Ausrüstung
Bushcraft-Rucksack: Liter, Tragesystem, richtig einstellen & packen
Ein guter Bushcraft-Rucksack fasst deine ganze Ausrüstung mit etwas Luft, legt das Gewicht auf die Hüfte statt auf die Schultern und übersteht Brombeeren, Funken und Regen. Für die meisten Übernachtungstouren heißt das: ein Rucksack mit Tragesystem, 45–55 Liter, gepolstertem Hüftgurt und verstellbarer Rückenlänge. Für Wintertouren brauchst du 65–70 Liter.
Hier erfährst du, wie viel Liter Rucksack du für welche Tour brauchst, wie sich Tragesysteme unterscheiden, wie du den Rucksack Schritt für Schritt richtig einstellst und wie du ihn packst, damit er gut trägt. Die Volumen entsprechen dem Ausrüstungsplaner; was hineingehört, steht in der Bushcraft-Packliste. Mehr Ratgeber unter Bushcraft-Ausrüstung.
Schritt für Schritt
-
1
Volumen wählen
30 Liter plus 8 Liter pro Tag rechnen, im Winter 15 Liter mehr, mit Zelt 5 Liter mehr.
-
2
Rückenlänge messen
Vom hervorstehenden Halswirbel bis zur Oberkante der Beckenknochen messen und die passende Rückenlänge wählen.
-
3
Mit Gewicht testen
Rucksäcke mit 10–12 kg Inhalt probetragen – leer fühlt sich jeder Rucksack bequem an.
-
4
In der richtigen Reihenfolge einstellen
Erst Hüftgurt, dann Schultergurte, Lastkontrollriemen und Brustgurt. Nach den ersten Kilometern nachjustieren.
-
5
Innen wasserdicht machen
Inlett oder Packsäcke nutzen – eine Regenhülle allein lässt Wasser über das Rückenteil hinein.
Was macht einen guten Bushcraft-Rucksack aus?
Ein Bushcraft-Rucksack hat einen etwas anderen Job als ein reiner Wanderrucksack. Du trägst Werkzeug aus Stahl, einen Topf, der ins Feuer kommt, manchmal ein schweres Baumwoll-Tarp, und du gehst abseits der Wege durchs Unterholz. Im Lager wird der Rucksack zu Schrank, Rückenlehne und Windschutz. Daraus ergeben sich ein paar Prioritäten:
- Ein tragfähiger Hüftgurt – der Großteil des Gewichts gehört aufs Becken, nicht auf die Schultern.
- Robustes Material, das Dornen und Abrieb aushält; Funkenfestigkeit ist ein Plus, wenn du dicht am Feuer sitzt.
- Einfacher Zugriff: eine große Öffnung oben oder ein Frontreißverschluss, damit du bei Regen zuerst ans Tarp kommst.
- Sichere Befestigungspunkte für Säge, Beil oder Sitzmatte – nur mit Schutzhülle, nie mit offener Klinge.
- Genug Volumen, aber nicht zu viel: Jeder zusätzliche Liter verführt zu mehr Gewicht.
Ob ein Rucksack nach „Bushcraft" aussieht, ist viel unwichtiger, als ob er dir passt. Ein gut sitzender Trekkingrucksack trägt eine Bushcraft-Ausrüstung problemlos; ein schlecht sitzender Canvas-Klassiker tut nach einer Stunde weh.
Wie viel Liter Rucksack brauche ich?
Der Ausrüstungsplaner schlägt das Rucksackvolumen nach einer einfachen Faustregel vor: 30 Liter + 8 Liter pro Tag, im Winter plus 15 Liter (voluminöserer Schlafsack und Kleidung), mit Zelt plus 5 Liter – aufgerundet auf die nächsten 5 Liter. Das ergibt realistische Größen für typische Mittelklasse-Ausrüstung. Mit Ultraleicht-Ausrüstung geht es kleiner, mit Baumwoll-Tarp oder Kunstfaser-Winterschlafsack brauchst du mehr.
| Tour | Sommer / Herbst, Tarp | Mit Zelt | Winter, Tarp |
|---|---|---|---|
| Tagestour (ohne Übernachtung) | 20–30 l | – | 30–40 l |
| 1 Nacht | 40 l | 45 l | 55 l |
| 2 Tage | 50 l | 55 l | 65 l |
| 3 Tage | 55 l | 60 l | 70 l |
| 4–5 Tage | 60–70 l | 65–75 l | 75–85 l |
Die Zeilen für 1–3 Tage folgen der Formel des Ausrüstungsplaners; Tagestour und 4–5 Tage sind Praxiswerte.
