Shelter
Hängematte richtig aufhängen: 30°-Regel, Tarp & Isolierung
Um eine Hängematte richtig aufzuhängen, suchst du zwei gesunde Bäume mit 4–5 m Abstand, legst breite Baumgurte etwa auf Kopfhöhe an und lässt die Aufhängung im Winkel von rund 30° zur Waagerechten zur Hängematte laufen, sodass sie tief durchhängt. Dann legst du dich diagonal hinein: Der Stoff spannt sich glatt, und du liegst fast flach – über nassem, steinigem oder unebenem Boden.
Dieser Ratgeber erklärt das komplette Hängematten-Setup: Aufhänge-Geometrie und Gurthöhen, Baumschutz, das Tarp über dir, die Isolierung unter dir, Mücken und Liegekomfort. Richtig aufgehängt ist die Hängematte eine der bequemsten Arten, draußen zu schlafen. Alternativen findest du im Shelter-Überblick.
Schritt für Schritt
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1
Zwei gesunde Bäume wählen
Lebende Bäume mit mindestens 15–20 cm Durchmesser und 4–5 m Abstand, ohne Totholz darüber und ohne Steine oder Hang darunter.
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2
Breite Gurte anlegen
Baumgurte ab 2,5 cm Breite etwa auf Kopfhöhe um beide Stämme legen. Niemals dünne Schnur direkt um die Rinde binden.
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3
Mit etwa 30° einhängen
Die Aufhängung soll etwa 30° nach unten verlaufen, der tiefste Punkt auf Stuhlhöhe liegen, rund 45 cm. Probesitzen.
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4
Tarp darüber spannen
Firstleine etwa 30 cm über den Gurtpunkten spannen, Tarp mittig ausrichten und abspannen. Tropfleinen nicht vergessen.
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5
Isolieren und diagonal liegen
Underquilt anbringen oder Isomatte einlegen, das Fußende etwas höher hängen und 15–30° schräg zur Mittellinie liegen.
Warum in der Hängematte schlafen? Hängematte vs. Boden
Mit einer Hängematte werden zwei beliebige Bäume zum Bett. Du schwebst über dem Boden – Wurzeln, Steine, Hanglage, Pfützen und Krabbeltiere spielen keine Rolle mehr. Viele schlafen in einer gut aufgehängten Hängematte besser als auf einer Isomatte, weil es keine Druckstellen gibt. Das gilt aber nur, wenn sie genug durchhängt und du diagonal liegst.
Der Preis dafür ist etwas mehr Aufwand. Eine Hängematte braucht Bäume, ein Tarp gegen Regen und vor allem Isolierung von unten, denn Luft, die unter dir hindurchstreicht, entzieht schnell Wärme. Außerdem ist sie ein Einpersonen-Shelter; zu zweit braucht ihr zwei Hängematten. Vergleiche sie mit den anderen Optionen im Shelter-Überblick und mit einem klassischen Tarp-Aufbau am Boden.
Hängematte vs. Bodenschlaf
Hängematte
- Keine Wurzeln, Steine, Hänge oder Pfützen
- Keine Druckstellen bei diagonaler Lage
- Tagsüber ein bequemer Sitzplatz
- Braucht zwei Bäume mit 3,5–6 m Abstand
- Unter etwa 18 °C Isolierung von unten nötig
Boden (Tarp oder Zelt)
- Funktioniert überall, auch oberhalb der Baumgrenze
- Einfache Isolierung: eine Matte
- Platz für zwei, Gepäck im Trockenen
- Braucht einen ebenen, trockenen, freien Platz
- Kalter, feuchter oder steiniger Boden stört
Hängematte richtig aufhängen: 30°-Regel und Durchhang
Der häufigste Anfängerfehler: die Hängematte straff wie eine Wäscheleine zwischen die Bäume spannen. Das fühlt sich sicher an, faltet dich aber zur Banane, drückt die Schultern zusammen und belastet Bäume und Gurte enorm. Die Lösung ist die 30°-Regel: Die Aufhängung verlässt die Hängematte auf beiden Seiten in einem Winkel von etwa 30° unter der Waagerechten.
Warum 30°? Physik. Die Zugkraft in jedem Gurt entspricht deinem Gewicht geteilt durch das Doppelte des Sinus des Aufhängewinkels. Bei 30° trägt jeder Gurt ungefähr dein Körpergewicht. Hängst du flacher, steigt die Last steil an – bei 10° trägt jeder Gurt fast das Dreifache deines Gewichts, was Hängematte, Aufhängung und Baum strapaziert.
