Fertigkeiten

Toilette im Wald: Katzenloch graben, Toilettenpapier & Hygiene beim Wildcampen

23 Min. Lesezeit 6 Schritte Aktualisiert

Die Toilette im Wald ist schnell erklärt: etwa 60–70 m Abstand zu Wasser, Wegen und Lager halten, ein Katzenloch (englisch „Cathole“) von 15–20 cm Tiefe in dunklen, belebten Boden graben, wieder zuschütten und tarnen – und das benutzte Toilettenpapier im verschlossenen Beutel mitnehmen. Danach Hände waschen: Dieser letzte Schritt verhindert auf Tour mehr Magen-Darm-Ärger als jeder Wasserfilter.

Dieser Ratgeber behandelt die ganze Hygiene beim Wildcampen und auf Trekkingtour: Platzwahl, Graben, Papier, wann alles wieder mit muss, Pinkeln, Periode, Händewaschen, Körperpflege, Abwasch und Wäsche, Winter, Kinder und die Rechtslage in Deutschland. Er gehört zu unseren Bushcraft-Fertigkeiten und baut auf dem Lageraufbau und den Bushcraft-Grundlagen auf.

Schritt für Schritt

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  1. Platz suchen – Geh etwa 60–70 Meter, rund 70 große Schritte, weg von Wasser, Wegen und Lager. Such dunklen, krümeligen Boden an einer Stelle, an der niemand läuft oder lagert.
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    Platz suchen

    Geh etwa 60–70 Meter, rund 70 große Schritte, weg von Wasser, Wegen und Lager. Such dunklen, krümeligen Boden an einer Stelle, an der niemand läuft oder lagert.

  2. Katzenloch graben – Schieb die Laubstreu zur Seite und grab ein Loch von 15–20 Zentimetern Tiefe und 10–15 Zentimetern Breite. Der Aushub bleibt direkt daneben liegen.
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    Katzenloch graben

    Schieb die Laubstreu zur Seite und grab ein Loch von 15–20 Zentimetern Tiefe und 10–15 Zentimetern Breite. Der Aushub bleibt direkt daneben liegen.

  3. Zuschütten und tarnen – Füll den ganzen Aushub zurück, drück ihn leicht an und verteil Laub und ein paar Zweige darüber, bis die Stelle unberührt aussieht.
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    Zuschütten und tarnen

    Füll den ganzen Aushub zurück, drück ihn leicht an und verteil Laub und ein paar Zweige darüber, bis die Stelle unberührt aussieht.

  4. Papier mitnehmen – Benutztes Toilettenpapier und Feuchttücher kommen in einen Zipbeutel im blickdichten Müllbeutel und wieder mit nach Hause. Bei Trockenheit Papier nie verbrennen.
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    Papier mitnehmen

    Benutztes Toilettenpapier und Feuchttücher kommen in einen Zipbeutel im blickdichten Müllbeutel und wieder mit nach Hause. Bei Trockenheit Papier nie verbrennen.

  5. Hände waschen – Wasch die Hände 20 Sekunden mit einem Tropfen Seife und wenig Wasser, abseits der Wasserstelle. Desinfektionsgel ist Ergänzung, kein Ersatz.
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    Hände waschen

    Wasch die Hände 20 Sekunden mit einem Tropfen Seife und wenig Wasser, abseits der Wasserstelle. Desinfektionsgel ist Ergänzung, kein Ersatz.

  6. Abseits vom Wasser waschen – Körper, Geschirr und Wäsche wäschst du 60–70 Meter vom Gewässer mit sehr wenig biologisch abbaubarer Seife. Das Grauwasser wird gesiebt und breit verteilt.
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    Abseits vom Wasser waschen

    Körper, Geschirr und Wäsche wäschst du 60–70 Meter vom Gewässer mit sehr wenig biologisch abbaubarer Seife. Das Grauwasser wird gesiebt und breit verteilt.

Warum die Notdurft im Wald ein Thema ist

Über die Notdurft im Wald spricht niemand gern – dabei gehört sie zu den wichtigsten Dingen, die man draußen richtig machen kann. Wer es falsch macht, schadet gleich dreifach: dem Wasser, den nächsten Besuchern und den Tieren.

  • Wasser. Kot enthält Bakterien, Viren und Parasiten. Gesundheitsbehörden wie WHO und CDC nennen etwa Giardien, Kryptosporidien, E. coli und Noroviren als klassische Auslöser von Durchfall durch unbehandeltes Wasser. Regen spült schlecht platzierte Hinterlassenschaften hangabwärts in genau den Bach, aus dem der Nächste trinkt. Deshalb sollte man Wasser auch in sauber wirkender Landschaft aufbereiten – und deshalb ist der Abstand zum Wasser die wichtigste Regel dieses Artikels.
  • Andere Menschen. Nichts verdirbt einen Lagerplatz so gründlich wie weiße Papierfahnen hinter jedem Busch. Beliebte Biwak- und Lagerplätze werden genau deswegen gesperrt.
  • Wildtiere und Hunde. Flache Löcher werden aufgegraben, Papier fliegt weit. Im Gebirge zieht das Salz im Urin Tiere an, die dafür Pflanzen und Boden aufwühlen.

Die andere Hälfte ist die eigene Gesundheit. Die meisten Magen-Darm-Infekte auf Gruppentouren kommen nicht aus dem Bach, sondern von ungewaschenen Händen, die Keime an Essen und gemeinsame Snacktüten weitergeben. Outdoor-Hygiene besteht deshalb aus zwei Fertigkeiten: Hinterlassenschaften so entsorgen, dass sie bleiben, wo sie sind – und die Hände sauber halten.

Der richtige Platz: 60–70 m Abstand zu Wasser, Weg und Lager

Die gängige Leave-No-Trace-Empfehlung lautet: mindestens 200 Fuß – das sind etwa 60–70 m oder rund 70 Erwachsenenschritte – Abstand zu Wasser, Wegen und Lager. Die Zahl ist ein Richtwert, kein Naturgesetz: Am Steilhang über einem Bach, bei dünner Bodenauflage oder in viel begangenem Gelände ist mehr Abstand besser. Dahinter steckt eine einfache Überlegung. Der Boden filtert, und Bodenlebewesen bauen ab – aber nur, wenn der Regen nichts vorher ins Wasser trägt.

