Shelter

Übernachten unter Felsüberhang: natürlicher Unterschlupf, Gefahren & Regeln

19 Min. Lesezeit 5 Schritte Aktualisiert

Das Übernachten unter einem Felsüberhang kann trocken, ruhig und windgeschützt sein – aber nur, wenn das Felsdach fest ist, kein Wasser durchläuft, die Übernachtung dort erlaubt ist und du dich gegen den kalten Fels isolierst. Natürliche Unterschlupfe wie Überhänge, große Felsblöcke, Wurzelteller umgestürzter Bäume oder dichte Fichten sparen dir Bauzeit, haben aber jeweils eigene Gefahren – von Steinschlag bis Sturzflut. Höhlen sind ein anderes Thema: Dort schläft man nicht.

Dieser Ratgeber zeigt, wie du einen natürlichen Unterschlupf beurteilst, Dach und Boden prüfst, warum Feuer unter Fels keine gute Idee ist, was die Tradition des Boofens in der Sächsischen Schweiz wirklich erlaubt und wie ein Tarp aus einem Überhang ein gutes Notlager macht. Alles Weitere rund ums Draußenschlafen findest du in der Übersicht Shelter & Lager, den Einstieg in unseren Bushcraft-Grundlagen.

Schritt für Schritt

Druckversion
  1. Regeln und Unterschlupf klären – Prüfe, ob du dort übernachten darfst, und wähle einen festen Überhang, Felsblock oder dichten Fichtenbestand. Nie in einer Höhle schlafen.
    1

    Regeln und Unterschlupf klären

    Prüfe, ob du dort übernachten darfst, und wähle einen festen Überhang, Felsblock oder dichten Fichtenbestand. Nie in einer Höhle schlafen.

  2. Felsdach und Boden prüfen – Achte auf Risse, lose Blöcke und frischen, hellen Steinschlag am Boden. Wirkt etwas zweifelhaft, zieh weiter.
    2

    Felsdach und Boden prüfen

    Achte auf Risse, lose Blöcke und frischen, hellen Steinschlag am Boden. Wirkt etwas zweifelhaft, zieh weiter.

  3. Wasser und Wetter checken – Schlaf innerhalb der Tropfkante auf trockenem Boden, abseits von Rinnen und Abflüssen. Vor Blitz schützt ein Überhang nicht.
    3

    Wasser und Wetter checken

    Schlaf innerhalb der Tropfkante auf trockenem Boden, abseits von Rinnen und Abflüssen. Vor Blitz schützt ein Überhang nicht.

  4. Gegen kalten Fels isolieren – Leg Isomatte plus Laub oder Rucksack zwischen dich und den Boden. Fels zieht die ganze Nacht Wärme ab.
    4

    Gegen kalten Fels isolieren

    Leg Isomatte plus Laub oder Rucksack zwischen dich und den Boden. Fels zieht die ganze Nacht Wärme ab.

  5. Tarp davor, keine Spuren – Spann ein Tarp vorn gegen Wind und Regen, mach kein Feuer und hinterlass den Platz genau so, wie du ihn vorgefunden hast.
    5

    Tarp davor, keine Spuren

    Spann ein Tarp vorn gegen Wind und Regen, mach kein Feuer und hinterlass den Platz genau so, wie du ihn vorgefunden hast.

Welche natürlichen Unterschlupfe gibt es?

Ein natürlicher Unterschlupf ist alles, was die Landschaft schon mitbringt und Regen, Wind oder beides abhält: ein Felsdach, die Leeseite eines Felsblocks, der aufgestellte Wurzelteller eines umgestürzten Baums oder die dichten unteren Äste von Nadelbäumen. Das geht schneller als eine Laubhütte und belastet die Natur weniger, als Material zu schneiden. Der Haken: Du kontrollierst die Konstruktion nicht – die Natur hat sie gebaut, und sie arbeitet oft noch daran.

Beurteile jeden natürlichen Unterschlupf mit denselben Fragen wie jeden Lagerplatz: Was kann auf mich fallen, wohin läuft das Wasser, wie kalt ist der Boden – und darf ich überhaupt hier sein?

