Feuer
Feuer mit Feuerstein und Schlageisen: Feuerschlagen lernen
Feuer mit Feuerstein und Schlageisen entsteht so: Ein harter, scharfkantiger Stein schabt winzige Späne von einem Stück kohlenstoffreichem Stahl ab, diese glühen als Funken auf, ein Funke landet auf Kohletuch oder Zunderschwamm und wird zur Glut – und die Glut bläst du in einem Zundernest zur Flamme. Das Feuerschlagen ist Jahrtausende alt und funktioniert bis heute zuverlässig.
Hier erfährst du, wie das Prinzip funktioniert, worauf es bei Schlageisen und Stein ankommt, wie du Kohletuch selber machst und Zunder aus Zunderschwamm herstellst, wie du richtig schlägst und was bei Problemen hilft. Außerdem vergleichen wir Feuerstein und Stahl mit dem modernen Feuerstahl. Wenn du neu dabei bist, lies zuerst Feuer machen – die Grundlagen und unseren Leitfaden Bushcraft für Anfänger.
Schritt für Schritt
-
1
Zundernest vorbereiten
Forme ein lockeres Nest aus feinen, trockenen Fasern, etwa so groß wie zwei Fäuste. Die Feuerstelle ist fertig aufgebaut, bevor du schlägst.
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2
Kohletuch auf den Stein legen
Halte den Stein in der schwachen Hand, die scharfe Kante zeigt nach vorn. Klemme ein Stück Kohletuch mit dem Daumen knapp hinter der Kante fest.
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3
Im 30°-Winkel schlagen
Zieh das Schlageisen in einem schnellen, streifenden Schlag an der Steinkante nach unten. Die Funken fliegen nach oben auf das Kohletuch.
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4
Glut vergrößern
Sobald ein glühender Punkt entsteht, puste sanft darauf, bis er etwa münzgroß ist.
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5
Nest zur Flamme blasen
Leg die Glut ins Zundernest, schließe es locker und puste gleichmäßig. Wenn es aufflammt, schiebst du es unter das Anzündholz.
Wie funktioniert Feuerschlagen mit Feuerstein und Stahl?
Anders als der Name vermuten lässt, stammt der Funke nicht aus dem Feuerstein. Wenn eine harte, scharfe Steinkante über kohlenstoffreichen Stahl schabt, löst sie mikroskopisch kleine Metallspäne ab. Die Reibung erhitzt sie, und weil sie so klein sind, reagieren sie mit dem Sauerstoff der Luft und verbrennen für einen Sekundenbruchteil. Was du als Funken siehst, ist ein glühendes Stahlteilchen.
Das klappt nur, weil der Stein härter ist als der Stahl. Feuerstein, Hornstein und Quarz liegen auf der Mohs-Skala bei etwa 7, gehärteter Kohlenstoffstahl etwas darunter. Deshalb schneidet der Stein ins Metall – nicht umgekehrt.
Der entscheidende Unterschied zum Feuerstahl ist die Temperatur. Die Funken von Feuerstein und Schlageisen sind klein und vergleichsweise kühl. Trockenes Gras oder Birkenrinde entzünden sie nicht direkt. Sie brauchen ein Material, das einen Funken annimmt und weiterglimmt: Kohletuch, verkohltes Pflanzenmaterial oder aufbereiteten Zunderschwamm.
Vom Funken zur Flamme
- FunkeDer Stein schabt ein glühendes Stahlteilchen ab.
- GlutDer Funke landet auf Kohletuch und bringt es zum Glimmen.
- ZundernestDie Glut kommt in ein Nest aus feinem natürlichem Zunder.
- FlammeGleichmäßiges Pusten verwandelt den Rauch in Flammen.
- FeuerstelleDas brennende Nest wandert unter das vorbereitete Anzündholz.
Was brauchst du zum Feuerschlagen?
Ein komplettes Set passt in eine Blechdose für die Hosentasche. Ist aber ein Teil schwach, scheitert der ganze Versuch.