Ein guter Platz hat drei Eigenschaften:

  • Weit weg vom Wasser – von Bächen, Seen, Quellen und Mooren, aber auch von trockenen Rinnen und Gräben, die nach Regen Wasser führen. Die Zeichen, die auf Wasser hindeuten, zeigen dir gleichzeitig, wo du nicht gräbst.
  • Abseits von Wegen und Lagerstellen – auch von solchen, die die nächste Gruppe wählen würde. Die ebene, geschützte Stelle, die dir ideal erscheint, erscheint anderen als idealer Zeltplatz.
  • Dunkler, humoser Boden – krümeliger Waldboden voller Wurzeln und Kleintiere ist der Ort, an dem Zersetzung stattfindet. Blanker Sand, Schotter und staunasse Senken sind schlechte Wahl.

Geh rechtzeitig los, nimm Schaufel und Papierset mit und merk dir einen Orientierungspunkt – in der Dämmerung reichen 70 Schritte im dichten Bestand, um die Richtung zu verlieren; die Stirnlampe gehört deshalb ins Set. Leg schon bei der Wahl des Lagerplatzes die Toilettenrichtung fest: weg vom Wasser und nicht auf dem Pfad, über den alle Wasser holen.

Lageplan mit Bach, Weg und Tarp; das Katzenloch ist mit jeweils 60–70 m Abstand eingezeichnet
Das Katzenloch liegt etwa 60–70 m vom Wasser, vom Weg und vom Lager entfernt. Die Zahl ist ein gängiger Richtwert – am Hang über dem Wasser lieber weiter gehen.
Gute und schlechte Plätze im Überblick
OrtUrteilWarum
Waldboden mit dunkler, krümeliger Erde, 60–70 m vom WasserGutViel Bodenleben, leicht zu graben, leicht zu tarnen
Bachufer, Seeufer, QuellbereichNieDirekter Weg ins Trinkwasser
Trockene Rinne, Graben, BachbettNieFührt beim nächsten Regen Wasser
Hinter dem nächsten Baum neben Lager oder WegNeinAndere finden es – oder treten hinein
Fels, Geröll, dünner alpiner BodenEinpackenNichts zum Graben, kaum Zersetzung
Gefrorener Boden oder tiefer SchneeEinpackenKein Boden erreichbar; Schnee versteckt nur bis zum Tauwetter

Katzenloch graben: Schritt für Schritt

Ein Katzenloch – im Englischen „Cathole“, im Deutschen liest man auch „Kathole“ – ist ein kleines Loch für den einmaligen Gebrauch: etwa 15–20 cm tief und 10–15 cm breit. Die Tiefe ist kein Zufall. Im dunklen, humusreichen Oberboden unter der Laubstreu leben die meisten Organismen, die organisches Material zersetzen. Ist das Loch zu flach, legen Tiere oder Regen es frei; ist es deutlich tiefer, landet man im hellen Mineralboden, in dem wenig passiert.

Bodenquerschnitt mit Laubstreu, dunklem Oberboden und Unterboden sowie einem Katzenloch mit den Maßen 15–20 cm tief und 10–15 cm breit
Katzenloch im Querschnitt: 15–20 cm tief und 10–15 cm breit, die Sohle noch im dunklen Oberboden. Der helle Unterboden darunter wäre zu tief.

Katzenloch graben in vier Handgriffen

  1. Laubstreu zur Seite schieben – Laub, Nadeln und Zweige mit der Schaufel beiseiteschieben und als kleinen Haufen liegen lassen – das ist später die Tarnung. Auf Grasboden stichst du stattdessen eine Sode aus und hebst sie am Stück heraus.1
    Laubstreu zur Seite schieben

    Laub, Nadeln und Zweige mit der Schaufel beiseiteschieben und als kleinen Haufen liegen lassen – das ist später die Tarnung. Auf Grasboden stichst du stattdessen eine Sode aus und hebst sie am Stück heraus.

  2. Auf Tiefe graben – 15–20 cm tief und 10–15 cm breit graben, also etwas mehr als ein Schaufelblatt tief. Den Aushub direkt neben das Loch legen. Stoppen dich nach 5 cm Wurzeln, rück einen halben Meter weiter und fang neu an.2
    Auf Tiefe graben

    15–20 cm tief und 10–15 cm breit graben, also etwas mehr als ein Schaufelblatt tief. Den Aushub direkt neben das Loch legen. Stoppen dich nach 5 cm Wurzeln, rück einen halben Meter weiter und fang neu an.

  3. Den ganzen Aushub zurück – Danach das Loch mit der ausgehobenen Erde füllen und mit Schuh oder Schaufel leicht andrücken. Nichts, was mit den Hinterlassenschaften in Berührung kam, wandert zurück in den Rucksack.3
    Den ganzen Aushub zurück

    Danach das Loch mit der ausgehobenen Erde füllen und mit Schuh oder Schaufel leicht andrücken. Nichts, was mit den Hinterlassenschaften in Berührung kam, wandert zurück in den Rucksack.

  4. Tarnen – Den Laubhaufen wieder über die Stelle verteilen, zwei Zweige dazu. Ziel: Kein Tier hat einen Grund zu graben, und der Nächste ahnt nichts. Danach Hände reinigen.4
    Tarnen

    Den Laubhaufen wieder über die Stelle verteilen, zwei Zweige dazu. Ziel: Kein Tier hat einen Grund zu graben, und der Nächste ahnt nichts. Danach Hände reinigen.

Womit graben?

