Feuer

Zunderschwamm: finden, verarbeiten und Feuer machen mit Zunder aus dem Baumpilz

28 Min. Lesezeit 6 Schritte Aktualisiert

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist ein grauer, hufförmiger Baumpilz an Buche und Birke, dessen weiche Innenschicht einen Funken annimmt und danach langsam und hartnäckig weiterglimmt. Herausgeschnitten, getrocknet und zu einem Filz verarbeitet, war diese Schicht jahrhundertelang der übliche Funkenfänger für Feuerstein und Schlageisen – lange bevor Char Cloth verbreitet war. Du bekommst damit eine Glut, keine Flamme. Die Flamme entsteht erst im Zundernest, in das du die Glut bläst.

Diese Anleitung behandelt ausschließlich die Verwendung zum Feuermachen: woran du den Pilz für diesen Zweck erkennst, wie du ihn zurückhaltend sammelst, die schnelle Methode für unterwegs, wie du Zunderschwamm verarbeiten und klassischen Zunder herstellen kannst, welche Form welchen Funken annimmt und wie man Glut transportiert. Sie ergänzt unseren Überblick über Naturzunder und die Bushcraft-Grundlagen.

Schritt für Schritt

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  1. Fruchtkörper an Totholz finden – Such an toten oder absterbenden Buchen und Birken nach grauen, hufförmigen Konsolen. Nimm einen, wo Sammeln erlaubt ist, und lass die anderen dran: Sie sind Lebensraum.
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    Fruchtkörper an Totholz finden

    Such an toten oder absterbenden Buchen und Birken nach grauen, hufförmigen Konsolen. Nimm einen, wo Sammeln erlaubt ist, und lass die anderen dran: Sie sind Lebensraum.

  2. Prüfen: Ist es Zunderschwamm? – Hart wie Holz, graue Kruste mit Zonen, unten eine flache braune Porenschicht, meist 10–30 cm breit. Diese Prüfung gilt nur fürs Feuermachen, niemals fürs Essen.
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    Prüfen: Ist es Zunderschwamm?

    Hart wie Holz, graue Kruste mit Zonen, unten eine flache braune Porenschicht, meist 10–30 cm breit. Diese Prüfung gilt nur fürs Feuermachen, niemals fürs Essen.

  3. Kruste abschneiden – Leg den Pilz mit der Porenseite nach unten auf einen Klotz. Trag die harte graue Kruste in dünnen Schnitten ab – immer von der Haltehand weg.
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    Kruste abschneiden

    Leg den Pilz mit der Porenseite nach unten auf einen Klotz. Trag die harte graue Kruste in dünnen Schnitten ab – immer von der Haltehand weg.

  4. Trama herausschneiden – Unter der Kruste liegt die weiche, zimtbraune Trama. Schneide sie in etwa 5 mm dicken Scheiben ab und hör auf, wo die harten Röhren beginnen.
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    Trama herausschneiden

    Unter der Kruste liegt die weiche, zimtbraune Trama. Schneide sie in etwa 5 mm dicken Scheiben ab und hör auf, wo die harten Röhren beginnen.

  5. Trocknen und zu Flaum schaben – Trockne die Stücke, bis sie knochentrocken sind. Schabe die Oberfläche mit der Klinge im 90°-Winkel, bis ein kleines Häufchen feiner Flaum entsteht.
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    Trocknen und zu Flaum schaben

    Trockne die Stücke, bis sie knochentrocken sind. Schabe die Oberfläche mit der Klinge im 90°-Winkel, bis ein kleines Häufchen feiner Flaum entsteht.

  6. Funken fangen, Glut ins Nest – Wirf Funken auf den Flaum, bis ein Punkt glimmt und sich ausbreitet. Leg das glimmende Stück in ein trockenes Zundernest und blas es zur Flamme.
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    Funken fangen, Glut ins Nest

    Wirf Funken auf den Flaum, bis ein Punkt glimmt und sich ausbreitet. Leg das glimmende Stück in ein trockenes Zundernest und blas es zur Flamme.

Was ist der Zunderschwamm?

Der Zunderschwamm ist ein mehrjähriger Porling. Er lebt im Holz geschwächter oder abgestorbener Laubbäume, bei uns vor allem in Buche und Birke, und bildet am Stamm holzige Fruchtkörper, die jedes Jahr ein Stück weiterwachsen. Die Form erinnert an einen Pferdehuf. In deutschen Buchenwäldern mit Totholz gehört er zu den häufigsten großen Baumpilzen; in Mittelgebirgen und im Norden sitzt er ebenso oft an Birken.

Der Pilz ist ein Holzzersetzer. Er verursacht Weißfäule, macht den Stamm mürbe und bringt ihn irgendwann zu Fall; an dem liegenden Stamm wachsen die Konsolen noch jahrelang weiter. Ein Stamm voller Zunderschwämme ist deshalb fast immer tot oder im Absterben. Fürs Sammeln ist das wichtig: Du musst keinen gesunden Baum anfassen, um fündig zu werden.

Ein uraltes Feuermaterial

Vor der Erfindung des Streichholzes machte man Feuer mit Funken, und Funken brauchen ein Material, das schon von einem winzigen heißen Punkt zu glimmen beginnt. In weiten Teilen Europas war das über sehr lange Zeit der aufbereitete Zunderschwamm. Das bekannteste Beispiel ist Ötzi, der 1991 in den Ötztaler Alpen gefundene Mann aus der Kupferzeit: Nach verbreiteter Darstellung trug er in seiner Gürteltasche Stücke vom Zunderschwamm zusammen mit Spuren von Pyrit, was Forschende als Feuerzeug deuten. In späteren Jahrhunderten wurde Zunder als Handelsware hergestellt und zusammen mit Schlageisen und Feuersteinen verkauft. Das Material hat dem Pilz seinen Namen gegeben, und auch die Redewendung „brennt wie Zunder“ erinnert bis heute daran.

Zunder aus Baumpilz hatte auch andere handwerkliche Verwendungen: In Teilen Osteuropas werden daraus bis heute filzartige Mützen und Taschen gefertigt, und Fliegenfischer trocknen mit kleinen Stücken ihre Fliegen. Dahinter steht dieselbe Eigenschaft, die auch fürs Feuer zählt: ein weicher, saugfähiger, faseriger Filz.

