Feuer

Feuer mit Feuerstein und Schlageisen: Feuerschlagen lernen

16 Min. Lesezeit · Aktualisiert

Feuer mit Feuerstein und Schlageisen entsteht so: Ein harter, scharfkantiger Stein schabt winzige Späne von einem Stück kohlenstoffreichem Stahl ab, diese glühen als Funken auf, ein Funke landet auf Kohletuch oder Zunderschwamm und wird zur Glut – und die Glut bläst du in einem Zundernest zur Flamme. Das Feuerschlagen ist Jahrtausende alt und funktioniert bis heute zuverlässig.

Hier erfährst du, wie das Prinzip funktioniert, worauf es bei Schlageisen und Stein ankommt, wie du Kohletuch selber machst und Zunder aus Zunderschwamm herstellst, wie du richtig schlägst und was bei Problemen hilft. Außerdem vergleichen wir Feuerstein und Stahl mit dem modernen Feuerstahl. Wenn du neu dabei bist, lies zuerst Feuer machen – die Grundlagen und unseren Leitfaden Bushcraft für Anfänger.

Schritt für Schritt

  1. Nest: 2 FäusteFeuerstellezuerst bauenFeine, trockene Fasern
    1

    Zundernest vorbereiten

    Forme ein lockeres Nest aus feinen, trockenen Fasern, etwa so groß wie zwei Fäuste. Die Feuerstelle ist fertig aufgebaut, bevor du schlägst.

  2. Scharfe Kantezeigt nach vornDaumen hältdas Kohletuch2–3 mm
    2

    Kohletuch auf den Stein legen

    Halte den Stein in der schwachen Hand, die scharfe Kante zeigt nach vorn. Klemme ein Stück Kohletuch mit dem Daumen knapp hinter der Kante fest.

  3. ≈ 30°Schnell und schabendnach unten
    3

    Im 30°-Winkel schlagen

    Zieh das Schlageisen in einem schnellen, streifenden Schlag an der Steinkante nach unten. Die Funken fliegen nach oben auf das Kohletuch.

  4. Münzgroße GlutSanft anblasen
    4

    Glut vergrößern

    Sobald ein glühender Punkt entsteht, puste sanft darauf, bis er etwa münzgroß ist.

  5. Flammen? Unterdas Anzündholz
    5

    Nest zur Flamme blasen

    Leg die Glut ins Zundernest, schließe es locker und puste gleichmäßig. Wenn es aufflammt, schiebst du es unter das Anzündholz.

Wie funktioniert Feuerschlagen mit Feuerstein und Stahl?

Anders als der Name vermuten lässt, stammt der Funke nicht aus dem Feuerstein. Wenn eine harte, scharfe Steinkante über kohlenstoffreichen Stahl schabt, löst sie mikroskopisch kleine Metallspäne ab. Die Reibung erhitzt sie, und weil sie so klein sind, reagieren sie mit dem Sauerstoff der Luft und verbrennen für einen Sekundenbruchteil. Was du als Funken siehst, ist ein glühendes Stahlteilchen.

Das klappt nur, weil der Stein härter ist als der Stahl. Feuerstein, Hornstein und Quarz liegen auf der Mohs-Skala bei etwa 7, gehärteter Kohlenstoffstahl etwas darunter. Deshalb schneidet der Stein ins Metall – nicht umgekehrt.

Nahaufnahme: Feuersteinkante schabt über einen Stahlstab und löst einen glühenden Stahlspan mit Funken ab
Die scharfe Steinkante hobelt einen winzigen Span vom Stahl; dieses Metallteilchen glüht und verbrennt an der Luft – der Funke ist Stahl, nicht Stein.

Der entscheidende Unterschied zum Feuerstahl ist die Temperatur. Die Funken von Feuerstein und Schlageisen sind klein und vergleichsweise kühl. Trockenes Gras oder Birkenrinde entzünden sie nicht direkt. Sie brauchen ein Material, das einen Funken annimmt und weiterglimmt: Kohletuch, verkohltes Pflanzenmaterial oder aufbereiteten Zunderschwamm.