Das Schlageisen (Feuerstahl im alten Sinn)
Traditionelle Schlageisen sind C-förmige, ovale oder D-förmige Bügel aus kohlenstoffreichem Stahl, durch die du die Finger steckst. Die Form schützt die Knöchel und gibt sicheren Halt. Entscheidend ist der Stahl: Er muss genug Kohlenstoff enthalten und richtig gehärtet sein. Rostfreier Stahl und Baustahl geben kaum oder gar keine Funken. Alte Feilen und manche Messerrücken aus Kohlenstoffstahl funktionieren auch – mit der Schneide schlagen ruiniert die Klinge allerdings. Welche Stähle geeignet sind, erklärt unser Ratgeber zu Bushcraft-Messern.
Achtung, Begriffsverwirrung: Im Handel heißt der Ferrocerium-Stab ebenfalls „Feuerstahl“. Gemeint ist in diesem Artikel aber das klassische Schlageisen.
Der Stein
Jeder Stein, der härter ist als der Stahl und eine scharfe Kante hat, eignet sich. Feuerstein (Flint) ist der Klassiker, aber auch Hornstein, Quarzit, Jaspis, Achat und Bergkristall funktionieren. Wichtig ist die Kante: Eine frische, scharfe Kante beißt in den Stahl, eine abgerundete rutscht nur darüber.
Zunder und Zunderdose
Kohletuch oder ein anderes verkohltes Material fängt den Funken auf. Bewahre es in einer kleinen, dicht schließenden Blechdose auf – der klassischen Zunderdose –, damit es knochentrocken bleibt und nicht zerdrückt wird. Dieselbe Dose dient dir auch zum Verkohlen.
Das Feuerschlag-Set auf einen Blick
- Schlageisen
- Gehärteter Kohlenstoffstahl, C-Form oder oval, ca. 6–8 cm lang
- Stein
- Feuerstein, Hornstein, Quarzit, Jaspis oder Quarz mit scharfer Kante
- Glutträger
- Kohletuch, verkohltes Morschholz, verkohlter Rohrkolben oder Zunderschwamm
- Zunderdose
- Kleine Blechdose mit dichtem Deckel, trocken gelagert
- Zundernest
- Trockenes Gras, Bastfasern, Jutegarn, Rohrkolbenwolle
- Reserve
- Feuerzeug oder Feuerstahl für den Notfall
| Gestein | Funken | Wo zu finden | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Feuerstein (Flint) | Sehr gut | Ostseeküste, Kreidegebiete, Kiesgruben in Norddeutschland | Hält die Kante gut, lässt sich schlagen |
| Hornstein | Sehr gut | Kalkgebiete, z. B. Fränkische und Schwäbische Alb | Naher Verwandter des Feuersteins |
| Quarzit | Gut | Flussschotter, Äcker | Zäh, Kanten runden langsamer ab |
| Jaspis / Achat | Sehr gut | Kiesbetten, Mineralienhandel | Hart und feinkörnig |
| Bergkristall / Quarz | Gut | Quarzgänge in Granit und Schiefer | Spröde, Kanten splittern schnell |
Faustprobe: Ritzt der Stein Glas und hat er eine scharfe Kante, probier ihn am Schlageisen aus.
Kohletuch selber machen – Schritt für Schritt
Kohletuch (auch Holzkohletuch oder Zunderstoff) ist Stoff, der unter Luftabschluss erhitzt wurde, bis er zu schwarzer, verkohlter Faser geworden ist. Er brennt nicht mehr mit Flamme, fängt aber den kleinsten Funken und glimmt weiter – nach demselben Prinzip wie beim Holzkohlemeiler.
Nimm ausschließlich 100 % Baumwolle oder Leinen: alte Jeans, T-Shirts, Flanell oder Wattepads. Kunstfasern schmelzen statt zu verkohlen, Mischgewebe gibt fleckige Ergebnisse. Dünner, locker gewebter Stoff fängt schneller Funken, Jeansstoff ist robuster in der Tasche. Dazu brauchst du eine kleine Blechdose mit dichtem Deckel, etwa eine Bonbondose, in deren Deckel du mit einem Nagel ein Loch von 2–3 mm schlägst.
Kohletuch in der Dose herstellen
1
Zuschneiden, locker einlegenBaumwolle oder Leinen in Stücke von etwa 5 × 5 cm schneiden und locker in die Dose legen. Fest gestopft bleiben die mittleren Stücke braun.