Zunderschwamm auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Fomes fomentarius
Weitere Namen
Echter Zunderschwamm; der fertige Filz heißt Zunder (engl./frz. Amadou)
Wächst an
Vor allem Buche und Birke; tote, absterbende oder liegende Stämme
Form und Größe
Hufförmig, holzig, meist 10–30 cm breit, gelegentlich größer
Nutzbarer Teil
Die Trama: eine weiche braune Filzschicht unter der Kruste
Was er kann
Fängt Funken oder übernimmt Glut und glimmt sehr lange

Vom Baumpilz zur Flamme

  1. FruchtkörperEin alter, trockener Pilz von Totholz.
  2. TramaKruste ab, weiche braune Schicht herausschneiden.
  3. Flaum oder ZunderTrocknen und schaben oder kochen und zu Filz klopfen.
  4. GlutEin Funke bringt ihn zum Glimmen.
  5. FlammeIm Nest aus feinem Zunder angeblasen.

Zunderschwamm erkennen – nur für die Feuernutzung

Fürs Feuermachen musst du nur eine praktische Frage beantworten: Steckt in dieser Konsole eine dicke, weiche, braune Schicht, die glimmt? Die folgenden Merkmale sind die, auf die es dafür ankommt. Eine vollständige pilzkundliche Bestimmung sind sie nicht – und das müssen sie auch nicht sein: Erwischst du einen Doppelgänger, hast du schlimmstenfalls schlechten Zunder.

  • Form: wie ein Pferdehuf am Stamm, zum Baum hin höher, mit flacher Unterseite. Junge Fruchtkörper sind rundlicher, alte bestehen aus mehreren übereinanderliegenden Zuwachswülsten.
  • Kruste: hart, matt, hell- bis dunkelgrau, mit konzentrischen Zonen und Furchen parallel zum Rand. Die jüngste Zone am unteren Rand ist oft bräunlich oder ocker.
  • Unterseite: eine flache, feinporige Fläche, cremegrau bis braun, die auf Druck oder beim Kratzen dunkler wird.
  • Härte: Der ganze Pilz fühlt sich an wie Holz. Mit dem Daumen lässt er sich nicht eindrücken, er gibt nicht nach.
  • Wirtsbaum: meist Buche oder Birke, seltener andere Laubbäume. Wenn du beim Baum unsicher bist, hilft unser Beitrag Bäume bestimmen und Holzarten erkennen.
  • Innen: Unter einer nur ein bis zwei Millimeter dicken Kruste liegt zimtbrauner, wildlederartiger Filz. Das ist das entscheidende Merkmal, und du siehst es beim ersten Schnitt.

Doppelgänger, die für Zunder eine Rolle spielen

An denselben Bäumen wachsen weitere Konsolenpilze. Fürs Feuermachen ist keiner davon ein Problem, aber die meisten taugen schlicht weniger. Es spart Zeit, sie vor dem Schneiden zu unterscheiden.

Zunderschwamm an einem Buchenstamm neben Birkenporling, Rotrandigem Baumschwamm, Flachem Lackporling und Feuerschwamm, jeweils mit einem Farbfeld für das Fleisch
Links der Zunderschwamm mit grauem, gezontem Huf und dickem braunem Filz unter der Kruste. Rechts vier Baumpilze, die oft mit ihm verwechselt werden. Das kleine Farbfeld neben jedem Pilz zeigt, welche Farbe das Fleisch im Anschnitt hat.
Zunderschwamm und Doppelgänger: Merkmale, die fürs Feuer zählen
BaumpilzÄußeresFleisch im AnschnittEignung als Zunder
Zunderschwamm (Fomes fomentarius)Grauer Huf mit Zonen; bräunliche Porenschicht; Buche, BirkeDicker zimtbrauner Filz unter dünner KrusteDer Richtige: fängt aufbereitet Funken, glimmt lange
Birkenporling (Fomitopsis betulina)Glattes, hellbraunes Kissen mit gerundetem Rand; weiße Unterseite; nur an Birke; einjährigWeiß, korkig bis gummiartig, keine FilzschichtTrockene Scheiben halten Glut aus dem Feuer; schlechter Funkenfänger
Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)Dunkle Kruste, orangerotes Band, heller Rand; cremefarbene Poren; oft an NadelholzHell, holzfarben, hartKeine brauchbare Filzschicht; die harzige Kruste wird in der Flamme weich
Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum)Flache, breite Konsole, braun und höckerig; weiße Unterseite, die beim Kratzen braun wirdDunkelbraun, aber dünn, überwiegend RöhrenGlimmt trocken, liefert aber wenig verarbeitbares Material
Gemeiner Feuerschwamm (Phellinus igniarius)Dunkelgrauer bis schwarzer Huf, rissig; rostbraune Poren; oft an WeideRostbraun und durchgehend holzhartKaum zu schneiden; trockene Stücke tragen Glut, kein weicher Filz

Farben ändern sich mit Alter, Wetter und Algenbewuchs. Den Ausschlag gibt der Anschnitt: dicker, weicher, brauner Filz direkt unter einer dünnen grauen Kruste.

Zeigt der Anschnitt weißes oder cremefarbenes Fleisch oder dunkles Material, das durch und durch hart ist, hast du etwas anderes in der Hand. Lass es liegen, und schneide nicht „zur Sicherheit“ noch einen zweiten und dritten Pilz an. Such lieber den grauen Huf an der nächsten toten Buche.

Aufbau: Kruste, Trama und Röhren

Ein Zunderschwamm besteht aus drei Teilen, die sich sehr unterschiedlich verhalten, und nur einer davon ist guter Zunder. Wer weiß, wo welcher Teil liegt, weiß auch, wo er schneiden muss.

Aufgeschnittener Zunderschwamm am Stamm mit Beschriftung für harte Kruste, weiche Trama, geschichtete Röhren, Porenschicht und Kern
Zunderschwamm im Querschnitt. Die Trama, also die Schicht, um die es geht, sitzt direkt unter der Kruste und ist im oberen Teil nahe am Stamm am dicksten. Darunter machen die harten Röhrenschichten den größten Teil des Pilzes aus.

Die Schichten von oben nach unten

  1. KrusteEine harte graue Schale, nur ein bis zwei Millimeter dick. Sie fängt keine Funken und muss ab.
  2. Trama (Zunderschicht)Weich, zimtbraun und faserig wie dickes Wildleder. Meist zwischen wenigen Millimetern und etwa 2 cm dick – ein grober Anhaltswert, der von Pilz zu Pilz schwankt.
  3. RöhrenHart, geschichtet und dunkler, mit feinen senkrechten Röhren; jede Wachstumsperiode kommt eine Lage hinzu. Zu hart für Filz, aber trockene Stücke glimmen und verlängern eine Glut.
  4. PorenschichtDie flache Unterseite, an der die Röhren münden. Als Funkenfänger unbrauchbar.

