Feuer

Kienholz finden, erkennen und nutzen: der natürliche Feuerstarter

13 Min. Lesezeit · Aktualisiert

Kienholz (englisch Fatwood) ist harzgetränktes Kiefernholz, das du vor allem in alten Kiefernstubben, an den Ansätzen abgestorbener Äste und in Astknoten findest. Das Harz ist brennbar und wasserabweisend – Kienholz zündet leicht, brennt minutenlang heiß und funktioniert selbst nach tagelangem Regen. Damit ist es der beste natürliche Feuerstarter, den der Wald zu bieten hat.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie Kienholz entsteht, wo du es finden kannst, woran du es an Geruch, Farbe und Gewicht erkennst, was beim Sammeln rechtlich und ökologisch gilt und wie du es zu Spänen, Feathersticks und Schabsel für das Feuermachen verarbeitest. Es gehört zu unseren Feuer-Grundlagen und zum Handwerkszeug von Bushcraft für Anfänger.

Schritt für Schritt

  1. Alter KiefernstubbenÄste inmorschen Stämmen
    1

    Alte Kiefernstubben suchen

    Suche auf Kahlschlägen, Sturmflächen und in alten Kiefernwäldern nach verwitterten Stubben und toten Kiefern mit herausragenden Astknoten.

  2. Riecht nach TerpentinBernsteinfarben,glänzend, klebrig
    2

    Mit kleinem Schnitt testen

    Schabe etwas Holz ab. Kienholz riecht stark nach Terpentin, ist bernstein- bis rotbraun und fühlt sich klebrig an.

  3. Totholz, mitErlaubnisNie lebende Bäume
    3

    Erst Erlaubnis klären

    Nur sammeln, wo es erlaubt ist. Nie lebende Bäume anschneiden, nur kleine Mengen aus Totholz nehmen.

  4. 10–15 cmKleines Stück vonder oberen Kante
    4

    Stücke sägen und spalten

    Ein kleines, harzreiches Stück heraussägen und in fingerdicke Stäbe spalten.

  5. Schabsel fängtden Funken
    5

    Schnitzen, schaben, zünden

    Kurze Locken schnitzen und mit dem Messerrücken feines Mehl schaben. Das Mehl mit dem Feuerstahl entzünden.

Was ist Kienholz?

Kienholz kennt man auch als Kien, Kienspan, Kienstubben oder – aus dem Englischen – Fatwood, Lighter Wood oder Fat Lighter. Gemeint ist immer dasselbe: Kiefernholz, in dem sich das natürliche Harz so stark angereichert hat, dass das Holz regelrecht damit durchtränkt ist. Harz besteht zu einem großen Teil aus Terpenen (daraus wird Terpentinöl gewonnen) und Kolophonium. Beides brennt bereitwillig, und beides weist Wasser ab.

Normales trockenes Kiefernholz zündet ganz ordentlich, brennt aber schnell ab und saugt bei Regen Feuchtigkeit auf. Kienholz verhält sich fast wie eine natürliche Kerze: Ein daumengroßer Span brennt mehrere Minuten mit heller, heißer, rußender Flamme – lange genug, um feuchtes Anzündholz zu trocknen und zu entzünden. Weil das Harz das Holz versiegelt, kann Kienholz jahrelang im nassen Wald liegen und brennt trotzdem, sobald du es anschneidest.

Früher war Kienholz Alltagsgegenstand: Kienspäne dienten in Bauernstuben als Beleuchtung, aus Kienholz wurden Teer und Pech gewonnen. Für Bushcrafter ist es heute vor allem eines – der zuverlässigste Zunder aus der Natur.

So entsteht Kienholz

  1. Lebende KieferKiefern bilden Harz, um Wunden zu verschließen und Insekten und Pilze abzuwehren.
  2. Verletzung oder TodWird der Baum gefällt, bricht ab oder stirbt, sammelt sich Harz im Stubben, in den Wurzeln und an den Astansätzen.
  3. AnreicherungDas Harz setzt sich im Kernholz fest; flüchtige Anteile verdunsten langsam, Kolophonium bleibt.
  4. Jahrzehnte VerwitterungDas Splintholz verrottet, der harzreiche Kern widersteht der Zersetzung.
  5. KienholzEin schwerer, bernsteinfarbener, stark duftender Kern, den du ernten und verbrennen kannst.