Vom Funken zur Flamme

  1. FunkeDer Stein schabt ein glühendes Stahlteilchen ab.
  2. GlutDer Funke landet auf Kohletuch und bringt es zum Glimmen.
  3. ZundernestDie Glut kommt in ein Nest aus feinem natürlichem Zunder.
  4. FlammeGleichmäßiges Pusten verwandelt den Rauch in Flammen.
  5. FeuerstelleDas brennende Nest wandert unter das vorbereitete Anzündholz.

Was brauchst du zum Feuerschlagen?

Ein komplettes Set passt in eine Blechdose für die Hosentasche. Ist aber ein Teil schwach, scheitert der ganze Versuch.

Das Schlageisen (Feuerstahl im alten Sinn)

Traditionelle Schlageisen sind C-förmige, ovale oder D-förmige Bügel aus kohlenstoffreichem Stahl, durch die du die Finger steckst. Die Form schützt die Knöchel und gibt sicheren Halt. Entscheidend ist der Stahl: Er muss genug Kohlenstoff enthalten und richtig gehärtet sein. Rostfreier Stahl und Baustahl geben kaum oder gar keine Funken. Alte Feilen und manche Messerrücken aus Kohlenstoffstahl funktionieren auch – mit der Schneide schlagen ruiniert die Klinge allerdings. Welche Stähle geeignet sind, erklärt unser Ratgeber zu Bushcraft-Messern.

Achtung, Begriffsverwirrung: Im Handel heißt der Ferrocerium-Stab ebenfalls „Feuerstahl“. Gemeint ist in diesem Artikel aber das klassische Schlageisen.

Der Stein

Jeder Stein, der härter ist als der Stahl und eine scharfe Kante hat, eignet sich. Feuerstein (Flint) ist der Klassiker, aber auch Hornstein, Quarzit, Jaspis, Achat und Bergkristall funktionieren. Wichtig ist die Kante: Eine frische, scharfe Kante beißt in den Stahl, eine abgerundete rutscht nur darüber.

Zunder und Zunderdose

Kohletuch oder ein anderes verkohltes Material fängt den Funken auf. Bewahre es in einer kleinen, dicht schließenden Blechdose auf – der klassischen Zunderdose –, damit es knochentrocken bleibt und nicht zerdrückt wird. Dieselbe Dose dient dir auch zum Verkohlen.

Feuerschlag-Set: C-förmiges Schlageisen, Feuerstein, Dose mit schwarzem Kohletuch und Zundernest
Ein komplettes Feuerschlagzeug: C-förmiges Schlageisen aus Kohlenstoffstahl, ein Stein mit scharfer Kante, Kohletuch in der Blechdose und ein lockeres Zundernest.

Das Feuerschlag-Set auf einen Blick

Schlageisen
Gehärteter Kohlenstoffstahl, C-Form oder oval, ca. 6–8 cm lang
Stein
Feuerstein, Hornstein, Quarzit, Jaspis oder Quarz mit scharfer Kante
Glutträger
Kohletuch, verkohltes Morschholz, verkohlter Rohrkolben oder Zunderschwamm
Zunderdose
Kleine Blechdose mit dichtem Deckel, trocken gelagert
Zundernest
Trockenes Gras, Bastfasern, Jutegarn, Rohrkolbenwolle
Reserve
Feuerzeug oder Feuerstahl für den Notfall
Welche Steine funktionieren mit dem Schlageisen?
GesteinFunkenWo zu findenHinweise
Feuerstein (Flint)Sehr gutOstseeküste, Kreidegebiete, Kiesgruben in NorddeutschlandHält die Kante gut, lässt sich schlagen
HornsteinSehr gutKalkgebiete, z. B. Fränkische und Schwäbische AlbNaher Verwandter des Feuersteins
QuarzitGutFlussschotter, ÄckerZäh, Kanten runden langsamer ab
Jaspis / AchatSehr gutKiesbetten, MineralienhandelHart und feinkörnig
Bergkristall / QuarzGutQuarzgänge in Granit und SchieferSpröde, Kanten splittern schnell

Faustprobe: Ritzt der Stein Glas und hat er eine scharfe Kante, probier ihn am Schlageisen aus.