Mit einer kleinen Schaufel ist ein ordentliches Loch in unter einer Minute fertig. Modelle aus Metall kommen mit Wurzeln und Steinen zurecht, Kunststoffschaufeln nur mit weichem Waldboden. Absatz oder Hering ergeben fast immer ein zu flaches Loch. Mit dem Messer gräbt man nicht – es ruiniert die Schneide. Schaufel vergessen? Dann schnitz dir einen flachen Grabstock mit Meißelspitze aus totem Hartholz.

Haltung

Die meisten hocken mit den Fersen am Boden, die Füße etwas breiter als das Loch. Machen Knie oder Gleichgewicht das nicht mit, hältst du dich vorn an einem dünnen Stamm fest oder setzt dich auf die Kante eines liegenden Stamms, das Loch dahinter. Kleidung weit genug aus dem Weg, am Hang prüfen, was hinter dir ist – und Papier und Beutel griffbereit legen, bevor es losgeht.

Katzenlöcher sind Einweglöcher und werden verteilt: Mehrere einzelne Löcher über eine größere Fläche bauen sich besser ab als eine konzentrierte Stelle. Bitte nicht mit Steinen markieren.

Toilettenpapier im Wald: mitnehmen, vergraben oder weglassen?

Toilettenpapier ist der Teil des Problems, den jeder sieht. Papier zersetzt sich deutlich langsamer, als viele glauben, Tiere graben es aus, und eine Regennacht verteilt es über die ganze Lichtung. Die sauberste Antwort ist deshalb überall dieselbe: mitnehmen.

Papier mitnehmen – so geht es

Das System besteht aus zwei Beuteln. Benutztes Papier kommt in einen kleinen Zipbeutel; der steckt in einem zweiten, blickdichten Beutel oder kleinen Packsack, den niemand mit der Snacktüte verwechselt. Luft herausdrücken, verschließen, in eine Außentasche – am nächsten Mülleimer wandert er in den Restmüll. Ein dichter Beutel riecht nicht, und nach der ersten Tour ist es Routine.

Vergraben – nur wo es vertretbar ist

Wo es geduldet ist und der Boden tief und feucht ist, kann eine kleine Menge einfaches, weißes, unparfümiertes Papier ganz unten im Katzenloch mit vergraben werden. Das ist ein Kompromiss, nicht das Ideal, und gilt nicht in trockenem, felsigem, alpinem oder stark besuchtem Gelände. Feuchttücher, Taschentücher, Küchenrolle, Tampons und Binden gehören nie ins Loch: Papiertaschentücher sind nassfest gemacht, die meisten Feuchttücher enthalten Kunstfasern – auch „biologisch abbaubare“ zersetzen sich im kühlen Boden viel zu langsam.

Bei Trockenheit niemals verbrennen

Das Abbrennen von Toilettenpapier am Loch kann einen Waldbrand auslösen. Ein brennender Papierknäuel ist leicht, der Wind nimmt ihn mit, und man hockt mit heruntergelassener Hose in trockener Streu. Bei Trockenheit, im Nadelwald, im Gras und bei erhöhter Waldbrandgefahr wird kein Papier verbrannt – mehr dazu unter Feuersicherheit.

Natürliche Alternativen – mit Vorsicht

Menschen kamen sehr lange ohne Papier aus, und manches Naturmaterial funktioniert gut. Es bleibt außerdem im Loch und muss nicht mitgenommen werden. Wichtig: Nimm nur, was du sicher als harmlos erkennst, und rupf keine lebenden Pflanzen ab.

Natürliche Alternativen zum Toilettenpapier
MaterialEignungWorauf achten
Glatte, runde SteineGut, erstaunlich sauberVom trockenen Boden nehmen, nicht aus dem Bach; im Loch lassen
Schnee (fest, zu einem Keil geformt)Sehr gut, reinigt und spültKalt; nur im Winter
Große, trockene, intakte Blätter vom BodenMäßigSpröde Blätter zerbröseln; beide Seiten auf Insekten prüfen
MoosGut, weich und saugfähigWächst sehr langsam – nur lose, abgefallene Stücke, nie in Schutzgebieten
Grüne Blätter, die du nicht kennstMeidenHautreizende und giftige Pflanzen gibt es überall – im Zweifel liegen lassen
Links ein getarntes Katzenloch und ein Zipbeutel mit Papier, als richtig markiert; rechts Papier unter einem Stein direkt am Bach, als falsch markiert
Richtig: tief vergraben und getarnt, das Papier im Beutel. Falsch: Papier unter einem Stein, wenige Schritte vom Wasser – der klassische Fund an übernutzten Lagerplätzen.

Wann alles wieder mit muss

Ein Katzenloch funktioniert nur dort, wo es belebten Boden gibt. In immer mehr Gebieten heißt die richtige Lösung deshalb: auch die festen Hinterlassenschaften einpacken und mitnehmen. In vielen Nationalparks, Schluchten und Gletscherregionen weltweit ist das Vorschrift, kein Vorschlag – vor der Tour die Regeln des Gebiets prüfen.

Vergraben oder einpacken? Nach Gelände
GeländeVorgehenGrund
Wald und Wiese mit tiefem BodenKatzenlochBodenorganismen bauen ab
Gefrorener Boden, tiefer SchneeEinpackenKein Boden erreichbar; alles taucht beim Tauen wieder auf
Fels, Geröll, HochgebirgeEinpackenKein Boden, Kälte, kaum Zersetzung
Enge Flusstäler, Schluchten, KlammenEinpackenNirgends 60–70 m vom Wasser; Hochwasser spült alles in den Fluss
Stark besuchte Lagerplätze und KlettergebieteEinpackenZu viele Löcher auf zu wenig Fläche

So funktionieren Mitnahme-Systeme

Man braucht keinen Markennamen, nur das Prinzip: ein Behältnis, das dicht ist, nicht riecht und eindeutig nur dafür da ist.