Warum nicht einfach den größten Rucksack kaufen? Weil ein 80-Liter-Rucksack dazu verführt, ihn zu füllen, leer mehr wiegt (oft 2,5 kg und mehr) und halb voll schlechter trägt, weil die Ladung in sich zusammensackt. Liegst du zwischen zwei Größen, nimm die kleinere und schnall die Schaummatte oder das Tarp im wasserdichten Beutel außen fest. Ausnahme Winter: Schlafsack und Parka brauchen viel Platz, und zu starkes Komprimieren drückt genau die Isolation zusammen, auf die du angewiesen bist.
Packmaß der großen Teile
Der Schlafsack ist meist das voluminöseste Einzelteil: Ein Kunstfaserschlafsack mit 0 °C Komfort füllt 10–15 Liter, ein Daunenschlafsack gleicher Temperatur etwa die Hälfte. Ein Tarp aus Baumwollmischgewebe braucht viel mehr Platz als ein silikonbeschichtetes. Passt die Ausrüstung nicht hinein, gewinnst du die meisten Liter beim Schlafsystem und beim Shelter – siehe Schlafsystem und das richtige Tarp.
Tragesysteme: ohne Gestell, Innengestell oder Außengestell?
Das Tragesystem überträgt das Gewicht vom Packsack auf den Hüftgurt. Je schwerer die Ladung, desto wichtiger wird ein steifes Gestell.
| Tragesystem | Komfortable Last | Vorteile | Nachteile | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Ohne Gestell / weicher Rücken | bis ≈ 8 kg | Leicht, einfach, flach verstaubar | Gewicht hängt an den Schultern; sorgfältig packen | Tagestouren, Ultraleicht-Übernachtungen |
| Innengestell (Streben oder Rahmenplatte) | 10–20 kg | Liegt eng am Körper, stabil im Gelände, verstellbare Rückenlänge | Schwitziger Rücken ohne Belüftung | Standard für Bushcraft-Übernachtungen |
| Netzrücken (Trampolin) | 8–15 kg | Gute Belüftung | Last weiter vom Rücken entfernt, weniger stabil | Sommerwanderungen |
| Außengestell / Tragegestell | 15–30 kg | Trägt schwere und sperrige Lasten, luftig, Packsäcke austauschbar | Sperrig, bleibt an Ästen hängen, weniger stabil im Gelände | Basislager, Brennholz, schwere Canvas-Ausrüstung |
| Klassischer Canvas-Rucksack mit einfachem Rahmen und Hüftgurt | 8–15 kg | Robust, reparierbar, traditionelle Optik | Oft wenig einstellbar, schwerer | Traditionelles Bushcraft, kurze Anmarschwege |
Die Lastbereiche sind grobe Richtwerte für bequemes Tragen und hängen von Passform und Fitness ab.
Für die meisten Bushcrafter ist ein Rucksack mit Innengestell und verstellbarer Rückenlänge der beste Kompromiss: Er trägt eine Übernachtungsausrüstung von 10–14 kg, bleibt stabil, wenn du über Baumstämme steigst, und passt sich deinem Körper an. Tragegestelle erleben unter Bushcraftern ein Comeback, wenn schwere Basislager-Ausrüstung über kurze Strecken getragen wird – sie sind unschlagbar für sperrige Lasten, aber im dichten Fichtenjungwuchs weniger wendig.
Rucksack richtig einstellen: Schritt für Schritt
Ein gut sitzender Rucksack trägt 12 kg bequemer als ein schlecht sitzender 8 kg. Das wichtigste Maß ist die Rückenlänge: der Abstand vom hervorstehenden Halswirbel (C7) bis zu einer gedachten Linie zwischen den Oberkanten der Beckenknochen (Beckenkamm). Lass sie im aufrechten Stand von jemandem mit einem Maßband messen. Wähle eine Größe oder ein verstellbares Rückensystem, das diese Länge abdeckt – die Körpergröße allein ist kein verlässlicher Anhaltspunkt.
Rückenlänge messen
1
C7 findenKopf nach vorn neigen. Der Höcker, der am Übergang vom Nacken zum Rücken am weitesten hervorsteht, ist der siebte Halswirbel (C7) – der obere Messpunkt.