Last pro Gurt als Vielfaches des Körpergewichts
Durchhang, Sitzhöhe und strukturelle Firstleine
Bei 30° sollte der tiefste Punkt der Hängematte etwa auf Stuhlhöhe, 40–50 cm über dem Boden liegen, wenn du darin sitzt. So steigst du bequem ein und aus, und die Fallhöhe bleibt minimal. Viele Hängemattenschläfer ergänzen eine strukturelle Firstleine (Structural Ridgeline): eine Schnur fester Länge zwischen den beiden Enden der Hängematte, meist etwa 83 % der Hängemattenlänge – bei 3,3 m also rund 2,7 m. Sie sorgt jede Nacht für den gleichen Durchhang, egal wie weit die Bäume auseinanderstehen, und dient als praktische Leine für Moskitonetz, Utensilientasche oder Stirnlampe.
Wie hoch müssen die Gurte? Tabelle der Gurthöhen
Je weiter die Bäume auseinanderstehen, desto höher müssen die Gurte, damit der Winkel bei 30° bleibt. Als Faustregel gilt: bei 4,5 m Abstand etwa auf Kopfhöhe. Die Tabelle nennt Näherungswerte für eine 3,3 m lange Gathered-End-Hängematte und etwa 45 cm Sitzhöhe.
| Baumabstand | Gurthöhe am Stamm | Aufhängung je Seite | Kommentar |
|---|---|---|---|
| 3,5 m | ≈ 1,5 m | ≈ 0,4 m + Umschlingung | Eng; die Hängematte berührt fast die Stämme |
| 4,0 m | ≈ 1,6 m | ≈ 0,7 m + Umschlingung | Gut |
| 4,5 m | ≈ 1,75 m | ≈ 1,0 m + Umschlingung | Ideal: etwa Kopfhöhe |
| 5,0 m | ≈ 1,9 m | ≈ 1,3 m + Umschlingung | Gut |
| 5,5 m | ≈ 2,05 m | ≈ 1,6 m + Umschlingung | Hochgreifen; längere Gurte nötig |
| 6,0 m | ≈ 2,2 m | ≈ 1,85 m + Umschlingung | Grenze für 3-m-Gurte |
Näherung: Gurthöhe ≈ Höhe der Hängemattenenden (ca. 1,3 m) + halber Mehrabstand × tan 30°. Längere Hängematten brauchen weniger Gurthöhe, schwerere Personen hängen tiefer. Immer probesitzen und nachjustieren.
Hängematte aufhängen Schritt für Schritt
1
Gurte auf KopfhöheBei 4,5 m Baumabstand die Gurte auf etwa 1,75 m anlegen – ungefähr Kopfhöhe. Weiter entfernte Bäume: höher; nähere Bäume: tiefer. Für den Anfang beide Gurte auf gleicher Höhe.
2
Hängematte einhängenDie Enden mit tragfähigen Karabinern, Whoopie Slings oder einem Marlspiekerstek mit Knebel an den Gurten befestigen. Prüfen, ob jeder Karabiner geschlossen ist und nichts an der Rinde scheuert.
3
30°-Winkel prüfenStell dich seitlich hin und vergleiche die Aufhängung mit einer waagerechten Linie: Sie sollte mit etwa 30° abfallen – wie ein Uhrzeiger auf vier Uhr. Flacher: Aufhängung verlängern; steiler: verkürzen.
4
SitzprobeSetz dich in die Mitte, bevor du dich hinlegst. Die Sitzfläche sollte auf Stuhlhöhe liegen, 40–50 cm, die Füße flach am Boden. Zu hoch: beide Aufhängepunkte absenken. Du sitzt am Boden auf: anheben.
5
Fußende anhebenDas Fußende 15–20 cm höher hängen als das Kopfende. Sonst rutschst du nachts langsam zur Mitte und wachst zusammengerollt am tiefsten Punkt auf.
So sieht eine gut hängende Hängematte aus: ein lächelnder Bogen mit dem tiefsten Punkt leicht zum Kopfende hin, beide Gurte gleich hoch und fest am Stamm, gerade Aufhängungen ohne Scheuerstellen an der Rinde und mindestens 40 cm Luft unter dem tiefsten Punkt, wenn du drinliegst. Fühlt sich die Hängematte kippelig an, hängt sie meist zu straff – mehr Durchhang macht sie stabiler, nicht wackliger.