2
Ab in die GlutDeckel zu und die Dose auf ein Glutbett oder an den Rand eines gut brennenden Feuers stellen, nie in hohe Flammen. Mit Stock oder Handschuh arbeiten.
3
Rauch beobachtenNach ein, zwei Minuten strömen Rauch und Gas aus dem Loch. Das Gas kann sich als kleine Flamme entzünden – das ist normal. Gesicht fernhalten.
4
Warten, bis es aufhörtKommt kein Rauch mehr, meist nach 5–15 Minuten je nach Hitze und Stoff, ist das Verkohlen abgeschlossen.
5
Geschlossen abkühlenDose mit einem Stock herausholen, das Loch mit einem Zweiglein verschließen und vollständig abkühlen lassen. Heiß geöffnet glüht frisches Kohletuch durch und wird zu Asche.
6
Ergebnis prüfenGutes Kohletuch ist gleichmäßig schwarz, biegsam und zerbröselt nicht. Braune Stellen brauchen mehr Zeit, graue Asche war zu lang drin. Eine Ecke mit einem Schlag testen.
Zunderschwamm, Tschaga & Co.: Zunder herstellen aus der Natur
Kohletuch ist bequem, doch früher nahm man, was der Wald hergab. Mehrere Naturmaterialien lassen sich in derselben Dose verkohlen, und aufbereiteter Zunderschwamm nimmt Funken sogar ohne Verkohlen an.
Zunderschwamm (Fomes fomentarius)
Der Zunderschwamm ist ein hufförmiger Baumpilz, der bei uns vor allem an Buche und Birke wächst, meist an geschwächten oder abgestorbenen Stämmen. Für Zunder nutzt man die weiche, braune Mittelschicht unter der harten Kruste. Traditionell wurde sie herausgeschnitten, in Wasser – teils mit Holzasche – gekocht, getrocknet und dann weichgeklopft, bis ein lederartiger, filziger Lappen entstand. Dieser Zunder fängt Funken hervorragend und hält lange. Er ist namensgebend: „Zunder“ und „Zunderschwamm“ stehen seit Jahrhunderten für das Feuerschlagen.
Tschaga, Morschholz und Rohrkolben
Tschaga (Inonotus obliquus), der schwarze, rissige Auswuchs an Birken, hat eine rostbraune Innenschicht, die sehr trocken und fein geschabt einen Funken annehmen kann; verkohlt ist sie deutlich zuverlässiger. Verkohltes Morschholz – weiches, trockenes, vermodertes Holz, das zwischen den Fingern zerbröselt – und verkohlte Rohrkolben samt ihrer Wolle ergeben ebenfalls gute Glutträger. Hier geht es ausschließlich um Zunder: Nutze Pilze niemals als Nahrung aufgrund von Beschreibungen aus dem Internet.
Naturschutz: nur wenig und nur, wo es erlaubt ist
Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) erlaubt das Sammeln wild wachsender Pilze in der Regel nur in geringen Mengen für den eigenen Bedarf und nicht in Naturschutzgebieten, Nationalparks und anderen Schutzgebieten. Zunderschwamm von lebenden Bäumen abzuschlagen, verletzt den Baum; Totholz mit Baumpilzen ist zudem wichtiger Lebensraum. Nimm deshalb nur einzelne Stücke von liegendem Holz, respektiere die Rechte der Waldbesitzer und informiere dich über die Regeln vor Ort.
| Material | Nimmt Funken | Vorbereitung | Haltbarkeit |
|---|---|---|---|
| Kohletuch (Baumwolle/Leinen) | Sehr leicht | In der Dose verkohlen, 5–15 Min. | Empfindlich, in der Dose lagern |
| Verkohltes Morschholz | Leicht | Trocknen, dann verkohlen | Bröselig |
| Verkohlter Rohrkolben | Sehr leicht | Kolben oder Wolle verkohlen | Sehr empfindlich |
| Tschaga | Mittel (verkohlt: leicht) | Trocknen, schaben oder verkohlen | Robuste Stücke |
| Zunderschwamm (Amadou) | Leicht | Schneiden, kochen, trocknen, klopfen | Sehr haltbar, wiederverwendbar |
Feuer mit Feuerstein und Schlageisen: die richtige Schlagtechnik
Die meisten Fehlversuche liegen an Winkel, Kante und Griff – nicht an zu wenig Kraft.