An der Stelle, an der der Pilz am Baum sitzt, steckt außerdem ein heller, marmorierter, bröseliger Kern. Er ist nicht die Trama und ergibt keinen Filz, auch wenn trockene Krümel davon glimmen.

Die praktische Folge: Große, alte Fruchtkörper sind nicht automatisch besser. Du suchst einen Pilz mit dicker Trama, und die siehst du erst nach dem ersten Schnitt. Mittelgroße, gut entwickelte Hufe liefern im Verhältnis oft mehr brauchbaren Filz als riesige, flache Exemplare, die fast nur aus Röhren bestehen.

Zunderschwamm sammeln: zurückhaltend und erlaubt

Baumpilze sind mehr als Auswüchse an einem toten Baum. In ihren Fruchtkörpern leben spezialisierte Käfer, Falter und Fliegen, darunter seltene Arten, und das Totholz, an dem sie sitzen, zählt zu den wertvollsten Lebensräumen im Wald. Ein einziger Pilz reicht für viele Feuer. Es gibt also keinen Grund, mehr als einen mitzunehmen.

Links ein toter Stammrest mit Zunderschwämmen, einer liegt abgenommen am Boden. Rechts eine lebende Buche mit Pilz und ein Schutzgebietsschild, als nicht sammeln markiert
Links: toter Stamm mit mehreren Fruchtkörpern – ein alter, trockener wird genommen, die übrigen bleiben. Rechts: Pilze an lebenden Bäumen und alles in Schutzgebieten bleibt, wo es ist.

Bevor du einen Pilz abnimmst

  • Sammeln ist hier erlaubt: kein Naturschutzgebiet, Nationalpark oder anderes Schutzgebiet
  • Du darfst die Fläche betreten und hältst dich an die Regeln des Bundeslandes
  • Der Stamm ist tot: stehendes Totholz oder liegender Stamm, kein lebender Baum
  • Es sitzen mehrere Fruchtkörper daran, und du nimmst nur einen
  • Es ist ein alter, trockener, lockerer Pilz und kein frischer, wachsender
  • Du löst ihn sauber, ohne Rinde oder Holz vom Stamm zu reißen

Alt und trocken oder frisch?

Ein frischer, wachsender Fruchtkörper ist schwer vom Wasser. Er lässt sich leichter schneiden, und seine Trama ist geschmeidig – ein Vorteil, wenn du gleich klassischen Zunder herstellen willst. Danach braucht er Tage zum Trocknen. Ein alter, seit Längerem abgestorbener Pilz ist leichter, härter zu schneiden und innen oft so trocken, dass die Feldmethode noch am selben Tag funktioniert. Sehr alte, von Insekten durchlöcherte Exemplare zerbröseln und enthalten kaum brauchbaren Filz. Lass sie den Tieren, die darin wohnen.

So löst du ihn

Alte Fruchtkörper an morschem Holz lösen sich oft schon mit einem kräftigen Druck der Hand von oben. Sitzt einer fest, helfen ein paar Züge mit der Klappsäge am Stamm entlang. Schlag nicht mit dem Axtnacken in der Nähe deiner Hände darauf herum, und heble nicht mit der Messerspitze: So brechen Spitzen ab. Stehendes Totholz wirft ohne Vorwarnung Äste ab. Schau nach oben, bevor du darunter trittst, und versuche nie, einen toten Stamm umzudrücken, um an einen Pilz zu kommen.

Zunderschwamm verarbeiten: die einfache Feldmethode

Der schnellste Weg vom Pilz zur Glut braucht weder Topf noch Asche, nur ein Messer und trockenes Wetter. Du schneidest die Trama heraus, trocknest sie gründlich und schabst sie zu Flaum. Das Ergebnis ist weniger empfindlich als echter Zunder, nimmt aber die heißen Funken eines Feuerstahls bereitwillig an und genügt völlig, um die Glut vom Feuerbohren oder aus einem fast erloschenen Feuer zu verlängern.

Der heikle Teil ist die Messerarbeit. Ein Zunderschwamm ist außen hart wie abgelagertes Holz und dazu rund, die Klinge will also abrutschen. Arbeite auf einer festen Unterlage, nicht auf dem Knie, und schneide dünn. Eine scharfe Schneide ist hier sicherer als eine stumpfe, weil sie greift, statt zu rutschen. Wie das geht, steht unter Messer schärfen.

Die Feldmethode im Detail

  1. Pilz stabil ablegen Leg ihn mit der Porenseite nach unten auf einen Stamm oder Hackklotz. Die flache Unterseite verhindert das Kippeln. Halte ihn hinten, an der Seite, mit der er am Baum saß.
  2. Kruste abtragen Beginne oben und nimm die graue Kruste in dünnen, flachen Schnitten ab, die von deiner Haltehand und vom Körper wegführen. Hör auf, sobald brauner Filz erscheint. Ist die Kruste zu hart, säge den Pilz zuerst in zwei Hälften und arbeite von der Schnittfläche aus.
  3. Trama herausschneiden Schneide die braune Schicht in etwa 5 mm dicken Scheiben ab. Du spürst deutlich, wenn die Klinge auf das viel härtere Material der Röhren trifft: Dort ist Schluss. Entferne Reste von grauer Kruste und dunklen Röhren von den Scheiben.
  4. Vollständig trocknen Leg die Scheiben in Sonne und Wind, auf einen warmen Stein am Feuer oder trag sie in einer Innentasche. Sie müssen durch und durch trocken sein. Fühlt sich eine Scheibe kühl oder ledrig an, ist sie noch feucht.
  5. Zu Flaum schaben Halte eine trockene Scheibe auf dem Klotz fest und schabe mit der Klinge im 90°-Winkel über die Oberfläche, weg von der Haltehand. Sammle den feinen braunen Flaum zu einem Häufchen von der Größe einer großen Münze.
  6. Testen Wirf Funken in das Häufchen. Ein Glutpunkt, der sich von selbst ausbreitet, zeigt: Das Material ist bereit. Lösch die Testglut vollständig, bevor du zusammenpackst.

Zunder aus Baumpilz: Trama-Zunder herstellen wie früher

Klassischer Zunder ist Trama, die zu einem dünnen, weichen Filz verarbeitet wurde. Das traditionelle Verfahren verfolgt drei Ziele: Stoffe auszuwaschen, die das Glimmen behindern, die dichte Faser aufzubrechen, damit sie locker und flauschig wird, und die Oberfläche zu vergrößern, auf der ein Funke landen kann. Alte Rezepte unterscheiden sich im Detail, die eine richtige Methode gibt es nicht. Gemeinsam sind ihnen Einweichen oder Kochen, Klopfen, Ziehen und Trocknen.