Vier Felder mit Felsüberhang, großem Felsblock, aufgestelltem Wurzelteller mit liegendem Stamm und einer Gruppe Fichten
Die vier häufigsten natürlichen Unterschlupfe: Felsüberhang, unterspülter Felsblock, Wurzelteller eines umgestürzten Baums und dichter Nadelbaumbestand.
Natürliche Unterschlupfe im Vergleich
ArtSchützt vorHauptgefahrenAm besten für
FelsüberhangRegen von oben, oft WindSteinschlag, Abfluss, kalter Fels, BlitzAusgewiesene Plätze; Notdach mit Tarp davor
Unterspülter FelsblockWind von einer Seite, etwas RegenSteinschlag, instabile Blöcke am HangWindschutz für Pause oder Notnacht
WurzeltellerWind von einer SeiteTeller kann zurückkippen, nasse Grube, InsektenNur Windschutz; nie in der Wurzelgrube schlafen
Dichte FichtenLeichten Regen, Wind, etwas KälteTotäste, Nachtropfen, Brandgefahr in der NadelstreuTarp- oder Biwaklager unter gesunden Bäumen
HöhleRegen und WindFledermäuse stören, Verirren, Kälte, Hochwasser, CO bei FeuerNicht zum Übernachten

Felsüberhänge und Felsblöcke

Überhänge entstehen, wo weicheres Gestein unter einer härteren Schicht zurückwittert – typisch für Sandstein, Kalk und Konglomerat, etwa im Elbsandsteingebirge, in der Fränkischen Schweiz oder im Pfälzerwald. Derselbe Vorgang, der das Dach geformt hat, läuft weiter: Frost, Wasser und Wurzeln lockern Körner und Blöcke. Ein großer, unterspülter Felsblock im Wald bietet ein ähnliches, kleineres Lee. Am Hang prüfst du, ob der Block selbst stabil liegt und nicht nur auf ein paar kleinen Steinen ruht.

Wurzelteller umgestürzter Bäume

Wirft ein Sturm eine Fichte oder Buche um, stellt sich ihr flaches Wurzelwerk wie eine Erdwand auf, davor bleibt eine Grube. Der Teller gibt einen guten Windschutz. Gehalten wird er aber nur vom Gewicht des Stamms: Wird der Stamm abgesägt, verrottet er oder verschiebt er sich, kann der Teller in die Grube zurückkippen. Schlaf nie in der Grube oder unter dem Teller – lager auf der Stammseite auf ebenem Boden und nutze den Teller nur als Wand gegen den Wind.

Dichte Nadelbäume

Unter einer dichten Fichte oder Tanne bleibt der Boden bei einem kurzen Schauer oft trocken, und die Äste brechen den Wind. Schau zuerst nach oben: Totäste und schräg stehende tote Bäume (der berüchtigte „Witwenmacher“) sind gefährlich, und haben sich die Nadeln vollgesogen, tropft es noch lange nach dem Regen. Ein kleines Tarp unter den Bäumen bleibt das bessere Dach – siehe Tarp aufbauen.

Ist Übernachten unter einem Felsüberhang sicher? Steinschlag prüfen

Steinschlag ist das Hauptrisiko beim Übernachten unter einem Felsüberhang, und ganz ausschließen lässt er sich nie. Meist lösen ihn Wasser, Frost und Tauwetter, Wurzeln und Sturm aus – also genau das Wetter, bei dem du ein Dach willst. Viele Überhänge stehen seit Jahrhunderten, andere verlieren jeden Winter Blöcke. Deine Aufgabe: die Zeichen eines aktiven Felsdachs erkennen und dann weiterziehen.

Der Vier-Minuten-Dachcheck

  1. Zuerst den Boden lesen – Frischer Steinschlag ist hell, scharfkantig und liegt auf Laub oder Moos. Alte, gerundete, bemooste Blöcke sind weniger alarmierend; frische Bruchstücke unter dem Dach heißen: Das Dach arbeitet.1
    Zuerst den Boden lesen

    Frischer Steinschlag ist hell, scharfkantig und liegt auf Laub oder Moos. Alte, gerundete, bemooste Blöcke sind weniger alarmierend; frische Bruchstücke unter dem Dach heißen: Das Dach arbeitet.

  2. Das Dach mit der Lampe absuchen – Achte auf offene Risse, Blöcke mit dunkler Fuge, abblätternde Platten und Wurzeln in Spalten. Nur schauen – nie hebeln, klopfen oder an losem Fels ziehen, um ihn zu „testen“.2
    Das Dach mit der Lampe absuchen

    Achte auf offene Risse, Blöcke mit dunkler Fuge, abblätternde Platten und Wurzeln in Spalten. Nur schauen – nie hebeln, klopfen oder an losem Fels ziehen, um ihn zu „testen“.

  3. Über die Kante schauen – Tritt zurück und prüf, was über dem Überhang liegt: lose Blöcke, Bäume an der Kante, ein steiler Hang oder eine Kletterroute. Steine von oben landen vor und unter der Kante.3
    Über die Kante schauen

    Tritt zurück und prüf, was über dem Überhang liegt: lose Blöcke, Bäume an der Kante, ein steiler Hang oder eine Kletterroute. Steine von oben landen vor und unter der Kante.