Kienholz finden: Wo suchen?

Kienholz findest du fast ausschließlich an Kiefern. In Deutschland ist das vor allem die Waldkiefer, die in Brandenburg, der Lausitz, der Oberpfalz, der Lüneburger Heide und auf vielen Sandböden ganze Wälder bildet. Auch Lärchen können harzreiches Holz bilden, Fichten dagegen haben meist nur Harzgallen und Harztaschen, aber kein echtes Kienholz. Laubbäume wie Buche, Eiche oder Birke bilden nie Kienholz.

Alte Kiefernstubben

Die klassische Quelle ist der Stubben einer Kiefer, die vor Jahren gefällt wurde oder abgebrochen ist. Mit der Zeit verrottet das äußere Splintholz, während der harzreiche Kern und die oberen Wurzelansätze hart bleiben. Suche nach grauen, verwitterten Stubben, die außen schon angegriffen, innen aber noch fest sind. Alte Kahlschläge, Wegränder und Sturmwurfflächen sind gute Ausgangspunkte.

Schnittzeichnung eines Kiefernstubbens mit grauer, morscher Außenschicht und bernsteinfarbenem, harzreichem Kern bis in die Wurzeln
Schnitt durch einen alten Kiefernstubben: Das graue Splintholz außen ist vermodert, Kernholz und obere Wurzeln sind mit Harz durchtränkt – dieser bernsteinfarbene Kern ist das Kienholz.

So sieht ein guter Stubben aus: außen grau und rissig, am Rand oft bemoost oder bröselig, doch in der Mitte steinhart, wenn du mit der Messerspitze hineindrückst. Sinkt die Spitze überall in weiches Holz ein, ist kein Harzkern mehr übrig.

Astknoten und Astansätze

Wo ein Ast in den Stamm übergeht, lagert die Kiefer besonders viel Harz ein, um die Stelle abzudichten. In einer toten, liegenden Kiefer, die schon jahrelang vermodert, ragen diese Astknoten oft wie harte Dornen aus dem mürben Stamm. Du kannst sie herausziehen oder absägen: Sie sind klein, bestehen aber oft aus reinem Kienholz. Das ist die schonendste Quelle, denn der Stamm zerfällt ohnehin.

Morscher liegender Kiefernstamm mit harten, bernsteinfarbenen Astknoten, eine Hand zieht einen heraus
In einer seit Jahren vermodernden Kiefer bleiben die harzgetränkten Astknoten hart und ragen wie Dornen heraus. Oft lassen sie sich von Hand herausziehen oder -wackeln.

Wunden und Wurzelteller

Kiefern mit alten Verletzungen durch Blitz, Sturm oder Rückearbeiten können rund um die Wunde harzgetränktes Holz haben. Auch die Wurzeln umgestürzter Kiefern lohnen einen Blick. An lebenden Bäumen wird aber nie geerntet: Jeder Schnitt schafft eine neue Wunde und schadet dem Baum.

Wo du Kienholz findest
FundortChanceSo erntest duEingriff
Alter, verwitterter Kiefernstubben (Kern, obere Wurzeln)HochKleines Stück von der Oberkante sägenGering bei kleinen Mengen
Astknoten in vermoderten, liegenden KiefernHochVon Hand herausziehen oder absägenSehr gering
Astansätze an stehenden toten KiefernMittelAst stammnah absägenGering
Sturm- oder blitzgeschädigte tote KiefernMittelHarzgetränkte Splitter aus Bruchholz schneidenGering
Wurzelteller umgestürzter KiefernMittelKurze Stücke dicker Wurzeln absägenMittel: stört den Boden
Harzgallen an FichtenGering (Harz, kein Kienholz)Harz abschaben, als Brennhilfe nutzenSchadet lebenden Bäumen – meiden

Kienholz erkennen: Geruch, Farbe und Gewicht

Mit etwas Übung erkennst du Kienholz in Sekunden. Der beste Test ist ein kleiner Schnitt mit dem Messer: Schabe die graue, verwitterte Oberfläche ab und sieh dir das frische Holz darunter an. Mehrere Merkmale zusammen geben Sicherheit.