Wasser, Holzasche und andere Rezepte

Schon klares Wasser macht die Trama weich genug zum Klopfen. Viele überlieferte Rezepte geben gesiebte Holzasche ins Wasser, wodurch eine schwache Lauge entsteht. Die alkalische Lösung soll die Fasern weiter aufschließen und Salze im Filz hinterlassen, die das Weiterglimmen fördern. Historische Quellen nennen außerdem das Tränken des fertigen Filzes in Salpeterlösung. Für einen funktionierenden Funkenfänger ist das nicht nötig, und wir empfehlen es hier nicht: Gut gemachter Zunder aus Wasser oder Aschewasser reicht völlig aus.

Auch bei der Dauer gehen die Rezepte auseinander. Manche köcheln die Scheiben deutlich weniger als eine Stunde, andere weichen sie tagelang ein. Als grober Ausgangswert macht etwa eine Stunde sanftes Köcheln 5 mm dicke Scheiben gründlich weich. Verlass dich aufs Gefühl, nicht auf die Uhr: Fertig sind die Scheiben, wenn sie gleichmäßig dunkel, gequollen und biegsam wie nasses Leder sind.

Zunder herstellen Schritt für Schritt

  1. Saubere Scheiben schneiden – Schneide die Trama in etwa 5 mm dicke Scheiben und entferne jeden Rest von Kruste und Röhren. Harte Reste werden nicht zu Filz und reißen beim Klopfen Löcher.1
    Saubere Scheiben schneiden

    Schneide die Trama in etwa 5 mm dicke Scheiben und entferne jeden Rest von Kruste und Röhren. Harte Reste werden nicht zu Filz und reißen beim Klopfen Löcher.

  2. In Aschewasser köcheln – Rühr eine Handvoll gesiebte Holzasche in einen alten Stahltopf mit Wasser, gib die Scheiben hinein und halte alles am sanften Köcheln. Trag Handschuhe und Schutzbrille: Die Flüssigkeit ist ätzend. Klares Wasser funktioniert auch, nur weniger gründlich.2
    In Aschewasser köcheln

    Rühr eine Handvoll gesiebte Holzasche in einen alten Stahltopf mit Wasser, gib die Scheiben hinein und halte alles am sanften Köcheln. Trag Handschuhe und Schutzbrille: Die Flüssigkeit ist ätzend. Klares Wasser funktioniert auch, nur weniger gründlich.

  3. Flach klopfen – Drück die Flüssigkeit mit Handschuhen aus. Leg eine Scheibe auf einen glatten Stamm und klopfe sie mit einem Holzknüppel, von der Mitte nach außen. Sie breitet sich auf ein Mehrfaches ihrer Fläche aus.3
    Flach klopfen

    Drück die Flüssigkeit mit Handschuhen aus. Leg eine Scheibe auf einen glatten Stamm und klopfe sie mit einem Holzknüppel, von der Mitte nach außen. Sie breitet sich auf ein Mehrfaches ihrer Fläche aus.

  4. Ziehen und walken – Zieh den feuchten Lappen behutsam in alle Richtungen, roll ihn zwischen den Händen und klopfe erneut. Hör auf, wenn er dünn, gleichmäßig und weich wie Wildleder ist. Wer zu stark zieht, reißt ihn ein.4
    Ziehen und walken

    Zieh den feuchten Lappen behutsam in alle Richtungen, roll ihn zwischen den Händen und klopfe erneut. Hör auf, wenn er dünn, gleichmäßig und weich wie Wildleder ist. Wer zu stark zieht, reißt ihn ein.

  5. Trocknen und aufrauen – Trockne den Lappen vollständig an Luft und Sonne oder in sicherem Abstand zum Feuer. Dann reibe oder schabe die Oberfläche, bis sie flauschig ist: Die abstehenden Fasern sind es, die den Funken fangen.5
    Trocknen und aufrauen

    Trockne den Lappen vollständig an Luft und Sonne oder in sicherem Abstand zum Feuer. Dann reibe oder schabe die Oberfläche, bis sie flauschig ist: Die abstehenden Fasern sind es, die den Funken fangen.

So sieht guter Zunder aus

Fertiger Zunder ist leicht, hell- bis zimtbraun, ein bis zwei Millimeter dick und biegsam wie weiches Leder oder dicker Filz. Er lässt sich falten, ohne zu brechen, und die Oberfläche wirkt leicht wollig. Ist er steif wie Pappe, wurde er zu wenig geklopft oder ohne Bearbeitung getrocknet. Dann feuchtest du ihn an und walkst ihn noch einmal durch.

Optional: Zunder verkohlen

Zunder und auch einfache trockene Trama lassen sich genauso verkohlen wie Baumwolle: locker in eine geschlossene Dose mit kleinem Luftloch gelegt, auf der Glut erhitzt, bis kein Rauch mehr kommt, und geschlossen abgekühlt. Das Verfahren ist unter Char Cloth herstellen ausführlich beschrieben. Verkohlter Pilz nimmt selbst den schwächsten Funken sofort an, wie Char Cloth, und glimmt trotzdem länger als Stoff. Er ist empfindlicher als unverkohlter Zunder. Viele verkohlen deshalb nur ein paar kleine Stücke und behalten den Rest als Filz.

Roh, geschabt, aufbereitet oder verkohlt: Welche Form fängt welchen Funken?

An dieser Stelle gehen Erwartung und Wirklichkeit am häufigsten auseinander. „Zunderschwamm fängt Funken“ stimmt – es hängt aber stark von der Form des Materials und von der Art des Funkens ab.

Die Funken von Feuerstein und Schlageisen sind klein und vergleichsweise kühl. Unbehandelte Trama nimmt sie an einer glatten Schnittfläche in der Regel nicht an. Sie muss sehr trocken und zu feinem Flaum geschabt sein, um überhaupt eine Chance zu haben, und bleibt auch dann unzuverlässig. Gut gemachter, flauschiger Zunder nimmt diese Funken ordentlich an, verkohltes Material leicht. Ein Feuerstahl ist etwas anderes: Seine Funken sind viel heißer und zahlreicher, trockene, aufgeschabte Trama fängt sie bereitwillig. In welcher Form auch immer – glimmt der Pilz erst einmal, glimmt er lange. Das ist seine eigentliche Stärke.