  4. Im Zweifel weiterziehen – Siehst du frischen Steinschlag, offene Risse oder lose Blöcke, schlaf dort nicht. Ein Tarp im offenen Wald ist sicherer als ein Dach, bei dem du unsicher bist.4
    Im Zweifel weiterziehen

    Siehst du frischen Steinschlag, offene Risse oder lose Blöcke, schlaf dort nicht. Ein Tarp im offenen Wald ist sicherer als ein Dach, bei dem du unsicher bist.

Wo du unter dem Dach liegst

Auch unter einem festen Überhang zählt die Position. Steine, die von oben über die Wand kommen, schlagen vor der Kante und knapp dahinter auf, und Regen tropft von der Kante. Leg dich deutlich innerhalb der Tropfkante hin, aber nicht direkt an die Rückwand, wo oft Wasser austritt und sich kalte Luft sammelt. Kopf nach hinten: Ein von vorn hereinspringender Stein träfe dann zuerst die Füße.

Seitenansicht eines Felsüberhangs mit roter Zone unter der Kante für Tropfen und Steinschlag und grüner Schlafzone in der Mitte
Zonen unter einem Überhang: Unter der Kante sammeln sich Tropfen und alles, was von oben kommt. Schlaf in der Mitte, innerhalb der Tropfkante und etwas weg von der feuchten Rückwand.

Wasser, Sturzfluten und Gewitter

Ein Felsdach hält Regen von oben ab, aber Wasser kommt auch von der Seite und von unten. Regen läuft über die Wand und tropft von der Kante, sickert aus der Rückwand und fließt über den Boden. In Tälern liegen Überhänge oft am Rand einer Rinne oder eines trockenen Bachbetts – eines natürlichen Kanals, der sich nach einem Wolkenbruch weiter oben in Minuten füllen kann.

Drei Wasserchecks

  1. Die Tropfkante finden – Die Linie, auf der das Wasser von der Kante fällt, erkennst du meist an einem feuchteren Streifen, einer Reihe kleiner Tropfkrater oder einer Lücke im trockenen Staub. Schlaf klar innerhalb davon.1
    Die Tropfkante finden

    Die Linie, auf der das Wasser von der Kante fällt, erkennst du meist an einem feuchteren Streifen, einer Reihe kleiner Tropfkrater oder einer Lücke im trockenen Staub. Schlaf klar innerhalb davon.

  2. Rückwand und Boden lesen – Dunkle Streifen, grüne Algen und Moos an der Rückwand zeigen, wo Wasser austritt. Feines Sediment, ausgespülte Rinnen und Laubwehen am Boden zeigen, wo es fließt.2
    Rückwand und Boden lesen

    Dunkle Streifen, grüne Algen und Moos an der Rückwand zeigen, wo Wasser austritt. Feines Sediment, ausgespülte Rinnen und Laubwehen am Boden zeigen, wo es fließt.

  3. Keine Rinne, kein Gewitterschutz – Schlaf nie in einer Rinne, einem trockenen Bachbett oder einer engen Schlucht und verlass dich bei Gewitter nie auf einen Überhang. Der Strom kann über die Öffnung von Felsdächern und flachen Höhlen springen.3
    Keine Rinne, kein Gewitterschutz

    Schlaf nie in einer Rinne, einem trockenen Bachbett oder einer engen Schlucht und verlass dich bei Gewitter nie auf einen Überhang. Der Strom kann über die Öffnung von Felsdächern und flachen Höhlen springen.

Gewitter: Ein Felsdach schützt nicht

Zieht ein Gewitter auf, ist es verlockend, unter ein Felsdach zu kriechen. Doch Überhänge und flache Höhlen sind kein Blitzschutz: Ein Einschlag in die Wand kann über die Öffnung überspringen oder durch Boden und nassen Fels laufen – und du liegst im Weg. Ist Gewitter angesagt, plane ein Gebäude oder ein geschlossenes Auto ein oder befolge die Schritte zur Risikominderung in unserem Ratgeber Verhalten bei Gewitter. Prüfe Wetterzeichen und Vorhersage, bevor du einen Felsüberhang für die Nacht wählst.

Sturzfluten sind die zweite Wettergefahr. Ein Gewitter, das du nicht einmal siehst, kann eine Flutwelle durch ein trockenes Bachbett schicken. Schlaf mindestens einige Meter über dem höchsten Treibgut, das du findest – Äste zwischen Felsen, Sandlinien oder getrockneter Schlamm – und nie an der tiefsten Stelle eines Tals.

Diesen Überhang heute Nacht nutzen?

  1. Ist die Übernachtung hier erlaubt (ausgewiesener Platz, Erlaubnis des Eigentümers oder echter Notfall)?

    Ja → Weiter zur nächsten Frage.Nein → Weiterziehen – legale Möglichkeiten unter Wildcampen in Deutschland.
  2. Gibt es frischen Steinschlag, einen offenen Riss oder einen losen Block?