  • Geruch: ein kräftiger, scharfer Duft nach Terpentin oder Kiefernharz – viel intensiver als normales Kiefernholz. Viele beschreiben ihn als Geruch eines Kiefernwalds an einem heißen Sommertag.
  • Farbe: bernstein-, honig-, orange- bis tief rotbraun. Normales Kiefernholz ist hellgelb bis cremefarben.
  • Lichtdurchlässigkeit: Halte einen dünnen Span gegen das Licht. Gutes Kienholz schimmert leicht durchscheinend.
  • Gewicht: Kienholz ist spürbar schwerer als normales Holz gleicher Größe, weil Harz die Zellen füllt.
  • Oberfläche: Die Schnittfläche glänzt wie feucht und fühlt sich klebrig oder wachsig an; an der Klinge bleibt Harz hängen.
  • Brennprobe: Ein Span zündet schnell mit dem Streichholz und brennt mit heller Flamme und schwarzem Rauch.

Kienholz in vier Schritten erkennen

  1. Frische Fläche schneiden – Die graue, verwitterte Oberfläche mit ein paar Zügen abschaben. Außen sehen Kienholz und normales Holz gleich aus; erst das frische Holz verrät es. Gleich an der Klinge riechen.1
    Frische Fläche schneiden

    Die graue, verwitterte Oberfläche mit ein paar Zügen abschaben. Außen sehen Kienholz und normales Holz gleich aus; erst das frische Holz verrät es. Gleich an der Klinge riechen.

  2. Farbe vergleichen – Kienholz ist bernsteinfarben bis rotbraun und glänzt wie nass. Normale Kiefer ist hellgelb und matt. Rötliches, aber weiches, bröseliges Holz ist Fäulnis, kein Harz.2
    Farbe vergleichen

    Kienholz ist bernsteinfarben bis rotbraun und glänzt wie nass. Normale Kiefer ist hellgelb und matt. Rötliches, aber weiches, bröseliges Holz ist Fäulnis, kein Harz.

  3. Gegen das Licht halten – Einen dünnen Span schnitzen und gegen den Himmel halten. Gutes Kienholz schimmert durchscheinend wie Buntglas, normales Holz bleibt undurchsichtig.3
    Gegen das Licht halten

    Einen dünnen Span schnitzen und gegen den Himmel halten. Gutes Kienholz schimmert durchscheinend wie Buntglas, normales Holz bleibt undurchsichtig.

  4. Brennprobe machen – Einen Span mit dem Streichholz anzünden. Kienholz fängt schnell Feuer und brennt mit heller, rußender Flamme und schwarzem Rauch viel länger, als seine Größe vermuten lässt.4
    Brennprobe machen

    Einen Span mit dem Streichholz anzünden. Kienholz fängt schnell Feuer und brennt mit heller, rußender Flamme und schwarzem Rauch viel länger, als seine Größe vermuten lässt.

Kienholz im Vergleich zu normalem Holz
MerkmalKienholzNormale trockene KieferMorsches Holz
GeruchStark nach TerpentinMild harzigMuffig, erdig
Farbe der SchnittflächeBernstein bis rotbraun, glänzendHellgelb, mattBraun, grau, bröselig
GewichtSchwer für seine GrößeLeichtSehr leicht oder wassergetränkt
Dünner Span gegen LichtDurchscheinendUndurchsichtigZerfällt
Bei RegenBleibt nutzbarSaugt Wasser aufSaugt sich voll wie ein Schwamm
FlammeHell, lang, rußendSchnell, kurzGlimmt oder zündet nicht
Drei Holzstücke im Vergleich: bernsteinfarbenes Kienholz, helle trockene Kiefer und graues, bröseliges morsches Holz
Oben: Kienholz – schwer, bernsteinfarben, riecht nach Terpentin. Mitte: normale trockene Kiefer – leicht, hell, matt. Unten: morsches Holz – bröselig und muffig, als Feuerstarter nutzlos.