Vier Formen von Zunderschwamm nebeneinander: rohes Stück, geschabter Flaum, Zunderfilz und ein verkohltes Stück mit Glutpunkt
Dasselbe Material in vier Formen. Von links nach rechts lässt es sich immer leichter mit einem schwachen Funken entzünden: rohes trockenes Stück, geschabter Flaum, geklopfter Zunder und verkohlter Pilz.
Form des Pilzes × Zündquelle
Form (immer trocken)Feuerstein und SchlageisenFeuerstahlGlut, Kohle oder LupeGlimmdauer
Rohe Trama, glatte SchnittflächeSeltenManchmal, nach mehreren SchlägenÜbernimmt Glut gut; Lupe langsamLang
Rohe Trama, zu Flaum geschabtMöglich, wenn knochentrocken; unzuverlässigGutGutFlaum kurz; er zündet das Stück darunter
Zunder (gekocht, geklopft, flauschig)Gut, mit ÜbungGut, oft beim ersten SchlagGutLang
Verkohlte Trama oder verkohlter ZunderLeicht, wie Char ClothSofortBinnen SekundenLang, aber zerbrechlich
Röhrenschicht, trockene StückeNeinSeltenÜbernimmt Glut von einer KohleLang: guter Glutverlängerer
Jede Form, feuchtNeinNeinKaum–

Eine Orientierung aus der Praxis, keine Messung: Das Ergebnis schwankt mit dem Pilz, der Trockenheit und der Qualität der Funken.

Und im Vergleich zu anderen Funkenfängern? Char Cloth lässt sich leichter entzünden als unverkohlter Zunder und ist in Minuten hergestellt, aber ein kleines Stück ist nach etwa einer Minute verglimmt, und in einer feuchten Tasche zerfällt es. Zunder ist robuster, glimmt viel länger, und ein ersticktes Stück lässt sich wieder anzünden. Wer mit Feuerstein und Schlageisen arbeitet und sichergehen will, nimmt beides mit: ein paar Stücke Char Cloth, um den Funken zu fangen, und Pilz, um die Glut am Leben zu halten.

Zunder aus Zunderschwamm oder Char Cloth?

Zunder (Pilz)

  • Nimmt Schlageisenfunken an, wenn gut gemacht und trocken
  • Glimmt lange; lässt sich ersticken und neu entzünden
  • Zäher Filz, übersteht die Hosentasche
  • Herstellung dauert einen Nachmittag plus Trocknen
  • Braucht einen Pilz, den du sammeln darfst
vs

Char Cloth

  • Nimmt den schwächsten Funken sofort an
  • Ein kleines Stück glimmt etwa eine Minute
  • Zerbrechlich, zerbröselt unter Druck
  • In Minuten aus alter Baumwolle gemacht
  • Rohmaterial ist immer verfügbar

Mit Zunderschwamm Feuer machen: vom Funken zur Flamme

Der Pilz liefert eine Glut, und eine Glut ist noch kein Feuer. Bevor du den ersten Funken schlägst, steht der Rest: ein Zundernest aus etwa zwei Fäusten feiner, trockener Fasern, bleistiftdünnes Anzündholz, dickeres Brennholz und eine Feuerstelle, die das brennende Nest aufnimmt. Wie das geht, zeigen Feuer machen – die Grundlagen und unsere Übersicht der Feuerarten; der Feuerarten-Finder schlägt eine passende Bauweise für dein Wetter vor.

Funken fangen und zur Flamme blasen

  1. Mit Feuerstein und Schlageisen – Klemm einen Streifen Zunder mit dem Daumen oben auf den Stein, die flauschige Kante 2–3 mm hinter der scharfen Kante, und schlag das Eisen daran vorbei nach unten. Griff und Schlag erklärt unsere Anleitung zu Feuerstein und Schlageisen.1
    Mit Feuerstein und Schlageisen

    Klemm einen Streifen Zunder mit dem Daumen oben auf den Stein, die flauschige Kante 2–3 mm hinter der scharfen Kante, und schlag das Eisen daran vorbei nach unten. Griff und Schlag erklärt unsere Anleitung zu Feuerstein und Schlageisen.

  2. Mit dem Feuerstahl – Leg ein Häufchen geschabten Flaum auf ein Stück Rinde, setz die Spitze des Stahls daneben auf und zieh den Stahl unter dem Schaber zurück. Lenk die Funken ins Häufchen; ein harter Schlag nach vorn fegt es weg.2
    Mit dem Feuerstahl

    Leg ein Häufchen geschabten Flaum auf ein Stück Rinde, setz die Spitze des Stahls daneben auf und zieh den Stahl unter dem Schaber zurück. Lenk die Funken ins Häufchen; ein harter Schlag nach vorn fegt es weg.

  3. Ins Nest legen – Warte, bis die Glut münzgroß ist. Dann leg das glimmende Stück in die Mulde des Nests und falte die Fasern locker darüber. Pilz glimmt langsam, du musst nicht hetzen.3
    Ins Nest legen

    Warte, bis die Glut münzgroß ist. Dann leg das glimmende Stück in die Mulde des Nests und falte die Fasern locker darüber. Pilz glimmt langsam, du musst nicht hetzen.

  4. Zur Flamme blasen – Heb das Nest auf Brusthöhe, den Wind im Rücken, und blas lang und gleichmäßig hinein. Der Rauch wird dichter und gelblich, dann flammt das Nest auf. Leg es sofort unter dein Anzündholz.4
    Zur Flamme blasen

    Heb das Nest auf Brusthöhe, den Wind im Rücken, und blas lang und gleichmäßig hinein. Der Rauch wird dichter und gelblich, dann flammt das Nest auf. Leg es sofort unter dein Anzündholz.

Worauf du achten solltest

  • Der Punkt breitet sich von selbst aus. Ein Funke, der landet und binnen einer Sekunde erlischt, bedeutet feuchtes oder zu dichtes Material. Weiter trocknen, stärker aufrauen.
  • Dünner, blaugrauer Rauch mit leicht süßlich-rauchigem Geruch zeigt, dass der Pilz richtig glimmt.
  • Kontakt zählt. Die Glut muss feine Fasern berühren. Drück das Nest sanft an; eine Glut, die frei in einer Höhle liegt, glimmt minutenlang und entzündet nichts.
  • Das Nest muss feiner sein, als du denkst. Pilzglut ist nicht besonders heiß. Weich geriebenes dürres Gras, zerfaserter Bast oder Faserreste vom Schnurdrehen funktionieren, grobes Laub nicht.

Brennt das Nest, gilt das Übliche: zuerst dünnes, trockenes Anzündholz, etwa Feathersticks, dann dickeres Holz. Wie viel du vorher sammeln solltest, verrät der Brennholz-Rechner.