    Ja → Hier nicht schlafen; Tarp in sichererem Gelände aufbauen.Nein → Weiter zur nächsten Frage.
  3. Liegt er in einer Rinne, einem trockenen Bachbett oder unter einem Abfluss?

    Ja → Hier nicht schlafen; auf höheres, offenes Gelände ausweichen.Nein → Weiter zur nächsten Frage.
  4. Sind Gewitter oder Starkregen angesagt?

    Ja → Hütte, Gebäude oder sichereres Lager wählen; ein Überhang ist kein Schutz.Nein → Nutzen – innerhalb der Tropfkante, isoliert und ohne Feuer.

Kalter Fels: Warum Überhänge kälter sind als gedacht

Viele erwarten unter einem Felsdach eine gemütliche Nacht und wachen durchgefroren auf. Fels und steiniger Boden leiten Körperwärme viel schneller ab als Luft, und eine große Felsmasse bleibt auch nach einem warmen Tag kühl. Dazu fließt kalte Luft hangabwärts und sammelt sich in Mulden und am Wandfuß. Ohne Isolation unter dir zieht ein Felsboden die ganze Nacht Wärme ab – selbst im Sommer.

Die Lösung ist dieselbe wie auf jedem Boden: Die Isolation unter dir zählt mehr als das Dach über dir. Nimm eine Schaumstoff- oder isolierte Luftmatte und leg trockenes Laub, Gras oder deinen leeren Rucksack darunter. Wie dick ein natürliches Lager sein muss, erklärt unser Ratgeber Schlaflager bauen; als Faustregel machen 20–30 cm verdichtetes Laub unter dem Körper einen echten Unterschied. Der Schlafsack-Rechner hilft, Matte und Schlafsack auf die erwartete Tiefsttemperatur abzustimmen, und unser Ratgeber Schlafsack & Isomatte erklärt den R-Wert.

Schlafsystem unter Fels (oben = über dir)

  1. FelsdachHält Regen von oben ab – vorher prüfen.
  2. Schlafsack und trockene KleidungTrockene Unterwäsche, Mütze; verschwitzte Sachen nicht in den Schlafsack.
  3. IsomatteDie wichtigste Schicht auf kaltem Fels.
  4. Laub, Gras oder leerer RucksackZusätzliche Isolation und Polster, locker gesammelt und morgens wieder verteilt.
  5. BodenplaneHält feuchten Sand und Staub von der Ausrüstung fern.
  6. Kalter Fels oder steiniger BodenZieht die ganze Nacht Wärme ab.

In einer Höhle übernachten – erlaubt und sicher?

Kurz: nein. In einer Höhle zu übernachten ist keine gute Idee und vielerorts verboten. Flache Felsdächer, in die Tageslicht fällt, sind das eine; echte Höhlen, die ins Dunkle führen, etwas ganz anderes. Sie verbinden natürliche Gefahren mit strengem Naturschutz.

Dunkler Höhleneingang mit drei Fledermäusen an der Decke und einem Wanderer mit rotem Verbotszeichen
Höhlen sind Winterquartiere für Fledermäuse. Wer sie während des Winterschlafs betritt, weckt die Tiere – das kann sie die Fettreserven kosten, die sie zum Überleben brauchen.

Fledermäuse im Winterschlaf

Viele Fledermausarten überwintern in Höhlen, Stollen und Felsspalten, wo es kühl, aber frostfrei bleibt. Im Winterschlaf sinkt ihre Körpertemperatur, sie leben von ihren Fettreserven. Jede Störung – Licht, Stimmen, Wärme, Rauch – kann sie wecken, und jedes Aufwachen verbraucht Reserven, die sie bis zum Frühjahr nicht ersetzen können. In Europa sind alle Fledermausarten streng geschützt; in Deutschland verbietet das Bundesnaturschutzgesetz, sie während der Überwinterung erheblich zu stören. Viele Höhlen sind deshalb im Winter gesperrt oder vergittert, häufig etwa von Oktober bis April. Respektiere Schilder und Gitter – und nutze Höhlen zu keiner Jahreszeit als Schlafplatz.

Luft, Feuer und Kohlenmonoxid

In Höhlen zirkuliert die Luft nicht immer gut. Feuer, Kocher oder Kerze erzeugen Kohlenmonoxid, ein geruchloses Gas, das sich in engen Räumen gefährlich anreichern kann; in manchen Höhlen sammelt sich außerdem Kohlendioxid in Senken. Rauch bleibt unter der Decke hängen. Verbrenn in einer Höhle niemals etwas.