Kienholz sammeln: Was ist erlaubt?

Kienholz stammt aus Totholz – doch Totholz ist nicht wertlos. Stubben und vermodernde Stämme sind Lebensraum für Käfer, Pilze, Moose, Vögel und Kleinsäuger und geben Nährstoffe an den Boden zurück. Verantwortungsvoll sammeln heißt: wenig nehmen, die Struktur erhalten und die Regeln beachten.

Zuerst das Recht. In Deutschland darfst du den Wald zwar nach dem Bundeswaldgesetz und den Landeswaldgesetzen zur Erholung betreten, das Holz darin gehört aber dem Waldbesitzer – auch Stubben und liegendes Totholz. Ohne Erlaubnis darfst du es grundsätzlich nicht mitnehmen. Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland; in Naturschutzgebieten, Nationalparks und Kernzonen ist das Entnehmen in aller Regel verboten. Frag beim Forstamt, Revierförster oder Waldbesitzer nach – oft ist ein Stück von einem alten Stubben kein Problem, wenn man freundlich fragt. Das ist keine Rechtsberatung.

Kienholz verantwortungsvoll sammeln

  • Erlaubnis beim Waldbesitzer oder Forstamt einholen
  • Nie lebende Bäume anschneiden oder verletzen
  • Ein faustgroßes Stück nehmen, nicht den ganzen Stubben
  • Bevorzugt Astknoten aus bereits vermodernden Stämmen
  • Keine Stubben oder Wurzeln aus empfindlichem Boden graben
  • Schutzgebiete, Brutplätze und Biotope meiden
  • Den Platz ordentlich hinterlassen: keine Späne-Haufen, keine freigelegten Wurzeln

Schon ein faustgroßes Stück gutes Kienholz reicht für Dutzende Feuer – mehr braucht man selten. Säge mit der Klappsäge ein Stück von der Oberkante des Stubbens ab, statt mit dem Beil tief hineinzuhacken; der Stubben bleibt weitgehend erhalten und weiterhin Lebensraum.

Kienholz verarbeiten

Kienholz ist dicht und harzig und verhält sich unter der Klinge anders als normales Holz (sichere Messertechnik erklärt Schnitzen – Grundlagen). Es spaltet gut entlang der Faser, lässt sich aber schwer zu langen Locken schnitzen. Verarbeite es deshalb in mehrere Formen, jede mit eigener Aufgabe.

Vom Stubben zum Feuerstarter

  1. Verwitterte Schicht entfernen – Die graue Außenschicht abschaben, bis rundum glänzendes, bernsteinfarbenes Holz erscheint. Verwittertes Holz zündet schlecht und verschwendet Funken.1
    Verwitterte Schicht entfernen

    Die graue Außenschicht abschaben, bis rundum glänzendes, bernsteinfarbenes Holz erscheint. Verwittertes Holz zündet schlecht und verschwendet Funken.

  2. Auf Länge sägen – Auf fester Unterlage Stücke von 10–15 cm sägen, etwa eine Handlänge. Kurze Stücke spalten sauberer und passen in einen kleinen Beutel.2
    Auf Länge sägen

    Auf fester Unterlage Stücke von 10–15 cm sägen, etwa eine Handlänge. Kurze Stücke spalten sauberer und passen in einen kleinen Beutel.

  3. In Stäbe spalten – Mit Messer und Schlagholz (Batoning) oder einem kleinen Beil fingerdicke Stäbe mit scharfen, rechtwinkligen Kanten spalten – an diesen Kanten schabst du später.3
    In Stäbe spalten

    Mit Messer und Schlagholz (Batoning) oder einem kleinen Beil fingerdicke Stäbe mit scharfen, rechtwinkligen Kanten spalten – an diesen Kanten schabst du später.