Die Verbindung zwischen Gurt und Hängematte wählst du nach Vorliebe: Whoopie Slings, Klemmschnallen, Daisy-Chain-Gurte mit Karabinern oder ein einfacher Marlspiekerstek mit Knebel. Prüfe bei jedem Teil die Tragfähigkeit im Verhältnis zu deinem Gewicht und bedenke, dass dynamische Lasten – etwa beim Hineinplumpsen – höher sind als statische. Der Knoten-Finder und unser Ratgeber wichtige Knoten erklären die Knoten für Hängematten-Aufhängungen.
Bäume auswählen und Rinde schützen
Bäume sind deine Anker – und deine Verantwortung. Ein gesunder, lebender Baum mit mindestens 15–20 cm Durchmesser trägt einen Schläfer bei 30° problemlos. Abgestorbene Bäume, Bäume mit toten Ästen, rissige oder schiefe Stämme und flach wurzelnde Bäume auf durchnässtem Boden sind nicht sicher. Nach den Dürre- und Borkenkäferjahren stehen in vielen deutschen Wäldern abgestorbene Fichten – die sind tabu. Schau nach oben: Totholz ist für jedes Lager gefährlich, erst recht, wenn du die Nacht am selben Baum verbringst. Wie du das Kronendach liest, erklärt der Ratgeber Lagerplatz wählen.
Immer breite Baumgurte verwenden. Dünne Schnur oder Seil schneidet unter Last in die Rinde und schädigt das darunterliegende Kambium, über das der Baum Wasser und Nährstoffe transportiert. Gurte ab 2,5 cm Breite verteilen die Last. In vielen Schutzgebieten und von vielen Forstverwaltungen werden sie ausdrücklich verlangt. Bei weicher Rinde oder mehreren Nächten am selben Platz zusätzlich polstern oder die Bäume wechseln.
Baum-Check vor dem Aufhängen
- Lebender, gesunder Stamm mit mindestens 15–20 cm Durchmesser
- Kein Totholz und keine abgestorbenen Nachbarbäume darüber
- Keine Risse, Baumpilze oder lose Rinde auf Gurthöhe
- Fester, nicht durchnässter Boden; keine Steine, Stümpfe oder Hänge unter der Hängematte
- Abstand 3,5–6 m (ideal 4–5 m)
- Breite Gurte (ab 2,5 cm), bei weicher Rinde gepolstert
- Aufhängen an Bäumen ist hier erlaubt
Tarp über der Hängematte: Größe, Aufbau und Tropfleinen
Sobald Regen möglich ist, braucht die Hängematte ein Tarp. Es hängt an einer eigenen Firstleine, unabhängig von der Hängematte, und zwar etwa 30 cm über dem Punkt, an dem die Aufhängung den Baum berührt. So kannst du zuerst das Tarp spannen, im Trockenen die Hängematte einhängen und beides unabhängig voneinander nachjustieren.
Das Tarp muss länger sein als die Hängematte: Plane an jedem Ende mindestens 15–30 cm Überstand ein. Für eine 3,3 m lange Hängematte heißt das eine Firstlänge von etwa 3,3–3,6 m. Ein 3 × 3 m Quadrat als Diamant bietet 4,2 m Diagonale, ein 3 × 4 m Rechteck oder ein Hex-Tarp für Hängematten gibt volle Abdeckung mit Seitenwänden.
| Tarp | Firstlänge | Wetter | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 3 × 3 m Quadrat als Diamant | 4,2 m (Diagonale) | Schön bis Schauer | Leicht; Seiten offen für Schlagregen |
| 3 × 3 m Quadrat als A-Frame | 3 m | Regen | Knapp für Hängematten über 3 m |
| 3 × 4 m Rechteck | 4 m | Regen und Wind | Volle Abdeckung, Platz fürs Gepäck |
| Hex- oder Cat-Cut-Hängemattentarp | 3,3–3,6 m | Regen, etwas Wind | Gutes Verhältnis von Gewicht zu Abdeckung |
| Wintertarp mit Türen | 3,5–4 m | Sturm, Schnee, kalter Wind | Enden komplett schließbar; schwerste Option |
Das Tarp über der Hängematte aufbauen
1
Firstleine über den GurtenDie Firstleine an denselben zwei Bäumen etwa 30 cm über den Aufhängepunkten der Gurte anschlagen. Bei drohendem Regen zuerst das Tarp spannen – dann hängst du die Hängematte im Trockenen auf.