  • Doppelbeutel-Sets. Ein Innenbeutel, in den man direkt hineinmacht (oder mit dem man wie mit einem Hundekotbeutel aufnimmt), meist mit Gelier- oder Bindepulver, dazu ein reißfester, wiederverschließbarer Außenbeutel. Fertige Toilettenbeutel-Sets sind so aufgebaut; ob sie in den Restmüll dürfen, steht auf der Packung.
  • Selbst gebaut. Ein stabiler Innenbeutel mit einem Löffel Bindemittel (Katzenstreu oder Sägespäne), verknotet, in einem zweiten Zipbeutel, das Ganze im blickdichten Packsack.

Das Set reist außen am oder im Rucksack, getrennt vom Essen. Volle Beutel werden nie am Wanderparkplatz abgestellt und gehören nicht in Komposttoiletten.

Pinkeln und Menstruationshygiene unterwegs

Pinkeln

Urin ist gesundheitlich ein viel kleineres Problem als Kot, aber er riecht, und sein Salz lockt Tiere an. Ein paar Gewohnheiten genügen:

  • Deutlich weg von Lager, Weg und Wasser – die 60–70 m sind ideal, und nachts sind schon 30 m in die richtige Richtung viel besser als der Baum neben dem Tarp.
  • Lieber auf blanken Mineralboden, Kies oder dicke Laubstreu als auf empfindliche Pflanzen. Im Gebirge auf Fels oder Schotter, damit Tiere auf Salzsuche nicht die Vegetation zerstören.
  • Nicht immer dieselbe Stelle – im Dauerlager riecht es sonst am zweiten Tag.
  • Auch Pinkelpapier kommt in den Beutel. Ein waschbares Tuch, das außen am Rucksack trocknet, oder ein Schluck Wasser sparen Papier.

Periode auf Tour

Die Menstruation ist kein Grund, zu Hause zu bleiben. Sie braucht ein etwas größeres Set und dieselbe Regel wie beim Papier: Alles Hergestellte kommt wieder mit.

  • Tampons und Binden werden immer mitgenommen. Sie zersetzen sich im Katzenloch nicht, und Tiere graben sie aus. Dafür eignet sich das Doppelbeutel-System mit blickdichtem Außenbeutel.
  • Menstruationstassen sparen auf längeren Touren viel Müll. Die Tasse wird in ein Katzenloch entleert. Ausgespült wird sie mit sauberem (aufbereitetem) Wasser 60–70 m von jedem Gewässer entfernt, das Spülwasser kommt ins Loch – oder man wischt sie mit Papier aus, das mitgenommen wird. Vorher und nachher Hände waschen, mit Seife, nicht nur mit Gel.
  • Periodenunterwäsche und Stoffbinden werden wie andere Wäsche abseits vom Wasser ausgespült und am Rucksack getrocknet.

In Bärengebieten – also auf Reisen etwa nach Nordamerika oder in Teile Skandinaviens und Osteuropas – lagert man benutzte Hygieneartikel wie Lebensmittel: dicht verpackt und abseits des Schlafplatzes. Mehr dazu unter Lebensmittel im Lager aufbewahren und Wildtieren begegnen.

Händehygiene: der eigentliche Krankheitsschutz

Wenn von diesem Artikel nur ein Abschnitt hängen bleibt, dann dieser. Keime aus dem Stuhl gelangen vor allem über die Hände in den Mund: Toilette, Schaufel, Reißverschluss, gemeinsame Nusstüte. Gesundheitsbehörden zählen das Händewaschen mit Seife zu den wirksamsten Maßnahmen gegen Durchfallerkrankungen – draußen genauso wie zu Hause. Wer sein Wasser sorgfältig aufbereitet und dann mit ungewaschenen Händen isst, hat die halbe Arbeit gemacht.

Wann waschen?

  • Nach jedem Toilettengang – auch nach dem Hantieren mit Müllbeutel oder Schaufel.
  • Vor dem Kochen, vor dem Essen und bevor du anderen Essen reichst.
  • Bevor du eine Wunde oder Blase versorgst (siehe Erste-Hilfe-Set).

Seife und Wasser – abseits der Wasserstelle

Trag das Wasser vom Bach oder See weg – dieselben 60–70 m – und wasch dort, über dem Boden. Eine Flasche mit kleinem Loch im Deckel oder ein Mitreisender, der gießt, liefert einen dünnen Strahl, der fast nichts verschwendet; ein Viertelliter reicht für eine gründliche Wäsche.

Hände waschen im Lager mit einem Viertelliter Wasser

  1. Hände anfeuchten – Abseits der Wasserstelle einen kleinen Schluck über beide Hände gießen. Fließendes Wasser ist nicht nötig – ein durchstochener Flaschendeckel genügt. Plane Hygienewasser zusätzlich zu dem ein, was der Wasserbedarf-Rechner fürs Trinken und Kochen ausgibt.1
    Hände anfeuchten

    Abseits der Wasserstelle einen kleinen Schluck über beide Hände gießen. Fließendes Wasser ist nicht nötig – ein durchstochener Flaschendeckel genügt. Plane Hygienewasser zusätzlich zu dem ein, was der Wasserbedarf-Rechner fürs Trinken und Kochen ausgibt.

  2. Ein Tropfen Seife – Ein einziger Tropfen konzentrierter, unparfümierter, biologisch abbaubarer Seife reicht. Mehr Seife bedeutet nur mehr Spülwasser und mehr Seife im Boden.2
    Ein Tropfen Seife

    Ein einziger Tropfen konzentrierter, unparfümierter, biologisch abbaubarer Seife reicht. Mehr Seife bedeutet nur mehr Spülwasser und mehr Seife im Boden.

  3. 20 Sekunden einreiben – Handflächen, Handrücken, Fingerzwischenräume, Daumen und unter den Nägeln – die üblichen Empfehlungen, etwa von WHO und CDC, nennen mindestens 20 Sekunden.3
    20 Sekunden einreiben

    Handflächen, Handrücken, Fingerzwischenräume, Daumen und unter den Nägeln – die üblichen Empfehlungen, etwa von WHO und CDC, nennen mindestens 20 Sekunden.