  4. Kurze Locken schnitzen – Kurze, feste Züge ergeben kurze, steife Kienholz-Locken. Lange Locken wie beim Featherstick gelingen kaum: Das Harz macht das Holz spröde.4
    Kurze Locken schnitzen

    Kurze, feste Züge ergeben kurze, steife Kienholz-Locken. Lange Locken wie beim Featherstick gelingen kaum: Das Harz macht das Holz spröde.

  5. Mehl schaben – Das Messer aufrecht halten und den rechtwinkligen 90°-Rücken über eine Kante ziehen. Schaben statt schneiden ergibt feines, flockiges Pulver, das den Funken fängt.5
    Mehl schaben

    Das Messer aufrecht halten und den rechtwinkligen 90°-Rücken über eine Kante ziehen. Schaben statt schneiden ergibt feines, flockiges Pulver, das den Funken fängt.

  6. Werkzeug reinigen – Harz mit Öl, Alkohol oder Desinfektionsgel von der Klinge wischen, sonst bremst sie beim nächsten Schnitt und sammelt Schmutz.6
    Werkzeug reinigen

    Harz mit Öl, Alkohol oder Desinfektionsgel von der Klinge wischen, sonst bremst sie beim nächsten Schnitt und sammelt Schmutz.

Am besten kombinierst du die Formen: ein daumennagelgroßes Häufchen Kienholzmehl als Funkenfänger, darüber einige Locken, dann dünne Kienspäne und bleistiftdünnes Anzündholz. Ein Funke vom Feuerstahl entzündet das Mehl fast sofort. Für einen sanfteren Start mischst du das Mehl mit anderem natürlichem Zunder wie trockenem Gras oder Birkenrinde.

Kienholz mit dem Feuerstahl entzünden

  1. Mehlhäufchen anlegen – Ein daumennagelgroßes Häufchen Kienholzmehl auf eine trockene Unterlage schaben – ein Stück Rinde, ein Brettchen oder den Deckel deiner Dose.1
    Mehlhäufchen anlegen

    Ein daumennagelgroßes Häufchen Kienholzmehl auf eine trockene Unterlage schaben – ein Stück Rinde, ein Brettchen oder den Deckel deiner Dose.

  2. Ein paar Locken dazu – Einige kurze Locken locker auf und um das Häufchen legen. Sie übernehmen die Flamme vom Mehl und brennen lange genug, um die Späne zu erreichen.2
    Ein paar Locken dazu

    Einige kurze Locken locker auf und um das Häufchen legen. Sie übernehmen die Flamme vom Mehl und brennen lange genug, um die Späne zu erreichen.

  3. Funken ins Mehl – Den Feuerstahl tief halten und die Funken direkt ins Mehl schlagen. Kienholzmehl braucht oft zwei, drei Schläge; mit dem Schaber das Häufchen nicht wegfegen.3
    Funken ins Mehl

    Den Feuerstahl tief halten und die Funken direkt ins Mehl schlagen. Kienholzmehl braucht oft zwei, drei Schläge; mit dem Schaber das Häufchen nicht wegfegen.

  4. Späne, dann Anzündholz – Dünne Kienspäne über die junge Flamme lehnen, dann bleistiftdünnes Anzündholz. Die Späne brennen minutenlang, während das Anzündholz trocknet und Feuer fängt.4
    Späne, dann Anzündholz

    Dünne Kienspäne über die junge Flamme lehnen, dann bleistiftdünnes Anzündholz. Die Späne brennen minutenlang, während das Anzündholz trocknet und Feuer fängt.