Verirren, Kälte und Hochwasser

Höhlen sind dunkel, verzweigen sich unerwartet und bleiben das ganze Jahr kühl. Ohne Ausrüstung, Ausbildung und jemanden, der das System kennt, verliert man leicht die Orientierung, verletzt sich oder bleibt stecken – und unter Tage hat das Handy keinen Empfang. Manche Höhlen laufen bei Starkregen schnell voll. Höhlenforschung ist ein Sport mit eigenen Vereinen, eigener Ausrüstung und eigenen Regeln; eine Bushcraft-Nacht ist nicht der Moment, ihn auszuprobieren.

Feuer unter dem Felsüberhang: Warum du es lassen solltest

Ein Lagerfeuer unter einem Felsdach sieht auf Fotos romantisch aus. Tatsächlich gehört es zu den schädlichsten Dingen, die du an einem natürlichen Unterschlupf tun kannst – und ist oft verboten. Lass das Feuer weg.

Zwei Überhänge nebeneinander: eine Person mit Thermoskanne als richtig markiert und ein Feuer mit Ruß am Dach, Rauch und platzenden Steinen als falsch markiert
Links: Warme Kleidung, Isomatte und Thermoskanne halten warm, ganz ohne Feuer. Rechts: Feuer unter Fels schwärzt das Dach, staut Rauch und kann erhitzte Steine platzen lassen.
Was ein Feuer unter Fels anrichtet
FolgeWarum das zählt
Ruß am FelsdachSchwarze Flecken bleiben Jahrzehnte, zerstören Flechten und können Felsbilder und archäologische Spuren überdecken
Hitzeschäden am FelsHitze lässt Sandstein und anderes Gestein abplatzen und bröckeln; das Dach kann sich mit der Zeit lockern
Platzende SteineFeuchtigkeit in porösem Gestein und Bachsteinen kann zu Dampf werden und die Steine heftig reißen oder abplatzen lassen
Rauch und CORauch sammelt sich unter dem Dach; in tiefen, engen Unterschlupfen kann sich Kohlenmonoxid anreichern
BrandausbreitungTrockenes Laub, Nadeln und Wurzeln im und über dem Unterschlupf fangen leicht Feuer; Glut kann in Spalten weiterschwelen
Rechtliche FolgenIn den meisten Schutzgebieten und an ausgewiesenen Übernachtungsplätzen gilt Feuerverbot – auch an den Boofen der Sächsischen Schweiz

Brauchst du heißes Wasser, nimm einen kleinen Kocher vor dem Überhang im Freien, auf nacktem Boden und nur, wo Kocher erlaubt sind – siehe Outdoor-Kocher und die allgemeinen Regeln zur Feuersicherheit. Noch besser: Tee in der Thermoskanne von zu Hause mitbringen. Warm hält dich nachts dein Schlafsystem samt trockener Kleidung, nicht ein Feuer, das du bewachen musst.

Boofen in der Sächsischen Schweiz: Was ist erlaubt?

Im Elbsandsteingebirge südöstlich von Dresden hat das Übernachten unter Felsüberhängen eine lange Tradition. Kletterer nennen es Boofen, die genutzten Überhänge heißen Boofen (Einzahl: die Boofe). Die Tradition geht auf Bergsteiger zurück, die nahe ihren Kletterwegen übernachteten.

Heute liegt ein großer Teil des Gebiets im Nationalpark Sächsische Schweiz, und das Freiübernachten unter Fels ist streng geregelt. Allgemein gilt: Boofen ist nur an ausgewiesenen, gekennzeichneten Boofen erlaubt, traditionell im Zusammenhang mit dem Klettersport, und Feuer ist verboten. Teile des Nationalparks sind ganz gesperrt, manche Stellen haben zeitweise Sperrungen zum Schutz brütender Vögel, und die Regeln legt die Nationalparkverwaltung fest und ändert sie auch. Auf tschechischer Seite, in der Böhmischen Schweiz, gelten eigene Regeln.

Wenn du an einer ausgewiesenen Boofe übernachten willst

  • Vor der Tour die aktuellen Regeln der Nationalparkverwaltung und die Liste der zugelassenen Boofen prüfen
  • Nur eine ausgewiesene, gekennzeichnete Boofe nutzen – nicht irgendeinen Überhang, der passend aussieht
  • Kein Feuer, keine Kerzen, kein Grill; Kocher nur, wo erlaubt, oder kalt essen
  • Isomatte, Schlafsack und Stirnlampe mitnehmen – Sandsteinboden ist kalt und staubig
  • Alles wieder mitnehmen, auch Essensreste und Toilettenpapier
  • Ruhig bleiben, besonders in der Dämmerung, und auf markierten Wegen bleiben

Außerhalb solcher ausgewiesenen Plätze gelten für die Nacht unter Fels die allgemeinen Regeln fürs Draußenschlafen – in Deutschland abhängig vom Bundesland und davon, ob du in einem Schutzgebiet bist. Den Rahmen erklärt unser Überblick Wildcampen in Deutschland, den Unterschied zwischen Zelt und Nacht unter freiem Himmel der Ratgeber Biwak & Biwaksack. Im Ausland gelten die jeweiligen Betretungsrechte – die Regeln unterscheiden sich, keine Rechtsberatung.