Glut transportieren und Glut verlängern

Berühmt wurde der Zunderschwamm nicht, weil er sich leicht entzünden ließe. Berühmt wurde er, weil er langsam, gleichmäßig und beharrlich glimmt, ohne aufzuflammen. Das macht ihn doppelt nützlich: als Glutverlängerer und als Mittel, Feuer von einem Ort zum anderen zu bringen.

Als Glutverlängerer

Die Staubglut vom Feuerbohren, ein glimmender Rest Char Cloth oder die letzte Kohle eines sterbenden Feuers sind klein und kurzlebig. Drück ein Stück trockene Trama oder einen Span aus der Röhrenschicht dagegen und blas sanft: Die Glut wandert in den Pilz, und du hast eine robuste Glut, die dir Minuten statt Sekunden verschafft, um ein besseres Nest vorzubereiten. Das funktioniert mit dem rohen, unbehandelten Material – Kochen ist dafür nicht nötig.

Feuer tragen

Ein größeres Stück oder ein ganzer trockener Fruchtkörper, an einer Kante entzündet, glimmt lange weiter. Wie lange, lässt sich seriös nicht in einer Zahl sagen: Es hängt von Größe und Dichte des Stücks ab, davon, wie trocken es ist und wie viel Luft es bekommt. Als sehr grobe Orientierung: Ein daumengroßes Stück glimmt eher Minuten als Sekunden, ein großes, trockenes Stück mit gedrosselter Luftzufuhr kann Stunden durchhalten. Teste dein eigenes Material, bevor du dich darauf verlässt.

Glut von einem Feuer zum nächsten tragen

  1. Eine Kante entzünden – Halte eine Kante eines trockenen Stücks an eine glühende Kohle, bis sie von selbst glimmt. Sie soll mit einem dünnen Rauchfaden schwelen, ohne Flamme. Zünde nicht das ganze Stück an.1
    Eine Kante entzünden

    Halte eine Kante eines trockenen Stücks an eine glühende Kohle, bis sie von selbst glimmt. Sie soll mit einem dünnen Rauchfaden schwelen, ohne Flamme. Zünde nicht das ganze Stück an.

  2. Sichtbar tragen – Leg das Stück in eine kleine Stahldose mit ein paar Luftlöchern und trag die Dose in der Hand oder an einem Drahtbügel. Wenig Luft bremst die Glut. Niemals in Rucksack, Tasche oder sonst außer Sicht.2
    Sichtbar tragen

    Leg das Stück in eine kleine Stahldose mit ein paar Luftlöchern und trag die Dose in der Hand oder an einem Drahtbügel. Wenig Luft bremst die Glut. Niemals in Rucksack, Tasche oder sonst außer Sicht.

  3. Wecken oder löschen – Am neuen Platz bläst du die glimmende Kante an und drückst sie in ein Zundernest. Was danach übrig ist, kommt ins Wasser, bis es durch und durch kalt ist.3
    Wecken oder löschen

    Am neuen Platz bläst du die glimmende Kante an und drückst sie in ein Zundernest. Was danach übrig ist, kommt ins Wasser, bis es durch und durch kalt ist.

Chaga, Holzkohlenpilz & Co.: andere Pilze fürs Feuer

Der Zunderschwamm ist der Klassiker, aber nicht der einzige Pilz, der Glut hält. Zwei weitere lohnen einen Blick – auch sie ausschließlich als Feuermaterial.

Chaga (Tschaga, Schiefer Schillerporling)

Chaga (Inonotus obliquus) ist gar keine Konsole, sondern eine schwarze, rissige, an Holzkohle erinnernde Wucherung, die in kühlen Regionen aus dem Stamm lebender Birken hervorbricht. Innen ist sie rostig orangebraun und korkig. Gründlich getrocknet und fein geschabt oder zerbröselt, kann dieses Innenmaterial einen Funken direkt annehmen; verkohlt ist es deutlich zuverlässiger. Es glimmt ebenfalls lange und ist ein guter Glutverlängerer. Weil Chaga an lebenden Bäumen wächst, verletzt das Abschlagen den Baum, und mancherorts ist er stark übersammelt: Nimm nichts von lebenden Bäumen ohne eindeutige Erlaubnis und halte dich an Stücke von umgestürzten Birken.

Holzkohlenpilz (Kohlen-Kugelpilz)

In Großbritannien und Irland ist Daldinia concentrica der bekannteste Glutträger, dort „cramp balls“ oder „King Alfred's cakes“ genannt: harte, schwarze, rundliche Knollen von wenigen Zentimetern, meist an toter Esche. Aufgebrochen zeigen sie silbergraue und schwarze konzentrische Ringe. Brauchbar sind nur alte, trockene, schwarze, leichte Exemplare; braune oder schwere sind noch frisch. Ein trockener Pilz nimmt an der aufgebrochenen Innenfläche Funken vom Feuerstahl an und glimmt dann langsam Schicht für Schicht durch wie ein Stück Grillkohle, mit stechendem Geruch. Er ist Glutträger und Glutverlängerer, kein Flammenbildner.

Pilze, die zum Feuermachen genutzt werden
PilzVorkommenAufbereitungStärke
Zunderschwamm (Fomes fomentarius)Tote Buchen und BirkenTrama herausschneiden; trocknen und schaben oder zu Zunder verarbeitenHaltbarer Funkenfänger, lange Glut
Chaga (Inonotus obliquus)Birke, kühle RegionenTrocknen, schaben oder zerbröseln; besser verkohltFängt Funken, lange Glut
Holzkohlenpilz (Daldinia concentrica)Tote Esche, vor allem Großbritannien und IrlandAlte, trockene Exemplare aufbrechenTrägt Glut über lange Zeit
Birkenporling (Fomitopsis betulina)Tote BirkenIn Scheiben schneiden und trocknenHält Glut aus dem Feuer; schwacher Funkenfänger

Nur Feuernutzung. Nichts davon ist ein Hinweis zum Essen oder zu Heilzwecken.

Weiches, vermodertes Morschholz gehört in dieselbe Materialfamilie, obwohl es Holz ist und kein Pilz: In der Dose verkohlt, fängt es Funken wie Char Cloth. Beschrieben ist es zusammen mit anderem Naturzunder.

Zunderschwamm und Zunder trocken lagern

Trockener Pilz zieht Feuchtigkeit aus der Luft, und feuchter Pilz fängt keinen Funken. Die Lagerung ist deshalb einfach, aber nicht nebensächlich.