Fehlersuche bei Kienholz
ProblemWahrscheinliche UrsacheLösung
Mehl fängt keinen FunkenZu grob oder von verwittertem Holz geschabtFrisches, glänzendes Holz mit dem Rücken schaben; feineres, flockigeres Mehl
Locken brechen sofort abKienholz ist spröde, Züge zu langKurze, feste Züge; kleine Locken akzeptieren oder Mehl nutzen
Messer bremst und klebtHarzbelag auf der KlingeMit Öl oder Alkohol abwischen; Rücken zum Schaben sauber halten
Flamme erlischt nach SekundenZu wenig Kienholz, keine Späne bereitZwei, drei dünne Späne nachlegen, bevor das Mehl verbrannt ist
Stück zündet gar nichtKein Kienholz oder nur die graue OberflächeTiefer schneiden; Geruch, Farbe und Gewicht erneut prüfen

Übung: Übe zu Hause, ein daumennagelgroßes Häufchen Kienholzmehl mit einem einzigen Schlag vom Feuerstahl zu entzünden, dann mit nasser Hand, dann draußen bei Nieselregen. Klappt das zuverlässig, hast du einen Feuerstarter, der funktioniert, wenn fast nichts anderes mehr geht.

Feuer machen mit Kienholz

Die Stärke von Kienholz ist seine Zuverlässigkeit. Es ersetzt keinen guten Feueraufbau und kein ausreichendes Anzündholz, liefert aber eine lange, heiße Flamme, die ein Feuer durch schwierige Bedingungen trägt.

Bei Regen

Bei Nässe ist Kienholz der Feuerstarter schlechthin. Das Harz verhindert, dass Wasser ins Holz eindringt, und das brennende Harz liefert genug Hitze, um feuchtes Anzündholz zu trocknen und zu entzünden. Spalte das Kienholz unter Dach, bereite Mehl und Späne vor und baue auf einer trockenen Plattform. Die komplette Strategie steht im Ratgeber Feuer bei Nässe.

Als Brennhilfe

Brennt dein Zunder zu schnell ab, steckst du zwei, drei dünne Kienspäne direkt in die Flamme. Sie brennen mehrere Minuten weiter und überbrücken den Weg zum dickeren Anzündholz – besonders hilfreich bei grenzwertigem Holz oder Wind.

Als Licht

Bevor Kerzen verbreitet waren, steckte man dünne Kienspäne in Halter und nutzte sie als Licht. Als kurze Fackel am Lagerplatz taugen sie noch heute – aber fern von Brennbarem und niemals im Zelt.

Kienholz oder Birkenrinde?

Kienholz

  • Funktioniert klatschnass (nach dem Anschneiden)
  • Brennt minutenlang mit heißer Flamme
  • Unbegrenzt haltbar
  • Braucht Messer und etwas Arbeit
  • Starker, rußender Rauch
vs

Birkenrinde

  • Fängt aufgeraut einen Funken
  • Brennt schnell und heiß
  • Leicht an umgestürzten Birken zu finden
  • Leicht und schnell vorbereitet
  • Dünne Schichten werden nass

Koche nicht direkt über Kienholzflammen: Der dichte, rußende Rauch schwärzt Töpfe und kann dem Essen einen unangenehmen Geschmack geben. Nutze Kienholz nur zum Anzünden und lass das Feuer dann zu sauberer Glut für das Kochen am Lagerfeuer herunterbrennen.

Kienholz aufbewahren und mitnehmen

Kienholz hält praktisch ewig. Das Harz schützt vor Fäulnis und Insekten, und selbst jahrelang gelagerte Stücke brennen, sobald du eine frische Fläche anschneidest. Bewahre es trocken in einem kleinen Stoffbeutel oder Zipbeutel auf, am besten als Mischung aus Stäben und ein paar fertigen Spänen. 50–100 g wiegen kaum etwas und gehören als Reserve-Feuerstarter in jede Bushcraft-Packliste.

Weil die Oberfläche mit der Zeit oxidiert und nachdunkelt, schabst du vor dem Gebrauch immer eine frische Schicht frei. Lagere Kienholz im Rucksack getrennt von Lebensmitteln, denn der Harzgeruch überträgt sich leicht. Findest du selbst keins, gibt es Kienholz-Anzünder zu kaufen – doch Kienholz selbst zu finden ist eine wertvolle Fähigkeit und kostet nichts.