2
Mittig mit ÜberstandDas Tarp so verschieben, dass es an jedem Ende 15–30 cm über die Hängematte hinausragt. Von der Seite prüfen: Die gerafften Enden der Hängematte dürfen nicht unter dem Tarp hervorschauen.
3
Seiten tief abspannenDie Seitenkanten nach außen und unten abspannen. Die Windseite tiefer und näher an der Hängematte, die windabgewandte Seite darf für Luft und Aussicht höher bleiben.
4
Tropfleinen an Gurten und FirstKnapp außerhalb der Hängematte ein kurzes Stück Schnur um jeden Gurt knoten, ebenso an der Firstleine. Wasser, das am Stamm herabläuft, tropft nun ab, bevor es den Stoff erreicht.
Spanne bei Regen ein A-Frame, bei schönem Wetter den Diamanten und bei Wind den Sturm-Modus – steil, tief und mit eingeschlagenen Enden als Türen. Alle Aufbauten, Firsthöhen und Knoten erklärt der Ratgeber Tarp aufbauen, und der Tarp-Aufbau-Planer berechnet Firsthöhe, Schnur und Heringe auch für Hängematten-Setups. Zu Materialien und Schnitten siehe das richtige Tarp.
Tropfleinen sind Pflicht. Regen, der am Stamm herabläuft, erreicht die Gurte und folgt ihnen direkt in die Hängematte. Knote knapp außerhalb der Hängemattenenden ein kurzes Stück Schnur um jeden Gurt und lass es herunterhängen, oder nutze Gurte mit Tropfring. Dasselbe gilt für die Firstleine des Tarps.
Underquilt und Isolierung: Kälte von unten stoppen
Das Geheimnis warmer Hängemattennächte: Die Isolierung unter dir ist wichtiger als die über dir. Ein Schlafsack verliert unten den Großteil seiner Wärme, weil dein Körpergewicht die Füllung plattdrückt. Die Luft unter der Hängematte trägt die Wärme dann ab – unter Hängemattenfans als „kalter Hintern“ (Cold Butt Syndrome) bekannt. Selbst in Sommernächten um 15–18 °C frösteln viele ohne Isolierung von unten.
Zwei Lösungen funktionieren. Ein Underquilt hängt außen unter der Hängematte, sodass nichts seine Füllung zusammendrückt – die wärmste und bequemste Lösung. Eine Isomatte in der Hängematte ist günstiger und auch am Boden nutzbar, verrutscht aber gern; eine doppellagige Hängematte mit Mattenfach oder eine breite Matte mit Seitenflügeln löst das meist. Obendrauf genügt ein Quilt oder ein geöffneter Schlafsack.
Warum du von unten frierst – und die zwei Lösungen
1
Keine Isolierung untenDein Gewicht drückt den Schlafsack unter dir platt, und der Luftzug unter der Hängematte trägt die Wärme fort. Typisches Zeichen: warme Brust, kalter Rücken und Po.
2
Isomatte innenEine Isomatte ab R 2 in der Hängematte stoppt den Großteil des Wärmeverlusts. Nimm eine breite Matte oder eine mit Flügeln, damit die Schultern nicht über den Rand hängen, und ein Mattenfach, damit nichts verrutscht.
3
Underquilt außenEng unter die Hängematte gehängt, behält der Underquilt seine volle Bauschkraft, weil nichts auf ihn drückt. Auf Lücken prüfen: Wenn du diagonal liegst, darf an Schultern und Hüfte kein Luftzug spürbar sein.
Schlafsystem in der Hängematte (oben = außen)
- Schutz vor Regen, Wind und Tau; bei kaltem Wind tiefer abspannen und Enden schließen.
- Passend zur Tiefsttemperatur – berechnen mit dem Schlafsack-Rechner.
- Trockene Baselayer, Mütze und Socken; siehe Bushcraft-Kleidung.
- Ein- oder doppellagig; doppellagig hält die Matte und bremst Mückenstiche.