  • Erst ganz durchtrocknen. Trama oder Zunder, die leicht feucht weggepackt werden, schimmeln. Gib ihnen mehrere Tage an einem trockenen, luftigen Ort, bevor sie in einen Behälter kommen.
  • Unterwegs luftdicht. Eine kleine Dose in einem Zipbeutel hält Zunder trocken und schützt ihn vor Druck. Verkohlte Stücke bekommen eine eigene Dose, weil sie schwarz abfärben.
  • Zu Hause atmungsaktiv. Für die lange Lagerung ist eine Papiertüte oder ein Stoffbeutel in einem trockenen Raum besser als dichtes Plastik, aus dem Restfeuchte nicht entweichen kann.
  • Auf Insekten achten. In Fruchtkörpern stecken oft Käferlarven. Beim Verarbeiten verschwinden die meisten; ganze Pilze im Haus zu lagern, kann sie in die Wohnung bringen. Verarbeite einen Pilz lieber bald, statt ihn ins Regal zu legen.
  • Vor dem Einsatz auffrischen. Ein paar Stunden in der Innentasche oder auf einem warmen Stein vertreiben die aufgenommene Feuchte. Rau die Oberfläche vor dem Schlagen noch einmal auf.

Trocken gelagert hält Zunder jahrelang. Ein Streifen von zwei Fingern Breite reicht für viele Feuer, weil du jedes Mal nur ein kleines Stück brauchst und den Rest ersticken kannst. Nimm ihn ins Feuerset deiner Bushcraft-Packliste oder in den Ausrüstungsplaner auf, neben Feuerzeug und Feuerstahl.

Fehlersuche: Wenn der Pilz keinen Funken annimmt

Die meisten Fehlschläge gehen auf Feuchtigkeit, zu dichtes Material oder den falschen Teil des Pilzes zurück. Die Tabelle ordnet die häufigsten Probleme nach dem, was du beobachtest.

Probleme mit Zunderschwamm nach Symptom
Was du siehstWahrscheinliche UrsacheAbhilfe
Funken landen und erlöschen sofortMaterial innen noch feuchtLänger trocknen: Sonne, warmer Stein, Innentasche; erneut testen
Trocken, aber Funken greifen trotzdem nichtOberfläche zu glatt und dichtZu Flaum schaben oder Zunder aufrauen; eine flauschige Kante anbieten
Mit Schlageisen nie, mit Feuerstahl schonUnbehandelte Trama ist nicht empfindlich genugRichtigen Zunder herstellen oder ein paar Stücke verkohlen
Kaum braune Schicht unter der KrustePilz mit dünner Trama oder ein DoppelgängerRöhren nur als Glutverlängerer nutzen; anderen Pilz suchen
Fleisch ist weiß, cremefarben oder durchgehend hartKein ZunderschwammLiegen lassen; mit der Doppelgänger-Tabelle vergleichen
Zunder ist steif wie PappeZu wenig geklopft oder unbearbeitet getrocknetAnfeuchten, erneut klopfen und walken, dann trocknen
Lappen reißt beim KlopfenReste von Kruste oder Röhren, oder zu harte SchlägeScheiben sauber putzen; leicht und von der Mitte nach außen klopfen
Glimmt, aber das Nest flammt nicht aufNest zu grob oder feucht, schlechter KontaktFeinere, trockenere Fasern nehmen und andrücken; länger blasen
Glut erlischt in der TragedoseZu wenig Luft oder Stück zu kleinLuftlöcher ergänzen oder vergrößern; größeres Stück nehmen
Schimmel auf gelagerten StückenFeucht weggepacktEntsorgen; die nächste Charge tagelang trocknen

Keine Glut – die Ursache finden

  1. Ist das Material weicher, brauner Filz von unter der Kruste?

    Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Kruste und Röhren fangen keine Funken. Schneide die Trama heraus.
  2. Ist es durch und durch trocken?

    Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Länger trocknen. Kühl oder ledrig heißt feucht.
  3. Ist die Oberfläche flaumig oder flauschig?

    Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Zu Flaum schaben oder den Filz aufrauen.
  4. Arbeitest du mit Feuerstein und Schlageisen?

    Ja → Rohe Trama reicht selten. Nimm echten Zunder oder verkohlte Stücke und prüfe die Kante deines Feuersteins.Nein → Geh mit dem Feuerstahl näher heran und lenk die Funken ins Häufchen; schabe bei einem neuen Stahl die Schutzschicht ab.

Sicherheit: Messer, Lauge und Glut

Bei der Arbeit mit Zunderschwamm kommen drei Gefahren zusammen. Jede lässt sich gut beherrschen, wenn man sie ernst nimmt.

Messerarbeit an einem harten, runden Gegenstand

  • Leg den Pilz mit der flachen Seite auf einen Klotz oder Stamm. Halte ihn beim Schneiden nie in der hohlen Hand und stütze ihn nicht auf dem Oberschenkel ab.
  • Schneide von der Haltehand und vom Körper weg, in dünnen, flachen Zügen. Wer einen tiefen Schnitt durch die Kruste erzwingt, rutscht ab.
  • Halte rundum Abstand und sitze oder knie stabil. Griffe und das Sicherheitsdreieck erklärt Schnitzen – die Grundlagen.
  • Nimm ein stabiles feststehendes Messer und halte es scharf; Hinweise zur Auswahl stehen unter Bushcraft-Messer. Ist die Kruste zu hart fürs Messer, nimm die Säge. Was beim Führen von Messern gilt, etwa § 42a WaffG, steht unter Messerrecht.
  • Hab Verbandmaterial griffbereit. Unser Beitrag zum Erste-Hilfe-Set zeigt, was bei Schnittwunden zu tun ist.

Heißes Aschewasser

Behandle den Topf mit Aschewasser als das, was er ist: eine heiße, ätzende Flüssigkeit. Handschuhe, Schutzbrille, ein standfester Topf auf standfestem Feuer oder Kocher und keine Kinder in der Nähe. Nimm nicht deinen Kochtopf, und kipp die Flüssigkeit nicht in ein Gewässer.

Glut und Feuerregeln

Glimmender Pilz ist echtes Feuer. Teststücke, Reste und alles, was du getragen hast, müssen vollständig gelöscht werden: in Wasser ertränken und zerdrücken, bis alles handkalt ist. Ein Stück, das nur erloschen aussieht, kann innen weiterglimmen. Wirf nie eines auf den Waldboden.