Der Griff
Halte den Stein in der schwachen Hand zwischen Daumen und Fingern, eine scharfe Kante zeigt von dir weg und leicht nach oben. Leg ein Stück Kohletuch oben auf den Stein und klemme es mit dem Daumen so fest, dass es 2–3 mm hinter der Kante liegt. Die Funken fliegen nach oben und hinten über die Kante und landen direkt auf dem Tuch.
Die Finger der starken Hand steckst du durch das Schlageisen, sodass die flache Schlagfläche zum Stein zeigt.
Der Schlag
Zieh das Schlageisen in einem Winkel von etwa 30° schnell und streifend an der Steinkante nach unten. Stell dir vor, du hobelst einen hauchdünnen Span vom Stahl – du schlägst nicht auf den Stein. Die Bewegung kommt aus Handgelenk und Unterarm; ein kurzer, zackiger Schlag wirkt besser als weites Ausholen. Halte die Finger hinter der Kante, damit das Eisen nicht die Knöchel trifft.
Nach einigen Schlägen suchst du nach einem winzigen roten Punkt auf dem Kohletuch. Hör auf zu schlagen und puste sanft darauf, bis er sich ausbreitet. Kohletuch glimmt eine Minute und länger, du hast also Zeit. Werden die Funken weniger, dreh den Stein auf eine frische Kante – eine stumpfe Kante ist der häufigste Grund, warum ein Set plötzlich nicht mehr funktioniert.
Griff, Kante und Schlag im Detail
1
Kante wählenDreh den Stein, bis eine frische, scharfe Kante von dir weg zeigt. Eine runde Kante rutscht nur über den Stahl und gibt kaum Funken.
2
Kohletuch festklemmenLeg das Tuch oben auf den Stein und halte es mit dem Daumen so, dass seine Kante 2–3 mm hinter der Steinkante liegt. Näher dran schlägt das Eisen es weg, weiter hinten verfehlen es die Funken.
3
Schlageisen greifenSteck die Finger durch den Bügel, sodass die flache Schlagfläche zum Stein zeigt. Die Knöchel bleiben im Inneren des C geschützt.
4
Kante erneuernWerden die Funken weniger und schwächer, dreh den Stein ein Stück auf eine frische Kante, statt fester zu schlagen. Auch ein kleiner abgeschlagener Splitter macht die Kante wieder scharf.
So sieht ein guter Schlag aus
Ein guter Schlag klingt wie ein kurzes, helles Schaben, nicht wie ein dumpfes Klacken. Du siehst einen kleinen Schauer orangefarbener Funken, der nach oben und hinten über den Stein fliegt, und auf der Schlagfläche bleibt ein frischer, blanker Kratzer. Hörst du nur ein Klacken und siehst nichts, triffst du den Stein, statt den Stahl zu hobeln: Winkel flacher wählen und das Eisen an der Kante abgleiten lassen. Fliegen die Funken nach vorn von dir weg, führst du den Schlag nach oben statt nach unten.
Übungen
- Funken zählen: Ohne Kohletuch zehn Schläge machen und zählen, wie viele sichtbare Funken geben. Ziel sind acht von zehn, bevor du weitermachst.
- Zielübung: Statt Kohletuch ein Stück Papier auf den Stein klemmen und nachsehen, wo die Funken winzige Brandpunkte hinterlassen. Sie sollten an der vorderen Papierkante landen.
- Glut in fünf Schlägen: Mit trockenem Kohletuch versuchen, innerhalb von fünf Schlägen Glut zu bekommen. Wiederholen, bis es fast immer klappt, dann mit kalten Händen oder im Dunkeln üben.
Von der Glut zur Flamme: das Zundernest
Glut ist noch kein Feuer. Sie braucht ein Zundernest: eine lockere Kugel aus sehr feinen, trockenen Fasern, etwa so groß wie zwei Fäuste. Gut geeignet sind trockenes Gras, fein zerfaserter Bast von Linde oder Weide, Waldrebenrinde, Rohrkolbenwolle mit Gras gemischt oder aufgedröseltes Jutegarn. Fasern, die du für Schnur aus Naturfasern aufbereitest, sind oft auch hervorragender Zunder.