- Die entscheidende Schicht: unkomprimierte Isolierung gegen die Luft von unten.
| Tiefsttemperatur | Unten | Oben | Zusätzlich |
|---|---|---|---|
| Über 18 °C | Oft nichts oder dünne Schaummatte | Leichte Decke oder Inlett | Moskitonetz |
| 10–18 °C | Matte ab R 2 oder 3-Jahreszeiten-Underquilt | Sommerquilt oder -schlafsack | Mütze für die Nacht |
| 0–10 °C | Underquilt bis ca. 0 °C oder Matte ab R 3 mit Flügeln | 3-Jahreszeiten-Quilt oder -Schlafsack | Tarp tiefer, Windseite geschlossen |
| Unter 0 °C | Winter-Underquilt plus Matte als Reserve | Winterquilt oder -schlafsack | Sturmtarp mit Türen, Underquilt-Schutzhülle |
Richtwerte; der individuelle Bedarf schwankt stark. Wind unter der Hängematte macht viel aus – spann das Tarp auf der Windseite tief ab.
Alles zu Schlafsäcken, Quilts und Isomatten findest du im Ratgeber Schlafsystem. Und denk daran, dass die gefühlte Temperatur unter dem Tarp bei Wind sinkt – prüfe sie vor einer exponierten Nacht mit dem Windchill-Rechner.
Mücken, Zecken und Hängematten
In der Hängematte bist du weg von Ameisen, Käfern, Schnecken und den meisten Zecken am Boden – Mücken finden dich trotzdem. Wähle eine Hängematte mit integriertem Moskitonetz oder ergänze ein separates Rundum-Netz an der strukturellen Firstleine. Mücken stechen durch eine einzelne dünne Stofflage von unten, deshalb schützen Underquilt oder doppellagige Hängematte auch deinen Rücken.
Zecken warten weiterhin in Gras und Gebüsch auf dem Weg zu den Bäumen. Suche dich morgens und abends gründlich ab, besonders in FSME-Risikogebieten, die das Robert Koch-Institut jährlich veröffentlicht. Wo Wildtiere an Essen gehen könnten, lagerst du Lebensmittel abseits der Hängematte – siehe Lebensmittel draußen lagern.
Liegekomfort: diagonal liegen und weitere Tricks
Fühlt sich die Hängematte an wie eine Banane, liegst du falsch darin. Leg dich diagonal hinein, den Kopf 15–30° zur einen Seite der Mittellinie, die Füße zur anderen. Der Stoff spannt sich quer über deinen Körper, und du liegst fast flach – sogar auf der Seite. Gathered-End-Hängematten mit mindestens 3,0–3,3 m Länge und 1,4 m Breite machen das deutlich einfacher; kurze, schmale Modelle lassen sich nicht flach beliegen.
Fünf Kniffe für eine flache, bequeme Lage
- Tiefer DurchhangBei 30° bleiben; straffere Aufhängung faltet dich zusammen.
- Fußende höherDas Fußende 15–20 cm höher hängen, damit du nicht zur Mitte rutschst.
- Diagonal liegenKopf und Füße 15–30° neben der Mittellinie.
- KniekissenEine gerollte Jacke unter den Knien verhindert das Überstrecken.
- Stabile MatteMatte im Fach oder Underquilt, damit nichts verrutscht.
Weitere Gewohnheiten helfen: Häng eine kleine Utensilientasche an die Firstleine für Stirnlampe, Wasser und Brille, hänge den Rucksack unter dem Tarp vom Boden weg und übe das Ein- und Aussteigen ein paar Mal zu Hause. Guter Schlaf draußen ist ein großer Teil davon, Bushcraft zu genießen – und am nächsten Tag gute Entscheidungen zu treffen.
Probleme in der Hängematte: Symptome, Ursachen, Lösungen
Die meisten Hängematten-Probleme verrät dir die Nacht selbst. Nutze die Tabelle am nächsten Morgen, ändere immer nur eine Sache und notiere, was geholfen hat – nach drei, vier Nächten sitzt dein Setup.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Schultern eingeengt, Rücken gekrümmt | Zu straff gehängt oder gerade gelegen | Aufhängung auf 30° verlängern, 15–30° diagonal liegen |
| Rutscht die ganze Nacht zur Mitte | Fußende zu tief | Fußende 15–20 cm anheben |
| Knieschmerzen, überstreckte Beine | Der Stoff zieht die Knie durch | Zusammengerollte Jacke unter die Knie, etwas stärker diagonal liegen |
| Kalter Rücken, warme Brust | Zusammengedrückter Schlafsack, keine Isolierung unten | Isomatte ab R 2 oder Underquilt; Tarp auf der Windseite tiefer |
| Morgens nasse Enden | Keine Tropfleinen oder Tarp zu kurz | Tropfleinen an den Gurten; Tarp an jedem Ende 15–30 cm länger als die Hängematte |
| Hängematte hängt jede Nacht tiefer | Gurte dehnen sich oder Knoten setzen sich | Vor dem Hineinlegen nachspannen; dehnungsarme Polyestergurte |
Zwei Übungen vor der ersten Nacht draußen
- Die Garten-Probe. Häng die Hängematte zu Hause zwischen zwei Bäume oder Pfosten und lies eine Stunde darin. Justiere Winkel, Fußende und Diagonale, bis du auf dem Rücken und auf der Seite ohne Druckstellen liegst. Notier dir Gurthöhe und Länge der Aufhängung für das nächste Mal.