Kohletuch selber machen – Schritt für Schritt

Kohletuch (auch Holzkohletuch oder Zunderstoff) ist Stoff, der unter Luftabschluss erhitzt wurde, bis er zu schwarzer, verkohlter Faser geworden ist. Er brennt nicht mehr mit Flamme, fängt aber den kleinsten Funken und glimmt weiter – nach demselben Prinzip wie beim Holzkohlemeiler.

Nimm ausschließlich 100 % Baumwolle oder Leinen: alte Jeans, T-Shirts, Flanell oder Wattepads. Kunstfasern schmelzen statt zu verkohlen, Mischgewebe gibt fleckige Ergebnisse. Dünner, locker gewebter Stoff fängt schneller Funken, Jeansstoff ist robuster in der Tasche. Dazu brauchst du eine kleine Blechdose mit dichtem Deckel, etwa eine Bonbondose, in deren Deckel du mit einem Nagel ein Loch von 2–3 mm schlägst.

Kohletuch in der Dose herstellen

  1. Zuschneiden, locker einlegen – Baumwolle oder Leinen in Stücke von etwa 5 × 5 cm schneiden und locker in die Dose legen. Fest gestopft bleiben die mittleren Stücke braun.1
    Zuschneiden, locker einlegen

    Baumwolle oder Leinen in Stücke von etwa 5 × 5 cm schneiden und locker in die Dose legen. Fest gestopft bleiben die mittleren Stücke braun.

  2. Ab in die Glut – Deckel zu und die Dose auf ein Glutbett oder an den Rand eines gut brennenden Feuers stellen, nie in hohe Flammen. Mit Stock oder Handschuh arbeiten.2
    Ab in die Glut

    Deckel zu und die Dose auf ein Glutbett oder an den Rand eines gut brennenden Feuers stellen, nie in hohe Flammen. Mit Stock oder Handschuh arbeiten.

  3. Rauch beobachten – Nach ein, zwei Minuten strömen Rauch und Gas aus dem Loch. Das Gas kann sich als kleine Flamme entzünden – das ist normal. Gesicht fernhalten.3
    Rauch beobachten

    Nach ein, zwei Minuten strömen Rauch und Gas aus dem Loch. Das Gas kann sich als kleine Flamme entzünden – das ist normal. Gesicht fernhalten.

  4. Warten, bis es aufhört – Kommt kein Rauch mehr, meist nach 5–15 Minuten je nach Hitze und Stoff, ist das Verkohlen abgeschlossen.4
    Warten, bis es aufhört

    Kommt kein Rauch mehr, meist nach 5–15 Minuten je nach Hitze und Stoff, ist das Verkohlen abgeschlossen.

  5. Geschlossen abkühlen – Dose mit einem Stock herausholen, das Loch mit einem Zweiglein verschließen und vollständig abkühlen lassen. Heiß geöffnet glüht frisches Kohletuch durch und wird zu Asche.5
    Geschlossen abkühlen

    Dose mit einem Stock herausholen, das Loch mit einem Zweiglein verschließen und vollständig abkühlen lassen. Heiß geöffnet glüht frisches Kohletuch durch und wird zu Asche.

  6. Ergebnis prüfen – Gutes Kohletuch ist gleichmäßig schwarz, biegsam und zerbröselt nicht. Braune Stellen brauchen mehr Zeit, graue Asche war zu lang drin. Eine Ecke mit einem Schlag testen.6
    Ergebnis prüfen

    Gutes Kohletuch ist gleichmäßig schwarz, biegsam und zerbröselt nicht. Braune Stellen brauchen mehr Zeit, graue Asche war zu lang drin. Eine Ecke mit einem Schlag testen.

Zunderschwamm, Tschaga & Co.: Zunder herstellen aus der Natur

Kohletuch ist bequem, doch früher nahm man, was der Wald hergab. Mehrere Naturmaterialien lassen sich in derselben Dose verkohlen, und aufbereiteter Zunderschwamm nimmt Funken sogar ohne Verkohlen an.

Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Der Zunderschwamm ist ein hufförmiger Baumpilz, der bei uns vor allem an Buche und Birke wächst, meist an geschwächten oder abgestorbenen Stämmen. Für Zunder nutzt man die weiche, braune Mittelschicht unter der harten Kruste. Traditionell wurde sie herausgeschnitten, in Wasser – teils mit Holzasche – gekocht, getrocknet und dann weichgeklopft, bis ein lederartiger, filziger Lappen entstand. Dieser Zunder fängt Funken hervorragend und hält lange. Er ist namensgebend: „Zunder“ und „Zunderschwamm“ stehen seit Jahrhunderten für das Feuerschlagen.

Tschaga, Morschholz und Rohrkolben

Tschaga (Inonotus obliquus), der schwarze, rissige Auswuchs an Birken, hat eine rostbraune Innenschicht, die sehr trocken und fein geschabt einen Funken annehmen kann; verkohlt ist sie deutlich zuverlässiger. Verkohltes Morschholz – weiches, trockenes, vermodertes Holz, das zwischen den Fingern zerbröselt – und verkohlte Rohrkolben samt ihrer Wolle ergeben ebenfalls gute Glutträger. Hier geht es ausschließlich um Zunder: Nutze Pilze niemals als Nahrung aufgrund von Beschreibungen aus dem Internet.

Naturschutz: nur wenig und nur, wo es erlaubt ist

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) erlaubt das Sammeln wild wachsender Pilze in der Regel nur in geringen Mengen für den eigenen Bedarf und nicht in Naturschutzgebieten, Nationalparks und anderen Schutzgebieten. Zunderschwamm von lebenden Bäumen abzuschlagen, verletzt den Baum; Totholz mit Baumpilzen ist zudem wichtiger Lebensraum. Nimm deshalb nur einzelne Stücke von liegendem Holz, respektiere die Rechte der Waldbesitzer und informiere dich über die Regeln vor Ort.

Glutträger im Vergleich
MaterialNimmt FunkenVorbereitungHaltbarkeit
Kohletuch (Baumwolle/Leinen)Sehr leichtIn der Dose verkohlen, 5–15 Min.Empfindlich, in der Dose lagern
Verkohltes MorschholzLeichtTrocknen, dann verkohlenBröselig
Verkohlter RohrkolbenSehr leichtKolben oder Wolle verkohlenSehr empfindlich
TschagaMittel (verkohlt: leicht)Trocknen, schaben oder verkohlenRobuste Stücke
Zunderschwamm (Amadou)LeichtSchneiden, kochen, trocknen, klopfenSehr haltbar, wiederverwendbar

Feuer mit Feuerstein und Schlageisen: die richtige Schlagtechnik

Die meisten Fehlversuche liegen an Winkel, Kante und Griff – nicht an zu wenig Kraft.

Der Griff

Halte den Stein in der schwachen Hand zwischen Daumen und Fingern, eine scharfe Kante zeigt von dir weg und leicht nach oben. Leg ein Stück Kohletuch oben auf den Stein und klemme es mit dem Daumen so fest, dass es 2–3 mm hinter der Kante liegt. Die Funken fliegen nach oben und hinten über die Kante und landen direkt auf dem Tuch.

Die Finger der starken Hand steckst du durch das Schlageisen, sodass die flache Schlagfläche zum Stein zeigt.

Der Schlag

Zieh das Schlageisen in einem Winkel von etwa 30° schnell und streifend an der Steinkante nach unten. Stell dir vor, du hobelst einen hauchdünnen Span vom Stahl – du schlägst nicht auf den Stein. Die Bewegung kommt aus Handgelenk und Unterarm; ein kurzer, zackiger Schlag wirkt besser als weites Ausholen. Halte die Finger hinter der Kante, damit das Eisen nicht die Knöchel trifft.

Nach einigen Schlägen suchst du nach einem winzigen roten Punkt auf dem Kohletuch. Hör auf zu schlagen und puste sanft darauf, bis er sich ausbreitet. Kohletuch glimmt eine Minute und länger, du hast also Zeit. Werden die Funken weniger, dreh den Stein auf eine frische Kante – eine stumpfe Kante ist der häufigste Grund, warum ein Set plötzlich nicht mehr funktioniert.