Natürlicher Unterschlupf im Notfall

Im echten Notfall – verletzt, verirrt, von Dunkelheit oder Wetter überrascht – kann ein natürlicher Unterschlupf die Nacht deutlich erträglicher machen. Campingregeln treten dann hinter die Sicherheit zurück, die Gefahren aber bleiben: Ein rissiges Dach oder eine Rinne ist um zwei Uhr nachts genauso gefährlich wie mittags. Den ganzen Ablauf beschreibt unser Ratgeber Ungeplante Nacht draußen; so passt der natürliche Unterschlupf hinein.

Notfallablauf mit natürlichem Unterschlupf

  1. Früh anhalten Entscheide, solange es hell ist. Prüf den Sonnenuntergang schon bei der Planung mit dem Tageslicht-Rechner und plane mindestens eine Stunde Licht zum Suchen und Prüfen ein.
  2. Wenn nötig Hilfe rufen Ist jemand verletzt oder kommst du nicht sicher heraus, wähle 112. Mit Pfeife und Lampe signalisieren – siehe Notsignale.
  3. Das Sicherste wählen, nicht das Gemütlichste Ein Wurzelteller als Windschutz oder dichte Fichten sind oft sicherer als ein zweifelhafter Überhang.
  4. Weg vom Boden Setz oder leg dich auf Rucksack, Isomatte, Seil, Laub oder Nadelstreu. Isolation unter dir kommt zuerst.
  5. Die Windseite schließen Rettungsdecke, Tarp, Rucksack oder Totholz vorn gegen den Wind aufstellen.

Eine Stirnlampe macht den Dachcheck auch im Dunkeln möglich und gehört in jeden Tagesrucksack. Bist du allein unterwegs, lies unsere Tipps zur Sicherheit beim Alleinsein und hinterlass immer deine Route bei jemandem.

Den natürlichen Unterschlupf mit einem Tarp verbessern

Ein natürlicher Unterschlupf ist selten perfekt. Überhänge sind vorn offen, Felsblöcke schützen nur eine Seite, Fichten tropfen nach. Ein kleines Tarp von etwa 2 × 3 m, eine Bodenplane und ein paar Meter Schnur machen daraus ein bequemes Lager, ohne den Platz zu verändern.

Einen Überhang spurlos aufwerten

  1. Plane, Laub, Isomatte – Lose Steine mit der Hand wegräumen, Bodenplane auslegen und lockeres Laub oder Gras unter die Isomatte. Nicht graben oder einebnen – in vielen Felsdächern ist der Boden eine archäologische Schicht.1
    Plane, Laub, Isomatte

    Lose Steine mit der Hand wegräumen, Bodenplane auslegen und lockeres Laub oder Gras unter die Isomatte. Nicht graben oder einebnen – in vielen Felsdächern ist der Boden eine archäologische Schicht.

  2. Tarp als Vorhang – Spann das Tarp vorn gegen Schlagregen und Wind. Befestige es an Bäumen oder Wurzeln außerhalb des Unterschlupfs oder beschwere die Kanten mit losen Steinen. Nie in den Fels bohren, dübeln oder Heringe schlagen.2
    Tarp als Vorhang

    Spann das Tarp vorn gegen Schlagregen und Wind. Befestige es an Bäumen oder Wurzeln außerhalb des Unterschlupfs oder beschwere die Kanten mit losen Steinen. Nie in den Fels bohren, dübeln oder Heringe schlagen.

  3. Kocher draußen, kein Lagerfeuer – Koch im Freien vor dem Unterschlupf, mindestens 3 m vom Kunstfaser-Tarp entfernt und nur, wo Kocher erlaubt sind. Kein Feuer unter dem Fels.3
    Kocher draußen, kein Lagerfeuer

    Koch im Freien vor dem Unterschlupf, mindestens 3 m vom Kunstfaser-Tarp entfernt und nur, wo Kocher erlaubt sind. Kein Feuer unter dem Fels.

  4. Alles so lassen, wie vorgefunden – Alles abbauen, Laub dorthin zurückstreuen, wo es lag, Steine zurücklegen und nach Kleinstmüll suchen. Der Nächste soll nicht sehen, dass du da warst.4
    Alles so lassen, wie vorgefunden

    Alles abbauen, Laub dorthin zurückstreuen, wo es lag, Steine zurücklegen und nach Kleinstmüll suchen. Der Nächste soll nicht sehen, dass du da warst.