2
Beckenkamm findenHände in die Hüften stemmen und nach unten tasten, bis du die Oberkante der Beckenknochen spürst; die Daumen zeigen nach hinten. Die gedachte Linie zwischen den Daumen ist der untere Messpunkt.
3
Entlang der Wirbelsäule messenEine zweite Person legt ein weiches Maßband der Rückenkrümmung folgend von C7 bis zu dieser Linie, während du locker und aufrecht stehst. Zweimal messen – die Werte sollten auf etwa einen Zentimeter übereinstimmen.
4
Rückenlänge einstellenDas Ergebnis mit der Größentabelle des Herstellers vergleichen oder das verstellbare Tragesystem nach oben oder unten schieben, bis es passt. Liegst du zwischen zwei Größen, beide beladen probetragen.
Rucksack einstellen in der richtigen Reihenfolge
1
Beladen und lockern10–12 kg einpacken und alle Gurte lockern, bevor du den Rucksack aufsetzt. Sind die Riemen noch vom letzten Mal festgezogen, sitzt der Rucksack dort, wo die Gurte ihn halten – nicht dort, wo dein Körper ihn braucht.
2
HüftgurtRucksack leicht anheben, den gepolsterten Gurt mittig auf den Beckenkamm setzen und beide Enden kräftig nach vorn ziehen. Kontrolle: Die Polster umfassen die Oberkante des Beckens, die Schnalle sitzt vorn und nicht tief auf dem Bauch.
3
SchultergurteDie Gurtenden nach unten und hinten ziehen, bis die Gurte ohne Spalt auf den Schultern liegen – ohne den Hüftgurt anzuheben. Der Ansatz der Schultergurte am Rucksack liegt etwa 3–5 cm unter der Schulteroberkante.
4
LastkontrollriemenDie kurzen Riemen von der Schultergurt-Oberkante zum Rucksack sollen etwa im 45°-Winkel verlaufen. Nur leicht anziehen: Sie holen die Last an den Körper heran, sie heben sie nicht an.
5
BrustgurtEtwa zwei bis drei Finger breit unter dem Schlüsselbein schließen und nur so weit spannen, dass die Schultergurte nicht mehr nach außen rutschen. Tief einatmen – drückt es, ist er zu fest.
6
Stabilisatoren und nachjustierenDie Hüftgurt-Stabilisatoren anziehen und losgehen. Nach 20–30 Minuten anhalten und die Reihenfolge vom Hüftgurt aufwärts wiederholen – die Gurte setzen sich, wenn der Rucksack warm wird und arbeitet.
Bergauf die Lastkontrollriemen etwas enger stellen, damit die Last nah am Körper bleibt; bergab leicht lockern und den Hüftgurt nachziehen. In der Pause zuerst Hüft- und Brustgurt öffnen, damit der Rucksack beim Absetzen nicht an den Schultern reißt.
So sieht ein gut eingestellter Rucksack aus
Stell dich seitlich vor einen Spiegel oder lass dich von der Seite fotografieren. Bei guter Passform sitzt das Polster des Hüftgurts mittig über dem Beckenkamm, die Schultergurte liegen ohne Spalt auf, die Lastkontrollriemen steigen im Winkel von etwa 45° zum Rucksack an, und der Rucksack steht aufrecht und nah am Rücken, statt nach hinten zu kippen. Oben auf der Schulter passen zwei Finger unter den Schultergurt – die Gurte führen die Last, die Hüfte trägt sie.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Was hilft |
|---|---|---|
| Schmerzen oben auf den Schultern | Hüftgurt zu locker oder zu tief, die Schultern tragen | Gurt neu auf den Beckenkamm setzen, festziehen, dann Schultergurte etwas lockern |
| Druck auf den Beckenknochen | Gurt sitzt zu hoch oder Polster zu dünn | Gurt etwas tiefer setzen, Gurtgröße prüfen, Stelle mit gefaltetem Schlauchtuch polstern |
| Rucksack zieht nach hinten | Schweres unten oder weit vom Rücken, Lastkontrollriemen locker | Schweres rückennah umpacken, Lastkontroll- und Kompressionsriemen anziehen |
| Spalt zwischen Gurt und Schulter | Rückenlänge zu lang eingestellt | Rückensystem kürzer stellen oder eine Nummer kleiner probieren |
| Gurte drücken in den Nacken | Rückenlänge zu kurz | Rückensystem verlängern, Rückenlänge nachmessen |
| Kribbeln oder taube Hände | Schultergurte drücken auf Nerven und Gefäße | Schulter- und Brustgurt lockern, mehr Last auf die Hüfte, Passform prüfen |
| Rucksack schaukelt seitlich | Kompressions- und Stabilisierungsriemen locker, Rucksack halb leer | Ladung komprimieren, Lücken mit Weichem füllen, Stabilisatoren anziehen |
Frauenmodelle, schmale Rücken und Jugendliche
Viele Hersteller bieten Rucksäcke mit angepasster Passform an, oft als Damen- oder „SL"-Modelle bezeichnet. Typisch sind eine kürzere Rückenlänge, schmaler stehende und S-förmig geschwungene Schultergurte, die nicht auf die Brust drücken, sowie ein konisch geschnittener Hüftgurt, der besser auf ein breiteres Becken passt. Diese Modelle sind nicht nur für Frauen interessant: Auch Männer mit kurzem Oberkörper oder schmalen Schultern finden darin oft die bessere Passform. Entscheidend ist allein, was an deinem Körper sitzt.