Im Wald und in seiner Nähe ist offenes Feuer in Deutschland ohne Genehmigung in der Regel verboten, die Abstände und Ausnahmen regeln die Landeswaldgesetze unterschiedlich. Das gilt für Glut, Funkenproben in Zunder und Verkohlungsdosen genauso wie für ein Lagerfeuer. Prüfe den aktuellen Waldbrandgefahrenindex, nutze offizielle Feuerstellen und lies Lagerfeuer-Sicherheit und Leave No Trace, bevor du etwas anzündest. Mit Kindern schneidet ein Erwachsener und kümmert sich um die Glut; passende Aufgaben findest du unter Bushcraft mit Kindern.

Weitere Feuertechniken sind im Themenbereich Feuer gesammelt.

Zunderschwamm auf einen Blick
Zunderschwamm auf einen Blick
PhaseWas tunKontrolle
FindenGrauer Huf an toter Buche oder BirkeSammeln erlaubt; nur einen nehmen
SchneidenKruste ab, braune Trama herausschneidenKlinge läuft von der Hand weg
FeldmethodeGanz trocknen, zu Flaum schabenFeuerstahl-Funken bringen ihn zum Glimmen
ZunderKöcheln, klopfen, ziehen, trocknenWeicher, flauschiger Filz
EinsatzGlut in ein feines, trockenes NestRauch wird dichter, dann Flamme
DanachJede Glut ertränkenHandkalt

Häufige Fehler

  • Funken auf die graue Kruste oder die harte Röhrenschicht schlagen statt auf die Trama.
  • Trama verwenden, die sich außen trocken anfühlt, innen aber noch feucht ist.
  • Erwarten, dass rohe, glatte Trama Schlageisenfunken annimmt – ohne Schaben, Klopfen oder Verkohlen.
  • Zur Haltehand hin schneiden oder den Pilz beim Schneiden in der hohlen Hand halten.
  • Alle Fruchtkörper von einem Stamm nehmen oder Pilze von lebenden Bäumen und in Schutzgebieten abschneiden.
  • Mit heißer Holzaschelauge ohne Handschuhe und Schutzbrille hantieren oder sie im Kochtopf ansetzen.
  • Ein „erloschenes“ Stück einstecken, das innen noch glimmt.

Das brauchst du

  • Stabiles, scharfes feststehendes Messer
  • Klappsäge für festsitzende Pilze
  • Stamm oder Hackklotz als Unterlage
  • Alter Stahltopf, gesiebte Holzasche, Handschuhe und Schutzbrille (für klassischen Zunder)
  • Holzknüppel zum Klopfen
  • Funkenwerkzeug: Feuerstahl oder Feuerstein und Schlageisen
  • Kleine Dose und Zipbeutel zur Aufbewahrung
  • Wasser zum Löschen der Testglut

Häufige Fragen

Kann man mit Zunderschwamm Feuer machen?
Ja, auf einem Umweg. Die weiche braune Trama unter der Kruste nimmt einen Funken oder eine Glut an und glimmt dann lange. Mit Flamme brennt sie nicht, deshalb legst du das glimmende Stück in ein Nest aus feinem, trockenem Naturzunder und bläst es zur Flamme. Geschabte, trockene Trama funktioniert mit dem Feuerstahl; für Feuerstein und Schlageisen brauchst du geklopften Zunder oder verkohlte Stücke.
Wie kann man Zunderschwamm verarbeiten?
Zuerst schneidest du die harte graue Kruste ab, dann die weiche braune Schicht darunter in etwa 5 mm dicken Scheiben heraus. Für die einfache Methode trocknest du die Scheiben vollständig und schabst sie zu Flaum. Für klassischen Zunder werden sie in Wasser, traditionell mit Holzasche, geköchelt, flach geklopft, gezogen, getrocknet und aufgeraut.
Muss man Zunderschwamm kochen?
Nein. Für den Feuerstahl oder zum Verlängern einer vorhandenen Glut genügt trockene, zu Flaum geschabte Trama. Kochen und Klopfen machen das Material weicher, flauschiger und spürbar empfindlicher – das zählt, wenn du mit den schwachen Funken eines Schlageisens arbeitest. Als reiner Glutverlängerer taugen rohe trockene Trama und sogar Stücke der Röhrenschicht.
Fängt Zunderschwamm Funken vom Feuerstahl?
Ja. Ein Feuerstahl wirft heiße Funken, und ein kleines Häufchen trockener, fein geschabter Trama glimmt meist nach einem oder wenigen Zügen. Lenk die Funken ins Häufchen, indem du den Stahl zurückziehst, statt den Schaber nach vorn zu stoßen. Zunder und verkohlter Pilz zünden noch leichter. Feuchtes Material fängt nichts, egal was du tust.
Wie lange glimmt Zunderschwamm?
Im Vergleich zu anderen Funkenfängern lange, eine seriöse feste Zahl gibt es aber nicht. Ein daumengroßes Stück glimmt eher Minuten als Sekunden, ein großes, trockenes Stück mit wenig Luft kann stundenlang schwelen. Größe, Dichte, Trockenheit und Wind verändern das Ergebnis. Teste dein eigenes Material, und behandle jedes glimmende Stück als offenes Feuer, bis es ertränkt ist.
Wo findet man Zunderschwamm?
An geschwächten, toten und umgestürzten Laubbäumen, in Deutschland vor allem an Buche und Birke. Such in älteren Wäldern mit stehendem Totholz und liegenden Stämmen; wo ein Fruchtkörper wächst, sitzen meist mehrere. Sammle nur, wo es erlaubt ist, nimm einen einzelnen alten Pilz von totem Holz und lass die übrigen als Lebensraum am Stamm.
Darf man Zunderschwamm in Deutschland sammeln?
In geringen Mengen für den eigenen Bedarf erlaubt das die Handstraußregelung des Bundesnaturschutzgesetzes grundsätzlich – außerhalb von Schutzgebieten und an Stellen ohne Betretungsverbot. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist Sammeln in der Regel verboten, und Landesrecht sowie Eigentümerrechte kommen hinzu. Erkundige dich vor Ort; mehr unter Wildcampen in Deutschland. Keine Rechtsberatung.
Ist Chaga dasselbe wie Zunderschwamm?
Nein. Chaga (Inonotus obliquus, Schiefer Schillerporling) ist eine schwarze, rissige Wucherung an lebenden Birken mit rostig orangebraunem Inneren, der Zunderschwamm dagegen eine graue, hufförmige Konsole. Beide glimmen gut und werden als Feuermaterial genutzt. Trockener, fein geschabter Chaga kann Funken direkt annehmen, verkohlt klappt es besser. Wir behandeln beide ausschließlich fürs Feuermachen.

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