Griff, Kante und Schlag im Detail

  1. Kante wählen – Dreh den Stein, bis eine frische, scharfe Kante von dir weg zeigt. Eine runde Kante rutscht nur über den Stahl und gibt kaum Funken.1
    Kante wählen

    Dreh den Stein, bis eine frische, scharfe Kante von dir weg zeigt. Eine runde Kante rutscht nur über den Stahl und gibt kaum Funken.

  2. Kohletuch festklemmen – Leg das Tuch oben auf den Stein und halte es mit dem Daumen so, dass seine Kante 2–3 mm hinter der Steinkante liegt. Näher dran schlägt das Eisen es weg, weiter hinten verfehlen es die Funken.2
    Kohletuch festklemmen

    Leg das Tuch oben auf den Stein und halte es mit dem Daumen so, dass seine Kante 2–3 mm hinter der Steinkante liegt. Näher dran schlägt das Eisen es weg, weiter hinten verfehlen es die Funken.

  3. Schlageisen greifen – Steck die Finger durch den Bügel, sodass die flache Schlagfläche zum Stein zeigt. Die Knöchel bleiben im Inneren des C geschützt.3
    Schlageisen greifen

    Steck die Finger durch den Bügel, sodass die flache Schlagfläche zum Stein zeigt. Die Knöchel bleiben im Inneren des C geschützt.

  4. Kante erneuern – Werden die Funken weniger und schwächer, dreh den Stein ein Stück auf eine frische Kante, statt fester zu schlagen. Auch ein kleiner abgeschlagener Splitter macht die Kante wieder scharf.4
    Kante erneuern

    Werden die Funken weniger und schwächer, dreh den Stein ein Stück auf eine frische Kante, statt fester zu schlagen. Auch ein kleiner abgeschlagener Splitter macht die Kante wieder scharf.

So sieht ein guter Schlag aus

Ein guter Schlag klingt wie ein kurzes, helles Schaben, nicht wie ein dumpfes Klacken. Du siehst einen kleinen Schauer orangefarbener Funken, der nach oben und hinten über den Stein fliegt, und auf der Schlagfläche bleibt ein frischer, blanker Kratzer. Hörst du nur ein Klacken und siehst nichts, triffst du den Stein, statt den Stahl zu hobeln: Winkel flacher wählen und das Eisen an der Kante abgleiten lassen. Fliegen die Funken nach vorn von dir weg, führst du den Schlag nach oben statt nach unten.

Übungen

  • Funken zählen: Ohne Kohletuch zehn Schläge machen und zählen, wie viele sichtbare Funken geben. Ziel sind acht von zehn, bevor du weitermachst.
  • Zielübung: Statt Kohletuch ein Stück Papier auf den Stein klemmen und nachsehen, wo die Funken winzige Brandpunkte hinterlassen. Sie sollten an der vorderen Papierkante landen.
  • Glut in fünf Schlägen: Mit trockenem Kohletuch versuchen, innerhalb von fünf Schlägen Glut zu bekommen. Wiederholen, bis es fast immer klappt, dann mit kalten Händen oder im Dunkeln üben.

Von der Glut zur Flamme: das Zundernest

Glut ist noch kein Feuer. Sie braucht ein Zundernest: eine lockere Kugel aus sehr feinen, trockenen Fasern, etwa so groß wie zwei Fäuste. Gut geeignet sind trockenes Gras, fein zerfaserter Bast von Linde oder Weide, Waldrebenrinde, Rohrkolbenwolle mit Gras gemischt oder aufgedröseltes Jutegarn. Fasern, die du für Schnur aus Naturfasern aufbereitest, sind oft auch hervorragender Zunder.

Drück eine kleine Mulde in die Mitte des Nests, leg das glühende Kohletuch hinein und falte die Fasern locker darüber. Halte das Nest auf Brusthöhe, den Wind im Rücken und das Gesicht leicht seitlich, und puste mit langen, gleichmäßigen Atemzügen. Der Rauch wird dichter und weißer, dann flammt das Nest auf. Jetzt hörst du auf zu pusten und schiebst es sofort unter das Anzündholz. Das Nest kann schlagartig aufflammen – halte es von Gesicht und Haaren fern.