Für Jugendliche lohnen sich Rucksäcke mit weit verstellbarem Rückensystem, die mitwachsen. Die Last sollte hier deutlich unter dem liegen, was Erwachsene tragen – schwere Teile wie Topf, Wasser und Tarp übernehmen am besten die Erwachsenen. Beim Probetragen im Laden gilt für alle: mindestens 10 kg einpacken lassen, zehn Minuten herumgehen, Treppen steigen und auf Druckstellen an Hüfte, Schultern und Lendenwirbeln achten. Ein Rucksack, der im Laden schon drückt, wird im Wald nicht besser.
Rucksack richtig packen: Schweres nah an den Rücken
Wie du packst, verändert das Tragegefühl genauso stark wie der Rucksack selbst. Die Regel: Schweres und Dichtes nah an die Wirbelsäule auf Höhe der Schulterblätter, Leichtes und Voluminöses nach unten, Dinge für unterwegs nach oben oder in die Außentaschen. Eine Last, die weit vom Rücken entfernt oder tief im Rucksack sitzt, zieht dich nach hinten und zwingt dich in eine vorgebeugte Haltung.
Packreihenfolge, Zone für Zone
1
Zuerst das InlettBevor irgendetwas hineinkommt, das wasserdichte Rucksack-Inlett im Hauptfach öffnen. Alles unterhalb des Tarps landet darin.
2
Schlafsack nach untenSchlafsack (im eigenen wasserdichten Packsack) und Schlafkleidung unten hineinstopfen. Sie sind leicht und voluminös, bilden eine weiche Basis und werden erst im Lager gebraucht.
3
Schwerer Kern an den RückenDie schwersten, dichtesten Teile – Essensbeutel, Topf, Wasser, Säge, Kocher – direkt ans Rückenteil auf Höhe der Schulterblätter. So bleibt der Schwerpunkt nah an der Wirbelsäule.
4
Kleidung um den KernKleidung im Packsack um und vor den schweren Kern packen, damit nichts rutscht oder klappert. Jede Lücke mit Weichem ausstopfen.
5
Tarp und Regenjacke obenaufInlett schließen, dann Tarp und Regenjacke obenauf legen. Schlägt das Wetter um, steht das Tarp, ohne dass du den Rest im Regen auspacken musst.
6
Deckel und HüftgurttaschenKarte und Kompass (Navigation), Stirnlampe, Messer, Feuerzeug, Snacks und das Erste-Hilfe-Set gehören in Deckel und Hüftgurttaschen – erreichbar, ohne den Rucksack abzusetzen.
Lücken mit Weichem füllen, damit nichts verrutscht. Trinkflaschen griffbereit in die Seitentaschen – etwa 1 Liter, wenn es genug Wasserquellen gibt, rund 3 Liter bei knappen Quellen, wie im Ausrüstungsplaner; deinen persönlichen Bedarf berechnet der Wasserbedarf-Rechner. Gaskartuschen und Essen getrennt vom Schlafsack verstauen, alles Riechende in einem dichten Beutel. In steilem Gelände etwas tiefer und kompakter packen, das verbessert die Balance.
Drei schnelle Kontrollen nach dem Packen
- Standtest: Den geschlossenen Rucksack auf den Boden stellen. Kippt er nach vorn oder zur Seite, sitzt Schweres zu weit außen oder einseitig – Richtung Rückenteil und Mitte umpacken.