  4. Über dem Boden abspülen – Mit einem weiteren Schluck abspülen und das Wasser auf Erde fallen lassen, nicht auf Fels, der zum Bach führt. Hände trocken schütteln oder das eigene kleine Handtuch nehmen – nicht das Geschirrtuch der Gruppe.4
    Über dem Boden abspülen

    Mit einem weiteren Schluck abspülen und das Wasser auf Erde fallen lassen, nicht auf Fels, der zum Bach führt. Hände trocken schütteln oder das eigene kleine Handtuch nehmen – nicht das Geschirrtuch der Gruppe.

Seife und Wasser oder Händedesinfektion?

Seife und Wasser

  • Entfernt Schmutz, Fett und Keime mechanisch
  • Wirkt auch bei sichtbar schmutzigen Händen
  • Die bessere Wahl nach der Toilette und vor dem Kochen
  • Braucht etwas Wasser und einen Platz abseits der Quelle
vs

Alkoholisches Händedesinfektionsgel

  • Schnell, ohne Wasser, gut für unterwegs
  • Wirkt schlecht auf schmutzigen oder fettigen Händen
  • Laut CDC gegen manche Erreger weniger wirksam, etwa Noroviren und Kryptosporidien
  • Brennbar – vollständig trocknen lassen, bevor du ans Feuer gehst

Die praktische Routine: Gel direkt nach der Toilette, weil es in der Hosentasche steckt, und vor der nächsten Mahlzeit eine echte Wäsche mit Seife. Wer Gel benutzt, nimmt eines auf Alkoholbasis (die CDC nennt mindestens 60 % Alkohol), genug, um beide Hände ganz zu benetzen, und reibt, bis sie trocken sind.

Kleine Gewohnheiten, die eine Gruppe gesund halten

  • Schütten statt greifen. Nüsse und Gummibärchen aus der Tüte in die Hand schütten, statt zehn Hände hineingreifen zu lassen.
  • Wer Durchfall hat, kocht nicht für andere.

Outdoor waschen: Körper, Geschirr und Wäsche 60–70 m vom Wasser

Für alles Waschen gilt dieselbe Regel wie für die Toilette: Das Wasser kommt zur Wäsche, nicht die Seife zum Wasser. Topf oder Faltschüssel füllen, etwa 60–70 m vom Bach oder See weggehen, dort waschen und das gebrauchte Wasser über dem Boden verteilen. Erde und Bodenleben werden mit kleinen Mengen Seife und Essensresten fertig – ein Bach nicht.

Daran ändert auch „biologisch abbaubar“ auf dem Etikett nichts. Solche Seife braucht Bodenbakterien und Zeit; im offenen Wasser ist sie schlicht eine Belastung für Wasserinsekten und Amphibien.

Körperpflege

Ein Topf Wasser, ein kleiner Lappen und höchstens ein paar Tropfen Seife genügen. Gewaschen wird von sauber nach schmutzig – Gesicht, Achseln, dann Schritt, Po und Füße –, und der Lappen wird im Topf ausgespült, nicht im Bach. Baden ohne Seife ist in Ordnung, wo Baden erlaubt ist.

Geschirr spülen

Schmutzige Töpfe sind ein Hygiene- und ein Wildtierproblem. Aufessen, Topf auswischen und direkt nach dem Essen spülen, solange nichts angetrocknet ist.

Abwaschen, ohne Spuren zu hinterlassen

  1. Erst auskratzen – Jeden Essensrest in den Müllbeutel kratzen oder wischen, bevor Wasser in den Topf kommt. Gut geplante Portionen helfen – siehe Essensplanung.1
    Erst auskratzen

    Jeden Essensrest in den Müllbeutel kratzen oder wischen, bevor Wasser in den Topf kommt. Gut geplante Portionen helfen – siehe Essensplanung.

  2. Warmes Wasser, ein Tropfen Seife – Etwas Wasser direkt im schmutzigen Topf erwärmen, 60–70 m vom Gewässer. Ein Tropfen Seife und ein kleiner Lappen oder eine Handvoll sauberer Sand erledigen den Rest. Fettige Pfannen vom Kochen am Lagerfeuer brauchen eher heißes Wasser als Seife.2
    Warmes Wasser, ein Tropfen Seife

    Etwas Wasser direkt im schmutzigen Topf erwärmen, 60–70 m vom Gewässer. Ein Tropfen Seife und ein kleiner Lappen oder eine Handvoll sauberer Sand erledigen den Rest. Fettige Pfannen vom Kochen am Lagerfeuer brauchen eher heißes Wasser als Seife.

  3. Grauwasser sieben – Das Spülwasser durch ein Halstuch oder feines Netz in einen zweiten Topf gießen. Was im Tuch hängen bleibt, kommt in den Müllbeutel – genau diese Reste locken Tiere an.3
    Grauwasser sieben

    Das Spülwasser durch ein Halstuch oder feines Netz in einen zweiten Topf gießen. Was im Tuch hängen bleibt, kommt in den Müllbeutel – genau diese Reste locken Tiere an.

  4. Breit verteilen – Das gesiebte Grauwasser in weitem Bogen über Boden und Bewuchs schleudern, abseits vom Lager und nie in den Bach. Eine Pfütze riecht und zieht Wild an; ein feiner Schleier verschwindet.4
    Breit verteilen

    Das gesiebte Grauwasser in weitem Bogen über Boden und Bewuchs schleudern, abseits vom Lager und nie in den Bach. Eine Pfütze riecht und zieht Wild an; ein feiner Schleier verschwindet.

Mit wenig sauberem Wasser nachspülen und alles an der Luft trocknen lassen. Welche Töpfe sich leicht reinigen lassen, zeigt der Ratgeber zu Kochgeschirr.

Wäsche

Auf Touren von wenigen Tagen genügt Ausspülen: Socken, Unterwäsche und Funktionsshirt in einem Topf oder Packsack mit Wasser durchkneten, auswringen, am Rucksack oder an einer Leine trocknen. Wird Seife benutzt, gilt wieder die 60–70-m-Regel. Ein trockener Satz bleibt ausschließlich für den Schlafsack reserviert – schnell trocknende Stoffe findest du im Ratgeber Outdoor-Kleidung.