Vom glühenden Kohletuch zur Flamme

  1. Mulde eindrücken – Drück mit den Fingern eine faustgroße Mulde in die Mitte des Nests. Die feinsten Fasern gehören an den Boden der Mulde, dorthin, wo die Glut liegt.1
    Mulde eindrücken

    Drück mit den Fingern eine faustgroße Mulde in die Mitte des Nests. Die feinsten Fasern gehören an den Boden der Mulde, dorthin, wo die Glut liegt.

  2. Glut einlegen – Das glühende Kohletuch mit der Glutseite nach oben in die Mulde legen. Lass die Glut vorher auf Münzgröße wachsen, damit sie den Umzug übersteht.2
    Glut einlegen

    Das glühende Kohletuch mit der Glutseite nach oben in die Mulde legen. Lass die Glut vorher auf Münzgröße wachsen, damit sie den Umzug übersteht.

  3. Locker schließen – Die äußeren Fasern wie ein lockeres Päckchen über die Glut falten. Nicht zusammendrücken: Die Glut braucht Luft, eine gepresste Kugel geht aus.3
    Locker schließen

    Die äußeren Fasern wie ein lockeres Päckchen über die Glut falten. Nicht zusammendrücken: Die Glut braucht Luft, eine gepresste Kugel geht aus.

  4. Auf Brusthöhe pusten – Das Nest auf Brusthöhe halten, den Wind im Rücken, und lange, gleichmäßige Atemzüge geben. Der Rauch wird dichter und weißer, je heißer die Fasern werden.4
    Auf Brusthöhe pusten

    Das Nest auf Brusthöhe halten, den Wind im Rücken, und lange, gleichmäßige Atemzüge geben. Der Rauch wird dichter und weißer, je heißer die Fasern werden.

  5. Flamme unters Holz – Sobald es aufflammt, aufhören zu pusten und das Nest unter das Anzündholz der vorbereiteten Feuerstelle schieben. Von Gesicht und Haaren fernhalten.5
    Flamme unters Holz

    Sobald es aufflammt, aufhören zu pusten und das Nest unter das Anzündholz der vorbereiteten Feuerstelle schieben. Von Gesicht und Haaren fernhalten.

Baue die Feuerstelle auf, bevor du schlägst. Ein Tipi- oder Lean-to-Aufbau gibt dem brennenden Nest einen direkten Weg ins dünne Anzündholz. Unser Ratgeber zu Feuerarten und Aufbau zeigt die Möglichkeiten, und der Feuerarten-Finder schlägt dir passend zu Wetter und Zweck einen Aufbau vor. Feathersticks oder Kienspäne auf dem Nest helfen sehr, wenn es feucht ist.

Fehlersuche: Warum klappt das Feuerschlagen nicht?

Geh das Problem der Reihe nach durch: erst Funken, dann Glut, dann Flamme. Jede Stufe hat ihre typischen Ursachen.

Dem Problem auf der Spur

  1. Entstehen überhaupt Funken?

    Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Prüfe den Stahl: Rostfreier oder weicher Stahl funkt nicht. Nutze eine frische, scharfe Steinkante und einen streifenden Schlag.
  2. Landen die Funken auf dem Glutträger?

    Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Leg das Kohletuch näher an die Kante (2–3 mm dahinter) und schlag nach unten, damit die Funken über den Stein fliegen.
  3. Fängt der Glutträger Glut?

    Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Das Tuch ist feucht oder zu wenig verkohlt (braun). Trocknen oder länger verkohlen; mit einer Feuerzeugflamme testen.
  4. Flammt das Zundernest auf?

    Ja → Sofort unter das Anzündholz schieben.Nein → Feinere, trockenere Fasern verwenden, länger und gleichmäßiger pusten, die Glut besser einschließen.

Luftfeuchtigkeit ist der stille Feind. Kohletuch zieht Feuchtigkeit aus der Luft, deshalb gehört es in die verschlossene Dose, am besten zusätzlich in einen Zipbeutel. Bei Regen oder Schnee bereitest du das Nest unter dem Tarp oder im Schutz deines Körpers vor. Tipps für trockenes Anzündmaterial findest du unter Feuer bei Nässe.

Feuerstein und Stahl oder Feuerstahl – was ist besser?