Spann das Tarp so, dass es Wasser vom Unterschlupf weg leitet, nicht hinein. Ein niedriger, schräger Aufbau auf der Wetterseite funktioniert am besten; unser Tarp-Aufbau-Planer schlägt eine Variante für Wind und Regen vor. Zu Material und Größe siehe Tarp kaufen, bei Dauerregen gelten die Tipps aus Camping bei Regen auch unter Fels. Ein Sitzkissen und ein kleines Licht machen den langen Abend unter dem Überhang deutlich angenehmer – siehe Komfort im Lager.

Spurlos am Felsdach: Leave No Trace

Felsdächer sind kleine, empfindliche Orte. Flechten und Moose am Fels wachsen extrem langsam, im trockenen Boden können archäologische Reste liegen, und viele Überhänge sind Lebensraum für Insekten, Vögel und Fledermäuse. Weil so viele Besucher dieselben wenigen Plätze nutzen, summieren sich kleine Spuren schnell. Die Leave-No-Trace-Regeln gelten hier besonders.

Richtig und falsch am Felsdach

Richtig

  • Nur ausgewiesene oder erlaubte Plätze nutzen
  • Auf Isomatte und Bodenplane schlafen
  • Kocher draußen im Freien, wo erlaubt
  • Allen Müll mitnehmen, auch Essensreste
  • Toiletten nutzen oder mindestens 60 m von Wasser und Lager entfernt
  • In der Dämmerung leise sein und Licht dimmen
vs

Falsch

  • Feuer oder Kerzen unter dem Fels
  • Graben, einebnen oder Steinmauern bauen
  • Fels ritzen, beschriften, bemalen oder mit Magnesia markieren
  • Steine, Knochen oder Fundstücke mitnehmen
  • Höhlen oder gesperrte Bereiche betreten
  • Äste schneiden oder Moos als Polster abziehen

Findest du alte Feuerstellen, Müll oder Graffiti, füg nichts hinzu. Melde Schäden nach Möglichkeit dem Eigentümer oder der Schutzgebietsverwaltung. Fuchs, Dachs und Marder nutzen dieselben Unterschlupfe, und im Laub am Eingang sitzen oft Zecken – Essen dicht verpacken, siehe Begegnungen mit Wildtieren, und dich morgens absuchen wie in Zecken- und Mückenschutz beschrieben.

Probleme unter dem Felsdach und Lösungen

Fehlersuche nach Symptom
SymptomWahrscheinliche UrsacheLösung
Die ganze Nacht kalt von untenIsomatte zu dünn, SteinbodenLaub, Seil oder leeren Rucksack unter die Matte; beim nächsten Mal wärmere Isomatte
Schlafsack morgens klammSickerwasser aus der Rückwand, Kondens an kaltem FelsWeg von der Rückwand; Abstand zwischen Schlafsack und Fels lassen
Tropfen auf den FüßenIn der Tropfkante gelegenWeiter nach innen rücken oder Tarp entlang der Kante spannen
Überall Sand und KrümelStaubiger SandsteinbodenBodenplane nutzen; Ausrüstung in Beutel packen
Nachts rieseln kleine SteineAktives Dach, Frost oder Regen lockern KörnerDen Überhang verlassen, sobald es sicher möglich ist, und nicht zurückkehren
Rascheln und Besuch in der NachtMäuse, Marder oder Füchse auf FuttersucheEssen dicht verpacken, weg vom Kopf lagern, Krümel wegräumen

Übung: drei Überhänge lesen

Such dir bei einer Tageswanderung drei Überhänge oder Felsblöcke und nimm dir bei jedem fünf Minuten für Dach- und Wassercheck – ohne dort zu schlafen. Notier frischen Steinschlag, Tropfkanten und Sickerstellen und entscheide, wo du liegen würdest oder warum nicht. Nach ein paar solcher Checks wird die Beurteilung schnell und sicher. Dazu passt Kartenarbeit: Wie du Felsen und Überhänge auf der Karte findest, zeigt Navigation mit Karte und Kompass.

Übernachten unter Felsüberhang auf einen Blick
Übernachten unter Felsüberhang auf einen Blick
CheckDas willst duWeiterziehen, wenn
RegelnAusgewiesener Platz, Erlaubnis oder echter NotfallSchutzgebiet oder Schilder verbieten es
FelsdachFest, ohne Risse und lose BlöckeFrischer Steinschlag, offene Risse, Wurzeln in Spalten
WasserTrockener Boden innerhalb der TropfkanteRinne, Bachbett, Sickerwasser oder Treibgut
WetterStabil, keine GewitterGewitter, Starkregen, Tauwetter nach Frost
IsolationIsomatte plus Laub oder Rucksack unter dirNichts zwischen dir und dem Fels
FeuerKeins – Kocher draußen, wo erlaubtLagerfeuer unter dem Dach geplant

Häufige Fehler

  • Einem Überhang vertrauen, ohne den Boden auf frischen Steinschlag zu prüfen.
  • In der Tropfkante, an einer feuchten Rückwand oder in einer Rinne schlafen.
  • Bei Gewitter unter einem Felsdach oder in einer flachen Höhle Schutz suchen.
  • Direkt auf kaltem Fels liegen, ohne Isomatte oder andere Isolation.
  • Feuer unter dem Dach machen – Ruß, Hitzeschäden, Rauch und platzende Steine.
  • Höhlen betreten, besonders im Winter, wenn Fledermäuse schlafen.
  • In der Grube eines aufgestellten Wurzeltellers schlafen.