- Der Kältetest. Verbring an einem kühlen Abend unter 15 °C eine Stunde nur mit Schlafsack in der Hängematte, danach mit Isomatte oder Underquilt. Du spürst sofort, was die Isolierung von unten ausmacht – und kennst deine Grenzen, bevor du dich darauf verlassen musst.
Wo darf ich eine Hängematte aufhängen? Regeln in Deutschland
Richtig gemacht hinterlässt eine Hängematte kaum Spuren: kein platt getretener Boden, keine freigeräumten Zeltplätze. Trotzdem gibt es Regeln. Tagsüber zum Entspannen ist eine Hängematte im Wald meist unproblematisch, sofern du Gurte verwendest und keine Schutzgebietsverordnung dagegensteht. Übernachten im Wald regeln in Deutschland dagegen die Waldgesetze der Bundesländer – vielerorts ist es nur auf ausgewiesenen Trekking- oder Biwakplätzen erlaubt, in Nationalparks und Naturschutzgebieten meist verboten. Einen Überblick gibt Wildcampen in Deutschland; verbindlich ist die Auskunft vor Ort. Im Ausland gelten wieder andere Regeln, etwa das Jedermannsrecht in Skandinavien. Überall gilt: breite Gurte, bei längeren Aufenthalten Bäume wechseln, alles wieder mitnehmen und Feuer nur an erlaubten Stellen – siehe Lagerfeuer sicher & spurlos. Wann du anhalten solltest, um noch im Hellen aufzuhängen, zeigt der Sonnenuntergang-Rechner.

| Element | Zielwert | Warum |
|---|---|---|
| Baumabstand | 4–5 m (3,5–6 m möglich) | 30° mit Standardgurten möglich |
| Aufhängewinkel | ≈ 30° unter der Waagerechten | Tiefer Durchhang, Gurtlast ≈ Körpergewicht |
| Sitzhöhe | 40–50 cm | Bequemer Einstieg, sichere Fallhöhe |
| Tarp-Firstleine | ≈ 30 cm über den Gurtpunkten | Volle Abdeckung, unabhängig justierbar |
| Isolierung unten | Underquilt oder Matte unter ≈ 18 °C | Stoppt Wärmeverlust durch Luftbewegung |
| Liegeposition | Diagonal, 15–30° zur Mitte | Flacher Rücken statt Banane |
Häufige Fehler
- Die Hängematte zu straff spannen – unbequem und eine Überlastung für Bäume und Gurte.
- Dünne Schnur statt breiter Baumgurte um die Stämme legen.
- Sich auf einen zusammengedrückten Schlafsack unter sich verlassen und frieren.
- Gerade entlang der Mittellinie statt diagonal liegen.
- Tropfleinen vergessen, sodass Regen an den Gurten in die Hängematte läuft.
- Ein zu kurzes Tarp, das die Enden der Hängematte ungeschützt lässt.
- An abgestorbenen Bäumen, unter Totholz oder hoch über Felsen aufhängen.
Das brauchst du
- Gathered-End-Hängematte, 3,0–3,3 m lang, mind. 1,4 m breit
- Zwei Baumgurte, ab 2,5 cm breit, 2,5–3 m lang
- Karabiner, Whoopie Slings oder Klemmschnallen (mit Tragfähigkeitsangabe)
- Tarp mit mind. 3,3 m Firstlänge und Firstleine
- Underquilt oder breite Isomatte
- Topquilt oder Schlafsack
- Moskitonetz (integriert oder separat)
- Tropfleinen und 4–6 Heringe