Drück eine kleine Mulde in die Mitte des Nests, leg das glühende Kohletuch hinein und falte die Fasern locker darüber. Halte das Nest auf Brusthöhe, den Wind im Rücken und das Gesicht leicht seitlich, und puste mit langen, gleichmäßigen Atemzügen. Der Rauch wird dichter und weißer, dann flammt das Nest auf. Jetzt hörst du auf zu pusten und schiebst es sofort unter das Anzündholz. Das Nest kann schlagartig aufflammen – halte es von Gesicht und Haaren fern.
Vom glühenden Kohletuch zur Flamme
1
Mulde eindrückenDrück mit den Fingern eine faustgroße Mulde in die Mitte des Nests. Die feinsten Fasern gehören an den Boden der Mulde, dorthin, wo die Glut liegt.
2
Glut einlegenDas glühende Kohletuch mit der Glutseite nach oben in die Mulde legen. Lass die Glut vorher auf Münzgröße wachsen, damit sie den Umzug übersteht.
3
Locker schließenDie äußeren Fasern wie ein lockeres Päckchen über die Glut falten. Nicht zusammendrücken: Die Glut braucht Luft, eine gepresste Kugel geht aus.
4
Auf Brusthöhe pustenDas Nest auf Brusthöhe halten, den Wind im Rücken, und lange, gleichmäßige Atemzüge geben. Der Rauch wird dichter und weißer, je heißer die Fasern werden.
5
Flamme unters HolzSobald es aufflammt, aufhören zu pusten und das Nest unter das Anzündholz der vorbereiteten Feuerstelle schieben. Von Gesicht und Haaren fernhalten.
Baue die Feuerstelle auf, bevor du schlägst. Ein Tipi- oder Lean-to-Aufbau gibt dem brennenden Nest einen direkten Weg ins dünne Anzündholz. Unser Ratgeber zu Feuerarten und Aufbau zeigt die Möglichkeiten, und der Feuerarten-Finder schlägt dir passend zu Wetter und Zweck einen Aufbau vor. Feathersticks oder Kienspäne auf dem Nest helfen sehr, wenn es feucht ist.
Fehlersuche: Warum klappt das Feuerschlagen nicht?
Geh das Problem der Reihe nach durch: erst Funken, dann Glut, dann Flamme. Jede Stufe hat ihre typischen Ursachen.
Dem Problem auf der Spur
Entstehen überhaupt Funken?
Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Prüfe den Stahl: Rostfreier oder weicher Stahl funkt nicht. Nutze eine frische, scharfe Steinkante und einen streifenden Schlag.Landen die Funken auf dem Glutträger?
Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Leg das Kohletuch näher an die Kante (2–3 mm dahinter) und schlag nach unten, damit die Funken über den Stein fliegen.Fängt der Glutträger Glut?
Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Das Tuch ist feucht oder zu wenig verkohlt (braun). Trocknen oder länger verkohlen; mit einer Feuerzeugflamme testen.Flammt das Zundernest auf?
Ja → Sofort unter das Anzündholz schieben.Nein → Feinere, trockenere Fasern verwenden, länger und gleichmäßiger pusten, die Glut besser einschließen.
Luftfeuchtigkeit ist der stille Feind. Kohletuch zieht Feuchtigkeit aus der Luft, deshalb gehört es in die verschlossene Dose, am besten zusätzlich in einen Zipbeutel. Bei Regen oder Schnee bereitest du das Nest unter dem Tarp oder im Schutz deines Körpers vor. Tipps für trockenes Anzündmaterial findest du unter Feuer bei Nässe.
Feuerstein und Stahl oder Feuerstahl – was ist besser?
Für die meisten ist der Feuerstahl die praktischere Wahl: einfacher, unempfindlich gegen Nässe und in der Lage, unbehandelten Zunder direkt zu entzünden. Feuerstein und Schlageisen belohnen dagegen Übung und halten praktisch ewig.