Kienholz auf einen Blick
Kienholz auf einen Blick
MerkmalKienholz
FundortAlte Kiefernstubben, Astknoten, Astansätze
ErkennungTerpentingeruch, Bernsteinfarbe, schwer
Bei NässeHervorragend: Harz weist Wasser ab
Brenndauer (daumengroßer Span)Mehrere Minuten
HaltbarkeitPraktisch unbegrenzt

Häufige Fehler

  • Lebende Kiefern anschneiden, um an Harz zu kommen: schadet dem Baum und ist in der Regel verboten.
  • Rötliches, morsches Holz mit Kienholz verwechseln. Kienholz ist schwer, hart und riecht nach Terpentin.
  • Ohne Erlaubnis oder in Schutzgebieten sammeln.
  • Ganze Stubben mitnehmen, obwohl ein faustgroßes Stück für Dutzende Feuer reicht.
  • Dicke Kienholzbrocken direkt anzünden wollen, statt Mehl und Locken vorzubereiten.
  • Direkt über rußenden Kienholzflammen kochen.

Das brauchst du

  • Feststehendes Messer mit 90°-Rücken zum Schaben
  • Klappsäge für saubere Schnitte
  • Kleines Beil oder Schlagholz zum Spalten
  • Feuerstahl
  • Kleiner Trockenbeutel zur Aufbewahrung
  • Öl oder Alkoholtuch, um Harz von der Klinge zu entfernen

Häufige Fragen

Was ist Kienholz?
Kienholz ist Kiefernholz, das mit natürlichem Harz durchtränkt ist. Es bildet sich vor allem in alten Kiefernstubben, an Astansätzen und in Astknoten, wo sich Harz sammelt, nachdem der Baum verletzt wurde oder abgestorben ist. Das Harz macht es leicht entflammbar und wasserabweisend – darum gilt Kienholz als bester natürlicher Feuerstarter.
Woran erkenne ich Kienholz?
Schneide eine frische Fläche an. Kienholz riecht stark nach Terpentin, ist bernstein- bis rotbraun und glänzend, fühlt sich klebrig an und ist schwer für seine Größe. Ein dünner Span wirkt gegen das Licht durchscheinend. Es zündet leicht mit dem Streichholz und brennt mit heller Flamme und schwarzem Rauch.
Wo findet man Kienholz in Deutschland?
Überall dort, wo Kiefern wachsen – besonders in den Kiefernwäldern auf Sandböden in Brandenburg, Sachsen, der Lüneburger Heide oder der Oberpfalz. Suche nach alten, verwitterten Kiefernstubben auf Kahlschlägen und Sturmflächen sowie nach Astknoten in vermoderten, liegenden Kiefern. Denk an die Erlaubnis des Waldbesitzers.
Brennt Kienholz auch nass?
Ja. Das Harz weist Wasser ab, deshalb bleibt das Innere eines Stücks selbst nach langem Regen trocken. Schabe die nasse Oberfläche ab, schabe feines Mehl und schnitze Locken – dann fängt es einen Funken vom Feuerstahl oder ein Streichholz. Damit ist Kienholz einer der besten Zunder für Feuer bei Regen.
Darf man Kienholz im Wald sammeln?
Nicht ohne Weiteres. Holz im Wald gehört dem Waldbesitzer, auch Stubben und Totholz. Ohne Erlaubnis ist das Mitnehmen grundsätzlich nicht gestattet, in Schutzgebieten meist ganz verboten. Frag beim Forstamt oder Waldbesitzer nach und nimm nur kleine Mengen aus Totholz. Lebende Bäume sind immer tabu.
Wie lange hält Kienholz?
Praktisch unbegrenzt. Das Harz schützt das Holz vor Fäulnis und Insekten, darum lässt sich Kienholz viele Jahre lagern. Die Oberfläche dunkelt mit der Zeit nach und härtet aus – vor dem Gebrauch einfach frisch anschneiden. Trocken und getrennt von Lebensmitteln aufbewahren.