Zähne putzen

Eine erbsengroße Menge Zahnpasta reicht. Geputzt wird abseits von Lager und Wasser; ausgespuckt wird in ein kleines Loch oder als feiner Sprühnebel über eine größere Fläche, damit kein weißer Klecks liegen bleibt. Die Bürste mit Wasser in Trinkqualität ausspülen.

Sauber bleiben auf Mehrtagestouren

Niemand bleibt eine Woche im Wald frisch, und niemand muss das. Das Ziel der Körperpflege auf Tour ist bescheidener: Hautprobleme, Entzündungen und Wundscheuern verhindern und in einem halbwegs sauberen Schlafsack liegen. Eine kurze Abendroutine schafft das mit einem halben Liter Wasser.

Die Fünf-Minuten-Katzenwäsche am Abend

  1. Hände und Gesicht Hände mit Seife waschen, dann Gesicht und Hals mit klarem Wasser. Sonnencreme, Mückenschutz und Rauch kommen herunter, die Haut erholt sich über Nacht.
  2. Achseln, Schritt, Po Feuchter Lappen, bei Bedarf etwas Seife, danach gründlich abtrocknen. Hier beginnen Ausschlag und Wundscheuern.
  3. Zuletzt die Füße Füße waschen oder abwischen, zwischen den Zehen sorgfältig trocknen und beim Kochen lüften lassen. Druckstellen jetzt versorgen, nicht morgen Mittag.
  4. Trockene Schlafkleidung In den trockenen Satz wechseln, der den Schlafsack nie verlässt. Tageskleidung zum Lüften aufhängen.
  5. Lappen und Zähne Lappen ausspülen und aufhängen, Zähne putzen. In der Zeckensaison ist jetzt auch der Moment für die abendliche Zeckenkontrolle.

Füße

Die Füße tragen die Tour, und nasse, schmutzige Haut bekommt am schnellsten Blasen. Bei jeder längeren Pause lüften, an nassen Tagen mittags in trockene Socken wechseln, das getragene Paar ausspülen und am Rucksack trocknen. Nägel kurz und gerade schneiden. Socken, Passform und Blasenvorbeugung behandelt der Ratgeber Schuhe fürs Bushcraft ausführlich.

Wundscheuern („Wolf“)

Scheuerstellen zwischen den Oberschenkeln, in der Pofalte und unter den Rucksackgurten entstehen durch Salz, Feuchtigkeit und Reibung. Abends das Salz abwaschen, die Haut vollständig trocknen und saubere, eng anliegende Unterwäsche tragen – zwei Paar im Wechsel, eines wird täglich ausgespült. Etwas einfache Hautcreme auf bekannten Problemzonen vor dem Loslaufen verhindert das meiste.

Und Feuchttücher?

Sie sind bequem, aber jedes einzelne muss wieder mit – ins Katzenloch oder in eine Komposttoilette gehören sie nie. Ein Lappen und Wasser leisten dasselbe ohne Müll.

Winter und Schnee: Was sich ändert

Kälte stellt die Toilettenfrage neu. Gefrorenen Boden bekommt man mit der Schaufel nicht auf, und Schnee ist kein Boden: Ein Loch in der Schneedecke versteckt die Hinterlassenschaften nur bis zum Tauwetter – dann liegen sie offen da oder laufen mit dem Schmelzwasser in den Bach, aus dem im Frühjahr alle trinken.

Links ein verschlossener Müllbeutel auf Schnee über gefrorenem Boden, als richtig markiert; rechts ein Loch im Schnee, das in der Sonne freitaut, als falsch markiert
Auf gefrorenem Boden und im Schnee zersetzt sich nichts. Einpacken ist die verlässliche Methode; ein Loch im Schnee verschiebt das Problem nur bis zum Frühjahr.
  • Einpacken ist im Schnee und auf gefrorenem Boden der Standard. In der Kälte friert der dichte Beutel durch und riecht nicht. Schnee ist übrigens ein gutes Toilettenpapier.
  • Wo ungefrorener Boden erreichbar ist – etwa unter dicker Nadelstreu oder an einem sonnigen Südhang –, ist dort ein normales Katzenloch vertretbar. Abstand zu Wasserläufen und zu allem halten, was nach Sommerweg oder Lagerplatz aussieht.
  • Die Händehygiene leidet zuerst: Wasser ist kostbar, die Finger sind klamm. Das Gel gehört in die Innentasche, und einmal am Tag gibt es trotzdem eine echte Wäsche mit warmem Wasser und Seife. Hände danach vollständig abtrocknen.
  • Nicht einhalten, um der Kälte zu entgehen. Vor dem Schlafsack noch einmal gehen. Manche Wintercamper nutzen nachts eine eindeutig markierte Weithalsflasche und leeren sie weit entfernt von der Stelle, an der sie Schnee zum Schmelzen holen.

Für nächtliche Gänge Jacke und Stiefel anziehen – wiederholtes Auskühlen ist ein kleiner Schritt in Richtung Unterkühlung. Mehr dazu unter Wintercamping und Schneeunterkünfte, in denen grundsätzlich alles eingepackt wird.

Gruppen und Kinder

Gruppen

Gruppen konzentrieren Hinterlassenschaften auf wenig Fläche und teilen ihr Essen. Sie brauchen deshalb Regeln, die am ersten Abend ausgesprochen werden:

  • Eine Toilettenrichtung, abgesprochen, weit weg von Wasser und Lager und so breit, dass sich die Katzenlöcher verteilen.
  • Eine Schaufel für je zwei bis drei Personen, jeweils mit Papier und Beuteln, damit niemand improvisiert.
  • Eine feste Handwaschstation zwischen Toilettenrichtung und Küche: Flasche mit durchstochenem Deckel am Ast, Seife an einer Schnur daneben.
  • Eine Latrine nur, wo sie sinnvoll ist. Bei großen Gruppen, die mehrere Tage an einem Ort bleiben – und nur, wo der Eigentümer oder die zuständige Stelle es erlaubt –, kann ein gemeinsamer schmaler Graben mit Erdhaufen zum Abdecken besser sein als Dutzende schlecht gegrabener Löcher. Auch er braucht 60–70 m Abstand zum Wasser und wird bei der Abreise vollständig verfüllt. Für kleine Gruppen bleibt das Katzenloch die bessere Methode.