Das brauchst du

  • Isomatte (Schaumstoff oder isolierte Luftmatte)
  • Schlafsack passend zur Tiefsttemperatur
  • Stirnlampe mit Ersatzbatterien
  • Kleines Tarp (etwa 2 × 3 m) und 10 m Schnur
  • Bodenplane
  • Thermoskanne mit heißem Getränk
  • Pfeife und geladenes Handy

Häufige Fragen

Ist Übernachten unter einem Felsüberhang sicher?
Einigermaßen sicher kann es sein, wenn das Dach fest ist, kein frischer Steinschlag darunter liegt, kein Wasser durchläuft und das Wetter stabil ist. Ganz ausschließen lässt sich Steinschlag nie, besonders nach Frost, bei Starkregen und Sturm. Schlaf innerhalb der Tropfkante, aber nicht an der Rückwand, isolier dich gegen den Fels und nutze einen Überhang nie als Blitzschutz.
Ist Übernachten in einer Höhle erlaubt?
Meist nicht, und sinnvoll ist es auch nicht. Höhlen sind in Deutschland gesetzlich geschützte Biotope und oft Winterquartiere streng geschützter Fledermäuse, die nicht gestört werden dürfen; viele sind im Winter gesperrt. Dazu kommen Dunkelheit, Kälte, Verirren, Hochwasser und Kohlenmonoxid bei Feuer oder Kocher. Die Regeln unterscheiden sich nach Bundesland – nutze lieber ein Tarp oder einen ausgewiesenen Platz.
Darf ich unter einem Felsüberhang Feuer machen?
Lass es. Ruß verfärbt den Fels für Jahrzehnte und kann archäologische Spuren zerstören, Hitze lässt Gestein abplatzen, feuchte Steine können platzen, und Rauch und Kohlenmonoxid sammeln sich unter dem Dach. An ausgewiesenen Übernachtungsplätzen und in Schutzgebieten gilt meist ohnehin Feuerverbot. Nimm einen Kocher im Freien, wo erlaubt, oder eine Thermoskanne; siehe Feuersicherheit.
Was ist Boofen und wo ist es erlaubt?
Boofen heißt das Übernachten unter Felsüberhängen in der Sächsischen Schweiz, eine alte Tradition der Kletterer. Heute ist es im Nationalpark nur an ausgewiesenen, gekennzeichneten Boofen erlaubt, traditionell im Zusammenhang mit dem Klettersport, und Feuer ist verboten. Die Regeln legt die Nationalparkverwaltung fest und ändert sie auch – prüf sie vor jeder Tour. Mehr in Wildcampen in Deutschland.
Schützt ein Felsüberhang vor Blitz?
Nein. Der Blitzstrom kann über die Öffnung eines Überhangs oder einer flachen Höhle springen und durch nassen Fels und Boden laufen – du liegst im Weg. Echten Schutz bieten nur feste Gebäude oder ein geschlossenes Auto mit Metalldach. Ist Gewitter angesagt, ändere deine Pläne; wirst du überrascht, befolge die Schritte in Verhalten bei Gewitter.
Wie bleibe ich unter einem Felsüberhang warm?
Zuerst von unten isolieren: eine gute Isomatte, darunter Laub, Gras oder der leere Rucksack, denn Fels leitet Wärme schnell ab. Trockene Schichten und Mütze tragen, einen Schlafsack passend zur Tiefsttemperatur nutzen und vorn ein Tarp gegen Wind spannen. Meide die Rückwand, dort sammelt sich kalte, feuchte Luft. Der Schlafsack-Rechner hilft bei der Planung.
Kann ich unter einem Wurzelteller schlafen?
Nutze einen Wurzelteller nur als Windschutz und schlaf nie in der Grube davor oder direkt unter dem Teller. Der Teller wird vom Gewicht des Stamms gehalten; wird der Stamm abgesägt, verrottet oder verschiebt er sich, kann der Teller in die Grube zurückkippen. Lager auf ebenem Boden auf der Stammseite und prüf über dir auf Totäste.

Passende Schritt-für-Schritt-Anleitungen