Für die meisten ist der Feuerstahl die praktischere Wahl: einfacher, unempfindlich gegen Nässe und in der Lage, unbehandelten Zunder direkt zu entzünden. Feuerstein und Schlageisen belohnen dagegen Übung und halten praktisch ewig.

Feuerstein und Schlageisen vs. Feuerstahl

Feuerstein & Schlageisen

  • Kleine, kühle Funken – braucht Kohletuch oder Zunderschwamm
  • Schlageisen hält ein Leben lang, Steine findest du in der Natur
  • Glutträger muss absolut trocken bleiben
  • Steilere Lernkurve, sehr befriedigend
  • Traditionell, ohne industrielle Verbrauchsmaterialien
vs

Feuerstahl (Ferrocerium)

  • Große, sehr heiße Funken – entzündet feinen Naturzunder direkt
  • Der Stab nutzt sich ab und muss irgendwann ersetzt werden
  • Funktioniert auch nach einem Bad, einfach abwischen
  • In wenigen Minuten gelernt
  • Die gängigste moderne Reserve – siehe Feuerstahl richtig benutzen
Vergleich: kleine Funken von Feuerstein und Schlageisen auf Kohletuch und ein Funkenschauer vom Feuerstahl auf ein Zundernest
Links: Feuerstein und Schlageisen liefern wenige kleine, relativ kühle Funken, die nur Kohletuch auffängt. Rechts: Der Feuerstahl wirft einen Schauer großer, sehr heißer Funken, die feinen Zunder direkt entzünden.

Viele Bushcrafter tragen beides: den Feuerstahl als verlässliches Arbeitspferd und Feuerstein und Stahl zum Üben und aus Freude am alten Handwerk. Wer ganz ohne Metall Feuer machen will, versucht sich am Feuerbohren mit dem Bogen.

Eine kurze Geschichte des Feuerschlagens

Funkenschlagen gehört zu den ältesten Methoden, Feuer zu machen. Bevor es Stahl gab, schlug man Feuerstein gegen eisenhaltige Minerale wie Pyrit oder Markasit. Ötzi, der 1991 in den Ötztaler Alpen gefundene Mann aus der Kupferzeit, trug in seiner Gürteltasche Zunderschwamm zusammen mit Spuren von Pyrit – Forschende deuten das als Teil eines Feuerschlagzeugs.

Mit der Verbreitung von Eisen und Stahl setzte sich das Schlageisen durch. Feuerschläger finden sich in eisenzeitlichen und frühmittelalterlichen Gräbern in ganz Europa, und bis in die Neuzeit war die Zunderbüchse mit Feuerstein, Stahl und Zunder ein alltäglicher Haushaltsgegenstand. Erst als sich im 19. Jahrhundert Reibzündhölzer durchsetzten, verschwand sie langsam aus dem Alltag.

Pflege des Schlageisens und Feuer im Wald

Kohlenstoffstahl rostet. Wisch das Schlageisen nach Gebrauch trocken und gib ihm ab und zu einen Hauch Öl oder Wachs; leichte Patina schadet nicht, tiefer Lochfraß schwächt aber die Schlagfläche. Mit den Jahren entstehen kleine Rillen – das ist normal und stört das Funken nicht.

Nimm das Set als Reserve oder Übungsset in deine Bushcraft-Packliste auf. Frisches Kohletuch machst du in der Glut des Feuers, auf dem du ohnehin am Lagerfeuer kochst oder Wasser abkochst.

In Deutschland ist offenes Feuer im Wald und in Waldnähe nach den Waldgesetzen der Länder grundsätzlich verboten, oft gilt zusätzlich ein Mindestabstand zum Waldrand. Die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland und Gemeinde – Feuer nur an ausgewiesenen oder genehmigten Feuerstellen. Achte auf den Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes und verzichte bei hoher Gefahr ganz auf Feuer. Weitere Feuertechniken findest du im Themenbereich Feuer.