Kinder

Erklär die Methode schon zu Hause, gib Kindern ihr eigenes kleines Set und geh die ersten Male mit.

  • Früh und oft fragen – „Muss noch jemand, bevor wir kochen?“ –, denn Kinder warten, bis es eilt.
  • Für kleine Kinder gräbst du das Loch und hilfst beim Gleichgewicht: beide Hände von vorn halten oder das Kind einen dünnen Stamm umfassen lassen.
  • Windeln, Windelhöschen und Feuchttücher werden immer mitgenommen, doppelt verpackt. Festes aus der Windel kann vorher in ein Katzenloch.
  • Händewaschen wird zum festen Ritual vor jeder Mahlzeit – mit einem Lied oder Zählen bis zwanzig.

Mehr Ideen stehen unter Bushcraft mit Kindern; wer selbst zum ersten Mal draußen schläft, hält den Plan mit dem Ratgeber Mikroabenteuer: die erste Nacht draußen einfach.

Hunde

Auch Hundekot zählt: im Beutel mitnehmen und nicht am Wegrand „für später“ ablegen.

Rechtslage in Deutschland: erst prüfen, dann graben

Die Katzenloch-Methode stammt aus Regionen mit großer, wenig erschlossener Wildnis. In Deutschland ist die Ausgangslage anders, und das sollte man wissen, bevor man die Schaufel einpackt:

  • Betreten ja, graben nicht automatisch. Das Betreten des Waldes zur Erholung ist nach dem Bundeswaldgesetz und den Waldgesetzen der Länder grundsätzlich gestattet. Ein allgemeines Recht, im Wald Löcher zu graben, folgt daraus nicht – der Wald gehört jemandem, und Details regeln die Länder unterschiedlich.
  • Schutzgebiete. In Naturschutzgebieten und Nationalparks gilt häufig ein Wegegebot, und Veränderungen am Boden oder an Pflanzen sind in der Regel verboten. Dort bleibt nur: vorher gehen oder alles einpacken. Gleiches gilt für Wasserschutzgebiete und Quellbereiche.
  • Müll ist überall Müll. Liegen gelassene Taschentücher, Feuchttücher und Hygieneartikel sind Abfall; das kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Die Bußgelder legen Länder und Kommunen fest.
  • Toiletten nutzen, wo es sie gibt. Offizielle Trekkingplätze und Naturlagerplätze haben meist eine einfache Trocken- oder Komposttoilette, dazu kommen Hütten, Wanderparkplätze, Gasthöfe und Campingplätze. Wer seine Tour danach plant, braucht das Katzenloch nur als Notlösung. Mehr zu den Regeln für die Nacht im Freien steht unter Wildcampen in Deutschland.
  • In den Alpen gilt oberhalb der Waldgrenze ohnehin: Hüttentoiletten nutzen oder einpacken.

Wer trotz Planung dringend muss, richtet mit einem sauber gegrabenen, weit vom Wasser entfernten und gut getarnten Katzenloch den geringsten Schaden an – in jedem Fall weniger als mit einem Haufen hinter dem Baum und einem Taschentuch darauf. Das ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung: Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland, Schutzgebiet und Eigentümer; im Zweifel beim Forstamt oder der Gebietsverwaltung nachfragen. In Skandinavien, Schottland oder Nordamerika gelten jeweils eigene Regeln, bis hin zur Pflicht, alles in Beuteln mitzunehmen.

Was mache ich hier?

  1. Gibt es eine Toilette in vertretbarer Entfernung?

    Ja → Benutzen.Nein → Nächste Frage.
  2. Schutzgebiet, oder verlangen die Regeln vor Ort das Mitnehmen?

    Ja → Toilettenbeutel-Set benutzen und alles einpacken.Nein → Nächste Frage.
  3. Sind 60–70 m Abstand zu Wasser, Weg und Lager und tiefer, ungefrorener Boden möglich?

    Ja → Katzenloch 15–20 cm tief graben; Papier mitnehmen.Nein → Alles einpacken.

Das Toiletten- und Hygiene-Set

Das komplette Set passt in einen Ein-Liter-Beutel und wiegt sehr wenig. Es gehört griffbereit in die Deckeltasche und getrennt vom Essen. Wer seine Packliste mit dem Ausrüstungsplaner oder nach unserer Bushcraft-Packliste zusammenstellt, ergänzt die folgenden Teile als eigenes Modul „Hygiene“.

Schaufel, Toilettenpapierrolle im Zipbeutel, blickdichter Müllbeutel, Flasche Händedesinfektion und kleine Seifenflasche nebeneinander
Das ganze Set: Schaufel, Papier im Zipbeutel, blickdichter Müllbeutel für den Rückweg, Händedesinfektion und ein Fläschchen biologisch abbaubare Seife.

Checkliste Toilette und Hygiene

  • Kleine Schaufel (für steinigen Boden aus Metall)
  • Toilettenpapier, einfach und unparfümiert, im eigenen Zipbeutel
  • Zwei bis drei Ersatz-Zipbeutel und ein blickdichter Außenbeutel oder kleiner Packsack
  • Toilettenbeutel-Set, wo eingepackt werden muss (Gelände, Jahreszeit oder Vorschrift)
  • Händedesinfektionsgel auf Alkoholbasis, kleine Flasche
  • Biologisch abbaubare Seife, konzentriert und unparfümiert, im Tropffläschchen
  • Kleiner, schnell trocknender Lappen und ein eigenes Handtuch
  • Zahnbürste und kleine Tube Zahnpasta
  • Periodenartikel und zusätzliche Beutel, falls nötig
  • Halstuch oder Netz zum Sieben des Spülwassers
  • Stirnlampe für den nächtlichen Gang

Für längere Touren lohnen sich eine Faltschüssel oder ein abgeschnittener Wassersack zum Tragen von Waschwasser – siehe Wasserbehälter – und eine kurze Schnur als Wäscheleine. Wasser für Mund und Wunden kommt aus demselben Vorrat, den du zum Trinken abkochst oder filterst.