- Hebetest: Den Rucksack an der Griffschlaufe anheben. Er soll gerade hängen und kompakt wirken; kippt er nach hinten, steckt zu viel Gewicht unten oder in der Fronttasche.
- Drehtest: Aufsetzen und den Oberkörper hin und her drehen. Was klappert oder verrutscht, bekommt ein weiches Teil als Keil daneben.
Ein schwerer Rucksack macht langsamer. Der Gehzeit-Rechner berücksichtigt Rucksackgewicht, Gelände und Pausen – so weißt du, wann du am Lagerplatz ankommst und ob du es vor der Dunkelheit schaffst.
Canvas oder Kunstfaser: welches Rucksackmaterial?
Traditionelle Bushcraft-Rucksäcke bestehen aus gewachstem Baumwoll-Canvas mit Lederriemen, moderne aus hochfestem Nylon- oder Polyestergewebe mit PU- oder Laminatbeschichtung. Beide haben ihre Berechtigung.
Canvas- vs. Kunstfaser-Rucksack
Gewachster Canvas
- Funkenresistent – ein verirrter Funke brennt selten sofort durch
- Sehr abriebfest, leise im Wald
- Mit Nadel, Faden und Wachs reparierbar
- Schwer: oft 2–3 kg bei 45–50 l
- Saugt Wasser, wenn nicht nachgewachst; trocknet langsam
Kunstfaser (Nylon / Polyester)
- Leicht: 1,2–2 kg bei 50 l
- Wasserabweisende Beschichtung, trocknet schnell
- Moderne Tragesysteme, verstellbarer Rücken
- Schmilzt durch Funken und Glut
- Teils raschelnd; Beschichtungen altern
Für lange Anmarschwege gewinnt Kunstfaser bei Gewicht und Tragekomfort. Für Basislager mit viel Zeit am Feuer oder wenn du traditionelle Ausrüstung liebst, ist Canvas robust und angenehm – wachse ihn regelmäßig nach und pack den Schlafsack in einen wasserdichten Packsack. Hybridmodelle mit Canvas-Außenstoff und modernem Tragesystem verbinden einige Vorteile beider Welten.
Regenhülle, Inlett oder Packsäcke?
Kaum ein Rucksack ist wirklich wasserdicht: Nähte, Reißverschlüsse und das Rückenteil lassen Wasser durch, und Canvas saugt sich bei Regen voll. Drei Wege halten die Ausrüstung trocken:
- Regenhülle: eine elastische Hülle über dem Rucksack. Sie verhindert, dass sich der Stoff vollsaugt, und ist bei langem Regen nützlich. Aber Wasser läuft den Rücken hinunter und dringt über das Rückenteil ein, und bei Wind kann sie wegfliegen.
- Rucksack-Inlett: ein großer wasserdichter Sack im Hauptfach. Günstig, leicht und zuverlässig – die wichtigste der drei Lösungen.
- Packsäcke: einzelne wasserdichte Beutel, farblich nach Inhalt sortiert. Sie ordnen die Ausrüstung und schützen Schlafsack und Wechselkleidung auch dann, wenn das Inlett versagt.
Die beste Kombination für Bushcraft: Inlett oder Packsack für Schlafsack und Kleidung, das Tarp obenauf, damit es zuerst steht, und optional eine Regenhülle. Zunder gehört in eine dichte Dose – nasser Zunder macht Feuer bei Nässe ungleich schwerer.
Rollverschluss richtig schließen: Überschüssige Luft herausdrücken, den oberen Rand mindestens dreimal eng und flach einrollen und dann zuklicken oder einschlagen. Weniger Umdrehungen oder eine lockere Rolle lassen Wasser hineinkriechen. Das gerollte Ende zeigt nach oben oder ins Rucksackinnere, nie nach unten in eine Pfütze. Inletts einmal pro Saison gegen helles Licht halten und auf kleine Löcher prüfen.
Messer, Beil und Säge sicher transportieren
Viele Bushcraft-Rucksäcke haben Schlaufen oder MOLLE-Gurtband für Werkzeug. Nutze sie mit Bedacht: Ein außen befestigtes Beil oder eine Säge bleibt an Ästen hängen, kann dich oder andere bei einem Sturz verletzen und wirkt in Ortschaften bedrohlich. Klingen immer in Scheide oder Klingenschutz, Schneide vom Körper weg und am besten im Rucksack. Unsere Ratgeber zu Äxten & Beilen, Klapp- & Bügelsägen und Bushcraft-Messern zeigen den sicheren Umgang.
