasser 50–60 m entfernt, bequemer Weg
- Leichter Luftzug, trockene Laubstreu
- Erlaubnis des Eigentümers oder ausgewiesener Platz
Schlechter Platz
- Senke oder trockenes Bachbett, das sich bei Regen füllt
- Tote Fichten oder abgebrochene Äste über dir
- Direkt am Ufer: kalt, feucht, Mücken
- Exponierter Kamm oder Windschneise
- Naturschutzgebiet oder Privatgrund ohne Erlaubnis
Aus der Nacht lernen: Anzeichen für einen schlechten Platz
Jede Nacht draußen verrät dir etwas über den gewählten Platz. Nutze die Tabelle am nächsten Morgen, um das Erlebte einer Ursache zuzuordnen – und zu wissen, worauf du beim nächsten Mal achtest.
| Was nachts passiert ist | Wahrscheinliche Ursache am Platz | Beim nächsten Mal |
|---|---|---|
| Viel kälter als vorhergesagt, starker Tau oder Reif | Talgrund oder Senke – Kaltluftsee | Auf eine Hangterrasse oder unter Bäume ausweichen |
| Wasser unter der Bodenplane | Leichte Mulde, verdichteter Weg oder Abflussrinne | Boden in der Hocke prüfen; erhöhten Platz wählen |
| Tarp flattert, Funken fliegen | Exponierter Grat, Sattel oder Geländelücke | Windschatten einer Kuppe oder dichter junger Bäume nutzen |
| In der Dämmerung von Mücken überfallen | Windstiller, feuchter Platz nahe stehendem Wasser | Luftige Kuppe weiter weg von Moor und Tümpel wählen |
| Tiere rascheln durchs Lager | Auf oder neben einem Wildwechsel | Vor dem Aufbau auf ausgetretene Pfade und Losung achten |
Übung: drei Plätze in zehn Minuten bewerten
Halte bei deiner nächsten Tageswanderung dreimal im Wald an und vergib für jeden Platz bis zu fünf Punkte nach den 5 W's, plus je einen Punkt für Untergrund und Kaltluft. Fotografiere den besten und den schlechtesten. Nach ein paar Touren liest du einen Platz auf einen Blick – genau das brauchst du, wenn das Licht schwindet.
Checkliste Lagerplatz (zum Ausdrucken)
Vor dem Aufbau
- Übernachten (und ggf. Feuer) ist hier erlaubt
- Sonnenuntergang bekannt, mindestens 90 Minuten Licht übrig
- Kein Totholz in Baumhöhe um den Shelter
- Ebener, leicht erhöhter Boden; keine Mulden oder Rinnen
- Oberhalb des Talgrunds, nicht direkt am Wasser
- Geschützt vor der angesagten Windrichtung
- Wasserstelle 50–60 m entfernt
- Totholz vorhanden (falls Feuer erlaubt) oder sicherer Kocherplatz
- Kein Wildwechsel, keine Baue, keine Ameisen- oder Wespennester
- Toilettenplatz 60 m+ von Wasser und Lager möglich
- Rückzugsweg bei Sturm oder Hochwasser bekannt
Nimm die Checkliste in deine Bushcraft-Packliste auf oder speichere sie auf dem Handy. Mit etwas Übung gehst du sie beim Gehen fast unbewusst durch. Weitere Grundlagen findest du bei allen Shelter-Ratgebern, etwa zur Laubhütte und zum Lean-To für Notsituationen.

| Faktor | Suchen | Meiden |
|---|---|---|
| Wind | Lee einer Kuppe oder dichter Bäume; leichter Luftzug | Kämme, Sättel, Windschneisen |
| Wasser | Wasserstelle 50–60 m entfernt | Ufer, Auen, trockene Bachbetten |
| Holz | Totes, liegendes, trockenes Holz (falls Feuer erlaubt) | Lebende Bäume schneiden |
| Totholz über dir | Gesunde Bäume, freie Krone | Tote Äste, Hänger, stehendes Totholz |
| Wildtiere | Ruhiger, ungestörter Boden | Wildwechsel, Suhlen, Nester |
Häufige Fehler
- Erst in der Dämmerung suchen und den ersten ebenen Fleck nehmen.
- Den Boden prüfen, aber nie nach oben in die Bäume schauen.
- Im Talgrund oder direkt am Seeufer lagern und kalt und nass aufwachen.
- In einer Mulde oder einem trockenen Bachbett aufbauen, das sich nachts mit Wasser füllt.
- Die angesagte Windrichtung ignorieren und die offene Tarpseite in den Wind drehen.
- Glauben, ein abgelegener Platz sei automatisch ein erlaubter Platz.
Das brauchst du
- Topografische Karte (1:25.000) und Kompass
- Stirnlampe für späte Ankunft
- Zeckenkarte und Mückenschutz
- Kleine Schaufel für die Toilette
- Faltbarer Wasserkanister
- Wetter-App oder Radio