Feuerstein und Schlageisen vs. Feuerstahl
Feuerstein & Schlageisen
- Kleine, kühle Funken – braucht Kohletuch oder Zunderschwamm
- Schlageisen hält ein Leben lang, Steine findest du in der Natur
- Glutträger muss absolut trocken bleiben
- Steilere Lernkurve, sehr befriedigend
- Traditionell, ohne industrielle Verbrauchsmaterialien
Feuerstahl (Ferrocerium)
- Große, sehr heiße Funken – entzündet feinen Naturzunder direkt
- Der Stab nutzt sich ab und muss irgendwann ersetzt werden
- Funktioniert auch nach einem Bad, einfach abwischen
- In wenigen Minuten gelernt
- Die gängigste moderne Reserve – siehe Feuerstahl richtig benutzen
Viele Bushcrafter tragen beides: den Feuerstahl als verlässliches Arbeitspferd und Feuerstein und Stahl zum Üben und aus Freude am alten Handwerk. Wer ganz ohne Metall Feuer machen will, versucht sich am Feuerbohren mit dem Bogen.
Eine kurze Geschichte des Feuerschlagens
Funkenschlagen gehört zu den ältesten Methoden, Feuer zu machen. Bevor es Stahl gab, schlug man Feuerstein gegen eisenhaltige Minerale wie Pyrit oder Markasit. Ötzi, der 1991 in den Ötztaler Alpen gefundene Mann aus der Kupferzeit, trug in seiner Gürteltasche Zunderschwamm zusammen mit Spuren von Pyrit – Forschende deuten das als Teil eines Feuerschlagzeugs.
Mit der Verbreitung von Eisen und Stahl setzte sich das Schlageisen durch. Feuerschläger finden sich in eisenzeitlichen und frühmittelalterlichen Gräbern in ganz Europa, und bis in die Neuzeit war die Zunderbüchse mit Feuerstein, Stahl und Zunder ein alltäglicher Haushaltsgegenstand. Erst als sich im 19. Jahrhundert Reibzündhölzer durchsetzten, verschwand sie langsam aus dem Alltag.
Pflege des Schlageisens und Feuer im Wald
Kohlenstoffstahl rostet. Wisch das Schlageisen nach Gebrauch trocken und gib ihm ab und zu einen Hauch Öl oder Wachs; leichte Patina schadet nicht, tiefer Lochfraß schwächt aber die Schlagfläche. Mit den Jahren entstehen kleine Rillen – das ist normal und stört das Funken nicht.
Nimm das Set als Reserve oder Übungsset in deine Bushcraft-Packliste auf. Frisches Kohletuch machst du in der Glut des Feuers, auf dem du ohnehin am Lagerfeuer kochst oder Wasser abkochst.
In Deutschland ist offenes Feuer im Wald und in Waldnähe nach den Waldgesetzen der Länder grundsätzlich verboten, oft gilt zusätzlich ein Mindestabstand zum Waldrand. Die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland und Gemeinde – Feuer nur an ausgewiesenen oder genehmigten Feuerstellen. Achte auf den Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes und verzichte bei hoher Gefahr ganz auf Feuer. Weitere Feuertechniken findest du im Themenbereich Feuer.

| Merkmal | Feuerstein & Schlageisen | Feuerstahl |
|---|---|---|
| Funken | Klein, kühl | Groß, sehr heiß |
| Zunder | Kohletuch oder Zunderschwamm | Jeder feine, trockene Zunder |
| Lebensdauer | Schlageisen hält Jahrzehnte | Nutzt sich ab |
| Bei Nässe | Glutträger muss trocken bleiben | Funktioniert nach Abwischen |
| Lernaufwand | Mittel | Gering |
Häufige Fehler
- Ein Schlageisen aus rostfreiem oder weichem Stahl verwenden, das kaum funkt.
- Mit abgerundeter Steinkante weiterschlagen, statt auf eine frische Kante zu drehen.
- Trockenes Gras direkt anzünden wollen, statt den Funken mit Kohletuch aufzufangen.
- Die Dose zum Verkohlen heiß öffnen – das Tuch verglüht zu Asche.
- Kohletuch in einer undichten Dose feucht werden lassen.
- Zundernest und Feuerstelle nicht vorbereitet haben, bevor man schlägt.
Das brauchst du
- Schlageisen aus Kohlenstoffstahl
- Feuerstein, Hornstein oder Quarzit mit scharfer Kante
- Kohletuch in einer kleinen Blechdose
- Material fürs Zundernest (Gras, Bastfasern, Jutegarn)
- Lederhandschuhe oder Stock für die heiße Dose
- Feuerzeug oder Feuerstahl als Reserve