Feuerstein und Schlageisen auf einen Blick
Feuerstein und Schlageisen auf einen Blick
MerkmalFeuerstein & SchlageisenFeuerstahl
FunkenKlein, kühlGroß, sehr heiß
ZunderKohletuch oder ZunderschwammJeder feine, trockene Zunder
LebensdauerSchlageisen hält JahrzehnteNutzt sich ab
Bei NässeGlutträger muss trocken bleibenFunktioniert nach Abwischen
LernaufwandMittelGering

Häufige Fehler

  • Ein Schlageisen aus rostfreiem oder weichem Stahl verwenden, das kaum funkt.
  • Mit abgerundeter Steinkante weiterschlagen, statt auf eine frische Kante zu drehen.
  • Trockenes Gras direkt anzünden wollen, statt den Funken mit Kohletuch aufzufangen.
  • Die Dose zum Verkohlen heiß öffnen – das Tuch verglüht zu Asche.
  • Kohletuch in einer undichten Dose feucht werden lassen.
  • Zundernest und Feuerstelle nicht vorbereitet haben, bevor man schlägt.

Das brauchst du

  • Schlageisen aus Kohlenstoffstahl
  • Feuerstein, Hornstein oder Quarzit mit scharfer Kante
  • Kohletuch in einer kleinen Blechdose
  • Material fürs Zundernest (Gras, Bastfasern, Jutegarn)
  • Lederhandschuhe oder Stock für die heiße Dose
  • Feuerzeug oder Feuerstahl als Reserve

Häufige Fragen

Funktioniert Feuerschlagen ohne Kohletuch?
Nicht mit gewöhnlichem Zunder. Die Funken von Feuerstein und Schlageisen sind zu klein und zu kühl, um trockenes Gras oder Rinde direkt zu entzünden. Du brauchst einen Glutträger, der den Funken annimmt und glimmt: Kohletuch, verkohltes Morschholz, verkohlten Rohrkolben, aufbereiteten Zunderschwamm oder trockenen Tschaga. Hast du Glut, bringt ein gutes Nest aus natürlichem Zunder sie zur Flamme.
Wie kann ich aus Zunderschwamm Zunder herstellen?
Traditionell schneidet man die weiche, braune Mittelschicht unter der harten Kruste heraus, kocht sie in Wasser, oft mit etwas Holzasche, trocknet sie und klopft sie anschließend weich, bis ein filziger, lederartiger Lappen entsteht. Dieser nimmt Funken gut an. Sammle nur geringe Mengen von liegendem Holz, außerhalb von Schutzgebieten und im Rahmen des BNatSchG.
Welcher Stein eignet sich zum Feuerschlagen?
Der Stein muss härter sein als der Stahl und eine scharfe Kante haben. Feuerstein, Hornstein, Quarzit, Jaspis, Achat und Quarz funktionieren. Ein einfacher Test: Ritzt der Stein Glas, ist er hart genug. Weiche Gesteine wie Kalk- oder Sandstein geben keine Funken, runde Kiesel musst du erst aufschlagen, damit eine frische Kante entsteht.
Warum gibt mein Schlageisen keine Funken?
Meist liegt es am falschen Stahl oder an einer stumpfen Steinkante. Nur gehärteter Kohlenstoffstahl funkt gut, rostfreier Stahl und Baustahl nicht. Dreh den Stein auf eine scharfe Kante, schlag schnell und streifend im Winkel von etwa 30° nach unten und achte darauf, dass du Stahl abschabst, statt auf den Stein zu hämmern.
Wie lange hält Kohletuch?
Kohletuch verdirbt nicht, solange es trocken bleibt. In einer dicht schließenden Dose hält es jahrelang. Das Problem ist Feuchtigkeit: Feuchtes Kohletuch nimmt erst nach gründlichem Trocknen wieder Funken an. Trag es daher in einer Blechdose, idealerweise zusätzlich in einem wasserdichten Beutel, und stell neues her, wann immer du ein gutes Glutbett hast.
Ist Feuerstein und Stahl besser als ein Feuerstahl?
In Sachen Zuverlässigkeit und Einfachheit ist der Feuerstahl überlegen: Seine heißen Funken entzünden feinen Naturzunder direkt, und er funktioniert auch nach Nässe. Feuerstein und Schlageisen sind dafür ein Werkzeug fürs Leben, brauchen keine industriellen Verbrauchsmaterialien und vertiefen dein Verständnis für Feuer. Viele tragen einen Feuerstahl als Hauptwerkzeug und das Schlageisen zum Üben.