Toilette und Hygiene draußen: die wichtigsten Zahlen
Toilette und Hygiene draußen: die wichtigsten Zahlen
AufgabeWieRichtwert
PlatzwahlWeg von Wasser, Wegen und LagerEtwa 60–70 m
KatzenlochDunkler Oberboden, zuschütten, tarnen15–20 cm tief, 10–15 cm breit
ToilettenpapierDichter Beutel, mitnehmenZwei Beutel
HändewaschenSeife und wenig Wasser, über dem Boden20 Sekunden
Waschen und AbwaschWasser wegtragen, Grauwasser verteilen60–70 m vom Wasser
Schnee, Fels, SchluchtenAlles einpackenToilettenbeutel-Set

Häufige Fehler

  • Zu nah am Wasser – hinter dem nächsten Busch am Bachufer statt 60–70 m entfernt.
  • Ein Loch, das nur eine Mulde ist: weniger als 15 cm tief und vom ersten Tier oder Regen freigelegt.
  • Toilettenpapier, Taschentücher oder Feuchttücher unter einem Stein oder im Loch zurücklassen.
  • Toilettenpapier im trockenen Wald oder Gras verbrennen.
  • Händewaschen auslassen oder sich bei sichtbar schmutzigen Händen allein auf Desinfektionsgel verlassen.
  • Geschirr, Wäsche oder sich selbst mit Seife direkt im Bach oder See waschen – „biologisch abbaubar“ macht Seife im Wasser nicht harmlos.
  • Ein Loch in den Schnee graben und glauben, das Problem sei gelöst.

Das brauchst du

  • Kleine Schaufel
  • Toilettenpapier im Zipbeutel
  • Blickdichter Außenbeutel oder Toilettenbeutel-Set
  • Händedesinfektionsgel auf Alkoholbasis
  • Unparfümierte, biologisch abbaubare Seife im Tropffläschchen
  • Kleiner Lappen und Handtuch
  • Halstuch oder Netz zum Sieben
  • Stirnlampe

Häufige Fragen

Wie tief muss ein Katzenloch sein?
Etwa 15–20 cm tief und 10–15 cm breit. So liegen die Hinterlassenschaften im dunklen, biologisch aktiven Oberboden, wo sie am besten abgebaut werden, und tief genug, dass Tiere und Regen sie nicht freilegen. Auf Grasboden hebst du eine Sode heraus und setzt sie danach wieder ein. Stoppen Wurzeln oder Steine nach wenigen Zentimetern, lieber ein Stück weiter neu graben.
Wie weit weg vom Wasser geht man im Wald auf die Toilette?
Der gängige Leave-No-Trace-Richtwert sind etwa 60–70 m (200 Fuß), also rund 70 Erwachsenenschritte, Abstand zu Bächen, Seen und Quellen – und ebenso zu Wegen und zum Lager. Es ist ein Richtwert: Am Steilhang über dem Wasser oder bei dünnem Boden geht man weiter. Wo dieser Abstand nicht möglich ist, etwa in einer engen Schlucht, wird alles eingepackt.
Darf man Toilettenpapier im Wald vergraben?
Besser ist überall, es im dichten Beutel mitzunehmen. Wo es geduldet wird und der Boden tief und feucht ist, kann wenig einfaches, unparfümiertes weißes Papier ganz unten ins Katzenloch. Papiertaschentücher, Feuchttücher, Tampons und Binden werden nie vergraben, und bei Trockenheit wird Papier wegen der Waldbrandgefahr nicht verbrannt.
Ist die Notdurft im Wald in Deutschland erlaubt?
Das hängt vom Ort ab. Das Betreten des Waldes zur Erholung ist grundsätzlich gestattet; ein Recht, Löcher zu graben oder Abfall zu hinterlassen, folgt daraus aber nicht. In Schutzgebieten gelten oft Wegegebote, zurückgelassene Taschentücher sind Müll, und die Details regeln Länder und Kommunen. Deshalb: Toiletten nutzen, wo es sie gibt, sonst weit weg vom Wasser, sauber vergraben, Papier mitnehmen. Keine Rechtsberatung.
Reicht Händedesinfektion beim Campen?
Als Ergänzung ja, als Ersatz nein. Alkoholisches Gel wirkt schlecht auf schmutzigen oder fettigen Händen und ist laut CDC gegen manche Erreger wie Noroviren und Kryptosporidien weniger wirksam. Nimm es direkt nach der Toilette, wenn kein Wasser greifbar ist – und wasch die Hände vor dem Kochen und Essen 20 Sekunden mit Seife und Wasser.
Wohin mit dem großen Geschäft bei Frost oder Schnee?
Einpacken. Gefrorener Boden lässt sich nicht graben, und ein Loch im Schnee versteckt alles nur bis zum Tauwetter – dann liegt es offen oder landet im Schmelzwasser. Ein Doppelbeutel-Set löst das; in der Kälte friert der Inhalt und riecht nicht. Nur wo ungefrorener Boden weit weg von Wasserläufen erreichbar ist, kommt ein normales Katzenloch infrage.
Wie geht man beim Wildcampen mit der Periode um?
Tampons, Binden und Feuchttücher werden im Doppelbeutel mitgenommen und nie vergraben. Eine Menstruationstasse wird in ein Katzenloch entleert und mit sauberem Wasser 60–70 m vom Gewässer entfernt ausgespült oder mit Papier ausgewischt, das mitgenommen wird. Vorher und nachher Hände mit Seife waschen und Ersatzmaterial einpacken.

Passende Schritt-für-Schritt-Anleitungen