Wie schwer darf ein gepackter Bushcraft-Rucksack sein?
Ein leerer Rucksack wiegt 1,2–2,5 kg, Canvas-Modelle auch mehr. Dazu kommt die Ausrüstung: Laut Ausrüstungsplaner hat eine zweitägige Tarp-Tour ein Basisgewicht von rund 5,4 kg im Sommer, 7,5 kg im Herbst und 8,5 kg im Winter (inklusive mitgetragener Kleidung), plus etwa 2,4–2,8 kg Essen und Wasser. Macht insgesamt rund 9–13 kg.
Als grobe Orientierung gilt: Für mehrtägige Wanderungen sollte die Gesamtlast höchstens bei etwa 20–25 % des Körpergewichts liegen. Das ist keine feste Regel – Fitness, Gelände und Strecke spielen mit –, aber wenn du deutlich darüber liegst, nimm dir zuerst die schweren Teile vor: Schlafsystem, Shelter und den Rucksack selbst. Ein leichterer Rucksack lohnt sich nur, wenn er deine Last noch bequem trägt; ein ultraleichter Rucksack ohne Gestell mit 13 kg Inhalt tut weh.
Checkliste: Bushcraft-Rucksack kaufen
- Volumen passt zu deinen typischen Touren (siehe Tabelle oben)
- Rückenlänge passt zur gemessenen Länge oder ist verstellbar
- Gepolsterter, tragender Hüftgurt, der auf dem Beckenkamm sitzt
- Lastkontrollriemen und Brustgurt
- Robustes Material; Canvas, wenn du oft dicht am Feuer sitzt
- Zugriff von oben oder vorne, um schnell ans Tarp zu kommen
- Erreichbare Seitentaschen für Trinkflaschen
- Platz für Inlett oder Packsäcke
Rucksack pflegen
Nach jeder Tour den Rucksack komplett leeren, Nadeln und Krümel ausschütteln und offen trocknen lassen – nie feucht lagern. Getrockneten Schlamm ausbürsten; Kunstfaser-Rucksäcke bei Bedarf von Hand mit lauwarmem Wasser und milder Seife reinigen, nie in der Waschmaschine. Canvas nachwachsen, sobald Wasser nicht mehr abperlt, und das Wachs mit sanfter Wärme einarbeiten. Vor längeren Touren Schnallen, Nähte und Gurtansätze prüfen: Mit Nadel und reißfestem Faden aus der Grundausrüstung – mehr dazu in Bushcraft für Anfänger – lassen sich die meisten Schäden unterwegs beheben, und eine Ersatzschnalle wiegt nur ein paar Gramm.

| Tour | Volumen | Tragesystem | Gesamtgewicht (ca.) |
|---|---|---|---|
| Tagestour | 20–30 l | Ohne oder mit leichtem Gestell | 3–6 kg |
| 1 Nacht, Sommer/Herbst | 40 l | Innengestell | 8–11 kg |
| 2 Tage, Sommer/Herbst | 50 l | Innengestell | 9–12 kg |
| 2 Tage, Winter | 65 l | Innengestell, steif | 12–14 kg |
| Basislager, schwere Ausrüstung | 60–80 l | Innen- oder Außengestell | 15 kg + |
Häufige Fehler
- Den Rucksack nach Körpergröße oder Optik statt nach gemessener Rückenlänge und Passform wählen.
- Den größtmöglichen Rucksack kaufen – und ihn dann auch füllen.
- Die Schultern die Last tragen lassen, weil der Hüftgurt zu locker ist oder zu tief sitzt.
- Schwere Teile unten oder weit vom Rücken entfernt packen.
- Sich nur auf die Regenhülle verlassen, ohne Inlett oder Packsäcke.
- Beil, Säge oder Messer ohne Schutz außen am Rucksack befestigen.
Das brauchst du
- Rucksack 45–55 l (Winter 65–70 l)
- Wasserdichtes Rucksack-Inlett
- 2–4 Packsäcke in verschiedenen Farben
- Regenhülle (optional)
- Scheiden oder Klingenschutz für Messer, Säge und Beil
- Ersatzschnalle und Reparaturfaden